Nach knapp vier Monaten ist für Manuel Daubenberger die Zeit des Abschieds gekommen. Er wird zwar noch fünf Monate reisen, doch mittlerweile ist er einer der letzten verbliebenen Gringos und auch seine Zeit als Bewohner Quitos geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz.

(C) Vulkan auf Ecuador, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger

Zeit, sich zu verabschieden
Obwohl es noch fünf Wochen sind, ist dies mein letzter Blogeintrag. Die nächsten fünf Wochen werde ich hauptsächlich auf Reisen sein, so dass meine Zeit als Einwohner Quitos zu Ende geht. Es wird Zeit Bilanz zu ziehen.

Die letzten beiden Wochen waren vor allem von Abschieden geprägt. Mittlerweile bin ich einer der letzten verbliebenen Gringos. Vergangene Woche war ich zum letzten Mal als Lehrer in Baeza. Außerdem stand das letzte Vorrundenspiel des Dorfturniers an.

Gegen die Polizei gingen wir als krasse Außenseiter in die Partie. Da Polizisten in Ecuador überdurchschnittlich gut bezahlt werden, wollen fast alle Jugendlichen zur Polizei. Und so bestand das gegnerische Team aus athletischen, für ecuadorianische Verhältnisse groß gewachsenen Spielern. Dementsprechend hatten sie bis dahin auch alle Spiele gewonnen. Wir kamen allerdings sehr gut ins Spiel und gingen dann auch in Führung. Diese konnten wir bis zur Mitte der zweiten Halbzeit auf 5:1 ausbauen. Da es danach allerdings mit der defensiven Disziplin dahin war, stand es bereits drei Minuten später 5:4. In der letzten Sekunde bekamen wir die Quittung für unsere Dummheit und kassierten den 5:5 Ausgleich, der gleichzeitig unser Ausscheiden bedeutete.

Der anschließende Unterricht war dafür toll, denn nach drei Monaten gemeinsamer Arbeit haben meine Schüler tatsächlich enorme Fortschritte gemacht. Da sie noch vier Monate Unterricht vor sich haben, bin ich überzeugt, dass einige anschließend sehr gut englisch sprechen werden.

Wichtel im Anzug
Am 23.12. war ich zum Weihnachtsessen eingeladen. Ein toller Anlass, um mich von meinen Schülern zu verabschieden. Das Essen war eine förmliche Angelegenheit mit Anzug und Abendkleid. So musste jeder zunächst einmal in der Mitte des Raumes sein Outfit präsentieren. Im Anschluss wurde gewichtelt: Jeder Schüler musste die zu beschenkende Person beschreiben und die Gruppe erriet dann, für wen das Geschenk war. Auch ich bekam ein Geschenk und vor allem viele nette Worte des Dankes. Die Förmlichkeit der Kleidung hielt uns danach nicht davon ab, Weihnachten bis zum Morgengrauen mit unglaublichen Mengen Alkohol zu begrüßen.

Während Familien in Deutschland friedlich unterm Weihnachtsbaum saßen, quälte ich mich im Bus ohne Sitzplatz zurück nach Quito. Aber für den traumhaften Abschluss, war es das wert.

Was nehme ich also aus meiner Zeit in Ecuador mit?
Zunächst einmal glücklicher- und vielleicht auch überraschenderweise über 80 Seiten Magisterarbeit.

Zweitens, unglaublich viele neue Freunde mit den unterschiedlichsten Hintergründen: Reiche Ecuadorianer, arme Ecuadorianer, US-Amerikaner, Mexikaner, Singapurer, Israelis. Mit allen hatte ich nicht nur eine Menge Spaß, sondern habe auch eine Menge über sie und ihre Kultur kennengelernt. Vor allem meine Schüler haben mir mit ihrem Enthusiasmus und Liebenswürdigkeit mehr über die ecuadorianische Gesellschaft beigebracht, als ich jemals aus Büchern oder Zeitungen erfahren könnte.

Drittens, eine unfassbare Vielzahl von spannenden Erlebnissen. Da ich alle schon einmal beschrieben habe, hier nur noch einmal in Kurzfassung:

  • Billardspielen, Gemeindehallenfest, Privatfeiern in Ruinen im Armenviertel ‚Lucha de los pobres‘
  • ein Dorffest mit einem der größten Fußballstars Ecuadors
  • unglaublich viele Orte und Menschen als Lehrer+Gast des Programms „A Ganar“ kennengelernt
  • ein Radio-Interview auf spanisch
  • ein abergläubisches Straßenfest, mit dem Lieblingsspiel „Füllen wir den Gringo ab“
  • ein Polizeistreik, eine vermeintliche Präsidentenentführung und ein Ausnahmezustand
  • eine Wasserfallrutsche
  • Unabhängigkeitsfeier in Guayaquil
  • Singapur-Chinese, der bei einer Ecuador-Chinesin unglaublich gutes asiatisches Essen bestellte
  • unglaublich viele traumhafte Landschaften
  • durchgehend feiernde Ecuadorianer am Strand während der Ferien zu Allerheiligen
  • seltsame blaufüßige Vögel auf einer Steininsel
  • in der Verlassenheit des Regenwaldes Affen, Tapire, Kaimane, Delfine und Krabbelzeug gesehen
  • dabei einen „Ninja-Guide“ kennengelernt, der Fliegen aus der Luft fangen kann
  • viel Zeit in allen möglichen Verkehrsmitteln verbracht und dabei nette Bekanntschaften gemacht
  • Kentern im Kayak
  • ein Dorffest mit Schülern und Gringos
  • Klettern auf 4800 Meter
  • Fußballspielen auf 2800 Metern und dumm beim Dorfturnier ausgeschieden
  • Hausarrest und Alkoholverbot während der Volkszählung
  • das ecuadorianische Fußball-Finale mit den Ultra-Fans
  • Ausnahmezustand der anderen Art bei den Fiestas de Quito
  • Calle 13 und The Wailers live
  • Campen an einem einsamen Wasserfall

Ich hoffe, das Lesen hat ähnlich viel Spaß gemacht, wie das Erleben!

Ich wünsche allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Auch wir von neuwal bedanken uns für die spannenden Einblicke in das ecuadorianische Leben – und wünschen Manuel Daubenberger weiterhin alles Gute!

Wir hoffen, dass euch die Berichterstattung aus dem fernen Südamerika gefallen hat. Wenn man ein Land verstehen will, muss man immer zuerst die Menschen und ihre Kultur kennenlernen! Wir hoffen, dass wir dazu mit dieser Kooperation einen kleinen Beitrag leisten konnten.