Wenn über neue Parteien in Österreich gesprochen wird, fällt in den letzten Wochen meistens der Name Frank Stronach. Doch, was hat er vor, was sind die Themen, die mit dem Stronach-Institut ausgearbeitet worden sind? Was hat es mit der eigenen Partei auf sich und wie soll sie sich positionieren? Wir waren beim Vortrag „Eine geistige Revolution für Österreich“ von Frank Stronach am 21. märz 2011 in der WU Wien dabei.

In einem 30-minütigen Vortrag mit anschließender gut einstündigen offenen Publikumsdiskussion sprach Frank Stronach über die derzeitige Situation Österreichs. “Ich möchte, das Denken der jungen Leute provozieren. Es soll die ‘geistige Revolution’ sein und keine zerstörende. Und das ist die ganze Idee davon.”

Unser Ziel war es, ein Bild von den Ideen und Vorschlägen zu machen um zu wissen, worüber diskutiert wird.

Rede von Frank Stronach

Frank Stronach macht sich große Sorgen um die Zukunft Österreichs. Österreich ist derzeit durch eine Schein-Demokratie gekennzeichnet in der sich die SPÖ mit der Gewerkschaft und die ÖVP sich mit der Raiffeisenbank zusammen setzten und beide Listen mit ihren Interessen vorbereiten. Dieses, nur auf Machterhaltung ausgerichtete System soll verändert werden. Einen Umstand, den er mit konstruktiver Kritik und Lösungsvorschlägen ändern und zeigen will, “wo der Bartl den Most holt” und will mit den Themen Keine Schulden – Schulden zurück bezahlen, mehr Demokratie, vereinfachtes Steuergesetz und einem zivilisierten Verwaltungsabbau punkten.

Als großes Problem sieht Stronach den derzeitigen hohen Schuldenstand von 220 Mrd. Euro in Österreich. Den Grund dafür sieht er in den Banken und blickt in der Historie zurück, die nie so begeistert waren, in Firmen, sondern in Staatsanleihen zu investieren. Er schlägt vor, keine weiteren Schulden mehr zu machen und dies in der Verfassung zu verankern. Sogar ein kleiner Überschuss ist anszustreben, damit derzeitige Schulden zurückbezahlt werden können.

Eine neue Steuerreform mit einer Flat-Tax-Rate, die für jeden klar, einfach verständlich und schnell zu erklären ist, ist einer der wesentlichsten Punkte von Stronach. “Korruption und alles füttert daran und lebt davon, wenn alles zu kompliziert ist und sich keiner auskennt”.

Durch den Abbau der Verwaltung soll eine Verschlankung des Staats erfolgen: “Wir müssen effizient, effizient, effizient sein.” Durch vorzeitige Ruhestände, faire Abfertigungen oder motivierende Bonusmodelle für den Fall eines Jobwechsels kann bis zu 50 % in der Verwaltung gespart werden, erklärt Stronach und erklärt, dass wir dadurch nicht das soziale Sicherheitsnetz wegreisen und trotzdem noch ein gutes soziales Land sein können.

“Die Regierung sollte bei gewissen Themen wie ein Schöffensenat eine Bürgerliste zusammenstellen, die per Zufallsgenerator ausgewählt wird”, so Stronach, der sich für mehr Bürgerbeteiligung und mehr Demokratie einsetzt. Die Menschen sollen die Regierung direkt und nicht über Listen wählen können.

“Der Grundgedanke der EU, mit freiem Güter- und freiem Warenverkehr ist gut”, so Stronach und wünscht sich statt gleichen europäischen Regeln, Superbürokratie und Supertechnokratie mehr staatliche Eigenverantwortung und Möglichkeiten, in der Staaten von einander lernen und verändern und nennt die Schweiz als gutes Beispiel. Hart geht er mit der EU-Politik zum Thema Griechanland. “Banken haben das Geld ins Land gepushed, weil es Staatsanleihen waren. Reiche haben abkassiert, es nach London oder wo anders hin gebracht und nun sind die Arbeiter dran, die das für die nächsten 50 Jahre und viele Generationen auslöffeln müssen”, so Stronach, der auf eine schnelle Änderung der derzeitigen Finanzwirtschaft zur Realwirtschaft pocht, in der Waren und Güter wieder an Wert gewinnen.

