Die Grünen und Alternativen Studierenden (GRAS) stellen mit Sigrid Maurer momentan die Vorsitzende der ÖH. Dafür dass dieses Amt auch weiterhin in grünen Händen bleibt, wollen Janine Wulz und Maria Clar kämpfen. Außerdem wollen die beiden der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) den Rang als stärkste Fraktion ablaufen und die AG von der Exekutive fernhalten. Wie sie das erreichen wollen und was sie sonst noch vorhaben erzählen sie neuwal.com Interview.

Maria Clar (li.) und Janine Wulz (re.)Maria Clar (22) hat ein Bachelorstudium Soziologie abgeschlossen und studiert nun Gender Studies an der Uni Wien. Sie ist seit dem ÖH-Wahlkampf 2009 bei der GRAS und in der ÖH-Bundesvertretung im Referat für Menschenrechte und Gesellschaftspolitik aktiv.
Janine Wulz (25) studiert Politikwissenschaften und Bildungswissenschaften an der Uni Wien. Sie ist seit zwei Jahren bei der GRAS und ist derzeit an der ÖH Uni Wien im Wirtschaftsreferat tätig.

neuwal.com hat Maria Clar und Janine Wulz im Cafe Harrach im Grazer Univiertel getroffen, um die Spitzenkandidatinnen der GRAS zur kommenden ÖH-Wahl zu befragen. Im Interview erzählen sie was ÖH-Arbeit leisten kann und was nicht, wer sie enttäuscht, auf welchen Ebenen sie eine Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschafts ausschließen, warum Feminismus an erster Stelle steht, von ihren Parlamentssperren und mehr.

Das Interview führten Verena Kolm und Thomas Knapp

Warum macht ihr beide das Spitzenkandidatinnenteam?

Wulz: Naja, in erster Linie weil es jemand machen muss (lacht).In Wahrheit ist es auch so, dass wir durch unsere Arbeit in der ÖH gesehen haben, dass man da schon Einfluss in bildungspolitischen oder gesellschaftspolitischen Fragen hat. Daher ist es uns beiden sehr wichtig das weiter zu machen und diesen Rahmen zu nutzen um politisch zu arbeiten. Dafür sollte man als GRAS auch einen Wahlkampf machen, und da braucht es eben auch Spitzenkandidatinnen.

Wollt ihr später in der Politik bleiben?

Wulz: Erst mal auf die ÖH, und dann schauen wir weiter. Ich hab mir dazu noch keine Gedanken gemacht.

Clar: Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen. ÖH- und Studierenpolitik ja, aber an der „großen“ Politik habe ich noch nicht so das Interesse.
Janine Wulz (li.) und Maria Clar (re.)

Aber eine von euch beiden möchte ÖH-Vorsitzende werden?

Clar: Die GRAS möchte den ÖH-Vorsitz, ja.

Und wer von euch möchte lieber Vorsitzende werden?

Wulz: Das ist eine Frage die wir intern nochmal diskutieren müssen. Das entscheiden ja nicht wir beide, sondern die GRAS als basisdemokratische Organisation entscheidet gemeinsam was sie für sinnvoll hält.

Wie kann man sich so einen Entscheidungsablauf bei der GRAS vorstellen? Ist etwas an dem Klischee von ein paar Leuten die solange zusammensitzen, bis die Person die am lautesten schreit Recht bekommt, dran?

Clar: Diskussionen können schon länger dauern, ja, sie sind manchmal sehr zeitintensiv. Bei der Frage geht es dann auch darum wer kann sich vorstellen das zu machen. Schlussendlich soll ein Konsens rauskommen.

Wulz: Ich würd gerne aufklären dass es nicht darum geht wer am lautesten schreit. Basisdemokratie heißt ja eigentlich niemanden zu überhören. Wir entscheiden basisdemokratisch, weil wir nicht über eine Minderheit drüberfahren wollen, sondern gerne so lange diskutieren wollen, bis alle Leute die in einem Raum sind sagen können „Ja, diese Entscheidung trage ich jetzt mit“. Die Leute die am lautesten schreien sollten manchmal ein wenig drüber reflektieren, ob es Sinn macht, so laut zu schreien. Aber das ist nicht der Sinn von Basisdemokratie.

