Vergangenen Samstag fand in Wien zum zweiten Mal die Konferenz TEDxVienna statt. Wie man es auch von der Website TED.com gewohnt ist, waren auch hier kluge Köpfe geladen, um über ihre Ideen, ihre Projekte und Visionen zu sprechen. Darunter Karim El-Gawhary, Albin Kurti und Corinna Milborn.

Was ist TED eigentlich?

TED ist eine, seit 5 Jahren, international agierende Konferenzserie, die ausgewählte Menschen über Ideen sprechen lässt, die es, frei nach dem Motto „Ideas worth spreading“,wert sind, weiterverbreitet zu werden. TEDxVienna ist die zweite Auflage in Österreichs Bundeshauptstadt … und das x in der Mitte des Namens deutet an, dass dies zwar nach der Idee von TED aufgebaut, jedoch eine unabhängig organisierte Reihe ist.

Karim El-Gawhary über den Arabischen Frühling

Aufgrund der ersten freien, transparenten Wahlen in Tunesien, die am heutigen Sonntag stattfinden, konnte der Auslandskorrespondent und Buchautor Karim El-Gawhary leider nicht persönlich anwesend sein. Aber mittels Skype und im Gespräch mit einem Moderator erzählte er von seinen Erlebnissen und Erfahrungen während des Arabischen Frühlings. Die Revolutionen haben sich, entsprechend dem Motto „The Domino Effect“, von Tunesien, über Ägypten und Libyen bis hin zum Suezkanal weiterentwickelt. Im Gespräch ging man auch auf den globalen Unmut der heutigen Zeit ein und diskutierte darüber, warum im Westen Proteste oftmals im Sand versiegen. El-Gawhary erklärte, woran es scheitert: Man müsse eine kritische Masse erreichen: ist diese erst einmal erreicht, kann sich keine Regierung lange an der Spitze halten. Für den arabischen Frühling indes fand er eine schöne Metapher: Das ist, als würde man bei einem Fußballspiel nach 2 Minuten ein Tor schießen (damit gemeint: das Ende von Ben Ali und Hosni Mubarak) … 88 Minuten liegen aber noch vor der arabischen Welt.

Albin Kurti über internationale Protektorate


Es gibt Lebewesen auf dem Mars – so beginnt Albin Kurti, seines Zeichens Protestführer im Kosovo während des Milosevic-Regimes und heutiger Politiker, seinen Vortrag. Es muss ganz einfach Lebewesen auf dem Mars geben … denn, so Kurti, der UN-Sicherheitsrat ist so weltfremd, dass er ganz einfach nicht von dieser Erde sein kann. Seit der Kosovo unter einem internationalen Protektorat steht (seit 1999) hat sich vieles verändert … und noch viel mehr ist leider auf dem Status quo geblieben. „Friede ist keine Wissenschaft und keine Kunst – Frieden ist Industrie … zumindest unter einem internationalen Protektorat. Die Tolerierung lokaler Korruption, bringt keine Freiheit, lässt aus staatlichen Monopolen private werden, und verhindert dabei jeglichen Fortschritt. Denn Fortschritt bedeutet möglicherweise zugleich Instabilität. Dadurch wird,so Albin, der Kosovo gelähmt.

Corinna Milborn über die Festung Europa


Den Abschluss des Konferenztages machte die stellvertretende Chefredakteurin von NEWS: Corinna Milborn berichtete – unter dem Titel „Europe’s Borderline Syndrom“ – von der restriktiven Grenzpolitik der Europäischen Union. Wie wir alle wissen, werden Flüchtlinge (die quer durch Afrika und mit einem Boot Richtung europäischem Festland unterwegs sind) nicht nach Europa hineingelassen. Frontex, ein eigenes Unternehmen, ist darauf bedacht, dass diese restriktive Politik auch weiterhin und mit aller Härte durchgeführt wird. Dass dabei Tausende von Menschen sterben (offizielle Zahlen sprechen von 14.000, inoffizielle von 100.000), wird einfach akzeptiert. Laut Milborn ist das einer der größten Massenmorde in unserer Geschichte.

Außerdem spricht sie auch über die Grenzen innerhalb Europas. Und auch in unseren Köpfen. Denn Österreich ist ein perfektes Beispiel: das vom Innenministerium über Jahre hinweg immer schlimmer gewordene Fremdengesetz, und die Tatsache, dass Migranten in dritter Generation bei uns immer noch allzuoft als Ausländer und nicht (aufgrund Reisepass und Geburtsort) als Österreicher. Der einzige Weg raus ist: Ein Datum festlegen und die Grenzen öffnen. Das Resultat ist weit weniger schlimm als das, was wir seit Jahren der Menschheit mit diesen Gräueltaten auf offener See angetan haben.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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