Das Publikum, darunter auch Josef Bucher und Peter Westenthaler (beide BZÖ) sowie Angelika Mlinar (LIF) reagierten durchwegs positiv und mit regem Applaus auf die Themen und Lösungsvorschläge.

Stronach versprach dem Publikum, mit seiner Erfahrung und seinem Geld zu helfen. Er hofft, dass sich aus diesen Überlegungen eine Partei bildet. Er selbst strebe keine politische Funktion an und hoffe, dass sich gute Charaktäre und gestandene Bürger finden, die sich vorwärts bewegen und mitmachen. Bestehende Demokratiebewegungen sollten sich untereinander koordinieren um so ein solides Netzwerk aufzubauen. “Ich brauche keine Auszeichnungen mehr, keine Titel, gar nichts. Aber, ich habe ein Gewissen. Und deshalb versuche ich, für eine bessere Zukunft Österreichs beizutragen”.

Rede: Frank Stronach“Eine geistige Revolution für Österreich”

Rede: Frank Stronach“Eine geistige Revolution für Österreich”
Mittwoch, 21. März 2012, 17 Uhr Wirtschaftsuniversität Wien

Es freut mich, dass ich heute Abend hier sein kann.

Ich kann mich noch erinnern, als ich mit meiner Lehre fertig war. Das war ungefähr 1949/50. Ich war damals mit meiner Lehre bei der Firma ELIN in Weiz in der Steiermark fertig und hatte öfter die Möglichkeit, nach Wien zu kommen. Ich glaube, damals war die Wirtschaftsuniversität noch im 18. Bezirk. Das war ein imposantes Gebäude und ich bin da ehrfurchtsvoll vorbeigegangen und habe gehofft, dort eines Tages studieren zu können.

Aber ich sage immer: Das ganze Leben ist wirklich eine Frage der Umstände des Schicksals. Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist, dann kann sehr viel passieren.

Wie könne wir zu Geld kommen?

Bevor ich eigentlich in die Hauptthemen rein gehe, möchte ich ein paar Tipps geben, die vielleicht für Studenten hilfreich sind. Ich habe früher sehr viel auf Universitäten unterrichtet. Ich habe zu den Studenten immer gesagt: Der Erfolg des Lebens kann nur daran gemessen werden, wie glücklich man ist. Zur gleichen Zeit habe ich aus meiner Erfahrung gesagt, dass es leichter ist, glücklich zu sein, wenn man das Geld hat. Die Studenten haben gefragt: “Wie können wir zu Geld kommen?” Ich habe geantwortet: “Wenn man so um die Anfang 20 ist, dann kennt man sich selbst noch gar nicht so richtig. Da müsst ihr selbst etwas experimentieren und irgendetwas machen, dass ihr gerne macht. Und wenn ihr etwas gerne macht, dann werdet ihr gut darin. Und wenn ihr noch einen besonderen Einsatz darin zeigt, dann könnt ihr der oder die Beste in dem Gebiet sein. Und wenn man einer der Besten ist, ist Geld immer ein Beiprodukt. Und Geld muss man immer als Bei-Paket sehen. Die Einstellung ist sehr wichtig.”

Jobinserat: 5-Millionen-Dollar Jahresgehalt

Ich kann mich an ein Inserat eines Geschäftsmannes erinnern. Darin wurden Manager für ein Jahresgehalt von fünf Millionen Dollar gesucht. Daraufhin haben sich viele vorgestellt. Ein Bewerber fragte: „Stimmt es, dass das Jahresgehalt fünf Millionen Dollar ist?“ Der Geschäftsführer sagt: „Ja, fünf Millionen Dollar. Ich muss ihnen sagen, dass ich ihnen die fünf Millionen zahle. Ich brauche jemanden, der mir alle Sorgen abnimmt. „Gut”, sagte die Person, die sich vorgestellt hat und fragte, “ob er denn bezahlt werde.“ Der Geschäftsmann antwortete: „Das ist deine erste Sorge.“

Bei einem Vorstellungsgespräch ist es wichtig, eine gute Einstellung zu haben und die Sorgen der Vorgesetzten abzunehmen. Dadurch kann man sehr viel Erfahrung sammeln, aufsteigen und gut Geld verdienen. Oder seine eigene Firma gründen.

