Am 7. November 2010 finden in Myanmar öffentliche Wahlen statt. 27 Millionen BürgerInnen sind wahlberechtigt, Staatsbeamte und Geistliche davon ausgenommen. 37 Parteien treten zur Wahl an, von denen etwa die Hälfte nicht dem Regime nahe stehen. In Teil 2 bieten wir Daten, Fakten, Hintergründe und einen Überblick über alle antretenden Parteien.

Es war nicht ganz einfach, Informationen zu den Wahlen in Myanmar zu bekommen. Es gibt zwar viele Berichte und Artikel, jedoch nur sehr spärlich Auskunft über die tatsächlich antretenden Parteien und Gruppierungen oder die Zahl der Wahlberechtigten. Nach intensiver Recherche habe ich beschlossen, den Artikel von Dr. Sebastian Kwame Braun auf neuwal.com zu zitieren und eine Zusammenfassung zu bieten. Der Artikel „Myanmar Hintergrundbericht“ vom 22.09.2010 war für mich einfach das aussagekräftigste Paper zur Wahl in Myanmar. So fern alles klappt, gibt es in hier in Teil 3 ein Interview mit dem Autor und zur aktuellen Lage in Myanmar. Hoffe, es klappt.

Myanmar Hintergrundbericht

„Es ist eine sehr wichtige Zeit für die Union Myanmar, da demokratische Mehrparteien-Wahlen bald stattfinden, bei denen das Volk Repräsentanten wählen soll, die fähig sind, den Demokratisierungsprozess zu überschauen“, ließ Myanmars Militärregierung verlautbaren, als sie den 7. November 2010 als Wahltermin bekannt gab.

„Die Wahlen werden dem Land keine Demokratie bringen. Myanmar wird ein autoritärer Staat bleiben – mit dem Militär als dominierende Kraft. Allerdings besteht die Chance, dass die Wahlen den Ausgangspunkt einer langsamen politischen Transformation markieren, einer Transformation hin zu einem Staat, der zwar nicht demokratisch, aber etwas pluralistischer wird – mit der Möglichkeit einer legalen Opposition und mehr Freiräumen für eine erstarkende Zivilgesellschaft“, so Henning Effner von der Ebert Stiftung im Artikel Parlamentswahlen in Myanmar: Zementierung der Militärherrschaft oder Chance auf Veränderung?

Demokratisierung als Etikettenschwindel

  • Im März 2010 regelte ein neues Gesetz der Junta die Registrierung neuer Parteien.
  • Im April 2010 legten 27 ranghohe Militärs ihre Uniformen ab und wechselten in Positionen von neuen und von der Junta regierten Parteien an.
  • Am 27. August 2010 – vier Tage vor Anmeldeschluss von Wahlkandidaten – veranlasste General Than Shwe (seit 1992 Diktator) den größten Umbruch in der Geschichte des Militärs: 70 Offiziere wurden Zivilisten und die meisten von ihnen Parteipolitiker. Der Diktator entschied, wer als Zivilist dienen und wer im Militär bleiben sollte.

General Thura Shwe Mann und General Tin Aung Myint Oo – Nummer 3 und 4 der Junta – verließen das Militär und könnten nach der Wahl Präsident bzw. Vizepräsident von Myanmar werden. Than Shwe selbst blieb dagegen General und könnte nach der Wahl Oberbefehlshaber bleiben. So oder so wird erwartet, dass Than Shwe mächtig bleibt. In der Folge des Militärumbruchs Ende August 2010 dürfte der Diktator durch Neubesetzung der 70 vakant gewordenen Posten auch einen Generationswechsel in seinem Sinn organisiert haben.

