„Als einzige Partei haben wir einen Stadtplan vorgelegt und mit mehr als 100 Fachexperten 230 Projekte ausgearbeitet“, erzählt uns der amtierende St. Pöltner Bürgermeister Mag. Matthias Stadler. Stadler ist Spitzenkandidat der SPÖ und tritt am 3. Juli bei der Gemeinderatswahl an. Bei der letzten Wahl im Oktober 2006 konnte die SPÖ knapp 60 % erreichen. Die Umfragen meinen es auch diesmal sehr gut mit dem amtierenden Bürgermeister und reihen ihn im Vorfeld zwischen 58 und 64 % ein.

Sein Angebot an St. Pölten’s WählerInnen ist vielfältig: Investitionen in Jugend und Bildung, mehr Jobs durch neue Betriebe und im Bereich der Migration der klare Wunsch zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung und ein eigenes vollwertiges Ministerium. Ein weiterer Fokus liegt im Gesundheitsbereich und der Errichtung einer Medizinuniversität. Das sind einige der Punkte aus dem entwickelten Ideenplan für die kommenden Jahre.

Wir haben mit dem Bürgermeister telefoniert und ihn über seine Vorstellungen, Ziele und Ideen befragt.

Mag. Matthias Stadler wurde 1966 in St. Pölten geboren. An der Universität Wien hat er Deutsche Philologie, Geschichte und Sozialkunde studiert und war 1991 bei den Niederösterreichischen Volkshochschulen tätig. Seit 1995 leitet er das Büro des „Kooperationsnetzwerkes Europäischer Mittelstädte“. 1998 wurde er Prokurist an der „Gesellschaft zur Durchführung von Fachhochschul-Studiengängen St. Pölten mbH und im März 2002 Geschäftsführer. In der Politik ist Stadler seit 2003 tätig, war im Gemeinderat und wurde Stadtrat für Schul-, Kultur- und Jugendangelegenheiten. Seit Juli 2004 ist Stadler Bürgermeister der Stadt Wien und Vorsitzender der SPÖ St. Pölten Stadt.

Quelle und Bild: Facebook Profil Matthias Stadler

neuwal im Gespräch mit St. Pölten’s Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) – Gemeinderatswahl 2011 by neuwal

Herr Bürgermeister Stadler, was ist in den vergangenen Jahren in St. Pölten gut gelaufen?

In St. Pölten läuft aus meiner Sicht wirklich vieles gut. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Projekte realisiert. Zur Zeit werden über 1 Mrd. Euro in größere Projekte und deren Umsetzung investiert: Fertigstellung des Bahnhofes, das Hotel ist in Betrieb gegangen, XXXLutz, die Landesdirektion der Wiener Städtischen und auch Projekte wie die Güterzugsumfahrung. Auch die Hypo-Zentrale ist zur Zeit im Bauerden.

Wir haben in den letzten Jahren die Nachmittagsbetreuung verdreifacht und 23 neue Kindergartengruppen mit 575 Kindergartenplätze entwickelt.

Wir haben uns für die Zukunft sehr viel überlegt: Als einzige Partei haben wir einen Stadtplan vorgelegt. Dabei haben wir mit über 100 Fachexperten in verschiedenen Themenbereichen 130 Projekte für die Stadt St. Pölten und nochmals 100 für die einzelnen Stadteile ausgearbeitet. Details gibt es auch auf matthiasstadler.at nachlesen.

Welche Projekte und Ideen finden sich beispielsweise in diesem Stadtplan?

Wir fordern über die Stadt hinaus ein S-Bahn-Projekt für den Zentralraum. Ebenso ist es sinnvoll, die Busverbindungen in St. Pölten deutlich zu verbessern. Wir haben das zweitgrößte Gewerbe- und Industriegebiet im Süden St. Pöltens in Hart als Vision dabei. Wir möchten Start-Up-Center für die Kreativwirtschaft und als Stadt mithelfen, das Kasernenareal Glanzstoff zu entwickeln. Wir wollen 40 km Radfahrwegenetz ausbauen und die Parkplatzsituation in der Innenstadt optimieren: Die 750 Stellplätze beim P&R beim Bahnhof sind hier nur ein Mosaikstein von vielen. Wir wollen Nachmittsbetreuung auch weiterhin verbessern und unseren Visionsplan 2020 umsetzen. Wir möchten den Gesundheitsschwerpunkt stärken. Und zwar ein wirkliches Zentralklinikum, so wie es im österreichischen Krankenanstaltengesetz definiert ist: Mit einer Orthopädie, mit allen zentralen Einrichtungen inkl. einer Medizinuniversität und einer Psychiatrie.

Am 22. Juni gab es einen Spatenstich für die Bundeshandelsakademie und HTL – am 8. Juli gibt es einen für die Mayer-Mühle.

Wie lassen sich diese Ideen finanzieren?

Wir brauchen zu einem Teil natürlich weiterhin gute Verbindungen zum Bund und zum Land Niederösterreich. In den letzten Jahren ist uns vieles gelungen und ich erinnere hier nur an Bahnhof und Wiederbelebung der Güterzugsumfahrung, die jetzt im Bau ist ebenso wie die Westumfahrung, die derzeit in Planung ist.

Ich bin mir sicher, dass wir auch mit dem Land Niederösterreich und mit dem Bund etliche dieser ambitionierten Projekte durchaus auf den Weg bringen werden: Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Welche Ziele und Vorhaben gibt es im Bildungsbereich?

