Seit Jahren schon beschäftige ich mit intensiv mit der österreichischen Politik. Ich interessiere mich für jedes einzelne Segment eines an sich sehr komplexen Konstruktes und versuche durch akribische Recherchen mein Hintergrundwissen zu vertiefen, um in späteren Diskussionen keinen Mundtod zu erleiden. Um mich vorzustellen: mein Name ist Jan Michael Marchart und das sind meine ersten Zeilen für das neuwal-Magazin.

Warum diese ausführliche Einleitung? Nun gut, es sollte als Übergang für das bevorstehende Thema dienen. Ich stelle mir schon seit langem die Frage, warum sich ein Großteil der Jugend nicht für Politik interessiert. Sei es auf nationaler oder internationaler Ebene. Es scheint fast so als würde dieser Teil des Lebens immer mehr an Priorität verlieren. Und hier kommen wir zu der Frage nach dem Warum.

Zunächst: Warum muss man sich mit der Politik auseinandersetzten? Legitimität sei an dieser Stelle natürlich großgeschrieben. Es soll jedem Menschen freistehen, ob er sich mit dieser Thematik befassen möchte oder nicht. Nur sollte man sich als Jugendlicher auch im Klaren sein mit Anbruch des 16 Lebensjahres an einer Wahl teilnehmen zu dürfen. Und vor allem eben dieser auch beizuwohnen. Natürlich fehlt es einem jungen Menschen in Zeiten wie diesen auch oftmals noch am nötigen Hintergrundwissen und der Motivation sich mit der Materie auseinanderzusetzen – Unsicherheiten zu hinterfragen. Lassen Sie mich diese Passage näher erläutern.

Ich kann diese Behauptung in den Raum stellen, da ich einfach aus Erfahrung spreche. Zwölf Schuljahre sollte es dauern, ehe Politik Anno 2011 auch auf meinem Stundenplan auftauchte. In diesem Jahr bin ich volljährig geworden. Wenn man darüber nachdenkt kommt der Unterricht mindestens vier Semester zu spät. In einem Zeitraum in welchem zahlreiche und wichtige Entscheidungen gefällt werden können, bei welchen die Stimme der wahlberechtigten Bürger und Bürgerinnen gefragt ist. Meiner Meinung sollten die angesprochenen Einheiten als Vorbereitung für die Zukunft dienen. Und nicht als nebensächliche Randthematik.

Doch dieser ist mitunter nur ein Aspekt von vielen, welcher die österreichische Politik immer mehr zum „Enfant terrible“ gedeihen lässt. In einer meiner zahlreichen Diskussionen hat ein guter Freund von mir einmal zu mir gesagt: „Wie soll ich der österreichischen Politik noch Vertrauen schenken, wenn diese ein korruptes Regiment führen?“ Mit diesem Statement sind wir der Pointe schon ein Stück näher gekommen. Und wieder stellt sich die Frage nach dem Warum.

Wieso im Gottes Namen sollte man sich für ein Segment Österreichs interessieren, welches Woche für Woche mehr durch Korruptionsfälle publik wird und weniger durch neuerliche Errungenschaften und frohe Kundmachungen? Jegliche Attraktivität eines lebenden Prozesses geht dadurch verloren. Aber schuld sind eigentlich nur wir selbst. Ein persönlicher Gedankengang.

Ein unbeschriebenes Blatt, welches auf kollektives Desinteresse stößt. So ließe sich die Einstellung der Jugendlichen zur österreichischen Politik nach sechs Abätzen wohl beschreiben. Man sollte aber nicht immer nur den einfachen Weg gehen und sich permanent über die momentanen Verhältnisse beklagen und Dinge fordern statt selbst einzugreifen. Zumindest scheint dieses Leitbild mitunter auf einen Großteil unserer Jugend zuzutreffen. Und eine unwissende Generation hat logischerweise negative Auswirkungen auf die politische Zukunft. Genau diesem Zustand sollte man mit aller Kraft entgegenwirken. Aber auch hier stellt sich wieder die Frage nach dem Warum.

Ein Kommentar von Jan Michael Marchart