„Es gibt die alte Geschichte, dass Du mit einer Unze Gold im alten Rom eine gute Tunika und gute handgemachte Sandalen kaufen konntest und heute dafür einen guten Anzug und gute Schuhe bekommst“, beschreibt Nikolaus Jilch die derzeitige Situation rund ums Gold. Wir wollten herausfinden, was Gold mit dem Euro zu tun hat und und was sich derzeit am Finanz- und Wirtschaftsmarkt abspielt. Oder was es mit der Inflation auf sich hat und ob es eine Gold-Blase gibt. Also generell einen Einblick in die Welt der Wirtschaft und Spekulationen jeder Art zu bekommen: Welche Rolle nimmt Deutschland am internationalen Finanzparkett ein und wie agiert dabei Österreich? Was sind Eurobonds und wieso sind dazu Volksabstimmungen in den Ländern notwendig?

Margin-Hike und Quantitive Easing – Zusammenbruch oder Neuordnung?
Haben Sie schon etwas von „Margin-Hike“ oder „Quantitative Easing“ gehört? Es ist faszinierend und beängstigend gleichzeitig zu beobachten, was in der internationalen Politik und Wirtschaft derzeit unternommen wird und welche Zukunftsszenarien überlegt werden: Wird es den Euro noch länger geben? Gibt es eine Aufsplittung des Euros in eine Nord- und Südwährung? Bekommt eine Art „Phönix“ seine Chance als weltweite Einheitswährung oder kommt es zum kompletten unkontrollierten Zusammenbruch? Welche Szenarien gibt es dabei und wie sicher ist mein Bausparvertrag oder meine Lebensversicherung?

Wir haben mit Hr. Nikolaus Jilch im September 2011 im Cafe Jelinek gesprochen, um unsere Leser (und uns selbst) mit Basis-Informationen zu versorgen und um zu verstehen, was im Bereich des Finanz- und Wirtschaftsmark derzeit geschieht. Danke an das Team von ichmachpolitik.at für die Aufzeichnung und Schnitt. Danke Romana!

Nikolaus Jilch - Photo (c) by www.datum.atNikolaus Jilch ist Blogger (JilNikNews – Nachrichten, Analyse, Schadenfreude) und Journalist beim Magazin DATUM und schreibt u.a. für die Die Presse und Die Zeit. Dort mit Fokus auf Wirtschaft und Finanzen. Und ganz besonders fokusiert auf das Thema Gold. In einem Gespräch über die derzeitige Finanzsituation beim Digital Media Day des VÖZ im Frühjahr 2011 war ich von seiner Begeisterung zum Thema Gold und Geld begeistert. Und diese Begeisterung möchten wir jetzt mit Euch teilen:
Bildquelle: DATUM.at

Gold. Geld. Euro: VideoInterview (ichmachpolitik.at)

Dieter Zirnig (neuwal.com): Täglich gibt es in sämtlichen Medien neue Schlagzeilen und Szenarien rund um die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise. Wie ist die derzeitige Situation am Politik- und Finanzmarkt in Österreich zu analysieren?

Nikolaus Jilch: Es gilt, zwischen Politik- und Finanzmarkt zu unterscheiden. Der Finanzmarkt ist von der Politik relativ unabhängig, während die Politik versucht, das irgendwie unter Kontrolle zu halten. Der eindeutige Plan von Deutschland, Frankreich oder der EU-Kommission ist, durch diese Eurokrise mehr Macht nach Brüssel zu bekommen und mehr zu zentralisieren. Das ganze nennt sich EFSF (European Financial Stability Facility) oder ab 2013 ESM (European Stability Mechanism).

Von dem hören wir derzeit noch viel zu wenig. Nachdem erkannt wurde, dass der Euro ohne gemeinsame Wirtschaftspolitik nicht mehr funktionieren kann, geht es nun darum, die ökonomische Kontrolle zu konzentrieren. Das Risiko dabei ist, dass es trotz Umsetzung trotzdem nicht funktioniert.