Wahlen in Myanmar: Facts and Figures

  • 27 Millionen Bürger wahlberechtigt (Staatsbeamte und Geistliche jedoch nicht)
  • 47 Parteien wollten sich registrieren
  • Das Regime ließ 42 zu – 5 wurde die Teilnahme bei der Wahl verweigert
  • 40 Parteien gelang es, notwendige 1.000 Mitglieder zu rekrutieren und Kandidaten aufzustellen
  • 37 Parteien treten letztendlich bei der Wahl an
  • Von diesen Parteien sind etwa die Hälfte unabhängige Parteien, die nicht dem Regime nahe stehen **
  • Etwa zwei Drittel aller registrierten Parteien sind einer bestimmten Volksgruppe zugehörig **
  • Pro Kandidat mussten Parteien eine Nominierungsgebühr von rund 500 USD bezahlen
  • Wer in allen Wahlkreisen für die beiden National-Parlamente Kandidaten aufstellen wollte, musste also rund 250.000 USD Gebühren entrichten.
  • Das konnten sich nur die Junta-Parteien USDP und NUP leisten, alle anderen Parteien stellen somit wesentlich weniger Kandidaten
  • Es gibt 330 Wahlkreise
  • Nur Wahlkreisgewinner erhalten Parlamentsmandate (first-past-the-post)
  • 25 Prozent der Parlamentsmandate sind Militärs vorbehalten
  • 75 Prozent der Parlamentsmandate entscheiden die Wähler
  • Nationale Politiker bzw. Regionalvertreter bilden zwei nationale Kammern
  • Zu- dem sollen sich erstmals in der Staatsgeschichte auch 14 regionale Parlamente konstituieren
  • Insgesamt werden am 7. November 1163 Abgeordnete gewählt: 330 für das Unterhaus, 168 für das Oberhaus sowie 665 für die 14 Regionalparlamente **

Die neue Verfassung

Das neue Politsystem, offiziell „disziplin-florierende Demokratie“ genannt, beruht auf der Verfassung von 2008. Sie soll nach der Wahl inKraft treten. Auch wenn Grundrechte jederzeit eingeschränkt werden können: Immerhin sehen knapp 40 Verfassungsartikel Freiheit und Bürgerrechte vor:

  • Meinungs-, Versammlungs-und Religionsfreiheit
  • Gleichberechtigung der Frau
  • Gleichberechtigung der Ethnien sowie dasRecht, eigene Sprache und Kultur zu pflegen
  • Privateigentum, geistiges Eigentum sowie Marken werden geschützt

Mit der neuen Verfassung wurde auch eine neue Hymne und Nationalflagge präsentiert.

Es ist allerdings zu erwarten, dass zwischen Verfassungslehre und Verfassungswirklichkeit Welten liegen. Die NLD (National League for Democracy, Aung San Suu Kyi) beispielsweise, erkennt die neue, undemokratische Verfassung von 2008 nicht an und boykotiert aus Protest gegen unfaire Parteien- und Wahlgesetze die Wahlen 2010. Auch die Partei UNA (United Nationalities Alliances) verlangte 2010 eine Überarbeitung der neuen Verfassung von 2008 und entschloss sich, die Wahl zu boykottieren.

Die Junta als Partei: Union Solidarity Developement Party (USDP)

Die USDP ist eine Partei der Junta und ein Sammelbecken der Generäle, die in ‚Zivil‘ weiterregieren wollen. Sie wurde von 27 Ex-Offizieren gegründet und ging aus der 28 Millionen Mitglieder starken Union Solidarity Developement Association (USDA) hervor, die schon seinerzeit die Junta unterstützte. Mit den Mitgliedern ging auch das gesamte Vermögen zur USDP mit. Diktator Than Shwe wünscht einen klaren Wahlsieg der USDP.

Neben der USDP gibt es die National Unity Party (NUP), die mit 440 nationalen und 535 regionalen Kandidaten die zweitstärkste Junta-Partei stellt.

NLD Partei von Aung Suu Kyi boykottiert die Wahl

Durch die Verfassungsänderungen, konnte Aung San Suu Kyi – sie ist Strafgefangene – nicht mehr bei den Wahlen teilnehmen und wurde ausgeschlossen. Daraufhin entschied die NLD die Wahl 2010 zu boykottieren.

Neue Demokratische Parteien: NDF, DPM, DPP, PDP, NPDP

Mit der NDF (National Democratic Force) treten 17 abtrünnige NLD-Mitglieder zur Wahl an und hoffen, von der Popularität der NLD zu profitieren. Die NDF-Mitglieder werden allerdings von der NLD und von Aung Suu Kyi als Verräter angesehen und öffentlich kritisiert.

Weiters treten die DPM (Democratic Party Myanmar), die Union Democratic Party (UDP), Democracy and Peace Party (DPP), Peace and Diversity Party (PDP), und die National Democratic Party for Developement (NDPD) als demokratische Parteien an.

