Frauen sollen zumindest an diesem einen Tag in der modernen Gesellschaft einen offenbar noch nie dagewesenen Status erlangen. Die Gleichheit gegenüber dem anderen, dem männlichen Geschlecht, sollte zumindest für eine kurze Zeit erfolgen, mit dem Ziel, dass dieses Vorhaben in Zukunft Bestand hat. An unterschiedlichen Tagen datiert, aber mit dem einen, immer gleichen Bestreben. Der sogenannte Equal Pay Day hält nun auch am 5. April in Österreich Einzug.

Ein Kommentar von Jan Michael Marchat

Mit Verspätung. Sollte dieser doch bereits im Monat Jänner stattfinden. Letztendlich fand dieser aber keinerlei Erwähnung. Schließlich handelt es sich hierbei um jenen Tag, an welchem Frauen dasselbe Gehalt erreichen würden, welches die Männer bereits mit Ende des Vorjahres erhalten hätten. So kann man bereits vorab von Halbwahrheiten sprechen, bezieht sich der offizielle Webauftritt des Equal Pay Day auf nationler Ebene vehement auf den Donnerstag dieser Woche, den 5. April. In der Gesellschaft zählen offenbar nur gravierende Fakten. Und nicht, dass der Unterschied bei gleicher Arbeit keineswegs, wie die Statistik Austria bilanzierte, 25,5% beträgt, sondern, wie das profil berichtet, handelt es sich hierbei um einen weitaus niedrigeren Prozentsatz, nämlich 12 Prozent.

An dieses Thema muss man sehr vorsichtig herangehen, speziell wenn man diese Zeilen als Mann verfasst. Schließlich schreibt hier das offenbar bevorzugte Geschlecht seine Gedanken zu einem Thema, welches für eben dieses keine Revelevanz hat. Ein Segment, welches die Männer nicht verstehen und nie verstehen werden. Man(n) solle sich einmal in die Welt einer Frau hineinfühlen. Zahlreiche Lektüren wie Oben ohne: Warum es keine Frauen in unseren Chefetagen, zeigen dieses Leben auf, und beschäftigten sich bereits lange vor diesem Kommentar mit dem Thema Gender.Dennoch möchte ich an dieser Stelle einen ganz gravierenden Punkt ansprechen. In der Moderne hat sich einiges verändert. So – zumindest aus meiner Sicht – auch der Stellenwert der Frau in der Gesellschaft. Zahlreiche Unternehmen wie die OMV versuchen mit Publikationen als Hilfestellung für junge Frauen zu agieren. Möchte man dieser Bewegung beiwohnen und das weibliche Geschlecht für eine Zukunft erfreuen, welche in der Vergangenheit eins noch als Männerdomäne galt. Die Zahlen der tatsächlichen Bewerbungen bleiben nachwievor überschaubar, wie da profil berichtet. Und nun bin ich zu dem Punkt gekommen, um eine österreichische Schriftstellerin, Marie von Ebner-Eschenbach, zu zitieren: „Für das Können gibt es nur einen Beweis: das Tun.“

Natürlich, das weibliche Geschlecht verdient weiterhin weitaus weniger, dennoch führen derartige Halbwahrheiten die tatsächliche Veränderungen, welche man ja seit Jahren erreichen möchte, ad absurdum. Ohne sexistisch oder frauenfeindlich zu erscheinen, aber mir kommt es so vor, als wollen eben diese Bewegungen zwar für ihren Stellenwert kämpfen – jenes Bestreben, welches ich auch als gut empfinde – aber zu einem gewissen Grad möchte man die Opferrolle nicht ablegen, sondern beibehalten. Schließlich lässt sich diese, wie falsche Prozensätze, schlichtweg besser vermarkten.
Jan-Michael Marchart