Bei der wirtschaftlichen Seite überwiegt die Schuldenproblematik in Italien, Griechenland oder Spanien. Die Europäische Zentralbank kauft derzeit die Schulden wieder direkt. Das heißt, sie drucken Geld. Und mit frischem Geld werden die Schulden vom Staat gekauft. Solange sie die Zentralbank mit frischem Geld versorgt können sie es aussehen lassen als ob sie nicht bankrott wären.

Es wird also frisches Geld gedruckt. Welche Auswirkung hat das nun auf das System und was passiert dabei?

Bei der Schuldenkrise geht es immer um den Anleihenmarkt: Der Staat gibt Anleihen aus und verschuldet sich am Markt. Je höher die Nachfrage nach diesen Staatsschulden, umso niedriger sind die Zinsen. Das ist das Problem, das wir in Griechenland, Irland oder Portugal haben. Die Zinsen steigen gewaltig. Die Europäische Zentralbank interveniert am Anlagenmarkt und wenn die Zinsen zu hoch steigen, beginnt sie, die Anleihen mit frisch gedrucktem Geld selbst zu kaufen. Kurzfristig ist es das einzige, was die Zentralbank tun kann. Die Geldmenge wird ausgeweitet und es kommt zur Inflation. Allerdings gibt die EZB das einzige auf, was sie so speziell gemacht hat. Nämlich ihre Unabhängigkeit von einem Nationalstaat.

Die EZB wird nun von der Politik gezwungen, frisches Geld zu drucken. Das ist ein Teufelskreis, der ganz böse enden kann.
Was passiert derzeit in Griechenland, Irland oder Spanien. Wie sind die Hintergründe hier zu verstehen und wohin bewegt sich das Szenario?

Bei den Griechen hat es geheißen, dass nach einem Jahr alles wieder unter Kontrolle ist und Griechenland wieder Anleihen am freien Markt aufnehmen kann. Das stimmt allerdings nicht. Die Privatisierungen funktionieren nicht, denn niemand möchte griechische Betriebe und Assets kaufen. Auch von der Bevölkerung gibt es Ankündigungen, dass sie diese Privatisierungen nicht akzeptieren wird. Wer will schon ein griechisches Telekom-Unternehmen kaufen, das vielleicht später von der Regierung zurückgekauft wird? Die Steuern werden erhöht und das führt dazu, dass die Menschen noch weniger zahlen und schauen, dass sie ihr Geld ins Ausland schaffen. Wir kennen den theoretischen Teil davon. Allerdings erzählt uns niemand den praktischen Teil und wie es tatsächlich nicht funktioniert, wird uns nicht erzählt.

Was bekommen wir eigentlich davon mit?

Die Euro-Rettungspakete führen zur Inflation. Wenn es beim Bäcker teuer wird, dann sind Jean-Claude Trichet (EZB), Jean-Claude Juncker (Euro-Gruppe), Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und im Endeffekt auch Werner Faymann oder Maria Fekter, weil sie die ganzen Beschlüsse auch mittragen, schuld.

Das Geld in unseren Taschen wird immer weniger Wert. Somit ist es eine Art versteckte Steuer.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 sind auch die österreichischen Staatsschulden explodiert. Die Stadt Wien hat 2010 ihre Schulden fast verdoppelt. Das geht vielleicht ein paar Jahre gut, danach ist das Spiel vorbei. Beim Projekt „Vorratsdatenspeicher“ hat es geheißen, das man es sofort umsetzen muß, da wir sonst verklagt werden und bis zu 10 Millionen Euro zahlen sollen. Aber 2.100 Millionen Euro einach mal so zu garantieren ist kein Problem.

Wie ist Österreich davon betroffen?

Wir verschulden uns selbst und gehen den selben Weg, den Griechenland gegangen ist nur ein bisschen später. Wir versuchen, mit unseren neuen Schulden Griechenland oder Spanien zu retten. Sollten diese Länder wirklich umfallen, ist die Chance, dass es wieder zu einem Rettungspaket kommt sehr gering.

