Wer möchte dieses Gefühl missen? Dieses Gefühl der Vollkommenheit. Eine Nation registriert und kommentiert jeden deiner Schritte, jedes Lächeln und jede noch so kleine Aussage. Dein Gesicht blickt dir von nationaler Ebene bis Übersee in zahlreichen Medien – egal ob gedruckt oder virtuell – entgegen. Man ist unantastbar. Zumindest für eine Zeit. Jedoch wächst der Druck mit Fortdauer, wird massiv, nimmt nicht mehr ab, bis man an seinem persönlichen Ideal schließlich zerbricht.

© flickr (Werner Faymann)
© flickr (Werner Faymann)

Ich möchte dieses Gefühl missen. Jenes von Nikolaus Pelinka. Einst wollte er sich der Pressearbeit für das österreichische Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur – unter Claudia Schmied – abwenden und sich generell der Politik und somit der SPÖ widmen. Schließlich sollte sich alles dem Gegenteil zuwenden, eine einmalige Möglichkeit war dafür ausschlaggebend. Enstanden war aber kein Erfolg, viel mehr eine Causa, welche ihn vehement ins Abseits rücken sollte. In diesem Kommentar behandle ich die Geschichte einer jungen Persönlichkeit, die viel wollte, letztendlich aber nichts davon bekam.

Mit der Bestellung des neuen Protagonisten mit blondem Haar in der unendlichen Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders entwickelte sich sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene eine Debatte. Neben der konstanten Kritik an Alexander Wrabetz und dem ORF, sollte auch Nikolaus Pelinka, so schnell wie er gekommen war, auch wieder fortziehen. Es sollte alles wieder werden, wie es einmal war. Oder doch nicht?

„Der ORF zeigt sich als das, was er immer war und weiterhin ist: ein politisch abhängiges Massenmedium… Was ist denn neu daran, dass Personen mit eindeutiger parteipolitischer Bindung in die Führungsetage gehievt werden?“, so Anton Pelinka – Onkel von Nikolaus Pelinka und Politikwissenschaftler von Beruf – in einem persönlichen Kommentar der ZEIT. Von einer Entwicklung oder Veränderung des ORF in den letzten Jahren kann man also nicht sprechen. Das interne Leitbild des Unternehmens – mit einem unfassbaren internen Politikum – blieb bis heute stets das gleiche. Zumindest wird es nach außen hin so dargestellt. Jedoch aber nicht erst seit der Bestellung des umstrittenen Nikolaus Pelinka, welcher Gerüchten zufolge erst durch seine Tätigkeit bei der SPÖ mit dem ORF in Verbindung gebracht wurde.

Heinrich Keller (1977-1979 Generalsekretär des ORF, SPÖ), Kurt Bergmann (1990-1994 Generalsekretär des ORF, ÖVP), Andreas Rudas (von 1986 Pressesprecher ORF wurde später zum Generalsekretär befördert, SPÖ) und Pius Strobl (2007- 2010 Kommunikations- und Marketingchef, SPÖ), um ein paar Namen zu nennen und die offensichtliche Priorität eines Parteipolitikums im Österreichischen Rundfunk wiederzuspiegeln. In den österreichischen Medien spricht man in letzter Zeit daher auch gerne von Verhaberung – etwas gehobener würde man das Wort Nepotismus verwenden.

Zurück zu Nikolaus Pelinka. Die Kritik wuchs. Nun nahm auch sein Vater, Peter Pelinka erstmals Stellung. Objektiv wie er meinte, outete er sich als Vater der umstrittenen Persönlichkeit und empfand die Angst der Mitarbeiter des ORF durchaus als berechtigt. Auch die Redakteure und Redakteurinnen selbst konnten es nicht weiter mitansehen und formierten eine interne Bewegung, welche auch die außenstehende Öffentlichkeit zunehmend mit Verbreitung förderte. Mit eben dieser wollten die Protagonisten des ORF die politische Unabhängigkeit – inwieweit dies überhaupt noch möglich ist – wahren.

Letztendlich aber nahm Nikolaus Pelinka seinen Hut bereits vorzeitig, wie derstandard.at berichtete. Der ansteigenede Druck und die Art und Weise wie man ihn in den letzten Wochen behandelte, haben ihn zu diesem Schritt bewogen. Ende gut, alles gut. So konnte man zumindest den Wind frühzeitig aus den Segeln nehmen. Was aber bestehen bleibt ist der Hang des ORF zum Nepotismus. Die Politik wird weiterhin die heimischen Unternehmen diktieren und Unmögliches möglich machen, nicht nur in den Hallen des österreichischen Rundfunks. Politik ist Meinung und Meinung macht Leute. Bundeskanzler Werner Faymann bestätigt meine Vermutung und lässt uns Außenstehende eines wissen: „Dass Parteien gar nichts mehr zu reden haben, das gibt es in ganz Europa nicht.“

Ein Kommentar von Jan Michael Marchart

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Jan Michael Marchart