Kommen wir zurück, warum ich eigentlich hier bin.

Ich schreibe gerade ein Buch und ich hoffe, dass ich es dieses Jahr noch herausgeben kann. Ich habe auch sehr viel Erfahrungen gesammelt und es ist nicht selbstverständlich, dass meine Firma von einer Garage aus aufgebaut wurde. Wir sind Nummer 1 in Bezug auf Autobestandteile, -systeme und produzieren auch ganze Autos. Ich bin darauf stolz, dass wir sind schon seit vielen Jahren für viele eine Weltkonkurrenz sind und, dass wir eine sehr gute Firma haben. Ich glaube, in diesem Vorgang habe ich sehr viel Erfahrung gesammelt. Ich habe vorher schon erwähnt, dass ich in Aufsichtsräten in Universitäten, Banken, New-Yorker-Börse und auch in Spitälern und sozialen Organisationen engagiert bin.

Ich mache mir große Sorgen um Österreich. Um Österreich’s Zukunft.

Warum mache ich mir Sorgen?

Ich glaube, wir alle haben ein Gewissen. Ich versuche mich immer zivilisiert auszudrücken, wenn ich glaube, dass etwas nicht richtig ist. Ich hoffe und glaube, dass ich keine radikalen Ansätze habe, seien es Linke, Rechte oder jene in der Mitte. Ich möchte betonen: In einer zivilisierten Gesellschaft soll niemand der Sündenbock sein.

Die Säulen einer Gesellschaft sind: Regierungen, Firmen, Wirtschaft, Akademiker, Gewerkschaften und die Medien. Ich glaube, wir müssen uns alle verändern und darüber nachdenken.

Wo sehe ich die größten Probleme in Österreich?

Erstens einmal sind es die großen Schulden. Wir haben jetzt schon ein 220 Milliarden Schulden. Wir zahlen ungefähr 10 Milliarden an Zinsen. Das muss man sich erst einmal vorstellen, was man damit machen könnte. Und dann kommt die Frage: Wieso haben wir eigentlich Schulden? Wieso hat ein Staat Schulden?

Man muss verstehen, in der Historie kann man Generationen zurück gehen, dass Banken schon immer einen großen Einfluss auf Regierungen gehabt haben. In vielen Fällen, haben meistens Banken die Regierungen bestimmt. Banken waren nie so begeistert, dass sie in Firmen investieren, da diese Investition ein Risiko darstellt. Staatsanleihen dagegen bieten weniger Risiko. Man muss darüber einmal nachdenken, denn alles hat einen Grund.

Wenn wir korrigieren wollen, dann müssen wir schauen, was die Hintergründe sind. Wenn wir ein Problem haben, sei es persönlich, in der Familie, sei es in der Firma, sei es auf der Universität, sollte man wissen, dass man ein Problem hat. Wenn wir nicht wissen, dass wir ein Problem haben, dann haben wir wirklich ein Problem. Probleme sind wie Krebs. Das muss behandelt werden.

Als Problem sehe ich die großen Schulden. Es ist auch wichtig, dass man die Umstände oder die Probleme aufzeigen kann und auch soll. Aber es ist auch ganz wichtig: Die Welt ist voller Kritiker. Ich sage immer: Die Schildkröte macht nur Fortschritte, wenn sie den Kopf raussteckt. Da kann auch die Schildkröte manchmal den Kopf verlieren, aber wir sind jetzt schon in einer sehr zivilisierten Gesellschaft und da braucht man keine Angst mehr haben.

Wichtig ist, dass wir auch zivilisierte Kritik ausüben, also Lösungen anbieten. Natürlich ist es so, wenn man Lösungen vorschlägt, kann man sehr stark kritisiert werden. Ich werde heute Lösungen vorschlagen und es würde mich freuen, wenn ich darüber befragt werde, damit ich entsprechende Antworten geben kann.

Mein Vorschlag ist:

1. Österreich darf keine Schulden mehr machen.