Irgendwann wird auch die Bevölkerung, zumindestens in Deutschland, auf die Straße gehen. Bei uns bin ich mir nicht so sicher.
Was ist der Unterschied zwischen der Situation in Deutschland und unserer in Österreich?

Wenn es um die Euro-Rettungspakete geht, dann gibt es folgenden Unterschied: In Deutschland gibt es zwar in den Medien eine öffentliche Debatte darüber. Bei den Wahlen würde ich mich nicht auskennen, wen zu wählen, da sich die Parteien hier einig sind. Bei uns wird das Thema vorallem von den rechten Oppositionsparteien FPÖ und BZÖ aufgegriffen. Das führt dazu, dass die Debatte nicht zugelassen wird, da es für die Regierung eine Oppositionsdebatte wäre, die sie nicht haben möchte. Der zweite Unterschied ist, dass die Deutschen vorne mit dabei sind und handeln bei jedem Schritt ihren Deal aus, während Österreich hinterherläuft.

Was kann die Politik in Österreich tun?

In Wahrheit wenig. Abgesehen von radikalen Schritten wie den Schilling wieder einzuführen. Sie können am Beispiel der Finnen Pseudoaktionen starten um die Bevölkerung ruhig zu halten. Die Finnen haben von den Griechen Bareinlagen als Garantien verlangt. Für die nationale Politik lässt man sich soetwas einfallen. Die Österreicher haben sich bisher relativ stark zurückgehalten und wir machen eher brav mit bei dem, was die anderen machen. Fairerweise sage ich, dass wir jetzt nicht eine großartig andere Wahl haben.

Da das Geldmonopol an die EZB abgegeben wurde, sind wir wie die Griechen im Eurogefängnis gefangen und kommen deswegen nicht aus der Krise heraus. Früher war es möglich, dass Staaten in die Inflation gehen und ihr eigenes Geld und somit auch die Schulden abzuwerten. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

Welche Abhängigkeiten gibt es unter den betroffenen Staaten wie Griechenland, Finnland, Spanien, Italien, etc.?

Das ist eben das Problem mit dem Euro als supernationale Währung. Solange Griechenland oder Finnland bei der Währung sind, können diese nicht ihre eigenen Rettungspläne entwerfen. Über die Variante, dass sie aus dem Euro aussteigen und ihre eigene Währung einführen, wird nicht laut nachgedacht.

Derzeit wird alles unternommen, um den Euro in der jetzigen Form zu erhalten und eine Abspaltung zu vermeiden. Wenn sie einmal damit anfangen, dann ist es ein Zerfallprozess.
Gibt es bereits alternative vorbereitete Währungen?

Im Endeffekt gibt es die verrücktesten Ideen:

  • Wenn man von Europa ausgeht, dann gibt es die relativ unwahrscheinliche Möglichkeit, dass der Euro so bleibt, wie er ist.
  • Zweite Möglichkeit wäre eine Aufspaltung in einen Nord-Euro und Süd-Euro, wobei der Süd-Euro jener wäre, der verfällt. Der Nord-Euro besteht dann aus der Hartwährungszone Holland, Deutschland, Österreich, etc. Das wäre mittel- oder kurzfristig gar nicht so

    eine schlechte Idee, da Deutschland weltweit einen sehr guten Ruf in Bezug auf Währung hat. Und die Euro-Rettungsschirme funktionieren auch nur, weil und wenn Deutschland mitmacht.