Im Rückblick – wie beurteilt ihr die Arbeit der amtierenden Exekutive der ÖH-Bundesvertretung aus GRAS, FEST (Fraktion engagierter Studierender, FH-Studierende) und VSStÖ (Verband Sozialistischer Student_innen, SPÖ-nahe)?

Clar: Naja, eigentlich sehr gut. Wir sind ja selbst Teil davon. (lacht) Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel gemacht, sehr intensiv gearbeitet. Die Zusammenarbeit hat wirklich gut funktioniert und war durchaus positiv. Dass die Arbeit gut funktioniert und dass die ÖH laut ist und unangenehm für „GegenspielerInnen“ wollen wir in die nächste Funktionsperiode mitnehmen. Wir haben uns in den letzten zwei Jahren für die Studierenden eingesetzt und die Präsenz der ÖH war recht stark da.

Was würdet ihr als größte Stärken bzw. Schwächen der Exekutive bezeichnen? (Frage von Lukas Lerchner)

Clar: Eine Stärke ist ganz klar die Präsenz die da war. Ich glaub es war selten eine ÖH so in den Medien als Playerin präsent wie die aktuelle Exekutive. Eine der größten Schwächen ist natürlich dass es eine Minderheitenexekutive ist, aber wir hatten das Glück dass wir von einer Oppositionsfraktion punktuell unterstützt wurden. Aber es war teilweise sehr schwer wenn man nicht die Mehrheit hat und nie sicher sein kann, ob in den Sitzungen alles durchgeht.

Warum seid ihr bei der GRAS und nicht z.B. beim VSStÖ?

Wulz: Ich glaub mit der Basisdemokratiefrage von vorher ist da schon recht viel beantwortet. Das steht meiner politischen Vision viel näher dass ich keine Hierarchien hab wo irgendjemand ChefIn ist und ich erst mal fünf Jahre lang Flyer verteilen darf bis ich Entscheidungen mittragen kann. Der zweite Punkt ist dass die GRAS einen sehr breiten politischen Anspruch hat, sich gesellschaftspolitisch engagiert, sich bildungspolitisch engagiert, sich mit sehr vielen Themen auseinandersetzt. Das heißt dass alle Leute die dabei sind für sich ihre Schwerpunkte finden können und dass es nicht so schnell langweilig wird.

Clar: Ich bin in erster Linie wegen der Gesellschaftspolitik zur GRAS gekommen, und erst später zur Bildungspolitik. Ich bin am Anfang vom Wahlkampf 2009 zur GRAS gekommen, und dann sehr schnell „reingerutscht“, zwei Wochen später bei jeder Veranstaltung gewesen, etc. Es war einfach gleich die Möglichkeit da viel mitzumachen, und da bin ich dann dabei geblieben.

Gibt es etwas das euch an der GRAS stört?

Wulz: Ich würd sagen nicht, weil wenn dann ist das unsere Aufgabe das zu verändern. Ich finde wir funktionieren im Moment sehr gut.

Clar: Das ist eine schwere Frage. Wie vorher angesprochen können die langen Diskussionen schon mühsam sein, aber im Nachhinein ist dass die beste Variante um alle konstruktiv miteinzubeziehen und auch für sich selbst am meisten aus der Diskussion mitzunehmen. Und wenn die Diskussionen dann vorbei sind stört mich wieder nichts (lacht).

Was kann man von der GRAS im Wahlkampf noch erwarten?

Wulz: Das wir versuchen unsere inhaltliche Themenschwerpunkte zu betonen. Ein großes Thema ist der Leistungsdruck der auf den Studierenden lastet, ein anderes die Frage, wie Studierende es sich überhaupt noch leisten können zu studieren, natürlich auch die zunehmende „Unstudierbarkeit“, d.h. die studierendenfeindliche Politik wie die Studieneingangsphasen. Es passiert sehr viel das sich gegen die Studierenden richtet, wie die Nichteinführung des Masterstudiums Internationale Entwicklung an der Uni Wien. Das ist für uns ein sehr großes Thema. Bildung ist ein Menschenrecht, und so viele Menschen wie möglich müssen Zugang dazu haben. Das was da grad passiert ist das genaue Gegenteil. Letzte Woche haben wir einen Schwerpunkt zu antirassistischer Politik gemacht, wo es darum ginge, welche Auswirkungen rassistische Politik auf Studierende hat. Das ist uns vor allem deshalb ein Anliegen da gerade an der Uni Wien Fälle bekannt geworden sind, wo Studierende die nicht in der EU geboren wurden, tatsächlich in Schubhaft geraten sind, weil sie z.B. sich nicht rechtzeitig gemeldet oder nicht rechtzeitig den Stundennachweis gebracht haben. Das ist einfach ein Wahnsinn. Das zeigt auch, das Gesellschaftspolitik, Menschrechtsfragen, nicht ist was von der Uni oder von den Studierenden getrennt ist, sondern dass das zusammenhängt und dass man das auch nicht trennen kann.

