Gerade hat Manuel Daubenberger die erste Halbzeit in Lateinamerika erfolgreich hinter sich gebracht. In den vergangen beiden Wochen war er dabei sehr viel unterwegs. Zuerst fuhr er zum Unterrichten in den Nordwesten Pichinchas. Anschließend führte er eine Horde Austauschstudenten in die Freuden des ecuadorianischen Landlebens ein. Wie das Aufeinandertreffen seiner Schüler und der ausländischen Gäste auf einem Dorffest verlaufen ist und warum er jetzt dennoch dankbar ist, mal einige Tage in Quito zu sein, lesen Sie hier.
 

 
 
 
Überfüllter Bus, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
Von Bussen und Gastfreundschaft

Über die Hälfte meiner Zeit in Lateinamerika ist nun vorbei. In den vergangenen beiden Wochen war ich wieder viel unterwegs, so dass ich momentan froh bin, mal wieder mehrere Tage am Stück in Quito zu sein.
 
Kein Festival ohne Bier
Zunächst hatte ich aber als Ausgleich für die viele Reiserei ein Arbeitswochenende eingelegt. Am Sonntag ging ich trotzdem zum Quitofest, einem kostenlosen Festival mit traumhaften Blick über Quito. Da das Festival vor allem zu Zwecken der sozialen Erziehung diente, gab es keinen Alkohol. Was ein schwäbischer Zivi zu den Worten veranlasste „Was isch´n des für a scheiß Feschdival und mei Zigaredde hen se mir au abgnomme!“ Woraufhin er gemeinsam mit einem anderen deutschen Freund das Festival verließ.
 
Auf zum Englisch-Unterricht
Am nächsten Tag brach ich in den Nordwesten der Region Pichincha auf, um dort Englisch-Intensivkurse zu geben. Von der Universität in Cumbaya musste ich drei verschiedene Busse nehmen und brauchte knapp drei Stunden, um im Norden den Bus nach Nanegalito nehmen zu können. Dort traf ich mich mit dem dortigen Programmkoordinator. Ruben ist 19, ein ehemaliger Absolvent des Programms „A Ganar“, studiert Tourismus in Quito und hat einen einjährigen Sohn.

Die Klasse bestand aus nur fünf Schülern, die bisher nur in der Schule und bei einem 30-stündigen Schnellkurs englisch gelernt hatten. So waren meine Möglichkeiten in den fünf Stunden, die ich montags und dienstags mit ihnen hatte, eher beschränkt. Vor allem die Englischfähigkeiten derjenigen, die selbst in der Grundschule oder unteren Klassen in weiterführenden Schulen unterrichten sprechen ein deutliches Bild für das allgemein niedrige Niveau der Englischkenntnisse.

 
Unglaublich gastfreundlich
Untergebracht war ich im Haus von Rubens Familie. Einer alten Konstruktion mit Betonfußboden und Toiletten im Hinterhof. Und so kam ich wieder zu einem sehr realistischen ecuadorianischen Erlebnis. Die Familie war unglaublich gastfreundlich. Ich aß gemeinsam mit ihnen, schaute Telenovelas mit der Großmutter und unterhielt mich mit Rubens Onkel über seine Erlebnisse als Gastarbeiter in Spanien.
Renovierung zwischendurch
Am Mittwoch konnte ich mich dann etwas für die Gastfreundschaft revanchieren, indem ich bei der Renovierung des Hinterhofs half. Da sie mir nicht sonderlich viel zutrauten, bestand die Hilfe hauptsächlich aus dem Schleppen von Schutt oder Sand für den Zement.
 
Weiter zum Fußball
Am Abend fuhr ich dann eine Stunde weiter nach Los Bancos, wo die Gruppen aus Nanegalito und Los Bancos gemeinsam eine Unterrichtseinheit des besonderen Fußball-Spielsystems der Dachorganisation „Streetfootballworld“ erhielten.
 