  • Dann gibt es den uralten Traum von der globalen Weltwährung. Die Idee gibt es seit vielen, vielen Jahren und das IWF (Internationale Währungsfond) arbeitet auch daran. 1988 hatte der „Economist“ eine Coverstory zum Thema „Weltwährung Phönix“ geschrieben: „Sie wird 2018 kommen und wir werden sie mit Freude begrüßen.“ Ich glaube, so wie das System aussieht würde ich es nicht mit Freude begrüßen. Es wäre soetwas wie der Euro nur für die ganze Welt.
  • Es gibt noch die Variante des komplett unkontrollierten Zusammenbruchs. Die Variante würde uns vielleicht nachher zum besseren Geldsystem führen, allerdings wäre der Weg dorthin sehr unangenehm.
  • Weiters gibt es noch die meiner Meinung nach interessanteste Variante: Gold und Silber, wenn es ums Sparen geht. Ich rede nicht davon, dass wir mit Goldmünzen in der Hosentasche herumlaufen, es wird weiterhin Papiergeld geben. Ein Weg aus der Schuldenkrise wäre, wenn so stark inflationiert wird, dass soviel Papiergeld in der gleichen Menge Gold da ist. Dann steigt der Goldpreis und auf einem komplett neuen Level bewertet wird, von dem wir heute davon träumen. Das könnte dann theoretisch – und das ist kompliziert – den Euro und den Dollar retten. Es wäre ein gewaltiger Schritt.
Was hat es mit den Eurobonds auf sich.

Wir haben früher über griechischen Anleihen geredet und die Schulden, die die Staaten am Bondmarkt aufnehmen. In Europa ist es so, dass jedes Land seine eigenen Anleihen, seine eigenen Bonds, ausgibt. Und jedes Land hat sein eigenes Kreditrating. Österreich hat beispielsweise das Beste nach Triple A, ebenso wie Deutschland und Frankreich. Umso höher das Rating, umso niedriger sind die Zinsen, die für Kredite zu zahlen sind.

Die Idee mit den Eurobonds ist jene: Wenn man für den gesamten Euroraum eine Anleihe ausgibt, dann hättest du vielleicht weniger Gesamtzinsen. Das Problem dabei ist, dass es zu noch mehr Misswirtschaft führt, weil sich Länder wie Griechenland oder Spanien wieder billiger finanzieren können. Und die starken Länder wie Deutschland oder Österreich haben dann Angst, weil sie sich teurer finanziere müssten, weil sie sich über die Eurobonds finanzieren müssen.

Es ist sehr unausgereift und ich bin dabei eher skeptisch. Deutschland streubt sich derzeit noch. Wobei sich die Deutschen gegen alles gestreut haben und sind letztlich immer wieder umgefallen. Die entscheidende Frage ist, kann man das umsetzen, ohne die EU-Verträge massiv zu ändern. Es darf eigentlich nicht so sein und zu Volksabstimmungen kommen. Davor schreckt man natürlich zurück und kein Mensch in Brüssel möchte Volksabstimmungen.

Wenn das ohne Volksabstimmung umgesetzt wird, ist es ein eindeutiges Zeichen für Demokratie-Alarm. Wenn es eine Volksabstimmung wird und es steht EU drauf, dann wird sie letztlich nicht positiv ausgehen. Egal in welchem Land. Das ist eine Zwickmühle.

Vielleicht ist es auch nur eine Geschichte, die derzeit aktiv gehalten wird. Damit eben die Leute, die auf den Bondmärkten aktiv sind (Hedgefonds, Spekulanten, Pensionsfonds, etc.) Geld anlegen und dass sie hier beruhigt werden.

Spielt Österreich bei dieser Geschichte mit?

Kaum. Wir sitzen halt auch am Tisch. Es gibt keine spezifischen österreichischen Akzente bei diesen Themen. Nirgends.

Wäre das notwendig?

Das ist das Paradoxon bei der Geschichte. Ja, natürlich wäre es wünschenswert. Allerdings, wenn jedes Land beginnt herumzupoltern, dann ist das Thema nach ein paar Wochen vorbei. Es passiert: Die Slowakei macht immer wieder Probleme – ebenso die Finnen. Die entscheidende Schlacht wird in Deutschland geschlagen. Der deutsche Bundespräsident meinte, dass es rechtswidrig ist, was gemacht wird. Die Bundesbank hat das selbe gesagt und im September 2011 wird der deutsche Verfassungsgerichtshof entscheiden, ob das verfassungskonform ist, was hier geschieht. Wenn der deutsche Verfassungsgerichtshof sagt, es ist nicht verfassungskonform, dann kann es einen ganz großen Knall geben.

