„Wir sind derzeit der Tiroler Teil der globalen Occupy-Bewegung und zeigen uns solidarisch mit den Occupy Wallstreet Aktivitäten. Wir versuchen, diese Themen auf Tiroler Ebene zu konkretisieren und diese mit Aktionen in Tirol bekannt zu machen“, so Georg Pleger, Specher der Innsbrucker Protestbewegung im Gespräch mit neuwal.

Konkret geht es dabei um vier Kernthemen, die mit eigenen Themensprechern systematisch erarbeitet werden: Geld und Gelmarkt, Bedingungsloses Grundeinkommen, Demokratiereform sowie Bildungs- und Innovationsreform. Gemeinsam mit einer Reihe von Experten geht es nicht nur um Hinweis auf Kritik, sondern vorallem um Lösungsansätze. Ihr Ansatz: Ein Aufwachen gegenüber all diesen Systemzusammenhängen und dem Geldsystem. Dabei spielt das Konzept von monetative.de eine bedeutende Rolle.

Zusätzlich zu diesen Themebbereichen gibt es Gruppen, die sich mit Strategie und Versorgung rund um das derzeitige Camp beschäftigen. Dieses Camp mit 12 Einzelzelten und einem Gruppenzelt siedelt heute (Montag, 21. Nov. 2011) von seinem zentralen Platz am Boznerplatz an dem Waltherplatz und wird dort „freundlich besetzt“.

Politischen Dialog gibt es derzeit mit SPÖ, ÖVP und den Grünen. „Wir möchten mit unseren Anliegen auch auf der politischen Ebene wahrgenommen und diskutiert werden“, so der Sprecher der Bewegung, die österreichweit mit anderen Occupy-Bewegungen sehr gut vernetzt ist.

Im Rahmen von unseren Schwerpunkttagen diesen Donnerstag und Freitag, mit denen die Bewegung auf sich aufmerksam machen möchte, werden wir eine ganze Liste an Möglichkeiten präsentieren, wie uns die Bevölkerung unterstützen kann.

Weitere Informationen

coldest night of my life in #boznerplatz last night with @OccupyInnsbruck http://pic.twitter.com/w9IkAopZ

Wir sind die 99 % von Tirol

 

 

Die 99 % von Tirol im Gespräch mit neuwal

 

podwal Podcast
neuwal im Gespräch mit OccupyInnsbruck by neuwal

Dieter Zirnig (neuwal.com): Worum geht es bei der Occupy Innsbruck-Bewegung?

Mag. Georg Pleger (Occupy Innsbruck): Wir sind derzeit der Tiroler Teil der globalen Occupy-Bewegung und zeigen uns solidarisch mit den OccupyWallstreet Aktivitäten. Wir versuchen, diese Themen auf Tiroler Ebene zu konkretisieren und diese mit Aktionen in Tirol bekannt zu machen.

Was sind die Themen, mit denen ihr euch solidarisch zeigt?

Die verschiedensten Krisen, die wir zur Zeit global erleben, hängen mit dem Finanzthema zusammen. Dieser Zusammenhang wird schrittweise von einer breiteren Gruppe in der Bevölkerung erkannt. Uns geht es jetzt darum, diesen Zusammenhang auch für ein breiteres deutschsprachiges Publikum aufzuarbeiten. Wir machen es nicht nur mit dem Hinweis auf Kritik, sondern vorallem auch mit Lösungsansätzen. In unserer Innsbrucker Gruppe sind eine Reihe von Experten mit dabei, die sich mit diesem Thema schon sehr lange beschäftigen.

Konkret geht es um monetative Lösungsansätze. monetative.org ist ein wissenschaftlich fundierter Ansatz zu einem konkreten Reformansatz von Prof. Josef Huber, einem Universitätsprofessor in Berlin. 2008 wurde diese Initiative gegründet und inzwischen ist in anderen Ländern weitergedacht worden. In England gibt es einen konkreten Entwurf, wie dieses Konzept auch realistisch formuliert werden kann. In den USA gibt es auch den Entwurf auch von zwei Kongressabgeordneten mit dem selben Anliegen bei der Geldreform.

monetative.de ist eine Initiative engagierter Bürger, die an bestimmten Punkten ihres beruflichen und politischen Werdegangs Anlass hatten, über Lehrbuchweisheiten zur Geldordnung und Geldschöpfung neu nachzudenken. Ihr Interesse an dem Thema ist wissenschaftlicher und ordnungspolitischer Art.

