Der Verband Sozialistischer Student_innen (VSStÖ) ist Teil der Exekutive der ÖH-Bundesvertretung. Die Spitzenkandidatin des SPÖ-nahen Verbands, Angelika Gruber, möchte dass das so bleibt und erklärt neuwal im Interview, warum das auch die Studierenden wollen sollten. Den Schwerpunkt legt sie dabei auf Sozialthemen und setzt ganz auf Service für Studierende.

Angelika GruberAngelika Gruber studiert VWL an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Seit 2009 ist sie, von #unibrennt kommend, beim SPÖ-nahen Verband Sozialistischer Student_innen (VSStÖ) aktiv, dessen Klubsprecherin in der ÖH-Bundesvertretung sie seit 2010 ist. Die 24jährige kommt aus Hainfeld (NÖ), demselben Ort an dem Silvester 1888/89 unter Viktor Adler die sozialistische Arbeiterpartei gegründet wurde.

neuwal.com hat Angelika Gruber im Cafe Ritter im Grazer Univiertel getroffen. Im Interview anlässlich der ÖH-Wahl von 24. bis 26. Mai erzählt sie, dass sie sich nicht gerne für den „Scheiß“ den die SPÖ aufführt rechtfertigt, was der VSStÖ ändern würde, wenn er könnte, warum unibrennt nicht sterben kann, dass man mit 679 Euro im Monat nicht auskommen kann und mehr.

Das Interview führten Verena Kolm und Thomas Knapp*

neuwal.com: Wofür steht das „Ohne Kompromisse“ auf euren Flyern?

Gruber: Ohne Kompromisse hinter den Studierenden. Ich glaube es ist wichtig, dass wenn du ÖH-Arbeit machst, du sie kompromisslos für die Studierenden machst. Deshalb unser Einsatz ohne Kompromisse für ein faires Beihilfensystem.

„Ohne Kompromisse“ gegenüber wem oder was?

Vor allem gegenüber der Regierung. Die finanzielle Lage der Studierenden zeigt ganz klar, dass dringender Handlungsbedarf gegeben ist das Beihilfensystem zu reformieren. Deshalb der kompromisslose Einsatz gegenüber der Regierung dafür. Wir sagen dass es endlich ein faires Beihilfensystem und 250 Euro Grundsicherung braucht.

Angelika Gruber, Spitzenkandidatin des VSStÖ, im Interview

Wie soll diese Reform aussehen?

Wir wollen 250 Euro Grundsicherung. Das ergibt sich aus allen bisherigen familienbezogenen Leistungen, Familienbeihilfe und Absetzbeträge, die in Zukunft direkt an die Studierenden ausbezahlt werden sollen. Das soll auch nicht mehr länger am Alter hängen, sondern an der durchschnittlichen Studiendauer. Andererseits muss das Studienbeihilfensystem dringend reformiert werden. Dabei geht es vor allem darum die Höchststudienbeihilfe zu erhöhen. Die liegt derzeit bei 679 Euro. Die Studierendensozialerhebung zeigt dass man mit 679 Euro im Monat sicher nicht auskommen kann. Die durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten liegen bei ca. 820 Euro. Das kann sich nicht ausgehen.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Reform der Unterhaltspflicht. Im Moment können manche Eltern ihren Unterhalt finanziell gar nicht leisten, weshalb die Berechnung sozial gestaffelt und progressiver gestaltet werden muss. Andererseits wollen aber auch viele Eltern keinen Unterhalt leisten. Deshalb fordern wir hier eine Schlichtungsstelle, damit die Studierenden ihre Eltern zumindest nicht vor Gericht wiedersehen, sondern an einem etwas neutraleren Ort. Das sind unsere drei wichtigsten Punkte, und die wären von heute auf morgen umsetzbar. Das war uns auch wichtig. Langfristig verfolgen wir aber noch immer unser Modell vom Grundstipendium.

Die Altersgrenze soll für die 250 Euro Grundsicherung komplett aufgehoben werden?

Genau.

Also wenn Hannes Androsch jetzt studieren geht, soll er die Grundsicherung bekommen?

(Lacht) Natürlich kann man diskutieren eine Altersgrenze von 40 Jahren einzuführen. Aber in Wahrheit soll es doch wegen des Konzepts des lebenslangen Lernens keine Altersgrenze geben. So wie unser Konzept ist, soll die Grundsicherung alle Studierenden treffen, also ja, auch Hannes Androsch.

