„Endlich Strache“, bereits im Herbst 2009 erschienen, blickt aus dem Jahr 2017 zurück auf die Entwicklungen der österreichischen Innenpolitik ab dem Jahr 2000. Die Autoren Hannes Vogler & I Stangl bemühen sich nach Kräften mit allen klassischen Stilmitteln eine originelle und erheiternde Leseerfahrung zu schaffen. Die „Schwäche“ des Buchs ist aber, dass ihm sein Scheitern als Satire in die Wiege gelegt ist. Wenn Übertreibung sinnlos wird und die absurdeste Idee glaubwürdig bleibt, stellt sich eine gewisse Hilflosigkeit ein.
Endlich Strache
Handwerklich kann man die Autoren nicht kritisieren, das Buch ist gut aufgebaut und leicht zu lesen. Auch an Kreativität dürfte es ihnen nicht mangeln.Freileich, manche Passagen sind langatmig und einige Witze ertrinken in einer Flut von Schmäh. Andere erschließen sich nicht unmittelbar oder überhaupt nicht. Nimmt man etwas Abstand und liest die Passagen ohne an die konkreten Personen zu denken, erschließt sich die Absurdität und der Witz. Blendet man aber Martin Graf, H.C. Strache und die FPÖ wieder ein, handelt es sich um einen realistischen Ausblick. Den Anfang einer Dystopie vielleicht, aber keine Satire.

Ende 2010 ist H.C. Strache erstmals auf Platz 1 in der sogenannten „Kanzlerfrage“. Die große Koalition zeigt erschreckende Abnützungserscheinungen und eine selbst ihr bisher nicht zugetraute Unfähigkeit. Die Hoffnung die Wiener SPÖ hätte ein Rezept gegen Strache, würde demonstrieren dass gegen den blauen Populismus doch ein Kraut gewachsen ist, hat sich zerschlagen. Das alles passierte in der Wirklichkeit, nicht im Buch.

Deshalb ist „Endlich Strache“ so spät doch noch Thema auf neuwal – weil es tatsächlich eine „Reportage aus der Zukunft“ sein könnte. Vogler und Stangl schreiben nicht alarmierend oder belehrend, aber dennoch und gerade deshalb aufklärerisch. Einfache Erklärungsversuche kommen nicht vor, im Gegenteil. Im Buch führt erst eine Beamtenregierung zahlreiche der wichtigen, ständig diskutierten aber nie in Angriff genommenen Reformen durch, die Österreich gut täten, bevor endlich Strache an der Reihe ist. Der Ansatz „die Regierung ist so schlecht, deshalb ist Strache so stark“ greift viel zu kurz.

„Endlich Strache“ ist ein erschreckend realistisches Buch das die politischen Zustände in Österreich vorführen will, sie aber oft nur beschreibt. Es erzählt die Geschichte einer Republik, der nicht mehr zu helfen ist. Wer sich ein Bild davon machen will, wie bei der SPÖ strategische Entscheidungen getroffen werden, welche Qualifikationen in der ÖVP wirklich zählen, wie es um den Geisteszustand von Heinz Fischer wirklich steht, warum Herr Strudl doch nicht der Bundesregierung angehört, was uns aus Kärnten noch blühen könnte und wie es sein wird, wenn Strache Kanzler ist, dürfte den Griff zu diesem Buch nicht bereuen.

Endlich StracheEndlich Strache!
Eine Reportage aus der Zukunft
von Hannes Vogler & I Stangl

Verlag Ueberreuter
Hardcover

256 Seiten
ISBN 978-3-8000-7447-1
EUR 19,95

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.