Dass in Österreich die Rücktrittskultur in der Politik noch in den Kinderschuhen steckt, ist mittlerweile allgemein bekannt. Roland Frühstück, Klubobmann der Vorarlberger ÖVP, zeigt eindrucksvoll, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird.

Roland Frühstück hat gleich zwei schwere Ämter inne. Er ist nicht nur schwarzer Klubobmann, er betreut auch die momentan etwas glücklosen Handballer aus Bregenz. Nach der Derbyniederlage im HLA-Meister-Play-off gegen Hard brauchte Frühstück einen Schluck Bier. Wer kann es ihm verdenken nach dieser Pleite. Aus einem wurden drei Bier und zwei Achtel Wein. Alles kein Problem. Auch ein Politiker darf sich betrinken.

Nur was ein Politiker genau so nicht darf wie jeder andere: Betrunken Autofahren. Nach einigen hundert Metern wurde er erwischt. Mit 1,0 Promille im Blut. Führerschein weg, Geldstrafe und alles ist vergessen.

So hätten es die schwarzen Granden im Westen Österreichs gerne. Irgendwie gelang die Geschichte knapp zwei Wochen später an die Öffentlichkeit. Während die einen im Landhaus noch rätselten, wer denn der Maulwurf ist, versuchte sich Frühstück mit ersten Rechtfertigungen. Eine Vorarlberger Internetplattform bekam als erstes die verwunderlichen Erklärungen des Klubobmanns zu hören. Er habe sich fahrtüchtig gefühlt. Außerdem sei er nach dem Derby ziemlich traurig gewesen. Und dann zitiert ihn Vorarlberg Online mit folgendem Satz: „Ich habe kein schlechtes Gewissen.“

Wumm! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Und es geht noch weiter. Als Grund für den hohen Promille Gehalt führt er die Einnahme von Antibiotika an. Nun weiß das Volk, dass man sich dann meist betrunkener fühlt, der objektive Promillewert aber gleich bleibt. Aber nicht, dass ein österreichischer Politiker den Wähler für dumm verkaufen will?

In der folgenden Nacht wird Frühstück wohl mit seinem Chef, Landeshauptmann Markus Wallner, telefoniert haben. Denn am nächsten Tag gibt er dem ORF an, nun doch ein schlechtes Gewissen zu haben. Aber: „Ich hatte kein schlechtes Gewissen, als ich das Auto startete“, zitiert ihn der Öffentlich-Rechtliche. Denn: Wenn er ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, wäre er ja nicht gefahren. Im weiteren Verlauf des Gesprächs mit dem ORF-Redakteur erklärt Frühstück, dass ihm das zum ersten Mal passiert sei. Ob er das erste Mal betrunken Auto gefahren ist oder er einfach das erste Mal erwischt wurde, darf sich jeder selber denken. Im Laufe des Artikels erwähnt Frühstück übrigens, dass auch seine Frau mit dem Auto auf dem Handballspiel war und selbst nach Hause gefahren ist.

Als nächste Episode in der Causa Frühstück wartet ein Gespräch mit dem Landeshauptmann. Bisher ist Wallner in seiner jungen Karriere als Vorarlbergs Häuptling den schweren Entscheidungen gekonnt aus dem Weg gegangen. Nun kann er sich nicht mehr davor drücken. Und wer weiß? Vielleicht trifft er sogar eine richtige und fordert seinen Parteifreund zum Rücktritt auf. Das wäre nämlich die einzig richtige Entscheidung. Frühstück selbst hat diesen bereits ausgeschlossen.

Zusatz: Spannend sind die Reaktionen der anderen Parteien. Die Roten sind empört. Auch die Grünen können es nicht fassen und haben die tolle Busverbindung von Hard nach Bregenz erwähnt. Nur den Blauen scheint es egal zu sein, dass jemand betrunken Auto fährt. Dieter Egger will sich in innere Angelegenheiten der ÖVP nicht einmischen.