Während die Freiheitlichen weiter hetzen, Angst schüren und populistische Parolen brüllen, wehren wir uns mit der wohl letzten Waffe, die uns geblieben ist: dem Humor. Jedes Fettnäpfchen von Heinz-Christian Strache wird breitgetreten, belustigt kommentiert, und geteilt. Doch ich habe eine schlechte Nachricht: Wir werden ihn damit – aller Voraussicht nach – nicht stoppen können.

Die FPÖ ist nicht dumm. Sie hat einen Plan, und sie erreicht das damit, dass sie sich die Opferrolle maßschneidern lässt. Mit ihren brutalen Reimen, ihren Hetzparolen sorgen sie für Aufsehen, werden von den unzähligen Medien gescholten und von politischen Gegnern verurteilt. Dabei verstehe man sie ja nur falsch, und in Wahrheit ist ja alles anders. Und wenn nötig, distanziert man sich sogar von einer Aussage, neben der man selbst auf riesigen Plakaten abgedruckt war. Die FPÖ schafft es, dass man sich sowohl über sie empört, als sie auch herzhaft auslacht. Der Spekulaten-Fauxpas ist nur der Letzte in eine Reihe von Unfähigkeiten, die diese Partei zustande gebracht haben.

Doch wir lachen nur. Wir schmunzeln, wir teilen es mit unseren Freunden in sozialen Netzwerken, drücken „Gefällt mir“ und warten auf das nächste Fettnäpfchen. An der Situation ändert ein solches Verhalten aber leider nichts. Spätestens im Herbst 2013 werden Nationalratswahlen stattfinden und so wie es aussieht, könnte die FPÖ im schlimmsten Fall sogar erstmals den ersten Platz einnehmen. Mit Lachen gebieten wir ihr leider keinen Einhalt.

Vielmehr sollten wir uns nach tatkräftiger Unterstützung umsehen: die SPÖ könnte sich Strache zum Beispiel entgegenstellen, wenn sie sich nicht mehr als Steigbügelhalter der immer strikter werdenden Fremdengesetze für die ÖVP anbieten, sondern ein sinnvolles, zukunftsträchtiges und durchdachtes Integrationskonzept vorliegt. Oder auch die ÖVP, wenn sie die Wichtigkeit der EU einmal mehr dadurch hervorhebt, in dem sie mit Fakten argumentiert, warum ein Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt fatal wäre. Gemeinsam könnten die beiden Koalitionspartner z.B. auch ihr Klima verbessern: in dem sie wichtige Themen nicht mehr über die Medien ausdiskutieren lassen. Wenn die Politik, wie man so schön sagt, endlich mal wieder auf die Menschen hört. Oder wenn sie unnötige FP-Parolen entschieden entgegentreten und ihre Politik transparenter gestalten.

Nur so, und mithilfe neuer, frischer wählbarer Alternativen ist es möglich, den ersten Platz für die Freiheitliche Partei Österreichs zu verhindern. Aber wahrscheinlich ist all das nur Wunschdenken. Wahrscheinlich können wir es gar nicht stoppen. Da lachen wir eben lieber. Schmunzeln in uns hinein und wünschen uns, das alles anders kommt. Humor ist zwar eine gute Möglichkeit, über diesen Irrsinn hinwegzusehen, zielführend ist er hingegen leider nicht.

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