Ihr Anliegen ist parteiübergreifend und auch sonst keinen Sonderinteressen verpflichtet.
Die Initiative stellt die Monetative in einen Kontext freiheitlicher Demokratie, offener Gesellschaft und geordneter Marktwirtschaft. Kritische Analysen und neue Ideen wissen sie zu schätzen. Besserwisserei, Dogmatismus, Fundamentalismus und Extremismus ist nicht ihre Sache.

monetative.de setzt sich deshalb ein für

1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung
2. die Beendigung jeglicher Bankengeldschöpfung
3. die Inumlaufbringung neuen Geldes durch öffentliche Ausgaben.

Quelle: monetative.de

Wir haben bisher ein Geldsystem das so funktioniert: Kreditgeld wird von Privatbanken geschöpft. Der Staat hat das Geldmonopol an Privatbanken abgegeben. Privatbanken schöpfen natürlich in ihrem Sinne Geld und nicht im Gemeinwohlinteresse. Diese Geldschöpfung ist von Anfang an mit Zins und Zinseszins belastet und kann nicht für die Finanzierung von öffentlichen Ausgaben verwendet werden. Der Staat muß sich daher für öffentliche Ausgaben Geld von Privatbanken leihen und dafür Zinsen zahlen.

Unser Ansatz: Ein Aufwachen gegenüber all diesen Systemzusammenhängen und dem Geldsystem.

Wir sagen nicht, dass mit einem neuen Geldsystem all diese Probleme gelöst sind. Aber umgekehrt, ohne das Geldsystem anzuschauen, kommen wir nicht weiter.

Wer seid ihr, wieviele Leute seid ihr und wie organisiert ihr euch?

Wir sind mehrere thematische Kreise, die an definierten Kernthemen systematisch arbeiten:

  • Geld und Geldmarkt
  • Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Demokratiereform
  • Bildungs- und Innovationsreform

Zu allen diesen Punkten gibt es Themensprecher. Ich bin der Themensprecher fürs Thema Geld. Michel Keckeis für das Grundeinkommen. Im Bereich Demokratie kooperieren wir auf der österreichischen Ebene.

Zusätzlich zu den Inhaltsbereichen gibt es Gruppen, die mit Strategie und mit der Logistik und Versorgung rund ums Camp arbeiten. Es gibt eine Mediengruppe und eine Gruppe, die Aktionismus vorbereitet und durchführt.

Wie zeichnet sich euer Aktionismus aus, was sind eure Aktionen?

Wir haben für kommende Woche sehr viel geplant. Ich möchte noch nicht viel dazu verraten. Das Camp wird am Montag, 21. Nov. 2011 an den Waltherpark umgesiedelt. Für Donnerstag und Freitag planen wir zwei Schwerpunkttage, die sich um den Themenbereich Geld und bedingungsloses Grundeinkommen drehen werden.

Wie schafft ihr Aufmerksamkeit?

Bildlich gesprochen: Greenpeace hat sich an Schornsteine gekettet. Das waren die Bilder, die um die Welt gegangen sind. Wir machen es mit unserer Art, in dem wir bei Minustemperaturen unsere Zelte aufschlagen um damit deutlich zu machen, dass es uns Ernst ist. Ein wesentlicher Punkt sind Inhalte. Deshalb Schwerpunkttage oder Symposien, bei denen wir Politik, Verwaltung und Wirtschaft einladen, um über diese Fachthemen in Dialog zu treten.

Am Montag übersiedelt das Camp. Wo ist das Camp jetzt und was passiert dort?