Clar: Wir haben noch zwei zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte. Der eine ist Feminismus, der andere Nachhaltigkeit. Das werden wir in den nächsten Wochen intensiv ansprechen und auch nach der Wahl dabei bleiben.

„Wir wollen stimmenstärkste Fraktion werden“
Was sind eure Wahlziele?

Clar: Wir würden natürlich gerne wieder einmal stimmenstärkste Fraktion werden und in die ÖH-Exekutive kommen.

Habt ihr realistische Chancen stärker als die Aktionsgemeinschaft (bisher stärkste Fraktion, Anm.) zu werden?

Wulz: Naja, wir werden dafür kämpfen (lacht). Man muss ja ehrlich sagen, gerade die Aktionsgemeinschaft die wir da im Moment als Konkurrentin haben, ist ein verlängerter Arm der ÖVP. Das Hauptthema der Aktionsgemeinschaft sind Zugangsbeschränkungen. Eine Studierendenfraktion setzt sich für Zugangsbeschränkungen ein, genauso wie die ÖVP. Ich weiß nicht was das sonst sein soll als studierendenfeindliche Politik. Ich hoffe sehr dass die StudentInnen sehen was da passiert und mitbekommen dass das keine Fraktion ist die sich in irgendeiner Form für die Rechte von Studierenden einsetzt, sondern in Wahrheit Studipolitik als Sprungbrett in die ÖVP sieht. Oder in die Raiffeisenbank, je nachdem.

In der ÖH-Exekutive bräuchtet ihr wohl KoalitionspartnerInnen. Mit wem würdet ihr da am ehesten zusammenarbeiten?

Wulz: Es gibt jetzt mit dem VSStÖ und der FEST eine Koalition die sehr gut funktioniert, da können wir uns vorstellen dass das auch weiterhin gut funktionieren könnte. Ich glaube auch dass es mit den Fachschaftslisten eine Möglichkeit geben kann, da hat in den letzten Jahren die Zusammenarbeit auch immer wieder sehr gut funktioniert. Was wir auf jeden Fall ausschließen ist einerseits eine Koalition mit einer ÖVP-Organisation, also mit der Aktionsgemeinschaft, und andererseits natürlich mit dem RFS oder ähnlichen Rechtsaußen.

Gerade hier in Graz gibt es aber eine GRAS-VSStÖ-Koalition in einer „PartnerInnenschaft“ mit der Aktionsgemeinschaft, was mehr als eine Duldung und doch sehr koalitionsähnlich ist. Der Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft, Jan Schifko, kommt ja aus dieser Grazer Koalition und hat uns im Interview erzählt dass das eigentlich ein tolles Modell ist, das er sich auch für die Bundesvertretung der ÖH vorstellen könnte. Ihr schließt das jetzt aus, aber führt es nicht zu Unstimmigkeiten in der GRAS, wenn lokal mit der Aktionsgemeinschaft zusammengearbeitet wird, während das auf Bundesebene tabu ist?

Clar: Nein, wir haben Unigruppenautonomie. Das bedeutet dass jede Unigruppe für sich überlegen muss, was die beste Koalition ist. Wir sprechen jetzt für die Bundes-GRAS.

Und wenn sich nach der nächsten Wahl an einer lokalen ÖH eine Koalition aus GRAS und Aktionsgemeinschaft vom RFS dulden lassen würde, wäre das dann auch Unigruppenautonomie?

Clar: Ich glaube das würde niemand machen.