Aber mit so einer Ausweitung wäre doch ein hoher finanzieller Mehraufwand verbunden, da es ja viel mehr Menschen betreffen würde.

Darum geht es ja. Es soll wesentlich mehr Menschen treffen.

Aber das ist dann nicht von heute auf morgen umsetzbar. Der Staat scheint mir nicht genug Geld dafür zu haben.

Es geht darum ein Beihilfensystem zu schaffen, dass finanziell absichert. Da darf sich die Regierung nicht hinter Floskel verstecken. Von wegen „das Geld ist nicht da“. Es ist einfach der politische Wille, der nicht da ist, sei es jetzt bei der Ausfinanzierung der Universitäten oder der finanziellen Absicherung der Studierenden. Sehr viele Studien, wie die OECD Studie „Bildung in Daten und Zahlen 2010“ oder eben eine neue von der Statistik Austria zeigen, dass wir zu wenige AkademikerInnen und zu wenig StudienanfängerInnen haben, aber eine irrsinnig hohe Dropout-Quote von 40 %, und das liegt sicher auch an der schlechten finanziellen Absicherung der Studierenden.

Wisst ihr ungefähr wie groß der finanzielle Mehraufwand wäre?

Da gibts noch keine genauen Berechnungen. Aber die Familienbeihilfe gibt es schon. Die wird aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) bezahlt. Da gibt es ein ganz klares Budget. Wie viel da genau mehr ausgegeben werden könnte kann ich dir als VWLerin auch ausrechnen. Danke für die Rechenaufgabe (lacht).

Der Slogan „Deine starke Stimme“ zieht sich durch euren Wahlkampf. Der VSStÖ ist in der ÖH-Bundesvertretung keine große Fraktion, und die ÖH wiederum ist in der österreichischen Innenpolitik nicht besonders wichtig. Wie wollt ihr so eine starke Stimme der Studierenden sein?

Ich glaube unsere Exekutivbeteiligung hat gezeigt, dass wir gute Vertretungsarbeit leisten, auch innerhalb der ÖH. Natürlich ist unser Wahlziel immer stärker zu werden, primär ist uns aber wichtig gute Vertretungsarbeit zu leisten. Die ÖH ist doch eine wichtige Playerin in der Hochschulpolitik und es braucht starke Stimmen, die kompromisslos hinter den Studierenden stehen, und sich für ihre Anliegen bei der Regierung einsetzen. Studierende haben nix von einer mundtoten ÖH die irgendwie still dasitzen und nix machen, sondern stattdessen Partys veranstalten. Es wird auch weiterhin starke kritische Stimmen brauchen.

„Manchen ÖHs ist es wohl ein Anliegen, Partys zu veranstalten“
Hast du das Gefühl dass das momentan so ist?

Die ÖH-Bundesvertretung leistet sicher gute Arbeit. Manchen lokalen ÖHs ist es wohl ein großes Anliegen, Partys zu veranstalten. Ich finde dass Studierende Spaß haben sollten, auch während des Studiums, aber die primäre Aufgabe einer Interessensvertretung sind politische Arbeit und Servicearbeit.

Oft heißt es, auch medial, die ÖH sei ein „Politkindergarten“ in der der politische Nachwuchs lerne, Intrigen und Netzwerke zu spinnen. Stimmt das?

Ich bin froh wenn regelmäßig Studierende aus dem Sozialreferat der ÖH kommen und sich gut beraten fühlen. Da passiert wirklich gute und wichtige Arbeit. Sehr viele Studierende profitieren von der ÖH-Arbeit. Medial ist es uns gerade in der letzten Exekutivperiode gut gelungen, die ÖH als konstruktive Verhandlungspartnerin darzustellen oder als die Personen, die sich mit der Regierung in der Hochschulpolitik an einen Tisch setzten. Die nicht nur „Nein“ schreien, sondern auch Konzepte haben. Es ist auch im VSStÖ sehr wichtig, sich mit konkreten Konzepten an den Verhandlungstisch zu setzten, wie mit unserem Konzept für ein faires Beihilfensystem. Ich glaube dass das dann auch medial dementsprechend rübergekommen ist. Natürlich ist ÖH-Arbeit nichts statisches, es ergeben sich immer neue Probleme für Studierende. Deshalb muss sich die ÖH immer weiterentwickeln und weiter verbessern. Das ist ein wichtiger Anspruch den der VSStÖ verfolgt.