Wir sind jetzt schon die größte Bildungsstadt in Niederösterreich.

In St. Pölten gibt es 24.000 SchülerInnen und StundentInnen, mit BFI und WIFI haben wir zusammen 60.000 Ausbildungsplätze.

In den nächsten Jahren möchten wir um 5.000 Ausbildungsplätze aufstocken. Wir wollen massiv in die Bildung und Ausbildung investieren. Das Gymnasium in der Josefstraße wird in zwei Jahren zu bauen begonnen werden. Die Bundeschule für Kindergartenpädagogik und Sozialpädagogik, die Schule in Alland und die Körnerschule werden ausgebaut oder renoviert. Für die Zukunft sind die Fachhochschule, Privatuniversität und universitäre Einrichtungen für die Landeshauptstadt unbedingt notwendig. Die Fachhochschule hat sich sehr gut entwickelt und es gibt in St. Pölten über 2.000 Studierende – 450 bei der New Design University. Wir wollen die Fachhochschle weiterentwickeln. Hier gibt es auch Gespräche auch mit dem Eisenbahnwesen und der Eisebahntechnik.

Welchen Weg geht St. Pölten? Wie stellen Sie sich St. Pölten in einigen Jahren als Landeshauptstadt vor?

Das St. Pölten zu diesem Zeitpunkt kein Thema mehr mit dem Image hat und wir gleichwertig mit allen anderen Landeshauptstädten positioniert sind. Das wir in einigen Bereichen zum Beispiel bei den Klein- und Mittelbetrieben in der Europaregion centrope im Gesundheitswesen aber auch im Bereich Innovation und Kreativwirtschaft uns wirklich mit einem Alleinstellungsmerkmal in Niederösterreich positionieren können.

Das Frequency-Festival wird von einer Bürgerinitiative in St. Pölten stark kritisiert. Welchen Stellenwert hat das Festival für St. Pölten und wie geht es damit weiter?

Wir möchten St. Pölten noch mehr als Festivalstadt positionieren. Das hat uns einen nationalen und internationalen Anschluß an viele Entwicklungen gebracht sowie auch das Image deutlich verbessert. Wir haben nicht nur das Frequency oder das beatpatrol festival, sondern auch das Erzählkunstfestival fabelhaft, es gibt das kijubu, das Stadtlesen, es gibt Barockfestivals, Sommerfestival am Rathausplatz und ich hab noch nicht alle Festivals aufgezählt, die wir mittlerweile während des Jahres haben.

Wie geht es in St. Pölten rund ums Thema “Migration”? Was sind hier die Herausforderungen und Chancen für St. Pölten und wie sehen Sie das?

Wir haben in St. Pölten einen Migrationsanteil von ca. 10 %. Der Anteil ist – trotz anderer Wahrnehmungen – relativ gering. Wir haben eine Anlaufstelle mit eigener Integrationsberaterin, die als Anlauf- und Integrationsstelle geschaffen wurde. Wir bieten von Deutschkursen, Berufsangeboten, Betreuungen bis hin zur Koordination verschiedenster Vereine sehr viel an. Diese Arbeit möchten wir verstärken. Dieser Prozess muß beidseitig erfolgen: Von der österreichischen Bevölkerung als auch von den Migranten gewollt und gelebt werden.

Der Städtebund möchte hier nicht nur ein Staatssekretariat sondern ein vollwertiges Ministerium, das dieser Thematik auch für die Zukunft entspricht. Es wird – und das stört mich an der Diskussion – immer das Thema Integration mit dem Asylthema vermischt.

Darum gehört auch das Staatssekretariat aus meiner Sicht nicht ins Innenministerium und das Thema Asyl vom Sicherheitsthema nachhaltig – auch im Bewusstsein der Bevölkerung – getrennt.

Hier gilt es Bewusstseinsbildung zu schaffen. Denn wenn wir im tagtäglichen Bereich und auch in den Medien von Ausländern sprechen, sind dies oft österreichische Staatsbürger und sogar schon seit vielen Jahren oder seit Jahrzehnten.

Abschließend – was sind ihre Wünsche und was sind ihre Ziele für die nächsten Monate?

Ich möchte wirklich all die Dinge, die wir uns vorgenommen haben, in den nächsten fünf Jahren umsetzen. Wir wollen für alle Generationen da sein: Der Bogen spannt sich von der Jugend bis zur älteren Generation. Wir brauchen Anlaufstellen für die Jugend in den einzelnen Stadtteilen sowie ein familienfreundliches Angebot in den Kindergärten und Schulen. Ebenso betreutes Wohnen für die ältere Generation, wo derzeit gleich drei Projekte realisiert werden: Living City in Viehofen, Projekt bei der Mayer-Mühle und ein Projekt mit der allgemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft.

Ich möchte alle einladen, sich mit diesen Plänen und Konzepten auseinanderzusetzen. Es ist sehr umfangreich, unsere Ideen in wenigen Minuten näher zu bringen. Wir haben uns wirklich etwas überlegt, um St. Pölten in den nächsten Jahren bestmöglichst zu positionieren. Ich sehe eine gewaltige Chance durch die hohe Lebens- und Wohnqualität und auch dadurch, dass wir durch die gute Zugsverbindung noch näher an Wien als Weltstadt und auch an Linz rücken.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!
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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.