Woche für Woche wird hier etwas zu finden sein, das in der österreichischen Politik selten geworden ist: Klare Worte zu wichtigen Themen ohne politische Scheuklappen. Die neuwal Montagsrede ist das Gegenteil einer Sonntagsrede (Duden: abwertend, bei feierlichen Anlässen gehaltene schöne Rede mit großen, der Realität meist nicht standhaltenden Worten). Woche für Woche ehrliche 15 Sätze, die mutige Politiker Ihren mündigen Wählern zugestehen sollten.

(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger
(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger

Liebe Österreicher, liebe Österreicherinnen!

Das Geheul war groß, als der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan quasi im Alleingang Ex-Außenministerin Ursula Plassnik als OSZE-Chefin verhinderte.

In Italien leckt Silvio Berlusconi nach mehreren schweren Niederlagen seine Wunden, zuletzt wurden nun Pläne für eine Atomreinaissance vom Volk abgelehnt.

Diese Fälle haben mehr miteinander zu tun, als man denkt: Sie sind ein Beispiel für die Kollateralschäden kurzsichtiger und populistischer Stammtischpolitik.

Natürlich war es ein unschönes Revanchefoul der Türkei, die persönlich unbescholtene und geeignete österreichische Kandidatin plump und patzig abzuschießen.

Doch diese Kurzschlusshandlung war eine Trotzreaktion auf unsere feige und über weite Strecken verlogene Verhandlungsposition in der Türkei-Beitrittsfrage.

Statt eines offenen, ehrlichen Dialogs haben wir erst im Hintergrund, später verstohlen, zuletzt ganz öffentlich der Türkei alle möglichen Hürden in den Weg gelegt.

Das war ebenso kurzsichtig wie erfolglos, denn die Perspektive einer derartigen Erweiterung übersteigt nicht nur unsere Vorstellungskraft, sondern auch den Horizont unseres Landes.

Ebenso hat sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi verschätzt, der ohne Argumente im gewohnten Macho-Stil eine Atom-Renaissance einläuten wollte.

Es ist eine hohe Kunst in der Politik, im bewegten Tagesgeschäft den Weitblick nicht zu verlieren, was weder einfach noch jederzeit möglich ist.

Wenn jedoch zwischen den Bedürfnissen der Bevölkerung und den Handlungen der politische Mächtigen eine derartige Kluft entsteht, ist Feuer am Dach.

Österreich hat es lange geschafft, Chancen zu nutzen, statt vor Hindernissen zu erstarren – nur so konnten wir uns an die EU-Spitze hocharbeiten.

Kurzsichtige Stammtisch-Parolen und dumbe Attacken gegen Türken, Ungarn oder Deutsche werden wir noch öfter böse Überraschungen erleben.

Auch wenn sich kurzfristig national die eine oder andere Wählerstimme holen lässt: der internationale Image- und Flurschaden folgt garantiert.

Wir müssen deshalb nicht für alles und jedermanns Freund werden, doch auf politische Befindlichkeiten und den Ausbau strategischer Partnerschaften achten.

Die „Wiener Diplomatie“ könnte wieder ein echter Trumpf in unserem Ärmel werden – wenn wir auf Respekt statt Rüpelpolitik setzen.