Warum bist du beim VSStÖ und nicht z.B. bei den Grünen und Alternativen Studierenden (GRAS)?

Den Schwerpunkt des VSStÖ auf die finanzielle Absicherung finde ich sehr wichtig. Einer der Hauptgründe warum Leute nicht studieren können ist dass der Kontostand der Eltern nicht passt. Mir ist es persönlich wichtig dass sich der VSStÖ hier extrem einsetzt und auch selbst Konzepte entwickelt. Ich war ein Jahr in Amerika und habe dort das Hochschulsystem erlebt und gemerkt, wie schlimm es ist wenn Eltern schon für ihre 10jährigen Kinder ansparen müssen, damit diese einmal die Möglichkeit haben, eine Uni von innen zu sehen. Ich will aber dass alle studieren können, egal wie viel die Eltern verdienen.

Ein weiterer Grund ist sicher, dass der VSStÖ Vertretungsarbeit an den Hochschulen als Verbindung von Politik und Service sieht. Es ist immer wichtig eine gute Beratung zu haben, andererseits aber auch eine politische Stimme zu haben, um etwas verändern zu können.

„Ich will die Verbindung zur SPÖ nicht weg reden“
Gibt es etwas das dich am VSStÖ stört?

(Lacht, überlegt lange) Es ist ein gutes Zeichen dass ich so lange überlegen muss, anscheinend stört mich wirklich wenig. Was sicher manchmal nervig ist, ist gleich immer als die „SPÖ-Studis“ abgestempelt zu werden und sich sofort für die SPÖ rechtfertigen zu müssen. Dabei will ich die Verbindung zur SPÖ nicht weg reden, die gibt es ganz klar.

Wie berechtig ist dieses Vorurteil, oder eben nicht?

Unser Naheverhältnis ist ganz klar da, deshalb ist es logisch, dass wir immer mit der SPÖ in Verbindung gebracht werden.

Und das stört dich?

Es ist kein störender Faktor, aber es ist manchmal schwierig sich als VSStÖlerin dafür zu rechtfertigen, was die SPÖ in der Asylpolitik verbockt. Wir verstehen uns innerhalb der SPÖ als Stimme für die Studierenden und machen eine dementsprechende Hochschulpolitik. Natürlich haben wir auch einen gesellschaftspolitischen Anspruch, aber der geht sehr oft nicht mit der SPÖ d’accord. Wir sind die Ersten die laut aufschreien wenn die SPÖ etwas verbockt, etwa beim Sparpaket in der Steiermark. Aber manchmal ist es gar nicht so leicht zu rechtfertigen was die für einen Scheiß machen. Außerdem bin ich der Meinung dass ich mich nicht dafür rechtfertigen muss, was die machen. Aber man tuts dann trotzdem (lacht).

Angelika Gruber, Spitzenkandidatin des VSStÖ

Du nennst das Nahverhältnis, aber der VSStÖ ist doch eine Teilorganisation der SPÖ.

Wir sind statutarisch völlig unabhängig von der SPÖ. Was wir inhaltlich machen oder nicht, kann der Partei ziemlich, salopp gesagt, wurscht sein. Aber wir identifizieren uns mit den Grundwerten, die die SPÖ manchmal vergisst. Was die SPÖ macht, vor allem hochschulpolitischen Bereit, macht mich sehr unzufrieden. Wir sind da immer diejenigen die am lautesten aufschreien.

Wer finanziert den VSStÖ?

Der VSStÖ finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und natürlich finanziert uns auch die SPÖ, das ist kein großes Geheimnis.

Aber ihr seid trotzdem inhaltlich vollkommen unabhängig?

Was wir auf unseren Konferenzen beschließen oder was in unserem Grundsatzprogramm steht ist natürlich ideologisch und historisch mit der SPÖ verbunden, aber sie hat da genau nichts mitzusprechen. Es sind ja auch nicht alle VSStÖlerInnen Parteimitglieder.

Bist du Parteimitglied?

Ja.

„Es freut uns dass die GRAS auch einmal finanzielle Absicherung thematisiert“
Nochmal zurück. Die GRAS fordern 753 Euro Grundsicherung, das sind 500 Euro mehr als der VSStÖ verlangt.

