Seit einigen Jahren beschäftigt sich Franz Miklautz (40, Unternehmer aus Klagenfurt) mit dem Werteverfall sowie dem politischen und wirtschaftlichen Niedergang in Kärnten. Bis er vor kurzem mehrere Menschen kennengelernt, die ähnliche Anliegen mit ihm teilen. In Anregung an Anneliese Rohrer’s Buch „Ende des Gehorsams“ hat Herr Miklautz gemeinsam mit sechs Personen die Mutbürgerbewegung in Klagenfurt auf die Beine gestellt: „Ich möchte das System nicht nur verändern, sondern auch kippen“, meint Hr. Miklautz und kann derzeit auf mehr als 100 aktive UnterstützerInnen zählen. In kürzester Zeit haben sich unterschiedliche Teams organisiert, die drei konkrete Projekte in Angriff nehmen. Eines davon ist ein Mutbürgermarsch, der für Dezember 2011 geplant ist.

Internetplattform: Rücktritt für Uwe Scheuch
Im Frühjahr 2011 trat Miklautz für „Versöhnung statt Komprimiss“ bei der Kärntner Ortstafelfrage ein. Für ein sehr emotionales Video brachte er Kärntner und Kärntner-Slowenen zusammen, das LH Dörfler, Botschafter Valentin Inzko und Staatssekretär Josef Ostermayer überreicht wurde. Im August 2011 startete er die Internetabstimmung über den Rücktritt von Uwe Scheuch, bei dem sich knapp 95 % der über 15.000 abgegebenen Stimmen für einen Rücktritt Scheuch’s aussprachen.

Kärntner Mutbürgerbewegung
Mit der Kärntner Mutbürgerbewegung möchte Miklautz Menschen informieren, aufwecken und wieder zueinander bringen: „Sie sind das Souverän, nicht die Politiker!“ Die Bewegung möchte die Politik über die Gesellschaft ändern und nicht die Politik direkt über die Politik. Auf der Webseite diemutbuerger.at gibt es sämtliche Informationen, einen Blog, Veranstaltungshinweise sowie die Möglichkeit mitzumachen und Projektideen zu teilen.

Weitere Informationen

neuwal im Gespräch mit der Kärntner-Mutbürger-Bewegung by neuwal

Dieter Zirnig (neuwal.com): Anfang November 2011 hat es in Klagenfurt das erste „Mutbürgertreffen“ gegeben. Wie ist die Bewegung zu Stande gekommen?

Franz Miklautz (Mutbürger Bewegung Klagenfurt): Bei der Buchpräsentation von Fr. Rohrer in Klagenfurt haben wir die Anwesenden gefragt, wer sich an unserer Bewegung beteiligen möchte. Um Interessierte zu finden, haben wir einen Zettel durchgegeben und jeder konnte sich mit seinem Namen eintragen. Gemeinsam mit unserer Website diemutbuerger.at konnten wir bis jetzt 400 interessierte Menschen finden.

Das erste Treffen fand am Donnerstag, 3. November 2011 mit mehr als 100 Menschen in einem Gemeindezentrum in Klagenfurt statt. Leider mußten wir 20 Menschen wegschicken, weil wir keinen Platz mehr hatten. Wir freuen uns über alle Teilnehmer die aktiv mitgestalten und verändern möchten. Wir sind kein Stammtisch, da an Stammtischen nur geredet wird.

Wie war dieses erste Treffen und wie war die Stimmung?

Es ist alles sehr schnell gegangen. Wenn mehrere Personen dabei sind, dann kommen super Inputs zu Stande. In Kärnten hörst Du an jeder zweiten Hausecke, „Das bringt nichts, das geht eh nicht!“ Das gibt es in unserem Team nicht. Die Leute sind aufgestanden und es war irgendwie befreiend das zu sagen, was sie sich denken. Und wenn es 100 Leute gibt, dann gibt es vermutlich auch 500 die so denken. Und sie motivieren uns, weil wir sehen, dass es Ihnen im Herzen brennt. Und das ist das Wichtigste.

Der Kärntner Landtag ist keine Opposition mehr. Er erfüllt die ihm vom Volk gegebene Aufgabe nicht mehr: Er kontrolliert die Landesregierung nicht mehr, weil die Landesregierung den Aufsichtsrat im Griff hat. Das kann nicht sein.

Du sagst Projekte und Ideen. Welche Projekte habt ihr in Vorbereitung?

Beim ersten Treffen haben wir konkret drei Projekte vorgestellt, bei denen jeder mitmachen bzw. auch sein eigenes Projekt starten kann.

Wir wollen zuerst uns bei der Nase nehmen und die kleinen Systeme in uns zu Fall zu bringen, damit dann das große System kippt.

1. Politische Diskussionszirkel in den Bezirken
Wir möchten politische Diskussionszirkel einfühern und damit in die Bezirke gehen. Unser Ziel ist es, die Information der Bevölkerung zu gewährleisten, um zu verhindern, dass sie politischen Verführern heimfallen. Wir möchten nicht nur in Klagenfurt aktiv sein, sondern auch am liebsten Diskussionsrunden in Radenthein, in Paternion oder in Bad St. Leonhard haben. Es soll diskutiert werden und jeder kann sich daran beteiligen.

2. Änderung der Kärntner Verfassung
Das zweite Projekt ist der Versuch, die Kärntner Verfassung zu verändern.

3. Mutbürgermarsch
Wir planen einen Mutbürgermarsch am 22. Dezember 2011. Das erste Projekttreffen findet dazu am Samstag, 12. November mit allen statt, die sich für dieses Projekt interessiert haben.

Damit die Leute wieder informiert sind und eines merken: „Sie sind das Souverän, nicht die Politiker!“
Was steckt bei den Mutbürgern dahinter und wie tickt ihr?