Vom Geld zum Euro und jetzt zum Gold. In einem Blog-Artikel von Dir habe ich etwas von einer „Gold-Bubble“ gelesen. Was hat es derzeit damit auf sich?

Ganz wichtig: Es gibt keine Goldpreis-Bubble. Jeder der das sagt, hat keine Ahnung von Gold. Es wird etwas geben, dass so aussehen wird wie eine, davon sind wir noch weit entfernt. Wenn etwas stark exponentiell steigt, dann kann es zu einer Blase kommen. Wenn es fällt, dann ist es eine normale und gesunde Korrektur. Die Bubbleexperten hätten Recht behalten, wenn es weiter gestiegen wäre.

Beim Goldpreis ist wichtig, dass man nicht über den Goldpreis reden darf. Man soll Gold als Währung sehen – als Wechselkurs.

Und dieser Wechselkurs hat einen eindeutigen Trend gegenüber allen Währungen der Welt. Seit 10 Jahren sinken alle Währungen gegenüber dem Gold. Jetzt kommen wir in Europa in die Phase, in denen die Aufmerksamkeit plötzlich stärker wird. Solange Gold 300 Euro gekostet hat, hat es niemanden interessiert. Jetzt bei fast 1.300 Euro interessiert es die Menschen und wollen plötzlich wissen, was los ist.

Gold ist ein globaler Markt mit drei Milliarden potentiellen Käufern. In China und Indien wird wie verrückt Gold gekauft, es hat dort noch einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Auf der Gumpendorferstrasse (Wien) bspw. komme ich an vier, fünf Goldankäufern vorbei. Solange die Leute noch wegen des hohen Goldpreises ihr Gold verkaufen, sind wir von einer Bubble noch weit entfernt. Am Höhepunkt der Bubble kauft jeder – egal zu welchem Preis.

Welche Chancen hat Gold im Vergleich zum Euro und zu anderen Währungen?

Der Trend ist ganz klar. Das einzige was mich nervös macht ist, dass inzwischen die großen Banken, die früher sehr goldkritisch waren positive Goldpreisprognosen abgeben. J.P. Morgan, die im Verdacht stehen, den Goldpreis selbst sehr stark zu manipulieren, sagen, dass bis Ende des Jahres der Goldpreis auf 2.500 US-$ pro Unze steigt. Prinzipiell spricht nichts dagegen, die strukturellen Gegebenheiten sind eindeutig, das Geldsystem, das immer noch auf dem Dollar basiert hat massive Risse und das ist der Grund dafür, wieso Gold sehr stark steigt.

In den USA wird es demnächst zu einer dritten Runde des „Gelddruckens“ kommen. Das „Quantitative Easing“ ist ein eleganter Name dafür.

Die machen das viel, viel ärger, als wir es machen. Da wird gedruckt, was geht. Inflation ist halt für den Goldpreis immer gut. Man darf nicht vergessen, dass man mit dem Gold kein Geld verdient. Man wird nur langsamer ärmer als die anderen um Dich herum. Der Euro und der Dollar wird abgewertet, die Kaufkraft sinkt, die Preise steigen.

Es gibt die alte Geschichte, dass Du mit einer Unze Gold im alten Rom eine gute Tunika und gute handgemachte Sandalen kaufen konntest und heute dafür einen guten Anzug und gute Schuhe kaufen kannst. Und das stimmt in diesem Fall.
Was passiert mit dem Ersparten?