Wir haben immer noch das Konzept des Grundstipendiums, das wir auch schon sehr lange verfolgen. Da haben wir auch die Finanzierung über eine Vermögenssteuer sehr genau ausgerechnet und ein wirklich gutes Konzept dahinter. Das Grundstipendium ist für uns die Form von finanzieller Absicherung die für uns am vernünftigsten ist. Das wären für alle Studierenden 770 Euro, das ist wiederum etwas mehr als die GRAS fordern (lacht). Es freut uns natürlich, wenn die GRAS auch einmal finanzielle Absicherung thematisiert und das zum Schwerpunkt macht, wir feilen aber schon sehr lange an sehr vielen Konzepten deren Umsetzung wir fordern, deshalb kann ich hier nur aufs Grundstipendium verweisen.

In diesem Wahlkampf fällt beim VSStÖ auf, dass sehr wenig gesellschaftspolitische Inhalte vorkommen, dafür aber sehr viel Service. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Natürlich ist es wichtig vor den Wahlen zu sagen was wir in der ÖH machen wollen. Dementsprechend sind im Wahlprogramm sehr viele Servicepunkte drinnen. Politik ist uns wichtig, nur mit Politik kann man Probleme lösen. Es finden sich auch gesellschaftspolitische Anliegen im Wahlprogramm, etwa wenn es um Publikationen zu rechtsextremen Burschenschaften geht. Die Förderung von Frauen ist uns natürlich auch ein großes Anliegen. In unserem Grundsatzprogramm stehen auch sehr klar gesellschaftspolitische Positionen. Und in vielen Bereich kann man Gesellschafts- und Hochschulpolitik gar nicht voneinander loslösen. Wenn es darum geht, dass Studierende armutsgefährdet sind, wenn es in ganz Österreich nur zwei Rektorinnen gibt, dann sind das gesellschaftspolitische Probleme.

Wenn das gesellschaftspolitische Mandat der ÖH diskutiert wird, geht es in der Regel eh nicht um die Förderung von gesellschaftspolitischen Publikationen oder von Frauen an den Unis, sondern um Dinge die die Uni ganz verlassen, z.B. Stellungnahmen zum Fremdendrecht. Das ist etwas das der VSStÖ jetzt ganz weglässt.

Der Fokus von ÖH-Arbeit liegt natürlich auf Vertretungsarbeit im hochschulpolitischen Bereich und im Beratungsbereich. Der Fokus ist ganz klar. Trotzdem haben wir natürlich eine Meinung zur Asylpolitik und machen dazu auch recht viel. Weil wir gerade in Graz sind, der VSStÖ Graz war z.B. bei den Protesten gegen das steirische Bettelverbot oder das steirische Sparpaket, dass nicht nur Studierende trifft, involviert. Wenn wir vermögensbezogene Steuern wollen, dann nicht nur deshalb weil man damit die Unis ausfinanzieren kann, sondern weil wir sagen dass es ein progressives Steuersystem braucht.

Wie erlebst du den Wahlkampf bis jetzt? Hat sich dadurch eure Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen verändert?

Ich erlebe im Wahlkampf im persönlichen Gespräch dass natürlich die Familienbeihilfenkürzung ein sehr großes Thema ist. Ich bin selbst 24 und hab noch ein Masterstudium vor mir, und keine Ahnung wie ich oder meine Eltern das finanziell machen sollen. Das ist sicher ein großer Punkt, der beweist dass unsere 250 Euro Grundsicherung eine wichtige Forderung sind.

Bis jetzt hat sich im Umgang miteinander nichts verändert. Ich bekomme keine Hassmails (lacht).

Wenn du bei der Wahl erfolgreich bist, was würde sich dann im nächsten halben Jahr ändern?

In meiner persönlichen Welt oder in der VSStÖ-ÖH-Bundesvertretungswelt?

Beides.

In meiner persönlichen Welt freue ich mich auf die ÖH, wenn es die Möglichkeit gibt wieder in einer Koalition zu sein. Das ist ein ganz klares Wahlziel von uns. Ich freue mich darauf Projekte umsetzten zu können, wie den Versicherungsschwerpunkt. Im Herbst werde ich ein Masterstudium beginnen und weiterhin engagiert bei der Sache bleiben.

