Vor einer Woche habe ich auf Radio Fritz (einer meiner Lieblingsradiosender übrigens) eine Reportage über ein interessantes Projekt in Deutschland gehört. Und zwar handelt es sich dabei um DeinBus.de, einem jungen StartUp im Fernverkehrmarkt, das von der Deutschen Bahn verklagt worden ist. Die Geschichte und das Thema finde ich sehr interessant und ich fand es wert, hier näher nachzufragen. Ich mag die Idee und den Mut, mit einer Idee Alternativen zu einem starken (Pseudo-)Monopol zu generieren. Aber zuerst mal alles der Reihe nach.

Die drei Gründer hinter DeinBus.de haben sich gefragt, wieso es in Deutschland kaum Fernbusse gibt. Also Busse, die Großstädte miteinander verbinden, zum Beispiel Frankfurt – Köln oder Berlin – München. Der Grund dafür ist ein seit über 70 Jahre bestehendes Quasi-Monopol, das die Personenbeförderung in Deutschland reguliert. Das heißt auch, dass der Betrieb von Fernlinienbussen durch Zulassungsbeschränkungen des Personenbeförderungsgesetzes verhindert, gleich wie in Österreich. Und das war auch gleichzeitig die Motivation, daraus eine Geschäftsidee zu entwickeln.

Die Idee hinter DeinBus.de ist ganz einfach: Ähnlich wie eine Mitfahrzentrale für PKW’s ist DeinBus.de eine Plattform, die Fernlinienrouten auf Anfrage und nach Bedarf anbietet. Busse fahren nach den Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden zu günstigen Preisen. „Eigentlich sind wir ein Onlineunternehmen. Bei uns läuft alles über die Website – wir haben keine lokalen Anlaufstellen„, erzählt mir Christian Janisch stolz, mit dem ich am Telefon kurz gesprochen habe.

Die Genehmigung für das Unternehmen wurde durch die Behörden in Deutschland erteilt. Die Deutsche Bahn sah im Unternehmen allerdings einen „Pseudolinienverkehr“ – auch wenn kein Linienplan vorliegt – und hat DeinBus.de daraufhin geklagt. Nach kurzen Schreckensmomenten bekamen die Gründer Rückendeckung durch die Community auf Facebook, in Blogs, durch Politik und Medien. Und nach genauer Prüfung wurde die Klage durch die Deutsche Bahn Mitte April 2011 abgewiesen.

Aber lest/hört selbst, was hier genau los ist…

neuwal im Interview mit deinbus.de by neuwal

neuwal: Was ist „DeinBus“ genau und wie funktionert das?

Christian Janisch (deinbus.de): deinbus.de ist eine Mitfahrzentrale für Busse. Wenn Du auf unsere Website deinbus.de gehst und sagst, Du möchtest von Wien nach Bratislava fahren, dann stellen wir Deine Fahrt online. Wir schlagen einen Preis vor und suchen nach Mitfahrern. Sobald wir genügend Mitfahrer gefunden haben, findet die Fahrt statt. Und dann fährt das Ding.

Eigentlich sind wir ein Onlineunternehmen. Bei uns läuft alles über die Website deinbus.de. Wir haben keine lokalen Anlaufstellen.

neuwal: Wie sieht das preislich bei euch aus?

Janisch: Wir schlagen meisten einen Preis von 15 EUR bei 200 km vor, das ziemlich günstig ist. Mein Lieblingsbeispiel ist immer die Strecke Frankfurt – Köln. Diese Strecke wird sehr oft von unseren Kunden angefragt und gefahren. Die Bahn kostet im Normalpreis 64 EUR und wir kosten 12.50 EUR. Diese Strecke ist für uns sehr positiv – generell liegen wir 20 % unter dem Bahnpreis.

neuwal: Köln-Frankfurt. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bus auch tatsächlich fährt?

Janisch: Theoretisch fahren wir überall hin, sofern wir genügend Mitfahrer fidnen. Die meisten Fahrten finden derzeit von Großstadt zu Großstadt statt. Wir fahren meistens vor Wochenenden, da zu dieser Zeit vorallem Studenten aktiv sind.

neuwal: Habt ihr eigene Busse?

