Laut dem aktuellen IMAS-Report mangelt es Österreichs Politiker vor allem an einem: einem USP, sozusagen eine politische Monopoleigenschaft. Der einzige Politiker, der damit punkten kann ist der FP-Obmann Heinz-Christian Strache.

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Das 1972 gegründte Linzer Meinungsforschungsinstitut hat zwischen 19. August und 2. September 1.009 Personen, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, befragt: Ziel war es, die Rollenbilder der österreichischen Politiker zu ermitteln. Zu Beginn des Reports betont man, dass man nach statistischen Aspekten nicht wirklich voraussagen könnte, wer bei einer jetzt stattfindenden Nationalratswahl die Nase vorne haben würde. Der SPÖ würden 26-28%, ÖVP und FPÖ 24-26%, den Grünen 13-14% und dem BZÖ 4-6% der österreichischen Wähler ihre Stimme geben.

Kennen sie?

Bei der Bekanntheit ist Bundeskanzler Werner Faymann Spitzenreiter: 93 Prozent der Befragten ist er zumindest namentlich bekannt, knapp gefolgt von Strache mit 92%. Überraschend ist, dass es Grünen-Obfrau Glawischnig mit 78% auf Platz 3 schaffte, und der gar nicht mehr so neue ÖVP-Obmann Spindelegger sich sogar der Finanzministerin Maria Fekter geschlagen geben musste und nur auf Platz 5 kommt. Josef Bucher, seines Zeichens Obmann des BZÖ, ist nur etwas mehr als der Hälfte der Befragten ein Begriff.

Heinz-Christian Strache sehen 42 Prozent als ein Idol für die Jugend.

Beinahe ein Viertel der Befragten glaubt, dass keiner der genannten Politiker geeignet ist, der Chef eines Industrieunternehmens zu sein. Zwar hat auch hier Faymann die Nase vorne (20%), gefolgt von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (17%) und – das darf zumindest ansatzweise überraschen – Strache auf Platz 3 (14%). Wenn es um die Leitung eines Krisenstabs geht, steigt sogar noch die Prozentzahl derer, die dies keinem unserer Politiker zutrauen: 30% hätten lieber irgendjemand anderen an der Spitze eines solchen Krisenstabes. Selbst Werner Faymann kommt hier nur auf 19%, Strache auf 10%.

Das rechte Idol

Auf die beiden Fragen: „Wer von diesen Politikern ist Ihrem Eindruck nach am ehesten geeignet, die Jugend zu begeistern?“ und „Was vermuten Sie: Wer von diesen Politikern wirkt im Fernsehen besonders gut, wer kommt sozusagen gut an bei den Leuten?“ gibt es hingegen einen klaren Gewinner: Heinz-Christian Strache sehen 42 Prozent als ein Idol für die Jugend (hier hat übrigens Frau Glawischnig zum ersten Mal den zweiten Platz mit 8% eingeheimst). Bei der Frage nach der Wirkung im Fernsehen werden die Abstände zwischen erstem und zweiten Platz zwar kleiner, doch Strache liegt auch hier mit 35 Prozent ganze 9 Prozentpunkte vor dem amtierenden Bundeskanzler.

Doch überrascht das wirklich jemanden? Die Strahlkraft der österreichischen Politiker hält sich stark in Grenzen. Der letzte Politiker, der selbst für Wähler anderer Parteien ein gutes Auftreten austrahlte, war wohl Jörg Haider. Vielleicht liegt es einfach den Rechtspopulisten, ihre Politik und ihre einfachen Parolen gut an die Menschen vor dem Fernsehbildschirm zu bringen. Erschreckend ist aber doch der doch sehr geringe Prozentanteil ab Platz 3.

Zudem ist es interessant, dass Heinz Christian Strache von Anhängern aller Parteien als Idol für die Jugend verstanden wird. 44% der SPÖ-, 46% der ÖVP-, 81% der FPÖ-und 39% der Grünen-Wähler vermuten ihn als herausragende Persönlichkeit für die österreichischen Jugendlichen.

Politische Konzepte, bitte!

Das Fazit der IMAS-Erhebung trifft die Nagel wunderbar auf den Kopf:

„Unter diesen Umständen sind SPÖ, ÖVP, GRÜNE und BZÖ darauf angewiesen, mit Hilfe ihrer politischen Konzepte die Wählergunst zu erringen. Sie müssen auf die Überzeugungskraft ihrer Programme, aber auch auf den Eindruck ihrer moralischen Integrität setzen.“

Das ist also die Aufgabe, die man an die vier übrigen Parteien stellen muss, um einen Sieg der FPÖ bei einer kommenden Nationalratswahl zu verhindern. Denn Strache strahlt weiter, liegt er doch mit seiner Partei bei allen aktuellen Umfragen auf Platz 2 vor der schwächelnden ÖVP und hat es geschafft, dass all die Korruptionsvorwürfe gegen schwarz-blaue FP-Politiker nicht auf die nun von ihm geführte Partei zurückgeführt wird. Zumindest von seinen Wählern.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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