Wulz: Das wäre dann wahrscheinlich eine Grundsatzfrage. Der RFS ist für mich eine neonazistische Organisation, mit denen in irgendeiner Form politisch zusammenzuarbeiten würd ich schlicht und ergreifend für alle Menschen die in der GRAS aktiv sind kategorisch ausschließen, soweit kann man das glaube ich sagen. Alle anderen Formen mit wem man koaliert oder nicht, müssen die Unigruppen vor Ort entscheiden. Die wissen auch am besten was sind das für Menschen mit denen sie da zu tun haben, man kann ja nicht immer in Fraktionen und Farben denken.

Aber gerade wenn es um die konkreten Menschen geht – als die GRAS/VSStÖ-Zusammenarbeit mit der Aktionsgemeinschaft in Graz zu Stande kam, war Schifko Obmann der AG Graz. Jetzt ist er Bundesobmann.

Wulz: Wir haben das für uns auf Bundesebene ganz klar ausgeschlossen.

Also ist Schifko kein Brückenbauer zur GRAS, sondern das ist ein grazspezifischer Fall?

Wulz: (beide lachen) Nein, das ist ein grazspezifischer Fall. Abgesehen davon dass die AG sich anscheinend intern so zerstritten hat, dass sie selber nicht mehr wissen, wer die FunktionärInnen sind und wer nicht, und man irgendwelche Leute aus der Versenkung holen muss.

„Leute in Hauptschulen haben fast keine Chance an die Uni zu kommen“
Die GRAS ist gegen jede Form von Zugangsbeschränkungen egal auf welcher Ebene. Warum?

Clar: Zugangsbeschränkungen sind sozial selektiv, da gibt es Studien dazu. Es soll jede und jeder die Chance haben zu studieren, und Zugangsbeschränkungen ermöglichen das nicht.

Wulz: Man sieht ganz klar, dass Menschen deren Eltern keine AkademikerInnen sind z.B., von Studiengebühren, Studieneingangsphasen, Aufnahmeprüfungen extrem abgeschreckt werden, so dass sie sich nicht einmal inskribieren. Wenn Leute sich inskribiert haben dann stellen die Studieneingangsphasen die jetzt an fast allen Unis eingeführt werden, extreme Barrieren dar. Sie zielen auf ein total klassisches akademisches Wissen ab und beziehen die Vielfältigkeit von Know How das Leute haben nicht mit ein. Das sind Barriere wo ganz klar eine Elite gefördert wird, die sich das leisten kann, die aus Familien kommen, die sich Nachhilfe leisten kann, wo klar ist, dass die Kinder aufs Gymnasium gehen und nicht in die Hauptschule, weil eines der größten Probleme ist ja diese frühe Trennung. Die führt dazu das Leute die auf eine Hauptschule gehen fast überhaupt keine Chance haben jemals an eine Uni zu kommen. Da läuft also schon im gesamten Bildungssystem viel falsch und Zugangsbeschränkungen machen es einfach noch schwieriger. Und das bei einer AkademikerInnenquote die im europäischen Vergleich ziemlich peinlich ist.

Clar: Es gibt ja de facto schon Zugangsbeschränkungen durch das extrem selektive Schulsystem. Schlussendlich bis zur Matura zu kommen und die zu schaffen ist ja schon eine Prüfung mit der man die Hochschulreife bekommt. Warum dann nochmal eine Prüfung, das macht keinen Sinn.

Woher soll eurer Meinung nach das Geld für die Unis kommen?

Wulz: Ganz klar ist, dass die Unis total unterfinanziert sind. Im europäischen Vergleich wissen wir das ungefähr 2 % des BIP für die Hochschulbildung aufgewendet werden, im Moment sind wir ungefähr bei 1,3 %, also extrem weit darunter, was man auch täglich erlebt wenn man auf die Uni geht. Wir brauchen mehr Geld. Dazu fehlt einfach nur der politische Wille, denn es werden Milliarden in irgendwelche Tunnel und Bankenrettungspakete investiert anstatt in Bildung. Das Geld ist ja scheinbar irgendwo da. Andererseits ist das Steuersystem in Österreich extrem unsolidarisch. Leute ab einer gewissen Einkommensgrenze bringen sehr wenig in den allgemeinen Haushalt ein, und Leute die sehr wenig verdienen bringen prozentuell gesehen eigentlich sehr viel ein. Man müsste eigentlich das Steuersystem komplett reformieren, vermögensbezogene Steuern einführen und so könnte man Milliarden bereitstellen um sie ins Bildungssystem oder in Sozialleistungen zu investieren.