Immer Ärger mit Bussen
Die Nacht verbrachte ich im eineinhalb Stunden weiter westlich gelegenen Puerto Quito, das so heißt, weil es früher einmal der Hafen für den Austausch zwischen Quito und der Küste war.
Am Donnerstag unterrichete ich sechs Schüler des Programms, bevor ich abends den letzten Bus zurück nach Quito nehmen wollte. Damit begann die Odyssee. Der Bus sollte um sechs kommen. Der Busfahrer eines Busses nach Los Bancos teilte mir allerdings mit, dass der Bus heute ausfalle, woraufhin ich seinen Bus bestieg, um zumindest etwas näher an Quito heranzukommen. In Los Bancos angekommen teilte mir ein Polizist mit, dass wir den Bus nach Quito knapp verpasst hätten und der nächste in ungefähr eineinhalb Stunden kommen würde.
Vertrauen ist gut…
Mit einem ecuadorianischen Mit-Leidtragenden der mangelnden Busverbindungen setzte ich mich deshalb in ein Lokal, um das Copa-Suramericana-Spiel von Liga de Quito zu schauen und mit einem Bier auf meine Halbzeit in Ecuador anzustoßen. Da er der Auskunft des Busfahrers allerdings nicht traute, schielte der die ganze Zeit aus dem Fenster. Zu unserem Glück: denn nach fünf Minuten im Lokal kam unser Bus, woraufhin wir unser Bier hinunterstürzten, bezahlten und zum Bus rannten. Da wir später auch noch ein Taxi in Quito teilen konnten, war die Zufallsbekanntschaft nicht nur für ein nettes Gespräch im Bus gut.
 
Drei Stunden im Bus
Am Freitag um vier ging die Reiserei dann schon wieder weiter. Gemeinsam mit 15 Austauschstudenten machte ich mich auf nach Baeza, wo ich sonst immer englisch unterrichte. Leider sind Busse freitagnachmittags sehr voll und nicht ausgelegt für 16 zusätzliche Gringos, so dass die große Mehrheit unserer Gruppe die dreistündige Fahrt stehend verbrachte. In Baeza angekommen empfing uns einer meiner Schüler und wir verbrachten den Abend damit, die örtliche Süßwasserfischspezialität Trucha zu essen und die anstrengende Fahrt mit einem Bier hinunterzuspülen. In unserem Hostel empfing uns der sichtlich gut gelaunter Besitzer, Rodrigo, der die Gruppe Gringos nicht ins Bett entließ, ehe wir eine Flasche furchtbaren Aguardiente mit ihm geleert hatten.
 
Rafting, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger
Abenteuerliches Rafting
Das Aufstehen zur geplanten Raftingtour am Samstagmorgen viel dementsprechend schwer. Aber nach einem Frühstück und einer halbstündigen Busfahrt warteten wir vorfreudig in El Chaco, wo ein Schüler von mir die Tour organisiert hatte. Nach einer kurzen Fahrt auf überfüllten Pick-Up-Truck-Ladeflächen und einer Einführung in die Künste des Raftings saßen wir auf drei Booten verteilt im Fluss Quijos. Die sowieso schon schwierigen Bedingungen, die 2006 die Kayak- und Raftingweltmeisterschaften in den Ort gebracht hatten, wurden durch den nächtlichen Starkregen noch verschärft.
 
Mann über Bord
Und so kam es bereits nach zwanzig Minuten, wie es kommen musste: Unser Boot fiel in den Stromschnellen in ein Wellenloch und wir kenterten. Obwohl ich schon einmal beim Rafting aus dem Boot gefallen war, war das schon ein sehr furchterregender Moment. Die Strömung war unglaublich stark, ich versuchte Steine zu vermeiden und schluckte Unmengen Wasser, bis mich ein anderes Boot aus dem Fluss fischte. Und der restlichen Besatzung meines Bootes erging es größtenteils noch schlechter. Nach einigen erholsamen Ruheminuten an Land waren allerdings alle wieder bereit die Tour fortzusetzen. Diese führte uns dann noch zu einem Ort an dem Zuckerrohrsirup auf sehr altertümliche Weise von Hand hergestellt wird. Drei Stromschnellen später hatten alle eine tolle Zeit erlebt, aber waren froh wieder an Land zu sein.
 
Fiesta, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger
Geburtstagsgrillen
Mit dem Pick-Up-Truck und dem Bus fuhren wir zurück in unser Hostel zum Geburtstagsgrillen, zu dem uns Rodrigo am Vorabend eingeladen hatte.