Wir haben schon so viele Schulden und es ist kaum mehr möglich, sie zurück zu zahlen. Wenn wir noch mehr Schulden machen, dann ist es rechnerisch überhaupt nicht mehr möglich. Daher: keine Schulden machen, sogar einen kleinen Überschuss, damit wir damit anfangen können, die Schulden zurück zu bezahlen, bis wir keine Schulden mehr haben. Das soll in der Verfassung verankert werden, damit es keine Schulden gibt. Das ist das eine Kapitel.

2. Steuerreform

Aber, ich mache mir Sorgen, denn wir sprechen viel zu wenig über Verteilungen und wie wir Kapital verteilen können. Es gibt nichts zu verteilen, wenn wir es nicht vorher schaffen. Das ist eines der wichtigsten Aspekte einer Regierung eines Landes: Was müssen wir tun, damit wir Wirtschaftswachstum haben.

Eine Wirtschaft von drei Kräften getrieben: Kluge Manager, fleißige Arbeiter und Kapital. Das heißt auch, dass diese drei treibende Kräfte auch einen moralischen Anspruch an das Wirtschaftswachstum haben. Daher möchte ich, dass Arbeiter ein moralisches Recht für einen Teil des Profits, den sie für ihre fleißige Arbeit mit erwirtschaftet haben, bekommen. Und das kann man in ein Steuergesetz integrieren.

Eine Steuerreform kann einen gewaltigen Einfluss auf die Wirtschaft eines Landes haben. Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, dann funktioniert gar nichts. Nur wenn die Wirtschaft funktioniert, werden Universitäten gebaut, Kulturhäuser, Sport, Kunst. Also, die Wirtschaft muß funktionieren.

Beim derzeitigen Steuersystem kennt sich keiner aus. Ich würde jeden challengen, ob er sich dabei auskennt. Ich glaube, ich bin einigermaßen intelligent, habe gescheitere Finanzleute in meiner Firma, die davon mehr verstehen als ich. Manchmal sage ich zu meinen Finanzleuten: “Wie würde die Steuer bei gewissen Themen aussehen?” Danach sehen sie sich Unterlagen an und nach zwei Tagen sagen sie, dass das zu kompliziert ist und sie sich dabei nicht auskennen. Aber es gibt Experten in der Stadt dafür.

Dieses Thema wird dann von den Steuerexperten behandelt und nach einer Woche kommt eine große Rechnung und ein Bescheid, der sagt, dass kann so oder so sein. Das kann ja nicht sein!

Korruption und alles füttert daran und lebt davon, wenn alles zu kompliziert ist und wenn sich keiner auskennt. Eine Gesellschaft braucht klare Regeln. Wir brauchen ein Steuergesetz, das einfach zu verstehen ist. Jeder, der die Hauptschule absolviert hat, soll es verstehen und auf einer Postkarte erklären und aufschreiben können und zum Finanzamt schicken.

Wir brauchen ein Steuersystem mit keinen Privilegien und keinen Schlupflöchern. Eine Flat-Tax, also eine einheitliche Steuer, könnte man auch sehr leicht einführen. So wie es allerdings jetzt ist… Ich habe erwähnt, ich brauche von niemandem etwas, ich kann der Bank Geld borgen. Meine Fabriken sind in Österreich, weil ich Österreicher bin. Wir würden ein bisschen mehr verdienen, wenn wir wo anders sein würden. Und ich kann und soll mich auch so ausdrücken, dass mich die Leute verstehen. Das Steuergesetz ist ganz, ganz wichtig, das wir das verändern.

Die Steuerbehörde wird immer etwas finden, weil es eben nicht genau definiert ist. Das kann nicht sein, dass ein Gewerbetreibender oder Geschäftsmann Angst vor der Steuerprüfung hat. Der Staat soll da sein, um zu helfen. Und nicht um mit Angst einzuschüchtern. Wir müssen, wir müssen da durchgreifen. Sonst kommen wir vom Thema Korruption nie weg.

4. Verwaltung

Wir sind überverwaltet. Ich möchte nochmal betonen: In einer zivilisierten Gesellschaft soll niemand der Sündenbock sein. Es ist nicht die Schuld der Staatsangestellten. In einem zivilisierten Land hat jeder Bürger das Recht, eine Arbeit zu finden, die seinen Fähigkeiten und Umständen entspricht. Wir können die Verwaltung zivilisiert reduzieren.

