Am 29. November 2011 lud der NÖ Akademikerbund zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Medienqualität – Wie viel Qualität braucht eine Gesellschaft? Wie viel Qualität verträgt der Markt?“. Mit am Podium waren unter anderem ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf, Medienwissenschafter Jan Krone und Johannes Domsich und derStandard.at-Journalisten Rosa Winkler-Hermaden.

Der große Festsaal der FH St. Pölten war bis auf den letzten Platz gefüllt – die Auftaktveranstaltung einer Diskussionsreihe rund um das Thema Medien und ihre potentielle Macht scheint ein großer Erfolg gewesen zu sein. Neben unzähligen Studenten haben sich auch einige, sichtlich ältere Herren (wohl aus der Riege der „alten“ Akademiker der ÖVP) die Zeit genommen, dem Ganzen beizuwohnen.

„Ich bin grundsätzlich kein Fan von Steuern und Abgaben, aber …“

ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf hatte die Aufgabe, die Besucherschaft mit einem Impulsreferat für das Thema einzustimmen … und genoss dabei sichtlich seinen Heimvorteil bei den politisch Gleichgesinnten auf der Bühne und in den ersten Reihen. Er spricht die zunehmende Boulevardisierung an, sieht eine große Wichtigkeit darin, dass Bürgerinnen und Bürger aktiv mitgestalten können. Zudem freut er sich über die hohe Dichte und Vielfalt an Zeitungen und Zeitschriften, und erklärt, dass durch die sehr späte Öffnung des Rundfunks für Private der ORF nun eine Marktdominanz vorweisen können, die der Vielfalt nicht gut tue. Außerdem kam er auf die Inserate zu sprechen. Kopfschüttelnd erklärte er, dass jährlich 100 Millionen Euro für Inserate ausgegeben werden, von der Regierung, Ministerien und regierungsnahen Unternehmen. „Ist es nicht so, dass man Redaktinen über Inserate kaufen kann?“, lautete eine seiner vielen rethorischen Fragen. Außerdem erzählte er, dass die Boulevardmedien ihre Macht ausnützen, manchmal den Politikern ganz ungeniert genehme Berichterstattung für Inserate anbieten oder sie in weiterer Form sogar erpressen.

Als Highlight verkündete er einen Beschluss der Regierungsparteien: das „Medientransparenzgesetz“ sei tags zuvor endlich koalitionär beschlossen worden. Dass die Oppositionsparteien von der Vorgehensweise nicht wirklich überzeugt sind und ihre Zusage vorerst verweigern, hat er aber verschwiegen. Dieses neue Gesetz sieht vor, dass vierteljährlich offengelegt werden soll, heruntergebrochen auf einzelne Zeitungen, wie viele Inserate (und zu welchem Preis) geschaltet wurden, zudem sollen keine Bilder von Ministern mehr sichtbar sein. Und etwas, dass, so Kopf, der SPÖ nicht so leicht gefallen ist: ein Mal pro Jahr müssen Medien ihre Eigentümer offenlegen. Denn es gäbe einen Verdacht, gab sich Kopf ganz offensichtlich und doch bedeckt.

Ein wundervoller Teil seines Impulsreferats war der berühmte Satz „Ich bin grundsätzlich kein Fan von Steuern und Abgaben, aber …“. Nach diesem Aber kamen Vorschläge, die eben solche neue Steuern und Abgaben wären: statt der ORF-Gebühr eine Abgabe von allen Haushalten, eine Content-Abgabe oder eine AKM-Abgabe (Urheberrecht).

Kann man Qualität überhaupt definieren?

Die weisen Menschen am Podium kamen auf keinen grünen Zweig. Jan Krone sagte gleich zu Beginn, dass Qualität immer auf die Perspektive ankommt. Die Interessensgruppen entscheiden, welches Medium für sie qualitativ ist und welches nicht. Johannes Domsich erinnert daran, dass Qualität immer durch ihre Nutzung definiert wird … auch wenn man dem ORF die amerikanischen Sendungen vorwerfe … „Malcolm Mittendrin“ habe nun einmal hohe Quoten. Die Nutzer wollen es sehen. In Österreichs Printmedien sehe er wenig Qualität, es ist ein Teufelskreis: APA > OTS > Politik > Rekurs > Medium (> APA). Sehr oft bringen Österreichs Zeitungen ein und die selbe APA-Meldung und nennen es Journalismus.

