Wissenschaftsministerin Beatrix Karl stellte sich heute um 11:00 Uhr (Achtung, wir haben Winterzeit) den Fragen von Tarek Leitner (ORF) und Andreas Koller (Salzburger Nachrichten). Themen sind unter anderem: die Gesamtschule, die Frauenquote, die Studiengebühr und die vergangenen Wahlen.

11:10 Uhr – Frau Karl erklärt wiederholt, dass der Bachelor eine fertiger akademischer Titel ist. Andreas Koller (Salzburger Nachrichten) und Tarek Leitner (ORF) zeigen aber auf, dass zumindest die Wirtschaft es nicht so sieht.

11:14 Uhr – Die Finanzen 2010-2012: 6.510 Mio. Euro + 160 Millionen Euro durch die Budgetkonsolidierung dazu. Zahlen die Studenten die 80 Millionen pro Jahr selber? Kann man damit wirklich Zustände ändern? Karl freut sich darüber, mehr Geld bekommen zu haben, als man sparen muss.

11:17 Uhr – Koller fragt, ob immer noch die Gefahr bestehe, dass Unis geschlossen und ProfessorInnen gekündiget werden müssen? Karl spricht ab 2013 von rund 250 Millionen Euro, die man zusätzlich bringen muss.

„Ich will nicht nur mehr Geld für Wissenschaft und Forschung, sondern auch mehr Forschung und Wissenschaft fürs Geld“

Der Studienplatz kostet 11.400 Euro … ein Viertel mehr als in Deutschland. Koller: Warum sind wir also nicht um ein Viertel besser?  Wo versickert das Geld, fragt auch Leitner: Karl will die Rahmenbedingungen verbessern. Die Massenfächer liefern eine Situation, wo die Qualität nicht mehr stimmt. An der WU schließen nur mehr 20 Prozent das Studium ab.

11:22 Uhr – Die Betreuungsrelation soll auf 1:12 verbessert werden … Studierende zu Lehrende. Sie spricht schon wieder von strukturellen Rahmenbedingungen, die nötig sind. Über Reformen dieser Bedingungen hat sie aber bisher noch kein Wort verloren.

1,3 Prozent des BIPs landen in der Bildung und Wissenschaft: aber um auf 2,0 Prozent des BIPs zu kommen, soll die Wirtschaft mehr einsteigen. Wie z.B. Frank Stronach an der TU Graz.

11:27 Uhr – Was ist an den Kürzungen noch zu ändern. Karl trifft sich in den kommenden Tagen mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Worüber will sie jedoch nicht sagen. Karl will im Kern ihres Ressorts nicht sparen

11:29 Uhr

„Der ungeregelte Hochschulzugang hat nicht dazu geführt, dass wir eine bessere soziale Durchmischung haben.“

In einem Massenstudium ist Qualität nicht funktionierbar. Koller kommt mit den Medizinaufnahmetests: Männer schaffen den Test viel eher als Frauen. Karl spricht schon von der unterschiedlichen Behandlung in den Schulen. Seit den Medizinaufnahmetests ist die Dropout-Rate von 50% auf 5% gesunken.

11:33 Uhr – die „soziale Durchmischung„, mal wieder das Thema. Die Zahl der Studenten aus Arbeiterfamilien ist weiter gesunken, laut Koller. Karl sieht das Problem schon, dass schon weniger Maturanten aus Arbeiterfamilien kommen. Studiengebühren sind nicht kontraproduktiv? Nein, meint Karl, sofern sie „sozial abgefedert“ wird.

Ich (persönlich) halte „soziale Durchmischung“ eine furchtbare Wortwahl. Hach. Sollen Maturanten aus Arbeiterfamilien bevorzugt werden, bei Aufnahmetests? Was kann jemand aus einer Maturantenfamilie machen?

11:37 Uhr – 55 Prozent weibliche Studenten, 1 Rektorin. Was soll man ändern? Frauen sollen besser unterstützt werden, damit sie das Studium auch schaffen können.

11:40 Uhr – Studienbeiträge … Karl will sie durchsetzen, und kann irgendwie nicht erklären, wie sie die SPÖ überzeugen möchte. Karl bezeichnet Studiengebühren als ur-sozialdemokratische Idee, weil sie eine Umverteilung von oben nach unten schaffen. Wie hoch sollen sie sein? Das sollen die Unis entscheiden, es soll einen Höchstbetrag geben.

11:47 Uhr – die „gemeinsame Schule„, für die sich Karl ja ausgesprochen hat, und von der eigenen Partei viel Schelte bekommen hat. Die ÖVP werde ein Bildungspapier veröffentlichen, Karl kann aber nicht sagen, dass es ihre Idee einer „gemeinsame Schule“ auftauchen wird. Schüler sollen mit 14 Jahren erst entscheiden müssen, wie es weitergeht. Koller: Soll es weiter eine Hauptschule und ein Gymnasium geben? Karl: Wie die Schulen heißen, ist doch egal.

„Wie die Schulen heißen, ist doch egal.“

Koller versucht es immer noch. Beatrix Karl will, will, will einfach nicht antworten. Irgendwie windet sie sich um eine Antwort. Hauptschulen seien an Städteproblem, am Land funktionieren diese eh gut.

11:50 Uhr – Wem gehören die Lehrer? Sollen die Länder Kompetenzen erhalten? „Wo sollen die Länder hin, zum Bund oder zu den … ach, … wo sollen die Lehrer hin, zum Bund oder zu den Ländern?“ Dann wahre Worte: man muss nicht ideologisch arbeiten, sondern gut überlegen, was passiert.

11:53 Uhr – Und Wahlnachschau zum Abschluss: warum geht es der ÖVP in Wien so schlecht? In Graz funktioniert es laut Karl gut. Koller fragt nach, was denn nun in Wien passiert sei. Man müsse nachdenken, was sich verändern müsse. Man müsse ansprechen, was die Leute bewegt. „Reden wir über Bildung. Am Besten auf deutsch.“ Sprachkompetenzen sei wichtig, und es ist nicht irgendwie in Richtung FPÖ gewendet.

11:55 Uhr – Hat sich die ÖVP zu weit nach rechts gedreht? Das Thema Ausländer ist, laut Karl, wie man Integration lebt. Die Abschiebung der Kinder war keine Inszenierung. Nun: Steiermark. Die ÖVP wollte den LH-Sessel zurückerobern, hat es nicht geschafft. Hermann Schützenhöfer hat einen guten Wahlkampf geführt, es war ja auch knapp.

„Beim nächsten Mal wird es hoffentlich klappen.“