Mit vermögensbezogenen Steuern wollt ihr auch die Grundsicherung finanzieren, die ihr im Wahlkampf präsentiert habt. Warum soll die genau 753 Euro im Monat ausmachen?

Wulz: Das ist die Ausgleichszulage für PensionstInnen abzüglich des Versicherungsbeitrags. Wir berechnen das eigentlich gleich wie der VSStÖ das Grundstipendium berechnet.

Clar: Oder überhaupt die Mindestsicherung berechnet wird.

Wie unterscheidet sich dann eure Grundsicherung vom den 770 Euro Grundstipendium des VSStÖ? (Frage von David K.)

Clar: Unser Grundsicherungsmodell lehnt sich an die grüne Mindestsicherung an. Der Hintergrund davon ist, dass jeder Mensch diese Grundsicherung bekommen soll und es nicht verständlich ist, wieso Studierende die einzige Erwachsenengruppe sind, die davon ausgeschlossen wird. Aber grundsätzlich ist es ja gut wenn von mehreren Seiten für das gleiche gekämpft wird. Es ist wichtig und es ist gut dass es mehrere als wichtig erachten.

Die Unterschiede sind also der zweite Teil des Namens und 17 Euro?

Wulz: Das ist nicht wirklich ein Unterschied, weil es da um den Versicherungsanteil geht, und wir in unserer Berechnung davon ausgegangen sind, dass der Großteil der Studierenden mitversichert ist, deshalb ist der nicht einberechnet. Im Prinzip ist es aber gleich berechnet. Wir brauchen eine Finanzierung die es Leuten ermöglicht unabhängig von ihren Eltern zu studieren. Das fällt nicht nur uns, sondern alle Fraktionen die dafür sind das auch alle Menschen studieren können, auf.

Wieso setzt ihr jetzt so stark auf das Thema soziale Absicherung, nachdem das in den vorangegangenen Wahlkämpfen ja kaum wichtig war?

Clar: Soziale Absicherung ist immer wichtig.

Wulz: Und es stimmt auch nicht dass wir das jetzt erst machen, wir hatten in den letzten Jahren z.B. mit Praktika und die prekäre Situation von Studierenden die Praktika machen klare Sozialthemen. Das ist seit vielen Jahren Teil der GRAS.

Clar: Das war ein logischer Schluss, weil wir von Leistungsdruck als unser bildungspolitisches Hauptthema ausgehen. 60 % der Studierenden müssen durchschnittlich 20 Stunden in der Woche arbeiten. Da kommt man irgendwann logisch auf die soziale Absicherung in Form einer Grundsicherung.

Wulz: Das ist auch etwas das wir selbst auch spüren. Die Leute die in der GRAS sind, sind ja nicht ausgenommen von prekären finanziellen Situationen und schwierigen Studienbedingungen. Ich denk mir auch „Scheiße, ich verlier jetzt meine Familienbeihilfe“, und so gehts natürlich vielen. Damit wird das für uns persönlich zu einem wichtigen Thema.
Janine Wulz (li.) und Maria Clar (re.)

Wie erlebt ihr den Wahlkampf bis jetzt? Seid ihr schon im Dauerstress, oder geht noch was? Und wie seid ihr bis jetzt damit zufrieden?

Wulz: Ich bin sehr zufrieden, die GRAS funktioniert eigentlich sehr gut. Es arbeiten viele Leute mit und wir haben recht viel Spaß dabei. Es ist schon ein bisschen anstrengend, aber noch überwiegt der Spaß. (lacht)

Clar: Was schon störend ist, ist wie manche den Wahlkampf führen, von anderen Fraktionen, wenn sie das bei Sitzungen der Universitätsvertretung oder der Bundesvertretung machen.

Von wem seid ihr da enttäuscht?