Nach einem sehr leckeren Essen und einigen Bier nahmen wir den Bus in das Dorf Borja, wo die Fiesta de la Virgen de Quinche und meine Schüler auf uns warteten. Wir kamen pünktlich zum Ende der Messe, so dass die Musikkapelle die „Vaca Loca“, die „Verrückte Kuh“, zum Tanzen animierte. Die Vaca Loca ist ein Betrunkener, in einer mit Süßigkeiten und Früchten behängten Kuh-Atrappe. Kinder und Erwachsene versuchen die Süßigkeiten zu stehlen. Der Betrunkene und umstehende Helfer versuchen das mit Ausweichmanövern, Stößen und Schlägen mit Gürteln zu verhindern.

 
Bambusfeuer, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger
Bambus-Lagerfeuer
Im Anschluss wurde ein großes Bambus-Lagerfeuer entzündet, aus dem immer wieder brennende Stäbe herausfielen und die mit dem Feuer spielenden Kinder gefährdeten. Zwischendrin wurde getanzt, Bier, Melonenlikör oder alles andere getrunken, was einem so angeboten wurde. Die ganze Nacht wurden kleine Heißluftballons gezündet.

Der Höhepunkt des Abends war das Castillo. Eine Feuerwerks-Bambuskonstruktion mit sich drehenden Flammenräder, Raketen und einem brennenden Herz. Um zwölf verlagerte sich die Feier dann in die Dorfdiskothek. Die Mehrheit der Austauschstudenten wollte allerdings zurück zu Rodrigos Geburtstagsparty, so dass wir einen Pick-Up-Truck zurück nach Bazea nahmen.

 
Stierkampf, (CC) Manuel Daubenberger
(CC) Manuel Daubenberger
Unblutiger Stierkampf
Am nächsten Morgen verließen die Austauschstudenten nach und nach Baeza. Mit den letzten fünf übriggebliebenen Austauschstudenten fuhr ich dann zurück nach Borja, um die „Corrida de los Toros“ anzuschauen, einem Stierkampf ohne blutiges Ende. Zunächst war es eher lächerlich: Eine Ladung Betrunkener, die versuchten einen Stier zu provozieren, der eigentlich nur zurück in seinen Stall wollte. Aber im Laufe des Nachmittags kamen immer aggressivere Stiere und es wurde noch ein richtiger Stierkampf.
 
Es gibt kein Geld…
Da ich am nächsten Tag unterrichtete, verbrachte ich die Nacht wieder in Rodrigos Hostel. Am nächsten Tag half ich, seine Homepage ins Deutsche zu übersetzen. Zwei der Austauschstudenten hatten die Nacht in El Chaco verbracht und konnten kein Geld abheben, weswegen ich ihnen welches lieh. Nur um kurz darauf festzustellen, dass auch mir der Geldautomat in Baeza kein Geld geben würde. Normalerweise kein Problem, aber auch der andere Lehrer hatte Probleme mit seiner Geldkarte, so dass ich mit sieben Dollar drei Stunden entfernt von Quito saß. Glücklicherweise ist Rodrigo ein Freund des Programmkoordinators im Amazonas und so vereinbarten die beiden, dass die Organisation in den nächsten Tagen für meine Übernachtungen zahlen würde. Außerdem reichen sieben Dollar hier tatsächlich für ein Mittagessen, ein Abendessen, ein kleines Frühstück und die Fahrt zurück nach Quito. […]
 
Thanksgiving bei Freunden

Am Donnerstagabend war ich mit einigen Freunden bei Jorge Luis und Nichole (das verlobte ecuadorianisch-amerikanische Paar) zur Einweihung ihrer neuen Wohnung und Thanksgiving eingeladen. Die Wohnung hat einen traumhaften Blick über die Altstadt und kostet mit 160 Dollar im Monat 30 Dollar mehr als mein WG-Zimmer im Norden Quitos. Spannend war es die vielen amerikanischen Austauschstudenten dabei zu beobachten, wie sie häufig zum ersten Mal selbst die Thanksgiving-Völlerei zubereiteten.

Und wenn wir gerade bei Thanksgiving sind, dann bin ich dankbar für die vielen neuen Freunde, die Gastfreundschaft und die vielen tollen Erlebnisse in Ecuador!

 
Am Samstag werde ich mit einem Freund den Hausvulkan Rucu Pichincha besteigen und am Sonntag als braver Teilzeitbürger den Tag in der Wohnung verbringen, um mich volkszählen zu lassen.
 
Entonces hasta la próxima!