Gerd Bacher soll gesagt haben, „Nach der Wahl ist der Erpresste frei“. Das wurde in Richtung Alexander Wrabetz in den letzten Wochen immer wieder zitiert. Als wollte man ihm signalisieren zwar Verständnis dafür zu haben, dass er politische Deals eingehen muss, aber dass er sein Wort doch bitte nicht halten müsse. Hat Wrabetz vielleicht genau das gemacht?


Alexander Wrabetz
Die Art und Weise in der Niko Pelinka und die anderen Geschenke des Generaldirektors an die Politik der Öffentlichkeit präsentiert wurden, wurde oft genug kritisiert. Wie kann einem Profi wie Wrabetz so etwas passieren? Er hat die berühmte „Regenbogenkoalition“ geschmiedet, die gegen den Willen der ÖVP und mit Unterstützung aller anderen Parteien Generaldirektorin Monika Linder abwählte. „Superalex“ war geboren.

Auch wenn in den kommenden Jahren das Verhältnis der ÖVP zum neuen Genraldirektor öffentlich nie besonders gut war, und er immer wieder so heftig beschossen wurde dass seine Wiederwahl sehr unwahrscheinlich schien, so verstummten die Kritiker doch plötzlich vor der anstehenden Wahl. Wrabetz hatte die Koalition seiner ersten Wahl noch übertroffen und wurde ohne nennenswerten Widerspruch wiederwählt.

Kurz wurde gerätselt, was er dafür wem versprochen hatte, dann wurde immer mehr davon bekannt. Es war ein gewaltiges Personalpaket, inklusive neu geschaffener Posten. Vielleicht glaubten Wrabetz und die Parteien, dass wenn sie alle stillhalten, sich schon niemand aufregen werde? Möglich. Vielleicht hoffte der Generaldirektor auch, dass mit der Bekanntgabe der Personalentscheidungen am 23.12. der Weihnachtsfriede alles begraben werde.

Aber ist es so unwahrscheinlich, dass ein erfahrener Profi wie Alexander Wrabetz einfach einmal genug hatte? Dass er die immer unverschämteren Forderungen der Politik einfach auflaufen lassen wollte? Er hat sein Amt fix. Nachdem er der ORF Information nach Aussagen der Mitarbeiter ein nie dagewesenes Maß an redaktioneller Unabhängigkeit und Freiheit beschafft hat, soll er nun völlig einknicken?

Man kann die Geschichte auch so erzälhlen, dass Wrabetz keine Zusage gebrochen, aber die Unverschämtheit aller Parlamentsparteien offengeleget hat. Dass er darauf setzte, dass das in der allgemeinen Unzufriedenheit und Proteststimmung das Fass zum Überlaufen bringen wird. Wer sagt, dass er nicht einfach hoch gepokert und gewonnen hat?

Foto: robstr1967

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.