Derzeit ist das Camp am Boznerplatz. Dieser Platz ist drei Minuten entfernt vom Hauptbahnhof Innsbruck und zwischen der Innsbrucker Filiale der Nationalbank und der Hypo Bank sehr zentral gelegen. Dort sind 12 Einzelzelte und ein Gruppenzelt, wo rund um die Uhr Mitglieder von Occupy Innsbruck anwesend sind. Wir treffen uns am Abend (17:30 und 20 Uhr), bei denen wir in Arbeitsgruppen themenmäßig weiterkommen. Wir schauen auch, dass wir parallel dazu in Räumen arbeiten können. Leider gibt es am Boznerplatz keine Internetverbindung. Und um dort wirklich arbeiten zu können ist es einfach zu kalt.

Gibt es Unterstützung von politischer Seite?

Wir haben bisher mit der offiziellen Politik nicht gezielt Kontakt aufgenommen. Umgekehrt hat es Kontaktaufnahmen von verschiedenen Parteien gegeben: Von den Grünen, der SPÖ und von der ÖVP.

Ist dieses politische Involvement erwünscht und förderlich?

Ja. Weil wir mit unseren Anliegen auch auf der politischen Ebene wahrgenommen und diskutiert werden wollen. Die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Occupy Innsbruck und den verschiedenen politischen Parteien funktioniert, ist im Detail auszuverhandeln.

Es gibt auch andere Occupy-Bewegungen in Österreich. Wie seid ihr hier vernetzt?

Es ist ein Bundestreffen in Vorbereitung, der genaue Termin wird derzeit noch definiert. In Innsbruck werden wir ein größeres Vorbereitungsmeeting für diese Versammlung organisieren und die Westösterreichischen Partner einladen, weil nicht alle mit nach Wien fahren werden.

Es gibt Mutbürgerbewegungen, die sich ebenfalls zusammentun. Wo sind deiner Meinung nach die Unterschiede?

Innerhalb dieser 99 % sind alle dabei, die derzeit noch ganz unterschiedlich zu den Themen unterwegs sind. Es kann sein, dass jemand aufwacht und sich gerade jetzt erst über diese Entwicklungen am globalen Markt bewußt wird und geht dann durch verschiedene Phasen durch, wo es ihm Schritt für Schritt mehr und mehr bewußt wird. Andere beschäftigen sich damit schon seit 10 oder 20 Jahren und organisieren sich schrittweise in ganz konkreten Projekten um das umzusetzen.

Bei den Aktivisten sind natürlich die aktiv, die ganz entschieden sagen:

„Ich nehme das jetzt selbst in die Hand und setze Zeichen, die auch über das übliche hinaus gehen.“

Unterstützung gibt es auch auf anderen Ebenen: Zum Beispiel Kooperationen mit WissenschaftlerInnen mit Studierenden, Experten aus der Wirtschaft, einfachen Angestellten aus der Wirtschaft, etc. Also eine breite Palette mit verschiedenen motiverten , die uns auf ihre Art unterstützen. Wir arbeiten auch daran, dass es bald 100 % sind. Also, dass sich auch das 1 % nicht vor uns fürchten muß.

Wie ist das Feedback von den Menschen, wenn sie Euch im Camp begegnen?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie Unterstützung sehr herzlich übermittelt wird. Am Donnerstag Abend hat uns ein Herr während der Vollversammlung zwei Pizzen vorbeigebracht. Er wollte damit sagen, wie toll er unsere Aktion findet. Andere Menschen kommen vorbei und sagen, dass sie es toll finden, was wir hier machen. Und andere wiederum werfen uns 20 Euro in unsere Kasse. Heute haben wir beispielsweise folgende E-Mail: „Was braucht ihr, braucht ihr Geld oder andere Unterstützung?“

Wir bekommen Unterstützung von verschiedensten Ebenen, die uns Mut macht und die Energie gibt, an diesen Themen dran zu bleiben.

Wenn ich jetzt in Innsbruck bin, wie kann ich euch unterstützen und wie kann ich mitmachen?

Unsere Website wird demnächst online sein. Es gibt Leute, die uns mit Geld unterstützen und für andere geht es um Sachspenden, Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Stellen oder Institutionen. Im Rahmen von unseren Schwerpunkttagen am Donnerstag und Freitag werden wir eine ganze Liste an Möglichkeiten präsentieren, wie uns die Bevölkerung unterstützen kann.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!
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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.