Größter Hoffnungsträger darunter war die UDP, deren Parteichef Phyo Min Thein Anfang August 2010 allerdings überraschend zurücktrat. Er wollte in Myanmar eine liberale Partei aufbauen. Zuvor kritisierte er allerdings heftig die scharfen Einschränkungen der Wahlkommission.

Geheimdienst der Polizei: Special Branch

Die Demokraten leideten bei den Wahlvorbereitungen durch den Geheimdienst und der sogenannten „Special Branch“. Parteien mussten, um überhaupt antreten zu können, eine Liste mit 1.000 Mitgliedern erstellen. Die Liste der DPM (Democratic Party Myanmar) wurde in der Vorbereitungszeit von der Wahlkommission allerdings weitergegeben. Die Special Branch suchte daraufhin die Parteimitglieder auf, fragte sie aus und schüchterte sie ein. Es wurden von ihnen Bilder angefertigt und offensichtlich Geheimdienstakten angelegt. Neuen Mitgliedern wurde es durch Polizeiaktionen schwer gemacht, demokratiepolitisch aktiv zu werden.

Wahlkampf in Myanmar

  • Der Zugang zu Massenmedien wie TV und Radio ist eingeschränkt
  • Parteien stehen nicht mehr als 15 Minuten Sendezeit zur Verfügung
  • Sämtliche Sendeinhalte müssen der Wahlkommission vorgelegt und von ihr genehmigt werden
  • Kritik an der noch amtierenden Militärregierung kann zur Parteiauflösung führen
  • Umzüge auf der Strasse sind verboten

Wahlteilnahme oder Boykott?

Es gibt Spaltungen nicht nur bei den Demokraten sondern auch bei den Exilanten. Die wichtigen Exilmedien Democratic Voice of Burma, Irrawaddy und Mizzima machen Stimmung gegen die Wahl und gegen alle, die Partizipation mit dem Regime gut heißen oder gar daran teilnehmen. Dabei sind gerade diese demokratischen Wahlteilnehmer wie NDF, DPM und UDP zu bewundern, da sie trotz heftigen Gegenwind um Demokratie und Freiheit kämpfen, so der Autor des Artikels „Myanmar Hintergrundbericht„.

Auch Aung Suu Kyi (NLD) rate NLD-Anhängern nicht zur Wahl zu gehen.

**) Quelle: Parlamentswahlen in Myanmar: Zementierung der Militärherrschaft oder Chance auf Veränderung?

Parteien, die bei der Wahl 2010 in Mynamar antreten bzw. nicht antreten

Bei den Parteien unterscheiden sich Nationale Parteien und Ethnische Parteien. Der Großteil der Parteien tritt regional an – die wenigsten  landesweit.

NATIONALE PARTEIEN

Demokraten

1. National Democratic Force (NDF)
2. Democratic Party (Myanmar) (DPM)
3. Union Democratic Party (UDP)
4. Democracy and Peace Party (DPP)
5. Peace and Diversity Party (PDP)
6. National Democratic Party for Developement (NDPD)

Junta-Parteien

7. Union Solidarity and Developement Party (USDP)
8. National Unity Party (NUP)
9. 88-Generation Students and Youth Organisation (8GSY)
10. Union of Myanmar Federation of National Politics (UMFNP)
11. Modern People Party (MPP)
12. National Political Alliance League (NPAL)
13. Wunthanu NLD (WNLD)
14. National Developement and Peace Party (NDPP)
15. United Democracy Party (United DP)

Boykottierende Partei

National League for Democracy (NLD)

ETHNISCHE PARTEIEN

Demokraten

16. Shan Nationalitis Democratic Party (SNDP)
17. Rakhine Nationalities Developement Party (RNDP)
18. Chin Progressive Party (CPP)
19. Kaman National Progressive Party (KNPP)
20. Chin National Party (CNP)
21. All Mon Region Democracy Party (AMRDP)
22. Mro or Khami National Solidarity Organisation (MKNSO)
23. Lahu National Development Party (LNDP)
24. Pa-O National Organisation (PNO)
25. Taaung (Palaung) National Party (TPNP)
26. Inn National Development Party (INDP)
27. Wa Democratic Party (WDP)
28. Phalon-Sawaw Democratic Party (PSDP)
29. Ethnic National Development Party (ENDP)
30. Khami National Development Party (KNDP)
31. Kayin State Democracy and Development Party (KSDDP)
32. Wa National Unity Party (WNUP)
33. Kayan National Party (KNP)
34. Kokang Democracy and Unity Party (KDUP)

