Die extreme Rechte findet in Europa zunehmend zueinander und Akzeptanz. Soziale Unsicherheit und der Wunsch nach einfachen, raschen Lösungen scheinen ihren politischen Erfolg zu beflügeln. Heribert Schiedel, Rechtsextremismusforscher im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), legt mit dem in der Edition Steinbauer erschienen „Extreme Rechte in Europa“ ein Buch zu den vielfältigen rechtsextremen Vernetzungen innerhalb Europas vor und zeigt, wie sehr die Grenzen zwischen den rechten Lagern gegenwärtig verschwimmen.

Extreme Rechte in Europa
Schiedel unterscheidet zwischen Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonazismus. Die RechtspopulistInnen unterscheiden sich dadurch, keine systemkritischen Parteien an sich zu sein und sind der rechte Rand des demokratischen Parteienspektrums der sich noch glaubwürdig gegen Rechtsextreme und Neonazis abgrenzt(e). Doch wie Schiedel zeigt, wird diese Abgrenzung immer löchriger.

Während sich die extremen Rechten zunehmend besser vernetzen, stoßen sie, ohne etwas an sich zu ändern, auf immer mehr Akzeptanz. Das ist Teil jenes Phänomens das Schiedel in seinem Buch „Der rechte Rand“ unter dem Begriff „Normalisierung“ (von Rassismus u.a.) analysiert hat.

Antimuslimischer Rassismus als Brücke in den Mainstream
Aber wie kommt es dazu? Galten nicht lange nationalistische Partikularinteressen als Schutz vor einer internationalen Rechtsextremen? Wie kann man sich vorstellen dass z.B. deutsche und österreichische Rechtsextreme mit italienischen Rechtsextremen zusammenarbeiten, während sie beide Ansprüche auf Südtirol stellen? Die Strategen unter den Rechtsextremen, Schiedel nennt hier immer wieder Andreas Mölzer (FPÖ) als federführend, haben eine stabile Grundlage für Konsens gefunden, die sich für die Rechtsextremen noch dazu als Brücke in den Mainstream eignet: das Feindbild Islam.

Antimuslimischer Rassismus ermöglicht es den Rechtsextremen bei den RechtspopulistInnen anzuklopfen und sich in die Mitte der Gesellschaft zu stellen, als letzte VerteidigerInnen der Aufklärung, als KämpferInnen für Frauenrechte und gegen Antisemitismus . Freilich teilt Schiedel die These, der antimuslimische Rassimus hätte den Antisemitismus der Rechtsextremen ersetzt, nicht. Er weist vielmehr darauf hin dass sie unterschiedliche Funktionen erfüllen, so eignet sich z.B. der Antisemitismus nicht als Brücke in den Mainstream, aber der antimuslimische Rassismus bietet kein Welterklärungsmodell an.

Schiedel beginnt das Vorwort mit dem Attentat in Oslo und dem Massaker auf Utoya. Zu dieser Zeit befand er sich gerade in der abschließenden Recherchephase für sein Buch, aber darauf zu reagieren, war unvermeidbar. Schiedel entschied sich, das Buch nicht weiter umzuschreiben, um den LeserInnen jenes Erlebnis zu ermöglichen, das auch er hatte, als immer mehr Details zum Massenmörder Anders Breivik bekannt wurden: Ein erschreckender Aha-Effekt des „das hab ich doch schon gelesen“, ein schmerzhaftes „wieso haben das nicht alle kommen sehen?“.

Extreme Rechte in EuropaHeribert Schiedel
Extreme Rechte in Europa
Edition Steinbauer
Broschur, 120 Seiten
Format: 16,5 x 23,5 cm

ISBN: 978-3-902494-54-2
Preis: € 22,50/SFR 39,-

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.