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Kurz bevor ich zur Demo kam, lese ich in der U-Bahn noch, dass die Polizei laut Standard von „über 1.000“ Demonstraten spricht. Und im Grunde genommen hat sie mit ihrer Einschätzung wohl das erste Mal Recht: Sigi Maurer spricht von 30.000 und laut meiner (sehr subjektiven) Einschätzung werden es wohl mehr als 10.000, wenn nicht sogar 20.000 gewesen sein. Und das zeigt vor allem eines: von wegen unpolitische Jugend, von wegen demonstrationsfaul. Hier entsteht ein Widerstand, der wohl nicht so bald abflacht.

Geldgeile Jugend?!

220 Euro im Monat weniger, so lautet die Ansage nach der groß gefeierten und als „sozial ausgewogenen“ bezeichneten Budgetkonsolidierung. Und das für alle ab 24. Ich persönlich merke es schon jetzt: ich beziehe die Familienbeihilfe, arbeite außerdem in einem geringfügigen Job, und in Wahrheit ist es manchmal wirklich schwer, so über die Runden zu kommen. Da bin ich wirklich froh, dass mich meine Eltern mit Studentenheimmiete und Zugkosten über die Runden helfen. Aber dabei geht es mir wahrscheinlich eh noch gut.

Einfach so den Studenten mit 24 die Familienbeihilfe zu streichen, den 18- bis 20-jährigen arbeitssuchenden jungen Menschen ebenso und schließlich auch noch die 13. Familienbeihilfe massiv zu kürzen hat nicht wirklich etwas mit „sozial ausgewogen“ zu tun. Jene, die schon vorher nicht wirklich darauf angewiesen waren, werden es so auch nicht spüren. Aber für all jene, für die dieses zusätzliche Geld wichtig und notwendig war, kommen in Zukunft definitiv neue Probleme. Denn hier demonstrierte nicht eine geldgeile Jugend, sondern Menschen, die auf das Geld eindeutig angewiesen sind.

Zwischen Kommunisten und Kommunisten

Irgendwie passiert es mir immer wieder. Ich lande, eindeutig unabsichtlich, bei einer Demonstration stets zwischen den verschiedenen kommunistischen Gruppierungen. Vor allem diesmal fand ich sie mehr als fehl am Platz. Demonstrierten die anderen gegen Kürzungen für Familien und Studenten, waren sie mal wieder auf dem Kreuzzug gegen den Kapitalismus. Weltfremdheit par excellence. Aber irgendwann entkam ich auch ihrem Megaphongebrüll und sah so einiges anderes. Viele, viele grüne Luftballone, oder auch rosarote mit Schweinchengesicht. Der Protest gegen die  Kürzungen hat also eindeutig viele Gesichter. Und wenn es das Budget schon nicht ist, dann war zumindest die Demonstration in Wien „sozial ausgewogen“.

Es demonstrierten Studenten, die Angst davor haben, ihr Studium, ihren Master oder was auch immer nicht mehr abschließen zu können, weil ihnen der finanzielle Rückhalt fehlt. Es demonstrierten Schüler, die doch schon etwas in die Zukunft blicken können. Und auch Gruppierungen von Behindertenverbänden und alleinerziehenden Eltern, sowie die Gewerkschaftsjugend meldete sich bei der abschließenden Kundgebung zu Wort.

Bildet Banden, leistet Widerstand

Die Jugend lässt sich nicht alles gefallen. Und auch wenn eine solche Demo, unter Tausenden von Gleichgesinnten und mit einer Pfeife im Mund und einem Pfeifen im Ohr, glaubt man beinahe, man kann die Welt verändern. Aber auch wenn wir das leider nicht schaffen, so haben wir zumindest eindrucksvoll gezeigt, dass die Politik eben mal wieder am Menschen vorbei arbeitet.

Es ist so unglaublich einfach zu verstehen: können sich weniger Menschen das Studium weiter leisten, kommt es zu einem weiteren Anstieg der Abbrecher. Weniger Akademiker sind für eine Volkswirtschaft eine unglaubliche Misere. Und viele Studenten arbeiten auch jetzt schon nebenbei, kriegen es irgendwie auf die Reihe, Studium und Job unter einen Hut zu bringen und tun sich trotzdem schwer um über die Runden zu kommen. Und gerade in einer Zeit der Krise empfiehlt man ernsthaft den Studenten, sich eine Arbeit zu suchen?

Mal sehen, ob die Regierung reagiert. Oder ob sie sich in den kommenden Interviews weiterhin in Worthülsen hüllt. Auch wenn die Uni selbst nicht mehr ganz so leicht entflammbar ist wie vor einem Jahr. Die Jugend und die jungen Leute von heute haben eindeutig die Nase voll von einer solchen Politik.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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