Wir sind das Gegenteil von Politik-Bashern. Wir sind dezentral organisiert und möchten unsere Projekte und Ideen in einer Wellenform nach außen bringen. Am liebsten wäre mir nicht einmal ein Verein, sondern einfach nur eine auf Personen beruhende Plattform. Derzeit sind wir sieben Personen, die diese Bewegung vorantreiben: Karoline Ferlitsch (Klagenfurt), Bernd Trampitsch (Klagenfurt), Gerd Krainz (in Wien lebender Kärntner), Ronald Rabitsch (Klagenfurt) und Erich Mahler aus Villach.

Wir wollen die Politik über die Gesellschaft ändern und nicht die Politik direkt über die Politik.
Was ist euer Ziel, eure Strategie und was bedeutet für euch Veränderung?

Wir wollen versuchen Menschen zu verändern. Wir möchten uns selbst verändern, weil dann ist die Politik ein Sekundärproblem. Habgier funktioniert nur solange sich Jugendlichen das Geld holen gehen und solange sich ältere Damen und Herren von Landesfürsten das Geld nicht mehr holen gehen. Dann wird es das Angebot nicht mehr geben. Und dann wird es auch so sein, dass eine Partei, die sich versucht Wählerstimmen direkt zu erkaufen, nicht mehr gewählt wird.

Wenn viele kleine Systeme kippen, dann kippt automatisch das Große.

Unser wichtigstes Gut wird Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit sowie unsere Kondition und Ausdauer sein.
Es wird ein schwerer Weg. Wir haben zu den Leuten beim ersten Treffen gesagt: „Wir wissen nicht, wo wir rauskommen werden. Es steht heute am Abend ein Segelboot für alle bereit. Jeder der möchte, kann einsteigen. Wer einsteigt, muß damit rechnen, dass er a) rudern muß, wenns eine Windflaute gibt und b) über Bord springen muß, wenn dieses Segelbott auf eine Sandbank aufläuft um es wieder freizuschaufeln.

Eines wissen wir: Wir wissen noch nicht, wo wir ankommen werden. Es wird Neuland sein.

Wie können sich interessierte Menschen bei der Bewegung anschließen?

Jeder kann Teil der Mutbürgerbewegung werden. Ich hätte nichts dagegen, wenn sogar FPK-Gemeinderäte dabei sind. Ich möchte sie sogar überzeugen, dass wir auf einem erfolgreicheren Weg unterwegs sind, um die Zukunft zu sichern. Weil, so kann es nicht weitergehen. Das System ist von innen her nicht veränderbar.

Wie stellst du dir das vor, was kann das Ziel dieser Bewegung sein, was ist dein Wunsch oder wie sieht dein Traum aus…

Das Ziel mit dieser Mitbürgerbewegung kenne ich noch nicht so genau. Mein Traum ist: Es gibt Sonnenschein, viele Leute, die sich miteinander unterhalten, aber alles ist still. Erich Fromm würde Messianisches Zeitalter dazu sagen. Wir müssen in Österreich aufpassen, weil hier ist man gleich in Verruf. Wir möchten Angst vor Wörtern abbauen.

In Österreich ist man subversiv oder ein Umstürzer, wenn das Wort „Demonstration“ in den Mund genommen wird.

Dabei ist es nur ein Wort und Demonstration ist ein Bürgerrecht. Das kann nicht sein, wie weit sind wir gekommen. Wie weit haben wir uns treiben lassen?

Gibt es in anderen Bundesländern ähnliche Bewegungen?

Bis jetzt habe ich noch nichts aus anderen Bundesländern vernommen. Frau Rohrer versucht auf ihren Blog immer wieder zu betonen, dass es in Kärnten etwas gibt und vernetzt die Menschen. Es wäre schön, wenn eine bundesweite Organisation zu Stande kommt. Allerdings möchte ich immer wieder hervorstreichen, dass ich es so lose wie möglich halten möchte. Vernetzung ist gut – Verklüngelung sind nicht gut. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir Know-How-Sharing mit anderen Bundesländern betreiben, um Bewegungen zu starten.

Bewegungen werden gerne in politische Richtungen gestellt: Links, Mitte oder Rechts. Wo stehen die Mutbürger oder ist eine Kategorisierung nicht notwendig? Gibt es Parteien, die sich mit euch vernetzen möchten?

Keine politische Richtung: Kein Links, kein Rechts, keine Mitte von Links, kein Mitte von Rechts.Diese Bewegung darf sich nicht kategorisieren lassen. Und das ist mir wichtig. Wir werden stark und bunt in unserer Meinung sein. Wir werden eine laute und mit einer Stimme schreienden zivile Opposition aufbauen. Es wird pro Anlass ganz bestimmte Motive, Intentionen und Interessen von uns geben. Wir werden versuchen, diese in einer demokratischen Art herauszufinden und dann auch laut kund zu tun. Und es wird sehr laut werden.

Diese Bewegung darf sich auch nicht vereinnahmen lassen, was die ganze Zeit versucht wird. Menschen werden versuchen es zu kategorisieren, weil sie nichts anderes gewöhnt sind. Wenn einmal jemand sagt, ich mag nicht in der Kommode drinnen sein, dann ist er sofort ein Außenseiter und wird nicht verstanden.

Wie kommuniziert ihr und wie tritt ihr mit euren Leuten in Kontakt?

Das meiste funktioniert natürlich elektronisch. Im Kernteam kommunizieren wir über E-Mail, SMS und Telefon. Wir treffen uns alle zwei Wochen. Wir merken, dass wir immer mehr Anfragen bekommen. Daher wird es bald eine Rollenverteilungsdiskussion geben, wer für was verantwortlich ist (Homepage, Projekte, etc.).

Vielen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen!