Man nehme: ein Zentrum für alternative Kunst, für Konzerte, für wahre Erlebnisse: z.B. die Arena Wien. Zudem fügt man etwas Bürokratie hinzu, gewisse Obrigkeiten: da fällt mir spontan MA 34/36 ein. Und zum Abschluss braucht man noch  ein paar Social Networks um sich zu mobilisieren, Facebook zum Beispiel oder Twitter. Das reicht schon, um innerhalb kürzester Zeit einen kleinen Aufschrei zu erzeugen. Sind die Jungen von heute etwa doch nicht so lethargisch?

Foto: nacaseven| Flickr | CC: by-nc-nd-2.0

Die Arena Wien hat große Tradition: In den 70er-Jahren durch eine  Besetzung zum fixen Bestandteil der Wiener Szene geworden, trifft  man heutzutage alljährlich musikalische Größen. Und ja, natürlich: das Ende der Arena Wien wäre ein großer Verlust, die beste Location in Wien wäre dann wohl Geschichte. Aber um hier jetzt keine Spannung aufbauen zu müssen: scheinbar hat sich alles schon wieder erledigt, und die Schuld liegt gewissermaßen bei den Arena-Betreibern selbst, die Deadlines übersehen haben. Zumindest für September sind die Konzerte gesichert. (Berichte dazu: fm4, Die Presse, ORF.at, derStandard)

Aber was wäre, wenn …

Was, wenn es doch zu einem Ende der Arena kommen würde? Über 18.000 Leute haben „Gefällt mir“ gedrückt um Solidarität mit den Betreibern auszudrücken. Außerdem war eine Besetzung schon im Gespräch, hätte die Politik und die Bürokratie negativ entschieden. Aber ist den Politikern bewusst, was sie da anstellen? Zugegeben, ein „Gefällt mir“ auf Facebook drückt man schnell mal, aber der Unmut der jungen Menschen (Jugendliche, junge Erwachsene aber auch eine Unmenge an „Junggebliebenen“) war in den Postings auf der Facebook-Page schon zu vernehmen. Man schimpfte über die Politik, über die rot-grüne Stadtregierung und vermutete, dass diese unangepasste Lokalität der Stadt schon länger ein Dorn im Auge sei.

Die Politik sollte mit Bedacht agieren. Denn auch wenn man der Jugend stets unterstellt, sie sei zu untätig und unpolitisch … heißt das noch lange nicht, dass die Politik nicht die Interessen dieser wichtigen Wählerklientel vergessen sollte. Denn, so kann ich es mir vorstellen, das Schließen der Arena könnte schon ein Ausgangspunkt sein. Für Besetzungen, für Aufstände, Demonstrationen. Denn auch wenn Österreich nicht Madrid, London, Tunis oder Kairo ist … auch hier gibt es Unmut.

Kreativ-Protest

Wie die junge Wiener Szene eben diesen Unmut zeigt, offenbart deren unglaublichen künstlerischen Kosmos. Um die Sperrstunde weiter nach hinten zu verschieben, schuf man – basierend auf dem Lied und dem Video von Duck Sauce‘ „Barbra Streisand“ – den Song „Ursula Stressned“.

Das ist für diese Generation relativ neu. Klar, man kennt Protest gegen Rechts, gegen Strache, gegen die FPÖ. Man lacht über Christoph & Lollos Karl-Heinz (es gilt die Unschuldsvermutung). Aber hier geht es nicht um Politik im eigenen Sinn, hier geht es um die Anliegen der jungen Menschen. Um einen Platz, der für unzählige schöne Konzerte, für wunderbare Erinnerungen steht. Da sollte die Politik das nächste Mal etwas vorsichtiger agieren. Und anstatt mit dem Schließen zu drohen, sollte man die Arena (weiter?) fördern. Aber einen solchen Querschlag gegen die Jugend, das sollte die Politik lieber nicht mehr riskieren.

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