Als am 17. September die ersten Menschen den Zuccotti Park in New York zu besetzen begannen, konnte man nicht erahnen, was daraus entstehen würde. Occupy Wall Street war das i-Tüpfelchen auf 2011, dem Jahr der (meist friedlichen) Revolten. – inkl. Gewinnspiel!

Es ist noch gar nicht so lange her, da wusste niemand mit dem Hashtag #ows etwas anzufangen. Doch Occupy Wall Street zeigte sehr rasch, dass auch in den USA der Frust aufgrund andauernder Ungerechtigkeit ein Ventil nach außen braucht. Und wieder einmal brillierte die Polizei mit meist sehr fragwürdigen Aktionen. Eine Besonderheit war auch die Medienarbeit: so entstand z.B. in New York eine Ausgabe des „Occupied Wall Street Journal“. OCCUPY! ist eine Auswahl jener Texte, die sich nicht in erster Linie mit den USA sondern globalen Angelegenheiten beschäftigt, übersetzt und gekürzt.

„We are the 99 percent“ ist daher aus einem anderen Grund ein genialer Slogan, nämlich weil er nicht Einkommen oder Steuern in den Vordergrund rückt, sondern die Frage nach demokratischer Repräsentation und politischer Einflussnahme. – Charles Petersen

Dieses Zitat stammt aus einem Beitrag von Charles Petersen mit dem Titel „Die Politik der Armen. Die 99 Prozent und der Populismus von links“. Bei den Analyse- und Ausblicksbeiträgen konnte man neben unzähligen n+1-Magazinautoren auch noch einen hochkarätigen Autor finden: Joseph E. Stiglitz, der 2001 für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten gemeinsam mit zwei weiteren Personen den Wirtschaftsnobelpreis erhalten hat. In seinem Beitrag „‚E pluribus unum‘ – Von dem einen Prozent durch das eine Prozent für das eine Prozent“ (erschienen im Mai 2011 in „Vanity Fair“) erklärt Stiglitz, dass eine moderne Ökonomie „kollektive Maßnahmen“ brauche: der Staat müsse in die Infrastruktur, in Bildung und in Forschung investieren. Marktstörungen, die zu Ungleichheit führen mindern die Effizienz der Wirtschaft und zudem ist eine wachsende Ungleichheit eine große Gefahr für die Chancengleichheit.

Wie soll es jetzt weitergehen? Die Demonstranten laufen Gefahr, sich in sich selbst und in die schöne gemeinsame Zeit , die sie an den „belagerten“ Orten erleben, zu verlieben. – Slavoj Žižek

Suhrkamp hat mit OCCUPY! ein Büchlein geschaffen, das einen ersten Überblick ermöglichen soll. Teil 1 des Buches, die „Szenen aus dem besetzten New York“ sind teilweise zu langatmig und -weilig, zeigen aber welch banale Diskussionen sich entwickelten. So zum Beispiel der Ärger über die Trommeltruppe, die tagein, tagaus trommelte und den anderen Demonstranten nach Stunden schon auf die Nerven ging. Basisdemokratie at its best. Erst die Beiträge selbst, die Analyse und der Ausblick schaffen es, ein runderes Bild von „Occupy Wall Street“ zu erzeugen: Warum ging man auf die Straße? Was müsse sich ändern? Warum sind die 99% wütend? Natürlich teils polemisch, aber in vielen Belangen wohl einfach nur sehr wahr.

Occupy!Hrsg: Carla Blumenkranz et al
OCCUPY!
Die ersten Wochen in New York – Eine Dokumentation

Taschenbuch
89 Seiten

ISBN 978-3-518-06221-0
€ 6,20

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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