Clar: Von der Aktionsgemeinschaft beispielsweise, wie sie nur noch persönliche Angriffe machen, also wirklich auf einzelne Personen gerichtet, und offensichtlich keine Inhalte präsentieren können oder wollen. Ein Beispiel ist auch die Reform des HochschülerInnenschaftsgesetzes (das die Struktur der ÖH regelt, Anm.). Da haben alle Fraktionen gemeinsam lange an einem Reformvorschlag gearbeitet, weil es in unsere aller Interesse sein sollte, dass wieder die Direktwahl auf Bundesebene eingeführt wird, und nicht das System das wir jetzt haben dass 2004 von Schwarz/Blau eingeführt wurde. Dass da dann kurzfristig aus vielleicht wahltaktischen Gründen abgesprungen wird, finde ich schade. Gerade weil das auch die Studierenden betrifft – jede Stimme soll gleich viel wert sein (durch das aktuelle, indirekte, System, haben Stimmen an kleinen Unis viel mehr Gewicht als an großen Unis, Anm.). Wir haben monatelang gemeinsam daran gearbeitet, und die AG hat 4 Tage vorher noch im Ausschuss dafür gestimmt, und dann ist das schon schade, und ich finde nicht dass Wahlkampf so geführt werden sollte.

Wie viel Zeit investiert ihr momentan in die GRAS?

Wulz: Wir sind ja bei auch in der ÖH aktiv, und ansonsten arbeiten wir für die GRAS und laufen herum, stehen an Wahlkampfständen, sammeln Unterschriften und geben Interviews und ähnliches. Im Moment bleibt da nicht so viel Zeit die nicht mit ÖH-Arbeit oder GRAS-Arbeit gefüllt wird, aber das haben wir schon vorher gewusst.

Wieso muss Feminismus bei der GRAS immer an erster Stelle stehen (von Tobias B.)

Clar: Naja, in einer patriarchalen Gesellschaft mit Strukturen wo Männer bevorzugt werden oder dominieren ist es ganz klar dass dies einer der größten Missstände ist, auch im universitären Spektrum. Die Unsichtbarkeit von Frauen, die gläserne Decke die es immer noch gibt, etc. Da gibt es noch ein Riesenspektrum das verändert gehört, und Feminismus ist dementsprechend eine Grundforderung, und steht an erster Stelle, deshalb sind auch zwei Frauen Spitzenkandidatinnenteam. Das ist bei uns ganz klar ein Mitgrund um Frauen in die Öffentlichkeit zu bringen und die ganzen Hierarchien und Ungleichheiten zwischen Geschlechtern aufzubrechen.

Der Druck über die ÖH und unibrennt reicht offensichtlich nicht aus um der Ökonomisierung der Bildung entgegenzuwirken. Was schlagt ihr da vor? (von @_foo__bar)

Wulz: Das ist mal eine Feststellung dass der Druck nicht ausreichen würde. Natürlich wird die ÖH nicht den Kapitalismus abschaffen können.

Wollt ihr das?

Wulz: Ja. Ich würde ihn gerne überwinden, abschaffen ist ein schwieriges Wort. Eine Institution wie die ÖH die natürlich innerhalb eines Systems agiert hat relativ wenige Möglichkeiten tatsächlich den Kapitalismus zu überwinden, und damit auch die Bildungsökonomisierung gänzlich abzuschaffen. Was wir aber tun können, und das ist den vielen Menschen die sich den Protesten angeschlossen haben natürlich aufgefallen, ist zu versuchen dem entgegen zu wirken, Möglichkeiten zu finden, wo ich zumindest Sachen abschwächen kann. Wo ich zumindest in irgendeiner Form schaffen kann, dass nicht immer alles ausschließlich nach ökonomischen Maximen funktioniert. Da kann ich dagegen ankämpfen. Das kann ich als ÖH tun, das kann ich als unibrennt tun, und das tun wir auch. Ich hoffe aber dass wir als ÖH und als GRAS unseres dazu beitragen dass es eines Tages so weit sein wird, den Kapitalismus zu überwinden.

Was sollt im nächsten Jahr bildungspolitisch passieren?

Clar: Die Studieneingangs- und orientierungsphasen sollten nochmal überdacht werden. Überhaupt die ganzen Einschnitte sollten zurückgenommen werden und die Leute im Wissenschaftsministerium sollten sich überlegen was für Gesetze sie da schreiben bevor sie sie schreiben. Bildung muss ein Thema bleiben und es soll allen Leuten klar werden, wie wichtig das ist. Das wäre eine Basis für die Prioritätensetzung. Das kann im nächsten Jahr passieren und wird hoffentlich passieren.