Rosa Winkler-Hermaden nannte derStandard.at das größte österreichische Qualitätsmedium im Netz. Für sie sei es qualitativ, wenn man überprüft, und das machen sie auch, so Winkler-Hermaden. Doch im Internet müsse man schnell sein. Außerdem werde jedes Interview authorisiert. (Jan Krone kritisiert dies später als „Feigheit“). Zudem führen auch die unzähligen Nutzer eine Qualitätskontrolle durch, neue Instrumente wie Facebook und twitter liefern Hinweise. Oswald Hicker, Chefredakteur der Bezirksblätter in Niederösterreich und zudem stolz darauf, seit Jahrzehnten boulevardesk unterwegs zu sein erklärte, dass viele junge Journalisten ihren Beruf falsch verstehen: Journalismus ist keine Kunst, es ist ein Handwerk. Und erst wenn man Menschen berührt, sie trifft, könne man qualitative Berichte liefern.


Bettina Rausch, Landesobfrau der Jungen VP und Bundesratsabgeordnete, nannte Beispiele, wo Qualität in den Medien fehle. Einerseits bekommen Jugendliche zu wenig Aufmerksamkeit. Schreibt man mehr über junge Menschen, lesen auch mehr junge Leute die Medien. Außerdem kommt sie auf ein persönliches Erlebnis zu sprechen. trend und Kurier haben darüber berichtet, dass die JVP 100.000 Euro von Telekom und Hochegger bekommen hat. Schlussendlich war es ein Recherchefehler und in Wahrheit hat dieses Geld die Junge Wirtschaft bekommen.

Wie macht man es besser?

Jan Krone bemerkte schmunzelnd, als man zur lange fehlenden Journalismusausbildung in Österreich zu sprechen kam, dass die beste Ausbildung sei, irgendwas zu studieren und es dann abzubrechen. Die Medien müssten ihr Publikum wieder kennen, die Dispersität täte ihnen nicht gut, so Domsich. Rausch glaubt, dass die Konsumenten selbst entscheiden könenn, wie Medien schreiben. Außerdem fügt sie hinzu, dass die Medien nicht nur über Streits in der Politik sondern auch über wichtige Entscheidungen schreiben sollten. Hicker entgegnete dazu, dass die Bringschuld bei den Politikern liegt: „Liefert Geschichten!“ – man werde nur Geschichten bringen, die auch ein Publikum erreichen. Zum Abschluss sagte Krone zwei wichtige Sätze: „Die Nutzer sind nicht dumm. Es ist ein mündiges, sehr intelligentes Publikum, meist sogar klüger als die ‚Produzenten'“

Als Fazit kann man sagen: Eine interessante Diskussion, wobei ich mir etwas mehr Abwechslung auf dem Podium gewünscht hätte. Aber genauso wie wohl auch der ÖGB keinen ÖVP-Politiker auf die Bühne setzen würde, kann man das vom NÖ Akademikerbund nicht erwarten. So fanden halt nur Seitenhiebe in Richtung SPÖ statt, die „ihren“ Boulevardzeitungen die Geschichten servierten. Ich musste dabei aber auch an die ehemalige Innenministerin Maria Fekter und den Fall Arigona denken. Der Bescheid, dass die Familie schlussendlich abgeschoben werden wird, landete zuerst bei der Krone und erst dann bei der Familie selbst. Es stimmt schon, dass die SPÖ offensichtlich viel Dreck am Stecken hat, aber auch die ÖVP agierte mit Sicherheit nicht ganz rein. Aber das war dem Publikum (scheinbar, außer mir) herzlich egal. Im März findet die nächste Diskussion statt und auch ich werde wieder mit dabei sein.

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