… die du nicht selbst gefälscht hast, lautet eine (oft Winston Churchill oder Joseph Goebbels zugeschriebene) Binsenweisheit. Dabei sind gefälschte Zahlen gar nicht das Problem, wie Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff in ihrem Buch „Lügen mit Zahlen“ (Heyne, 2011) zeigen.

Lügen mit ZahlenWäre die Statistik gefälscht, könnte man schließlich einfach darauf hinweisen. Spannend (und schwierig) wird es, wenn richtige Zahlen durch ihre statistische Darstellung eine Aussage bekommen, denn an Darstellungs- und damit Manipulationsmöglichkeiten herrscht alles, nur kein Mangel.

Ein Beispiel dafür ist „die höchste Kriminalitätsrate“ der Welt. Diese hat nämlich der Vatikan. Das kann man so stehen lassen, und es wäre richtig. Dennoch ist der Eindruck, der Vatikan wäre ein (lebens-)gefährlicher Ort natürlich falsch. Die Kriminalitätsrate berechnet sich aus der Zahl der jährlich ermittelten Straftaten geteilt durch die Zahl der EinwohnerInnen. Und da bei rund 18 Millionen TouristInnen im Jahr eben einiges an Diebstählen, etc. durch die knapp 500 offiziellen EinwohnerInnen der römischen Enklave geteilt werden muss, kommt eine solche Zahl zustande, ohne dass der Vatikan ein besonderes Epizentrum des Bösen wäre.

Politische „Waffe“
Mit diesem (harmlosen) Beispiel leiten Bosbach und Korff das Buch ein. Freilich kommen sie bald zu Statistiken die weit mehr politische Brisanz haben. Gerade die Beispiele zur Staatsverschuldung, die leicht als explodierend dargestellt (die Tricks verrät das Buch) und nicht in einen Kontext eingebettet (wie z.B. dass es ja auch irgendwo Gläubiger geben muss, und dass das in vielen Staaten zu großen Teilen die StaatsbürgerInnen sind, wodurch das Ganze nicht mehr so bedrohlich wirkt) wird. Ein anderes Mal zeigen die Autoren, wie eine stetige, aber moderate Steigerung der deutschen Gesundheitsausgaben ganz einfach als gewaltige Kostenexplosion dargestellt werden können. Die Beispiele stammen aus Deutschland, aber der Blick in die Tageszeitungen lässt einen genug Beispiele in Österreich finden.

Durch die Lektüre von „Lügen mit Zahlen“ lernt man auf vorsortierte Stichproben, manipulierende Achsen oder Prozentangaben, die mehr verschleiern als angeben, zu achten. Dabei schaffen es die Autoren eine ihrer Natur nach trockene Materie interessant und fesselnd aufzubereiten. Gegen Ende des Buches allerdings fragt man sich, wieso sie den in Form eines Bühnenstücks gehaltenen „Exkurs: Gespräche über den Kult der Zahl“ geschrieben haben. Auch das darauf folgende Kapitel „Die Dummen und die Bösen“ wirkt seltsam, geht es darin doch nicht im Methoden sondern darum, dass die Autoren versuchen zu erkennen wer welche Zahl warum manipuliert hat.

Das Buch wird von einer gut gemachten Website begleitet die unter anderem eine Checkliste zum Betrachten von Statistiken, eine Korrektur von Fehlern im Buch und ein bis heute laufendes Blog zu bieten hat.

Lügen mit Zahlen
Gerd Bosbach, Jens Jürgen Korff
Lügen mit Zahlen
Wie wir mit Statistiken manipuliert werden
Paperback, Klappenbroschur,
320 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-17391-0
€ 18,99 [D] | € 19,60 [A] | CHF 27,50

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.