Gäbe es vielleicht auch negative Auswirkungen für die Studierenden wenn der VSStÖ bei der Wahl gewinnt, weil ihr etwa bei manchen Dingen die für die Studierenden wichtig sind, nicht so dahinter seid wie andere Fraktionen?

Nein, ich glaube der VSStÖ deckt mit dem Schwerpunkt „Service und Politik verbinden“ so ziemlich alles ab was an Studierendenvertretungsarbeit gemacht werden kann und soll und das ist auch weiterhin der Anspruch. Ich glaube nicht dass Studierende darunter leiden werden, sondern dass wir Studierenden davon profitieren würden, das hat unsere Arbeit bisher gezeigt.

unibrennt ist ziemlich tot, oder?

Nein, ich glaube nicht das unibrennt ziemlich tot ist, und ich glaube nicht dass unibrennt in dem Sinn tot sein kann.

Dann vielleicht eingeschlafen?

Natürlich ist der Protest in den letzten Monaten nicht mehr in Form einer Audimaxbesetzung passiert. Ich glaube aber schon, dass es der Protestbewegung gelungen ist, Bildung mehr in die Öffentlichkeit zu rücken und aufzuzeigen was die Missstände sind. In dem Sinne ist die Bewegung ja nicht tot, weil sie etwas hinterlassen hat. Und es sind ja weiter sehr viel Menschen daraus engagiert, egal ob bei unibrennt selbst noch, oder bei Fraktionen oder in irgendwelchen ÖH-Strukturen.

So wie der Protest war, ist er nicht mehr, aber was braucht es dann jetzt?

Ich glaube dass man wahrscheinlich nicht weiterhin einen Hörsaal besetzen kann um etwas zu erreichen. Ich glaube es war wichtig, dass es passiert ist, und ich würde auch nicht sagen es hätte anders rennen sollen, aber jetzt braucht es vor allem Konzepte und eine Regierung die das umsetzt. SPÖ und ÖVP müssen endlich ihre Verantwortung in der Hochschulpolitik wahrnehmen. Sie dürfen den Hochschulsektor nicht länger finanziell aushungern und müssen endlich das Beihilfensystem reformieren.

Angelika Gruber im Gespräch mit neuwal

Wie setzt der VSStÖ im Wahlkampf das Web ein?

Natürlich ist das ein wichtiger Bereich. Wir nutzen Facebook sehr stark, ich persönlich blogge auch.

Bloggst du politisch oder privat?

Politisch vor allem. Zuerst am Karlwatchblog, jetzt auch auf meinem eigenen Blog. Aber persönlich und politisch kann man meist nicht so trennen, es ist ja mein persönliches Engagement in der Politik.

Wie viel Zeit geht bei dir in der Woche für den VSStÖ drauf?

Viel (lacht). Mal mehr, mal weniger. Es ist sicher ein 40 Stunden Job.

Was macht dir daran am meisten Spaß?

Ich glaube das Diskutieren. Oder… Aber was mir wirklich am meisten Spaß macht ist wenn ich etwas ausrechnen kann. Ich mag gerne Konzepte habe, etwas Konkretes, und mir überlegen, ob das Sinn macht, oder was die Auswirkungen sind.

Also nicht in erster Linie der Punkt dass du dir denkst du kannst für die Studierenden da sein?

Natürlich ist das was ich tue, Konzepte errechnen, für Vertretungsarbeit, um die Lage der Studierenden zu verbessern.

Aber du hast mehr Spaß beim Rechnen als an dem Gedanken dass du für Studierende da bist?

Nein, das ist ganz klar, sonst würd ich mich nicht engagieren. Ich engagiere mich nicht damit ich rechnen kann, dann kann ich gleich beim Studieren bleiben. Ich engagiere mich weil ich die Lage der Studierenden verbessern will. Das man dabei sein persönliches Wissen einbringt ist eine wichtige Sache.

„Es gibt keinen Unmut im Verband“
Bei einem Interview einer anderen Fraktion wurde uns erzählt, dass sie immer wieder Klagen von VSStÖ-Mitgliedern darüber hören, das beim VSStÖ nur Frauen an die Spitze kommen können. Ist das so, und wenn ja ist das eine bewusste Entscheidung und warum?

