Unlängst haben wir auf neuwal.com ein Buch präsentiert, dessen bahnbrechender Inhalt nicht ganz zur etwas drögen Form passen mag: „Gleichheit ist Glück. Der österreichische Journalist und (Video-)Blogger Robert Misik (auch von ihm war hier schon oft die Rede, siehe Interview und Genug ist genug) liefert in seinem neuen Bestseller dazu passend eine Handlungsanleitung für die paralysierte Linke – und macht die vielen Statistiken und wissenschaftlichen Erkenntnisse mit Verve und Humor verständlich.

Robert Misik, (CC) Wolfgang H. Wögerer, Wien
(CC) Wolfgang H. Wögerer, Wien

Ein Stichwortgeber der „Neuen Linken“
Misik ist in der österreichischen Medien- und Politiklandschaft kein Unbekannter. Er gilt als Vordenker einer „Neuen Linken“, der aber selbst keine aktive (politische) Rolle spielen möchte und ist selbst Teil jener Bürgergesellschaft, die er als Ergänzung zur Demokratie für unerlässlich erachtet. In „Anleitung zur Weltverbesserung – Das machen wir doch mit Links“ räumt der Autor zuerst mit einem hartnäckigen Gerücht auf: Linke seien immer nur „dagegen“, eine Rolle, die Geschichtlich eigentlich den konservativen Strömungen und Gruppierungen vorbehalten war.

Die Lücken der Sozialdemokraten
Misik kennt jedoch auch die Gründe für die neuerdings ablehnende Haltung der sozialistischen Parteien neuen Entwicklungen gegenüber: sie wurden von innen ausgehöhlt und gleichzeitig von den Ereignissen überrannt. Blairs „Dritter Weg“ und Schröders „Agenda 2010“ waren verzweifelte Versuche, eine große Lücke der Sozialdemokratie zu füllen: jene der gesellschaftlichen Utopie.

Reformen für eine bessere Gesellschaft
Mit diesem Begriff geht Misik jedoch vorsichtig um, allzu radikale Experimente – wie sie etwa die Kommunisten wagen wollen beziehungsweise in einigen Staaten auch gewagt haben – lehnt er rundweg als unrealistisch ab – been there, done that, didn’t work. Lieber wären ihm Reformsozialisten, die in Koalitionen zwar Kompromisse eingehen, aber zumindest ein ideelles Ziel haben, auf das sie hinarbeiten: eine bessere Gesellschaft.

Misik macht Schluss mit den Mythen
Inhaltlich wird aufgeräumt mit vielen Stehsätzen der modernen Wirtschaft, die Misik für unbewiesene oder gar widerlegte Mythen wirtschaftsliberaler Dilettanten hält. Wie das gemacht wird, ist alleine schon die Lektüre des Buches wert – auch wenn gegen Ende für meinen Geschmack eine Idee zu viel Optimismus versprüht wird.

Der Markt ist voll von Widersprüchen
Wer sich intensiver mit den wirtschaftlichen und politischen Geschehnissen der letzten ein bis zwei Jahrzehnte auseinandergesetzt hat, wird viele Diskussionen und Kritikpunkte in diesem Buch wiederfinden – verständlich erläutert, in einen Gesamtkontext gesetzt und mit konkreten Ideen, wie man es besser machen könnte. Märkte und deren dahinterliegende Prinzipien sind voll von vermeintlichen oder tatsächlichen Widersprüchen.

Kaputtsparen und gesundinvestieren
Dass Staaten sich zwar kaputtsparen, aber auch gesundinvestieren können, ist nicht neu – die Unzulänglichkeiten und Absurditäten, die das Bruttoinlandsprodukt erfasst (oder eben nicht) sind hingegen bemerkenswert. Auch das Arbeitslosen-, Grundsicherungs- und Mindestlohn-Bashing entbehrt jeder statistischen und erfahrungsgemäßen Grundlage.

Ideengeber für SPÖ und SPD
Ob „Anleitung zur Weltverbesserung“ wirklich von den Linken in Österreich und Deutschland als Denkanstoß und Impulsgeber wahrgenommen wird, hielt ich angesichts der handelnden Personen lange Zeit für fragwürdig. Beeindruckend ist aber, dass Misik schon von der SPÖ Oberösterreich als externer Redner gebucht wurde und für seine mehr als klaren Worte zum traurigen Zustand der Partei heftige Zustimmung erntete. Nun – Anfang 2011 – wird er auch bei der SPD-Neujahrsklausur zu Wort kommen.

Intellektuelles Unterfutter
Als intellektuelles Unterfutter für jene Diskussionen, in denen man als „weltfremder Gutmensch“ oder „wirtschaftsferner Linker“ bezeichnet wird, kann es jedenfalls sehr wertvoll sein.
Wenn es Parteien wieder schaffen, Vor- und Querdenker wie Franz Fischler oder Kurt Flecker, Kurt Paierl, Johannes Voggenhuber, Hannes Androsch und viele andere frustrierte oder isolierte Partei-„Fremdkörper“ ins zentrale Strategie-Team einzubinden, wird man die Wähler vielleicht schrittweise wieder davon überzeugen können, inhaltlich das Heft in der Hand zu halten und sich nicht von populistischen Schönwetterrednern in die Sackgasse treiben zu lassen.

Neue Ideen in Zeiten der Dürre
Einfach wird das nicht, und mit angstvollem Blick auf Popularitätswerte und Umfragen kann man hierbei nicht immer agieren. Und doch wird sich wohl eines Tages jemand finden, der den erodierenden „Volks“parteien wieder den Kern ihrer Politik einimpft: Standpunkte, Inhalte und ein Ziel. Wer das noch kommunizieren kann, ungespinnt und ohne inhaltsleere Floskeln, wird einen Wendepunkt setzen können.

Robert Misik zeigt in „Anleitung zur Weltverbesserung“ mögliche und spannende Wege auf, alleine dafür muss man ihm in Zeiten der politisch-intellektuellen Dürre sehr dankbar sein!

Robert Misik
„Anleitung zur Weltverbesserung. Das machen wir doch mit links“

Hardcover
224 Seiten

Aufbau Verlag
ISBN 978-3-351-02725-4
EUR 17,95

Stimmen zum Buch auf www.misik.at