Junta Parteien

35. Rakhine State National Force of Myanmar (RSNFM)
36. Unity and Democracy Party of Kachin State (UDPKS)
37. Kayin People’s Party (KPP)

Boykott

Shan Nationalities League for Democracy (SNLD)
United Nationalities Alliances (UNA)

ABLEHNUNG DURCH DIE WAHLKOMMISSION

Kachin State Progressive Party (KSPP)

KEINE TEILNAHME UND UNBEKANNTER STATUS

Democratic Party for Myanmar New Society *
Myanmar Democracy Congress (MDC)*
Mro National Party (MNP)*
Union of Karen/Kayin League (UKL)*
Regional Development Party (Pyay) (RDPP)*

*) Quelle: Burmese General Elections on Wikipedia 2010

Parteien im Detail

1. Nationale Parteien

1.1. Demokraten

1.1.1. National Democratic Force (NDF)

Gründung: 2010
Vorsitzender: Than Nyein
Kandidaten: 162 in Zentralbirma

Die demokratische NDF ist eine Splitterpartei der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) von Aung San Suu Kyi. Als die NLD einer Wahlboykott-Empfehlung Suu Kyis folgte, gründeten 17 abtrünnige NLD-Mitglieder die NDF. Die neue Partei benutzt ein Parteisymbol der NLD, einen Bambushut. Die NDF hofft damit, von der Popularität der NLD zu profitie ren. Ob das gelingt, ist fraglich. NDF-Mitglieder werden von der NLD als Verräter angese hen und öffentlich kritisiert. Die NDF hofft trotzdem, stärkste demokratische Kraft in den nationalen Parlamentskammern zu werden.

1.1.2. Democratic Party (Myanmar) (DPM)

Gründung: 1988
Vorsitzender: Thu Wai
Generalsekretärinnen: Mya Than Than Nu, Nay Ye Ba Swe, Cho Cho Kyaw Nyein
Kandidaten: 47 in fünf Divisionen (Rangoon, Mandalay, Pegu und Tenasserin) und zwei Staaten (Mon und Arakan)

Die Demokratische Partei trat bereits bei den Wahlen 1990 an, allerdings damals mit bescheidenem Erfolg. Die Partei wird seit 20 Jahren von Thu Wai, einem Politikverteranen angeführt. Thu Wai saß wegen Lesens ausländischer Zeitungen acht Jahre im Gefängnis.

1.1.3. Union Democratic Party (UDP)

Gründung: 2010
Vorsitzender: Thein Htay
Generalsekretär: Thein Tin Aung
Kandidaten: 3

Die UDP entstand aus dem Zusammenschluss zweier älterer Parteien: Public Democracy Party (PDP) und Union Democracy Party (UDAP), einer Partei der Shan-Volksgruppe. Der Auftritt der UDP war vielversprechend, da sie von Demokraten als auch von Angehörigen der Shan-Minderheiten unterstützung bekam. Parteichef Phyl Min Thein – ein junger, angesehener Ex-Häftling – trat jedoch Anfang August zurück. Seit dem stellt die Partei nur mehr drei Kandidaten.

1.1.4. Democracy and Peace Party (DPP)
1.1.5. Peace and Diversity Party (PDP)
1.1.6. National Democratic Party for Developement (NDPD)

1.2. Junta-Parteien

1.2.1. Union Solidarity and Developement Party (USDP)

Gründung: 2010
Vorsitzender: Thein Sein (Premierminister der Junta)
Generalsekretär: Htay Oo (ehem. Landwirtschaftsminister der Junta)
Kandidaten: 1.162 landesweit

Die USDP ist Sammelbecken von dutzenden Junta-Generälen, die jüngst das Militär verliessen, um als Zivilisten weiterzuregieren. Die Partei ging aus der rund 28 Millionen Mitglieder starken Union Solidarity Developement Association (USDA) hervor, die zuvor der zivile Arm des Regims war. Das Vermögen der USDA wurde von der USDP übernommen. Diktator Than Shwe wünscht einen klaren Wahlsieg der USDP.