Ich kann nicht sagen, was in der Zukunft sein wird. Die Lage derzeit ist ziemlich kritisch, dass sich jeder selbst Gedanken darüber machen soll, ob er das Risiko eingehen will und auf einen Papierfetzen zu setzen, der in 2030 vielleicht irgendwelche Renditen abwirft. Beim Sparbuch ist es einfacher: Wenn Du dort Zinsen bekommst von 1.2 % und die offizielle Inflationsrate liegt bei 3 %, dann verlierst du Geld. Und die offizielle Inflationsrate musst du nochmal verdoppeln oder verdreifachen, bis du auf die richtige Inflationsrate kommst, weil die ist ganz schwer manipuliert.

Ich sehe persönlich keinen Mehrwert darin, sein Geld am Sparbuch oder am Konto liegen zu haben. Oder Bausparverträge, Lebensversicherungen, damit ist man schon in den 90er Jahren abgezockt worden.

Was sind 5.000 EUR in 10 Jahren? Ich würde es schwer überdenken, ob es wirklich notwendig ist sein Geld da drinnen zu haben.

Was passiert, wenn neue Goldvorkommen entdeckt werden? Was passiert mit dem Goldpreis?

Ich glaube, dass es schon so ist, dass es sowohl unterhalb und oberhalb der Erde viel mehr Gold gibt, als offiziell behauptet. Wenn es offiziell heißt, dass wir haben 160 Tonnen Gold haben und wenn eine Regierung einfach so 400.000 Tonnen Gold herumliegen, das kannst du dann einfach so ausgeben. Das hat allerdings nicht direkt eine Auswirkung auf den Goldpreis, als dass wir erst am Anfang dieser Währungskrise stehen. Wenn wir bemerken, dass wir viel mehr Gold haben, dann ist der echte Wert von Gold nicht bei 40 Dollar/Unze sondern bei 35.000.

Das würde mich nicht nervös machen. Wenn du dich absichern willst, dann ist die Kombination mit Silber sehr gut. Die Verschwörungstheorien sind, dass es viel weniger Silber gibt, als offiziell angenommen wird. Es gibt wahrscheinlich viel weniger Silber als Gold auf der Welt. Alles, was Du angreifen kannst ist gut. Alles was Papier ist, ist schlecht. Immobilien sind der Klassiker.

Ich habe gelesen, es gab Anfang September einen Goldpreis Höchststand, der dann plötzlich gesunken ist. Wieso das?

Es gibt keinen Goldpreishöchststand. Es gibt ein Nominaljahr. Die letzte Gold-Bubble war 1980, damals war Gold ca. 850 Dollar/Unze wert. Bei diesem heurigen Höchststand kostete das Gold 1.900 Dollar/Unze. 1980 war allerdings der Dollar mehr wert als heute. Inflationsbereinigt mit den offiziellen Inflationszahlen liegt das All-Time-High bei 2.300 Dollar/Unze. Wenn man die klassische Inflationsberechnug der Amerikaner, die sie vor ein paar Jahren umgestellt haben, hernimmt, dann liegts bei ungefähr 7.000 Dollar. Hier kann man schon viel herumtun, weil Inflationszahlen sind sehr willkürlich.

Der Preis, den wir über Gold in der Zeitung lesen, kommt nicht zu Stande, weil wir uns eine Münze kaufen. Das ist die böse Spekulation. Dieses Zocken passiert mit Krediten, es ist alles gehebelt. Wenn die Rohstoffbörsen sagen, es ist zuviel Spekulation drinnen, wir erhöhen jetzt den Prozentsatz, den du mit eigenem Geld hinerlegen mußt. Das kegelt dann die Hardcore-Spekulanten aus dem Markt. Und das ist genau das, was jetzt passiert, diese Sicherheitshinterlegungsangelegenheit.

„Margin-Hikes“ ist der Begriff, der auch bei Silber verwendet worden ist. Einige Marktbeobachter nennen das ganze „Preisdrückung“ und gleichzeitig ist es ein Mittel, damit der Markt nicht überhitzt.

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute weiterhin!