Meine Vorstellung ist: Es gibt viele, die ihr gewisses Alter haben und sagen, wenn ich eine faire Abfertigung finde, würde ich in den Ruhestand gehen. Das nächste würde sein, wenn wir trotzdem noch zu viele Angestellte haben und wir Staatsangestellte entlassen oder in den Ruhestand schicken: Du bekommst jetzt 5 % weniger pro Jahr und wenn du Arbeit findest, bekommt du einen Bonus. Das kann ein Ansporn sein. Und damit können wir sicherlich bis zu 50 % in der Verwaltung sparen.

Weil wir, ob wir es wollen oder nicht, leben in einer globalen Ökonomie. Und Österreich ist dabei ein ganz ein kleiner Spieler. Wir müssen effizient, effizient, effizient sein. Und das kann man auch. Das heißt nicht, dass wir soziale Sicherheitsnetze wegreisen. Wir können trotzdem noch ein gutes soziales Land sein, wo wir Leute helfen können, die aus irgendwelchen Umständen nicht sich selbst helfen können, ob sie behindert oder was auch immer sind. Da sind wir als Menschen verpflichtet, dabei zu helfen. Aber, das Sicherheitsnetz soll nicht so abgefedert sein, dass sich viele gesunde Leute darin ausruhen und sagen, „Warum soll ich arbeiten gehen, bekomme ich vielleicht 5 % mehr oder gehe privat irgendwo noch ein bisschen…“.

Wir müssen schauen, dass wir die Verwaltung reduzieren. Und da gibt es Formulare, Formulare und es geht soviel Energie hinein, wie man etwas verhindern kann. Und es kann nicht sein, wenn man eine Schuhmacherei starten möchte, dass man durch viele Stellen gehen muss. Wenn die Schuhe nicht passen, kauft sie keiner ab. Oder es kauft sie einer ab, der Hühneraugen hat oder bekommt und in Krankenstand gehen kann.

Formulare, Formulare, Formulare.

Als ich mit meiner Firma begonnen habe, gab es noch gar keine Formulare. Ich bin zur Bank gegangen, habe Geld investiert, einige alte Maschinen gekauft. Ich habe gesagt: “Ich glaube, ich bin gut im Probleme-lösen. Wenn ich keine Probleme lösen kann, dann brauchen sie mich nicht zu bezahlen.” Ich habe keine Formulare gebraucht. Natürlich verstehen wir, wenn man Architekt oder im Baugewerbe tätig ist, dass wir sichere Gebäude brauchen. Wir können keine Wolkenkratzer oder Hochhäuser, die zusammenfallen. Dabei müssen wir streng sein. Wir brauchen auch unsere Lebensmittelindustrie. Wenn wir Speisen essen, sollen wir wissen, dass es dabei strenge Kontrollen gibt. Es gibt viele Dinge, die nicht wichtig sind und wo wir eine Bürokratie haben.

5. Demokratie

Jetzt noch zur Demokratie: Zur Zeit haben wir eine Schein-Demokratie. Die SPÖ setzt sich mit der Gewerkschaft zusammen, bereiten eine Liste mit ihren Interessen vor. Dann setzt sich die ÖVP mit der Raiffeisenbank zusammen und machen ebenso eine Liste. Ich bin nicht gegen die Gewerkschaft, ich möchte nur die Umstände, die derzeit in Österreich sind, ändern. Wir alle müssen uns ändern: Die Gewerkschaft und die Firmen. Und das sind die Leute, die uns vertreten. Da haben die Führungen gar nichts zu reden. Das ist eine Vererbung und eine Inzucht. Das kann nicht sein. Und der größte Fehler ist: Wenn man weiß, dass man Fehler macht und sie trotzdem noch weiter macht.

Manchmal frage ich mich, ob sie nur auf Macherhaltung aus sind oder sind sie so dumm. Ich zweifle darüber, vielleicht ist es eine Kombination von beiden. Aber, ich benutze stärkere Worte. Weil, wenn man in Österreich eine Firma hast, dann kann man das nicht sagen, werden die Behörden sagen. Denen werden wir’s zeigen, wo der Bartl den Most holt.

