Update 21. Jan. 2011, 13:30 Uhr

Wahlumfragen-Liebhaber sowie Wahlumfragen-Kritiker dürften diese Woche auf ihre Kosten gekommen sein. Im Abstand von nur einem Tag wurden nämlich zwei Wahlumfragen für Österreich veröffentlicht und im Abstand von sieben Tagen drei. Mit dem interessanten Ergebnis, das alle drei Umfragen ein teilweise komplett anderes Ergebnis ans Tageslicht bringen. Noch dazu ist das gar nicht so unüblich, was wir bei neuwal bereits mehrmals (zB gerade erst vor einem Monat, im Dezember 2010 bei IMAS/ATV Österreich Trend) beobachtet haben.

Bevor wir uns mit Dr. Erich Neuwirth von der Uni Wien treffen um noch nähere Insights zu Wahlumfragen zu bekommen, werfen wir doch einen kurzen Blick auf die aktuellsten Umfragedaten.

Österreich und Gallup
Österreich veröffentlichte am Samstag, 15. Jan. 2011 eine Gallup-Sonntagsfrage, in der SPÖ, ÖVP und FPÖ sich durch zwei Prozentpunkte getrennt die ersten drei Plätze teilen: SPÖ 26, FPÖ 25 und die ÖVP mit 24 %.

Karmasin für profil
profil veröffentlichte tagsdarauf am Sonntag, 16. Jan. 2011 eine Sonntagsfrage von Karmasin: In dieser liegt die SPÖ mit 30 % doch deutlich vor der ÖVP (27 %) und diese deutlich vor der FPÖ (24 %). Die drei Parteien 6 Prozenpunkte – Gallup sieht diese Kopf-an-Kopf bei einem Unterschied von nur 2 Prozentpunkten.

IMAS
Auch IMAS – auf orf.at veröffentlicht, sieht die SPÖ mit 26 % vor der ÖVP, die gleich auf mit der FPÖ bei 25 % liegt. Interessantes Detail: Im Gegensatz zu Gallup und Karmasin sieht IMAS das BZÖ bei 8 %, was einen Umfrageunterschied bis zu 100 % ergibt.

Das Ergebnis sind drei Wahlumfragen innerhalb einer Woche Tagen mit unterschiedlichen Ergebnissen:

Partei
profil/Karmasin
16.01.2011
Gallup/ÖSTERREICH
15.01.20101
ÎMAS
21.01.20101
Differenz
in %
Mandate*
in %
Mandate
in %
Mandate
in %
Mandate
SPÖ
30
56
26
50
26
49
4
6 - 7
ÖVP
27
51
24
47
25
48
2 - 3
3 - 4
FPÖ
24
45
25
48
25
48
1
3
BZÖ
4
7
5
9
8
13
4
2 - 5
GRÜNE
13
24
15
29
13
25
2
1 - 4
Andere
2
0
5
0
3
0
2 - 3
0

» Mehr Wahlumfragen

Doch worin liegen hier die Unterschiede?
Die Gallup und Karmasin Wahlumfragen wurden - wir haben nachgefragt - am 13. bzw. 14. Jan. 2011 durchgeführt und zeigen ein unterschiedliches Ergebnis. IMAS befragte zwischen Dezember 2010 und Jänner 2011.

  • Gallup sieht die SPÖ bei 26 % - Karmasin bei 30 % und somit um knapp einen Prozentpunkt über dem Ergebnis der Nationalratswahl 2008. IMAS liegt hier bei Gallup. Der Unterschied zwischen den Sonntagsfragen beträgt glatte 4 Prozentpunkte. Man kann sich 4 % so vorstellen, dass eine Partei, diese Stimmenanzahl benötigt um in die Mandatsränge zu kommen - also einiges.
  • Ebenso 3 Prozentpunkte Unterschied gibt es bei der Bewertung der ÖVP. Karmasin reiht die ÖVP mit 27 % hinter die SPÖ an zweiter Stelle - Gallup mit 24 % sogar an die dritte Stelle hinter die FPÖ. IMAS sieht die ÖVP mit 25 % gleich auf mit der FPÖ. Ein wesentlicher Unterschied, der für Schlagzeilen und Negativ-Stimmung sorgt: Einmal liegt die FPÖ auf Rang 2 - ein anderes Mal die ÖVP, ein anderes Mal beide gleich auf.
  • Ziemlich konstant bleibt die FPÖ in beiden Umfragen, die sich zwischen 24 und 25 % bewegt, allerdings in der Platzierung deutlich schwankt.
  • Die größte Schwankung zeigt das BZÖ: Während Gallup und Karmasin das BZL bei 4 bzw. 5 % sehen, reiht IMAS das BZÖ doppelt so hoch bei 8 %. Das sind Unterschiede von 100 %.
  • 2 Prozentpunkte Unterschied gibt es bei Die Grünen - in Prozent gemessen ist das eine Differenz von 15 % - die selbe wie beim Gallup-Karmasin-Wahlumfragen-Vergleich der SPÖ.
  • Unvorstellbar ist die Bewertung der "Anderen" Parteien. Dass Karmasin nur 2 % an Kleinparteien vergibt ist praktisch unwahrscheinlich. Für gewöhnlich machen sämtliche Kleinparteien einen Gesamtanteil von 6 % aus. Es kann - bei Beobachtung dieser beiden Umfragen - durchaus sein, dass sich dieser Prozentsatz auf die beiden Parteien SPÖ und ÖVP verteilt.

Aber lassen wir einen Experten ans Werk und uns von Dr. Erich Neuwirth von der Universität Wien die Welt der Wahlumfragen, Sonntagsfragen und Wählerstromanalysen erklären. neuwal fragt nach und blickt in den nächsten Tagen hinter die Kulissen - nächste Woche auf neuwal.com.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.