Wenn  man sich die letzten Tage in Oberösterreich aufgehalten hat, konnte man kaum nicht mit der aktuellen Diskussion in  Berührung kommen: Infrastrukturministerin Doris Bures sagt die in der Planung befindliche Autobahn A26, den sogenannten Westring für Linz, ab. Und schlägt stattdessen eine Landesstraße vor, die bei den Landes- und Stadtpolitikern für Kopfschütteln sorgt. Also: Worum geht es? Wer ist dafür? Wer dagegen?

(Wikipedia / CC)

Es war das Titelthema der Oberösterreichischen Nachrichten: die A26, die Linzer Autobahn wird abgesagt. Der Aufschrei war groß. Zuletzt habe ich auch schon eine Kampagnisierung der OÖ-Krone gesehen á la „Wir lassen uns das nicht gefallen“ … und das auf der Titelseite. Aber was ist der Westring?

A 26 LINZER AUTOBAHN: WESTRING LINZ
(KN. HUMMELHOF – AST DONAU NORD)

Gesamtlänge: ca. 4,3 km
Gesamtkosten: netto ca. 527 Mio. Euro
Baubeginn: Projekt dzt. in Überprüfung

(Projektbeschreibung der ASFINAG)

Unter Infrastrukturminister Werner Faymann gab es die Zustimmung zum Projekt, unter der Vorraussetzung, dass man auf den Nordteil vorerst verzichte, so meint zumindest ein Leserbriefschreiber der OÖN. Jetzt, Werner Faymann ist Bundeskanzler, seine Nachfolgerin im Infrastrukturministerium ist Bures, scheint die ganze  Sache wieder abgeblasen. Man habe für 527 Mio. Euro kein Geld. Die OÖN schnappte sich dabei gleich wieder den Koralmtunnel, für welchen zur Zeit der Westring-Absage weitere 570 Mio. Euro zugesagt worden sind.

Als Alternative schlug Bures eine Landesstraße vor, dabei würde man sich insgesamt wohl 400 Millionen Euro sparen. Verkehrslandesrat (und LH-Stellvertreter) Franz Hiesl (ÖVP) und der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) halten rein gar nichts von diesem Vorschlag. Karl Frais (SPÖ) forderte einen runden Tisch, Hiesl hingegen glaubt, nur mit einer gemeinsamen schwarz-roten, oberösterreichischen Front in Wien etwas zu erreichen.

Doch warum ist man in Oberösterreich so erbost? „In Krisenzeiten müsse jeder seinen Beitrag leisten“, hat man doch von den Politikern auf Bundesebene zur Genüge gehört. Weil in der Bundeshauptstadt brav gebaut wird, und der Koralmtunnel immer weiter vollgepumpt wird. So in etwa beschreiben es die OÖ-Politiker.

Als ich etwas recherchierte, fielen mir (die ersten Google Suchergebnisse) zwei Initiativen auf: westring.at und westring.info. Erstere scheint eine BürgerInneninitiative, ausgehend von den Grünen, zu sein. Zweitere sieht sich „überparteiliche Plattform – gegen die Westring-Transitautobahn mitten durch Linz. Es gibt also auch Kritiker in Oberösterreich.


(Fotocredits: ASFINAG)

Und während die einen davon sprechen, dass eine Transitlawine durch Linz rollen werde, wenn der Westring irgendwann einmal umgesetzt ist, erklären die Befürworter, dass Linz ohne den Westring diese Lawine gar nicht bewältigen kann. Dass der Schwerverkehr kommen werde, scheint zumindest einmal gewiss.

Wie ich soeben gelesen habe, soll eine endgültige Entscheidung am Freitag getroffen werden. Und sollte diese Entscheidung negativ für die oberösterreichischen Politiker ausfallen, werde sicherlich noch brav weitergestritten.

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