Der ÖVP-Forderung nach Studiengebühren erteilte Faymann eine klare Absage. „Wir sind gegen Studiengebühren, weil sie Schranken darstellen“, sagte der Kanzler. Um für geordnete Verhältnisse an den Universitäten zu sorgen, habe die Regierung die Möglichkeit zu Studieneingangs- und Orientierungsphasen geschaffen. Es brauche in Österreich mehr Studierende und nicht weniger – zum Beispiel in den technischen Fachrichtungen.


So fasst der Mail-Verteiler info aktuell – Für Meinungsbildnerinnen und Meinungsbildner in der SPÖ den Bereich Bildung im Sommergespräch mit Bundeskanzler Werner Faymann zusammen. Und ich musste schmunzeln. Wie schon Tage zuvor, als ich im aktuellen Profil Peter Michael Lingens Kommentar „Töchterle erlebt Schmieds Schicksal“ las. Die SPÖ bleibt also bei ihrem strikten Nein für Studiengebühren. Das ist verständlich, wenn man stets für einen freien Hochschulzugang eintritt. Aber vielleicht hat Lingens ja Recht, und die Sozialdemokraten rächen sich am Dauer-Nein bei Schmieds Schulreformplänen. Und doch: in Wahrheit fehlt es sowohl SPÖ im Schulbereich als auch der ÖVP im Hochschulbereich an einem wirklichen Plan. Und genau das erzeugt das Desaster.

Bild CC von kaktus621 http://www.flickr.com/photos/k621/4977692933/
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Rote Schule, schwarze Wissenschaft

Ich erinnere mich noch an meine eigene Schulzeit. Damals blieben meine Professorinnen und Professoren nicht hinter dem Berg mit ihrer Meinung zur damaligen ÖVP-Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer. Ihr wurde Untätigkeit unterstellt, dass die Schule endlich mal reformiert gehöre, dass man mehr Geld brauche. Und manchmal, wenn ich heutzutage Lehrer von damals sehe, ist ihr Unmut meist sogar noch gewachsen, nur diesmal eben gegen Claudia Schmied, die Nachfolgerin aus Reihen der SPÖ. Und das, obwohl Untätigkeit nicht wirklich zu ihrem Ressort passt: die Zentralmatura, die Testläufe der Gesamtschule, die Diskussion um 2 Stunden zusätzliche Arbeitszeit … all das fällt in ihre Ministerära. Und in Wahrheit muss man loben, dass sie trotz des Blockens der ÖVP und dem Widerstand der mächtigen Lehrergewerkschaft schon so vieles umsetzen konnte.

Töchterle hat es mit dem Wissenschaftsministerium nicht unbedingt besser erwischt: seine Vorgänger Johannes Hahn und Beatrix Karl haben eine Baustelle hinterlassen. Die österreichische Hochschullandschaft leidet: an Platz- und vor allem auch an Geldmangel. Die Arbeit des jetzigen Ministers darf man wohl nach so kurzer Zeit noch nicht bewerten, aber schon das Vormerksystem (Inskription bis Ende August) war ein Schuss in den Ofen. Die ÖVP spricht stets von zu vielen Studenten, von Zugangsbeschränkungen und von Studiengebühren. Die SPÖ hingegen mauert, will von all dem nichts wissen und schweigt, wenn es um mögliche Visionen geht.

Das ist das große Problem: Österreichs Bildung ist Parteipolitik. Gerade ein so wichtiges Thema sollte in Wahrheit nicht am tagespolitischen Gemetzel kaputtgeredet werden. Hier (wie auch in grundsätzlich allen politischen Belangen) sollten sich die beiden Regierungsparteien sich zusammensetzen, sich Gedanken über Reformen machen, diese untereinander diskutieren und anschließend das Ergebnis präsentieren. Und sollte es (und das tut es sicher) von der Parteilinie abweichen, haben anschließend Spindelegger und Faymann die Möglichkeit, aufzuzeigen, welche Ideen und Pläne aufgrund des Kompromisses (noch) nicht umgesetzt wurden.

Liebe Politik: Finger weg von der Bildung!

Wie man in den vergangenen Jahren (und Jahrzehnten) mit der Bildung umgegangen ist, sollte bald der Vergangenheit angehören. Reformen in der Bildung gehören durchdacht, besprochen, diskutiert. So verfehlt Schmieds Zentralmatura aktuell noch vollkommen den Sinn, da man bei Schulreformen bitteschön nicht Top-Down sondern eher Bottom-Up agieren sollte. Vom Kindergarten oder der Vorschule weg, und nicht beim Abschlussjahr in der Oberstufe.

Gemeinsam könnten SPÖ und ÖVP die Bildung auf die Schienen des 21. Jahrhunderts bringen. Alleine hingegen wird das wieder nur ein Hickhack, eine peinliches und unlustiges Kabarett. So etwas haben sich die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht verdient. Und für die Zukunft unseres Landes wäre eine gemeinsame Arbeit vielleicht auch sehr hilfreich.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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