1.2.2. National Unity Party (NUP)

Gründung: 1988
Vorsitzender: Htun Yee (ehem. stellv. Stabschef der Armee)
Generalsekretär: Than Tin (ehem. Bergbauminister der Junta)
Kandiaten: 975 landesweit

Die NUP wurde 1988 von der Junta mit Mitgliedern der ehemaligen Burma Socialist Programme Party gegründet. Die NUP wurde bei den Wahlen 1990 drittstärkste Kraft und gewann zehn von 492 Parlamentssitzen. Die NUP steht für „den birmanischen Weg zu Wohlfahrt des Volkes“.

1.2.3. 88-Generation Students and Youth Organisation (88GSYO)

Gründung: 2005
Vorsitzender: Ye Htun
Generalsekretär: Lay Soe
Kandidaten: 38

Die Partei wurde von Aye Lwin, einem ehemaligen Demokratie-Aktivisten gegründet, der „das Vertrauen in die NLD“ verlor und der Junta nahe steht. Die Partei vertritt eine regime-treue Linie und wird Gerüchten zufolge von Mitgliedern des Regimes finanziert. Der Name stiftet bewußt Verwirrung und suggeriert, dass die Mitglieder regime-kritisch sind. So wie die Aktivisten des Studentenaufstandes von 1988.

1.2.4. Union of Myanmar Federation of National Politics (UMFNP)

Gründung: 2005
Vorsitzender: Aye Lwin
Generalsekretär: Khin Maung Oo
Kandidaten: 22

1.2.5. Modern People Party (MPP)

Gründung: 1989
Vorsitzender: Tun Aung Kyaw
Kandidaten: 30

Die MPP ging in den späten 80er Jahren aus der Burma Communist Party hervor und nahm an den Wahlen 1990 mit geringem Erfolg teil. Sie vertritt die Linie der Junta und erhält im Gegenzug finanzielle Unterstützung.

1.2.6. National Political Alliance League (NPAL)

Gründung: 2007
Vorsitzender: Tin Tun Maung
Generalsekretär: Tin Win
Kandidaten: 40 landesweit

Die NPAL besteht aus einem Zusammenschluss demokratischer und regimefreundlicher Parteien. Der Vorsitzende Tin Tun Maung ist ein ehemaliges NLD-Mitglied und war am Entwurf der Verfassung von 2008 beteiligt.

1.2.7. Wunthanu NLD (WNLD)
1.2.8. National Developement and Peace Party (NDPP)
1.2.9. United Democracy Party (United DP)

1.3. Boykottierte Parteien

1.3.1. National League for Democracy (NLD)

Gründung: 1988
Vorsitzender: Aung Shwe
Generalsekretärin: Aung San Suu Kyi

Die NLD war jahrzehntelang die größte, demokratische Partei Myanmars. 1990 gewann sie bei den freien Wahlen knapp 60 % der Stimmen (392 von 492 Parlamentssitzen). Die Junta ignorierte das Wahlergebnis, blieb an der Macht und stellte PArteichefin Suu Kyi mit Unterbrechungen 20 Jahre unter Arrest. Die NLD erkennt die neue, undemokratische Verfassung von 2008 nicht an und boykotiert aus Protest gegen unfaire Parteien- und Wahlgesetze die Wahlen 2010.

„All burma Monks Alliance“ und die „88-Generations Students“ unterstützen diese Entscheidung und beide riefen die Bevölkerung zum Wahlboykott auf. Sie warnten davor, „die unrechtmäßigen Handlungen des Militärregimes durch Wahlteilnahme zu legitimieren“.

2. Ethnische Parteien

2.1. Demokraten

2.1.1. Shan Nationalitis Democratic Party (SNDP)

Gründung: 2010
Vorsitzender: Sai Ai Pao
Kandidaten: 20 in Shan-State, Kachin State, Kayah State und Sagaing Division

Die SNDP vertritt nicht nur die Interessen und Wähler der Shan-Staaten und -Divisionen. Die Partei könnte vom Wahlboykott der Shan Nationalist League for Democracy (SNLD) profitieren – Beobachter geben der Partei daher gute Chancen.

2.1.2. Rakhine Nationalities Developement Party (RNDP)

Vorsitzender: Aye Maung
Generalsekretär: Thein Tin
Kandidaten: 22

Die RNDP ist die vielversprechendste der ethnischen Parteien nach der SNDP. Sie stellt sich in 22 Wahlkreisen zur Wahl.