Es ist wichtig, ich glaube, die Nationalrats-Abgeordneten sollen gewählt werden. Ein Land wird in Wahlkreise aufgeteilt und die Abgeordneten müssen aus den Wahlkreisen kommen, wo sie auch leben. Und da sollte Konkurrenz vorhanden sein. Jetzt ist keine Konkurrenz vorhanden. Jetzt gibt es Listen und auf diese Listen kommt man nicht drauf, wenn man nicht die gleiche Formel, das gleiche System weiterverbreitest. Sonst kommst du auf die Liste nie drauf.

Gorbatschov, Magna und die Autoindustrie

Es muss Konkurrenz sein, auch unter der Politik. Ein kurzes Beispiel zur Konkurrenz: Magna war die erste westliche Firma, die eine neue Fabrik in Russland gebaut hat. Gorbatschov hat mich in Moskau eingeladen und mich gefragt, ob ich die Autoindustrie-Anzeigen für ihn anschauen könne. Ich bin ein paar Tage herumgefahren und als ich wieder zurück nach Moskau gekommen bin, fragte er mich, was ich von ihrer Autoindustrie halte. Ich antwortete: „Nicht sehr viel. So wie ihr strukturiert seid, könnt ihr keine Qualitätsautos machen und schon gar nicht genug Autos produzieren, um die Masse zu befriedigen.“ Das war vor 15 oder 20 Jahren. Damals hat man für ein Auto ungefähr 10 Jahre warten müssen und die Farbe hat man bekommen, die eben gerade vorhanden war. Auf alle Fälle hat er gefragt, wieso sie das nicht machen können. „Euer Problem ist“, habe ich geantwortet, „ihr habt keine Konkurrenzstruktur.“ „Weißt Du, wieso euer Land so gut im Sport ist?“, habe ich ihn gefragt. „Weil ihr sehr viel Konkurrenz habt. Wenn ihr nur einen Läufer auf der Rennbahn habt, würde Zeit keine Rolle spielen.“

Also:

  • Keine Schulden. Schulden zurückbezahlen
  • Mehr Demokratie
  • Vereinfachtes Steuergesetz
  • Zivilisierter Verwaltungsabbau

Gesundheits- und Schulreform

Natürlich sind andere Themen wie Gesundheits- oder Schulreform , Umwelt, Sicherheit sehr wichtig. Das kann die Politik aber nicht alleine lösen. Man kann es bei einer Schulreform machen, vielleicht mit 10 netten Leuten ausbalanciert und nicht radikal machen. Und da bekommt man manchmal zehn verschiedene Meinungen.

Bei der Gesundheitspflege gibt es 22 Kassen und 22 Präsidenten, 22 Vizepräsidenten, 22 Direktorien und viele, viele Dienstautos und gewaltige Verwaltungsgebäude. Brauchen wir das? Dabei gibt es Monopolstellungen. Es ist schrecklich, schrecklich. Und die ganzen Kammern. Wie kann die Demokratie ein Zwangsmitglied sein. Wo kommen wir denn da hin? Was ist das für eine Demokratie?

Bürgerliste als Schöffensenat

Die Regierung sollte wie ein Schöffensenat in gewissen Themen eine Bürgerliste, die schon mit einem Zufallsgenerator herausgezogen wird, dass die dann mit dabei sind und das das dann von den Bürgern kommt. Und so sollte die Schulreform sein. So sollte die Gesundheitsreform sein.

Schule: Ernährung und Wirtschaft

Mich wundert es nur, dass nicht schon in der ersten Klasse gelehrt wird, wie wichtig die Ernährung ist. Das ist eines der obersten Dinge. Die Kosten steigen so enorm, warum machen wir das nicht. Wir müssen schon in den ersten Klassen erklären, wie wichtig die Wirtschaft ist. Jetzt wird in den Schulklassen gelernt, dass Profit nicht möglich ist, wenn sie nicht jemanden ausnützen. Es ist wichtig, dass von den jungen Leuten verstanden wird, wie wichtig Wirtschaft ist.

Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen kultiviert ausgedrückt und bin jetzt gerne bereit, Fragen zu beantworten. Danke.

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