Barack Obama. Seine große Niederlage. Das Scheitern eines Messias. Das Ende nach einer Welle überhöhter Erwartungen. Es schien, als wartete man nur darauf, dass der US-Präsident stolpern würde. Und viele freuten sich, endlich wieder über die dämlichen US-Amerikaner lästern zu können. Denn wenn sie eines nicht wirklich können, dann ist es wohl, aus ihren Fehlern zu lernen.

jinamae | flickr (CC)

Ich gebe es zu: das hier ist mein zweiter Versuch, einen Post-Midterm-Wahlen-Beitrag zu schreiben. Beim ersten Mal scheiterte ich daran, dass ich viel zu lange darüber schrieb, wie Barack Obama es schaffte, mich in seinen Bann zu ziehen. Und ja, auch mir wurde sehr schnell bewusst, dass auch er nur maximal mit einem Superman-Pyjama einschläft.

Engagiert und leidenschaftlich.

Im Freitags-Standard (Artikel ist online unauffindbar) erklärt Nicholas D. Kristof, Kolumnist der New York Times, welche Reaktionen er mitbekam. Obama zeigt sich von der kaputten Wirtschaft, den steigenden Arbeitslosenzahlen und der nur langsam wachsenden Konjunktur wenig beeindruckt. Man brauche eine „engagierte und leidenschaftliche Persönlichkeit, die das Land führt und keinen übervorsichtigen Sonntagsschullehrer“. Das hat mich zum Nachdenken angeregt: ist z.B. unser Bundeskanzler Werner Faymann ein engagierter und leidenschaftlicher Politiker? Im Grunde genommen: Ja! Natürlich. Kaum jemand spricht so engagiert und leidenschaftlich von Umverteilung und „sozialer Gerechtigkeit“. Dass die Politik dahinter anders aussieht, merkte man zuletzt an der Budgetkonsolidierung.

Obama hat ein schweres Los gezogen: seine To-Do-Liste war riesig groß. Sein Plan: eine umfassende Krankenversicherung, eine neue grüne Politik, und im Grunde auch noch die Versöhnung der Welt. Und als er zum Präsident gewählt wurde, fiel das zufällig auch mit dem ersten großen Dominostein der Finanzkrise, der Insolvenz der Lehman Brothers, zusammen. Wie sollte er also alles unter einen Hut kriegen?

Blockierrepublikaner und schwedische Blumen.

Die Republikaner, die 8 Jahre George W. Bush zu verantworten haben, erfreuten sich, dass erst der Demokrat, der Hoffnungsträger einer ganzen Generation, daran, an den Folgen der langjährigen neoliberalen Wirtschaftspolitik zu knabbern hatte. Sie mussten jetzt nur zeigen, dass man mit ihnen immer noch rechnen muss. Ein Resultat davon ist die abgeschwächte Gesundheitsreform, oder die Klimareform, die erst gar nicht zustande kam. Und dann streute man ihm noch schwedische Blumen, als man ihn 2009 mit dem Friedensnobelpreis verlieh. Ihm, einem Mann, der Chef über ein riesiges Heer ist, das gerade in zwei Kriegen direkt aktiv ist. Falsche Vorschusslorbeeren?

Wenn man es von der weltpolitischen Sicht aus sieht … nein. Er trug, wie kein anderer (ich bin noch zu jung, um mich an viele US-Präsidenten zu erinnern, aber zumindest Clinton und W. Bush sind mir ein Begriff) zur Völkerverständigung bei. Seine Rede zum Islam, seine Unterstützung im Nahostkonflikt (wobei die USA dort immer noch eine viel zu schwerwiegende Rolle mit Israel spielt), seine Rede von einer atomwaffenfreien Welt. Alleine dafür gebührt ihm dieser Friedensnobelpreis. Und auch wenn das nicht in seiner Zeit als Präsident passieren wird, vielleicht schafft er es, einen Grundstein zu legen.

Change. Diesmal in der eigenen Politik

Aber in den USA selber mag man ihn scheinbar nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Wirtschaft erholt sich nur schleppend. Hat er wirklich alles schlechter gemacht? Nimmt man ihm übel, Billionen Dollar in die Rettung der Wirtschaft gesteckt zu haben, oder viel mehr, dass eben diese enorme Menge scheinbar nicht hilft? Barack Obama ist ein herausragender Weltpolitiker, aber er tut wahrscheinlich gut daran, nach den Midterm-Wahlen, sich speziell auf die USA zu konzentrieren.

In den kommenden zwei Jahren, bis zur nächsten Wahl, muss er die Arbeitslosigkeit wieder eindämmen, muss Wege finden, die Wirtschaft anzukurbeln. Das wird keine leichte Aufgabe. Außerdem noch global aktiv zu sein, sollte ebenso nicht völlig untergehen. Aber es ist einfach nur lächerlich, die Republikaner und die Aktivisten der „Tea Party“ mit Stimmen zu überschütten. Eine Partei, die in ihrer (jetzigen Ex-)Oppositionsrolle davon spricht, beinahe einen Stillstand in Washington zu erzwingen, gerade in einer solchen Zeit, die die Zusammenarbeit aller Menschen und Politiker benötige, verdient keine Stimmen.

Von den versöhnlichen Worten des Herrn McCain in der Wahlnacht, der Barack Obama und den Demokraten versprach, miteinander an einer Rettung des Landes mitzuarbeiten, ist nichts mehr zu hören. Dafür aber die dumpfen Worte einer Sarah Palin. Wenn man die „Visionen“ der Teepartei hört, wünscht man Obama so viel Erfolg wie nur möglich. Hoffentlich gelingt es ihm.

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