Janisch: Nun, es sind nicht unsere Busse, weil wir nicht so viel Geld für neue eigene Busse haben. Wir haben ein großes Netzwerk und arbeiten mit Kooperationspartnern zusammen.

neuwal: Ihr seid ja mehrere Leute hinter deinbus.de. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Janisch: Ich war im Auslandssemester in Spanien. Ich habe gesehen, dass dort Busfahren ganz normal ist, wie eigentlich überall in Europa. Außer in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Mein anderer Kollege war in Osteuropa, ist zurückgekommen und wir haben uns gefragt, wieso es so ein Bussystem in Deutschland noch nicht gibt. Wir wussten sofort, dass wir das ändern müssen.

neuwal: Was hindert … derzeit daran?

Janisch: Es gibt ein Personenbeförderungsgesetz, das ein eigenen Buslinie prinzipiell untersagt: Man bekommt keine Busfährenliniengenehmigung, wenn die Deutsche Bahn schon irgendwo fährt. Dann sind wir auf die Idee gekommen, das Gesetz mit einer Busmitfahrzentrale auszuhebeln. Es eben immer schon erlaubt gewesen ist, wenn sich eine Gruppe von Personen einen Bus mietet. Was allerdings nicht erlaubt ist, ist ein fixer Fahrplan. Das haben wir umgesetzt und wurden von der Deutschen Bahn verklagt.

neuwal: Also, ihr habt dann die Genehmigung bekommen…

Janisch: …da unsere Idee neu war, wurde ein Gutachten erstellt. Die zuständige Behörde ist zum Ergebnis gekommen, dass für uns die Genehmigung erteilt wird. Daraufhin ist die Deutsche Bahn gekommen und hat gesagt, dass wir einen „Pseudolinienverkehr“ haben, da wir ohne richtige Genehmigung fahren. Das Gericht hat nun gesagt, es sei im Prinzip eine Entscheidung der Behörde. Und wenn die Behörde sagt, es ist in Ordnung, dann kann auch das Gericht nichts machen. Somit wurde die Klage der Deutschen Bahn abgewiesen.

neuwal: Wie sieht es mit dem Beförderungsgesetz eigentlich aus?

Janisch: Ich denke, in Österreich ist es mit dem Beförderungsgesetz gleich. Das heißt, es gibt neben dem ÖBB-Bus keine richtigen Fährenbusse. Die ÖBB war vorher die Post und kommt aus dem staatlichen Monopol. Es gibt zwei Ausnahmen: Ein Bus fährt nach Klagenfurt und einer nach Venedig. Aber das ist wieder etwas anderes, da es grenzüberschreitend ist.

neuwal: Grenzberschreiten? Was ist mit Eurolines?

Janisch: Es gibt eine EU-Regelung, die besagt, das grenzüberschreitende Verkehre genehmigt werden müssen. Es gibt in Wien Blagus und in Deutschland das Pendant Deutsche Touring. Was nicht erlaub ist, sind inner-deutsche Linien: Wenn man von Frankfurf nach Paris fährt, dann darf der Bus nicht in Köln anhalten und Leute von Frankfurt nach Köln transportieren.

neuwal: …im Endeffekt war die Klage ja gute Werbung für Euch!

Janisch: Im Nachhinein schon, ja. Als wir in der Klage dringesteckt sind war es ziemlich bedrohlich: Deutsche Bahn… viel Geld und viele Anwälte… Aber im Nachhinein sage ich, dass es für uns sehr positiv für uns war.

neuwal: Habt ihr Rückhalt aus der Online-Community?

Janisch: Ja, extrem. Das war einer der Gründe, warum wir so gut durchhalten konnten. Wir hatten auf Facebook innerhalb weniger Tage 10.000e Fans. Unsere Fans haben „Durchhalten“ geschrieben, auch haben wir sehr viele E-Mails und Anrufe bekommen. Das hat uns den Rücken gestärkt, dass wir weitermachen. Wir haben auch Spenden bekommen, damit wir uns die Klagekosten leisten können. Das hat uns sehr geholfen.

neuwal: Gab es auch politische Unterstützung für euer Projekt?

Janisch: Wir haben ein wenig Unterstützung von der FDP in Offenbach und von der FDP in Hessen bekommen. Es gab Unterstützung in Form von Pressekonferenzen und sie haben Interesse an unserem Anliegen gezeigt. Auch das hat uns den Rücken gestärkt.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.