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Der Arabische Frühling wäre ohne Social Media nicht möglich gewesen, oder? Zumindest Lina Ben Mhenni, eine tunesische Bloggerin, zeigt in ihrer Streitschrift, warum erst durch Vernetzung die kritische Masse erreicht werden kann.

Lina Ben Mhenni wurde 1983 in Tunesien geboren. Derzeit arbeitet sie an der Universität Tunis als Dozentin und Übersetzerin. Ihr Blog „A Tunisian Girl“ beschäftigte sich schon seit Jahren mit dem Missbrauch der Menschenrechte in ihrem Heimatland. Zuletzt hat das Regime rund um Ben Ali ihren Blog gesperrt. Während der tunesischen Revolution wurde ihr Blog zum zentralen Medium der Opposition.

Tunisian Girl – Blogueuse pour un printemps arabe„, in der deutschen Version „Vernetzt euch!“, ist ihr Erstlingswerk und beschäftigt sich mit der Wichtigkeit der neuen Kanäle.

Ich bin Bloggerin und werde es bleiben. Die Ereignisse der letzten Monate, von denen hier die Rede sein soll, haben mich in dieser Überzeugung bestärkt

A Tunisian Girl – der beinahe unscheinbare Name des Blogs lässt kaum erahnen, welcher Wichtigkeit ihm zugesprochen werden würde. Während des Arabischen Frühlings, dem ersten Aufschrei in Tunesien, hat Lisa Ben Mhenni, die junge Bloggerin ihn dafür genutzt, um über die Zustände in ihrem Land, über die Folterungen, die Selbstanzündungen und die Zensur an sich zu schreiben. Fand so ein Sprachrohr um die ganze Welt über die Revolution am Laufenden zu halten.

Im Gegensatz zu Hessels Werken (Empört und Engagiert euch!) ist ihre Streitschrift eher ein Erfahrungsbericht: Wie hat sie, wie haben ihre Freunde die Zeit des Aufruhrs erlebt. Welche Strapazen haben sie auf sich genommen, um die neuesten Informationen, Fotos, O-Töne von Opfern zu bekommen. Das Thema des Buches selbst, der Aufruf zur Vernetzung, kommt mir persönlich etwas zu kurz.

Natürlich betont sie die Wichtigkeit des Internets. Facebook und Twitter wurden zu wichtigen Instrumenten während der Aufstände, vor allem um die Termine der nächsten Demonstrationen zu organisieren. Der Sturz Ben Alis hätte aber auch, wie sie kurz erwähnt, ohne Facebook stattfinden können, nur mit dem sozialen Netzwerk wurde es erleichtert. Die Revolution hat eben nicht im Internet, sondern auf der Straße stattgefunden.

Sämtliche Diktatoren der Welt fürchten das Netz.

Vielleicht sehe nur ich es, als jahrelange Nutzer dieser sozialen Medien, nicht wirklich als Aufruf des Vernetzens. Lina Ben Mhenni erklärt zumindest, was man alles mit einem Blog, mit einer Stimme im Internet erreichen könne. Dass es wichtig ist, auch über die Landesgrenzen hinaus zu berichten und bei Zensur und Missständen nicht den Mund zu halten. Dafür muss man ihr Respekt aussprechen, denn leichter hat es sie sich dadurch nicht gemacht. Alles in allem ist mir diese Streitschrift etwas zu sehr eine Erzählung als ein Weckruf.

Lina  Ben Mhenni
Vernetzt euch!

Ullstein, Berlin 2011
Taschenbuch, 46 Seiten
ISBN: 978-3-550-08893-3
Preis: EUR 4,20

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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