Das ist ganz klar eine bewusste Entscheidung dass Frauen an der Spitze des VSStÖ sind. Ich muss glaube ich nicht im Detail sagen wie Frauen an den Hochschulen, in der Wissenschaft und in der Politik unterrepräsentiert sind. Wir brauchen eine aktive Frauenförderung, und deshalb wollen wir das auch verbandsintern. Das bedeutet für uns auch Frauen in hohen Positionen zu haben.

Aber führt das nicht zu Unmut, und reagiert ihr hier nicht mit Diskriminierung auf Diskriminierung?

Es gibt keinen Unmut im Verband. Alle Menschen die sich im VSStÖ engagieren bauen auf feministischen Grundsätzen auf, das heißt dass wir alle Frauen aktiv fördern. Der Unmut ist wohl eher bei anderen Fraktionen, die davon ablenken wollen dass sie selbst keine Frauen an der Spitze haben.

Und es heißt aktive Förderung von Frauen, nicht Diskriminierung von Männern. Ich glaube es sollte in der Welt mindestens 50 % Frauen in Führungspositionen geben, genauso wie es 50 % Männer in Führungspositionen geben sollte. Ich glaube dass das keine Diskriminierung ist, sondern nur den Frauen dass zu geben was ihnen zusteht. Nämlich Führungspositionen und mindestens genauso viel Lohn für gleiche Arbeit.

Hast du vor dein ganzes Leben politisch aktiv zu sein? Nutzt du die ÖH als Rutsche ins Berufsleben?

Mein politisches Denken werde ich immer haben. Ich benutze die ÖH sicher nicht als Rutsche ins Berufsleben. Ich mache das weil ich Studierenden helfen will und weil ich finde, dass es eine gerechte Hochschulpolitik braucht. Was ich beruflich einmal machen will, weiß ich nicht. Mich interessiert die Bundespolitik aber nicht so sehr wie mein Studium und ich könnte mir gut vorstellen an der Uni zu bleiben. Aber ich habe meinen Werdegang noch nicht auskonstruiert. Jetzt geht es darum hochschulpolitisch in der ÖH aktiv zu sein, das macht mir Spaß und ist mir wichtig.

Dann würden wir noch gern einen Wordrap zu den anderen Fraktionen in der ÖH-Bundesvertretung machen.

Aktionsgemeinschaft

Konservative HandlangerInnen der ÖVP. (Lacht)

Fachschaftslisten (FLÖ)

Zick-Zack-Pseudounabhängig. Weiß nicht was morgen passiert.

GRAS

Wahrscheinlich Lieblingskoalitionspartnerin.

FEST

Gute Zusammenarbeit in der letzten Exekutive.

RFS

Will ich keinen politischen Raum einräumen.

KSV

Ja eh (lacht).

Wie würdest du auf eine schlimme Wahlniederlage reagieren?

Ich stehe ja nicht alleine da. Es ist ja eine Fraktionenwahl bei der man den VSStÖ wählen kann, und es liegt nicht allein an mir. Sicher wäre ich enttäuscht, aber primär wäre es uns wichtig in einer ÖH-Koalition weiter gute Arbeit zu machen. Und dann müsste man das Wahlergebnis natürlich analysieren.

Würdest du zurücktreten?

Ich kann das nicht so sagen oder mich auf eine Zahl festlegen. Ich werde auf jeden Fall weiterhin politisch aktiv sein.

Beim VSStÖ?

Ja, beim VSStÖ. Ich würde nicht die Fraktion wechseln, weil mir das Wahlergebnis nicht passt (lacht). Der VSStÖ ist die Fraktion mit der ich mich am meisten identifizieren kann.

Am meisten heißt aber nicht zu 100 %. Du hast aber vorher gesagt es gibt nichts was dich stört?

Schau mal. Es gibt im VSStÖ viele Menschen die sich engagieren und wir sind kein homogener Einheitsbrei. Es gibt in inhaltlichen Fragen immer wieder Debatten, was auch wichtig ist. Und deswegen wird es nie eine 100 %ige Übereinstimmung mit allen Themen geben. Natürlich gibt es die Grundwerte mit denen wir uns alle identifizieren können und ähnliche Ziele, aber wir sind sicher heterogen denkende Menschen, und das wird auch weiterhin so sein.

*der Mitglied des VSStÖ Graz ist.

Fotos: Christopher Pieberl

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.