Habt ihr den Ehrgeiz eine Parlamentssperre zu bekommen, weil das ja laut Sigi Maurer Tradition hat? (von Lukas Lerchner)

Wulz: Ich glaub wir müssen zugeben das wir im Moment beide eine haben (lacht). Wir haben beide am 1. März gegen die Einführung der Studieneingangsphasen im Parlament protestiert und verfügen bereits bis Ende August über Parlamentssperren. Ist aber kein Problem, wir waren mit Securities schon wieder dort.

Clar: Genau, das funktioniert, wir waren schon wieder im Parlament.

„Das die Grünen uns finanzieren ist ein offenes Geheimnis“
Wie ist das Verhältnis der GRAS zu den Grünen?

Clar: Es ist ein kritisches Naheverhältnis. Wir sind eine eigene Fraktion, unsere eigene Partei wenn man das so sagen kann, aber gewisse Überschneidungspunkte gibt es, vor allem in den Grundsätzen. Wir arbeiten auch teilweise mit den Grünen zusammen und es ist ein offenes Geheimnis dass wir von den Grünen finanziert werden. Trotz allem haben wir unsere eigenen Inhalte, unsere eigenen Meinungen und entscheiden selbst was wir machen wollen und wie wir es machen wollen.

Wie setzt ihr das Web im Wahlkampf ein?

Wulz: Ich hoffe doch dass man mitbekommt, dass wir eigentlich schon versuchen sehr viel Wert darauf zu legen. Für viele von uns ist es einfach selbst so dass wir täglich mit Medien arbeiten und Web 2.0 Sachen nutzen. Insofern ist es uns natürlich ein großes Anliegen da auch präsent zu sein und das natürlich auch gut zu bedienen. Wir versuchen schon das starke einzusetzen, haben auch viele lustige Videos die auf YouTube zu finden sein werden. Ich glaub dass es tatsächlich ein Tool ist, mit dem man zunehmend Inhalte vermitteln kann. Das ist auf der einen Seite schwierig, weil man die Sache auf ein einmonatiges Video herunterbrechen muss, aber Sachen vermitteln will, über die man ein Buch schreiben könnte. Aber andererseits glaub ich dass man damit schon sehr viele Leute erreichen kann.

Clar: Wir haben jetzt auch eine neue Homepage, und sind gerade auf Facebook und Twitter sehr aktiv. Unser erstes Video war zum Antirassismus-Schwerpunkt, ist sehr empfehlenswert anzusehen. Wir sind da eigentlich fast täglich irgendwie online.

Aber ein eigenes Wahlkampfblog wie z.B. die Spitzenkandidatin des VSStÖ habt ihr nicht?

Clar: Nein

Wulz: Unser Fokus liegt darauf Inhalte in den Mittelpunkt zu stellen und uns geht es darum, dass die Leute wissen für was wir kämpfen, und nicht wer kämpft. Das ist kein personalisierter Wahlkampf, das ist nicht unser Zugang.

Dann würden wir noch gerne einen Wordrap zu den anderen BV-Fraktionen machen.
Aktionsgemeinschaft

Wulz: ÖVP-Anhängsl.

Clar: Unzuverlässig. Destruktiv. Studierendenfeindliche Politik. Jetzt hör ich glaub ich auf (lacht).

Fachschaftslisten (FLÖ)

Clar: Punktuell gute Zusammenarbeit.

Wulz: Aber ein bisschen unberechenbar weil es innerhalb der FLÖ sehr viele verschiedene Positionen gibt.

FEST

Clar: Sehr gute Zusammenarbeit in den letzten zwei Jahren und sehr wichtig dass die Fachhochschulen auch in der ÖH sind.

VSStÖ

Wulz: Ebenfalls sehr gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen wo ichs kenn.

KSV

Clar: Welcher?

Bis jetzt hat das noch niemand unterschieden.

Wulz: Wir unterscheiden das eigentlich sehr konsequent.

Dann bitte beide.

Clar: Mit dem KSV/LiLi gibt es auf der Uni Wien eine sehr gute Zusammenarbeit.

Wulz: Genau. Mit dem KSV/KJÖ haben wir eigentlich nicht wirklich zu tun, ich glaub auch dass wir uns inhaltlich bei weitem nicht so nahestehen wie mit dem KSV/LiLi.

RFS

Clar: Wollen wir nicht so viel Raum im Interview geben.

Wulz: Man kann Neonazipartie dazuschreiben.

Danke für das Gespräch!

Fotos: Klemens Wieringer

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.