2.1.3. Chin Progressive Party (CPP)

Vorsitzender: Hlung Kyae
Generalsekretär: Zung Hlay Htan
Kandidaten: 42 im Chin-Staat und der Sagaing-Division

Die CPP ist die einzige Chin-Partei, die auf regionaler und nationaler Ebene antritt. Die Chin-Party möchte ihre Ziele nach der Wahl mit den anderen ethnischen Parteien koordinieren.

2.1.4. Kaman National Progressive Party (KNPP)
2.1.5. Chin National Party (CNP)
2.1.6. All Mon Region Democracy Party (AMRDP)
2.1.7. Mro or Khami National Solidarity Organisation (MKNSO)
2.1.8. Lahu National Development Party (LNDP)
2.1.9. Pa-O National Organisation (PNO)
2.1.10. Taaung (Palaung) National Party (TPNP)
2.1.11. Inn National Development Party (INDP)
2.1.12. Wa Democratic Party (WDP)
2.1.13. Phalon-Sawaw Democratic Party (PSDP)
2.1.14. Ethnic National Development Party (ENDP)
2.1.15. Khami National Development Party (KNDP)
2.1.16. Kayin State Democracy and Development Party (KSDDP)
2.1.17. Wa National Unity Party (WNUP)
2.1.18. Kayan National Party (KNP)
2.1.19. Kokang Democracy and Unity Party (KDUP)

2.2. Junta Parteien

2.2.1. Rakhine State National Force of Myanmar (RSNFM)

Gründung: 2005
Vorsitzender: Aye Kyaing
Generalsekretär: Myint Zaw
Kandidaten: 200.000 (nach eigenen Angaben)

Aye Kyaing kandidierte bereits 1990 für die junga-nahe NUP und erreichte keine Mandate. Im Rakhine State dürfte die konkurrierende RNDP die attraktivere Option für Wähler sein.

2.2.2. Unity and Democracy Party of Kachin State (UDPKS)

Gründung: 2010
Vorsitzender: Khet Htein Nan
Generalsekretär: Phau Lar Gam Phan

Die Partei wurde von ehemaligen Mitgliedern der Junta-Zivilorganisation USDA gegründet. Die Partei möchte davon profitieren, dass die größere und popuärere Kachin State Progressive Party (KSPP) nicht zur Wahl zugelassen wurde. Die UDPKS wird vermutlich von der Junta finanziert.

2.2.3. Kayin People’s Party (KPP)

Gründung: 2001
Vorsitzender: Saw Tun Aung Myint
Generalsekretär: Saw Say Wah
Kandidaten: 43

Das Parteiprogramm besteht weitgehend aus den Vorgaben der Junta und viele Mitglieder sind ehemalige Angehörige der Streitkräfte und der Polizei. Die KPP zieht Volksgruppen, Willen zu Reform und Demokratie ein.

2.3. Boykott

2.3.1. Shan Nationalities League for Democracy (SNLD)

Vorsitzender: Htun Oo
Generalsekretär: Sai Ai Pao

Die SNLD war bei der Wahl 1990 zweitstärkste Partei und errung 23 Parlamentssitze. Die SNLP boykotiert die Wahl 2010, da die Junta die Freilassung mehrerer inhaftierter Parteimitglieder verweigerte. Der ehemalige SNLD-Generalsekretär Sai Ai Pao gründete allerdings die neue Partei SNDP.

2.3.2. United Nationalities Alliances (UNA)

Die UNA ist eine Koalition aus zwölf ethnischen Parteien, die 1990 67 Sitze errang. Die UNA verlangte 2010 eine Überarbeitung der neuen Verfassung von 2008, die von der Junta ignoriert wurde. Daher entschloss sich die UNA zum Wahlboykott.

3. Abgelehnte Parteien durch die Wahlkommission

3.1. Kachin State Progressive Party (KSPP)

Gründung: 2009
Vorsitzender: Tu Ja
Generalsekretär: Tu Raw

Entscheidend für die Ablehnung durch die Wahlkommission dürfte die enge Verbindung zur Kachine Independence Organisation (KIO) sein. Die KSPP ist ein Zusammenschluss aller Waffenstillstandsgruppen und gesellschaftlich anerkannter Führungspersonen im Kachin-State.

Quellen:

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