2.172 Menschen haben sich zur „Protestkundgebung vor im Zentrum gegen Kürzung der Familienbeihilfe“ auf Facebook angemeldet. Ungefähr 2.000 bis 5.000 Menschen (Zahlen variieren je nach Quelle) haben am Sonntag, 24. Oktober 2010 ab 21 Uhr bei der von der ÖH organisierten Kundgebung am Stephansplatz teilgenommen. Es ging um das kürzlich von der Regierung präsentierte Sparpaket, bei dem u.a. die Familienbeihilfe drastisch gekürzt wird. Die Kundgebung fand zeitlich mit der ORF-Sendung „im ZENTRUM“ statt, bei der eine Diskussionsrunde zum Thema Budget mit Parteienvertretern live gesendet wurde. neuwal war LIVE mit dabei und übertrug die gesamte Kundgebung live ins Internet.


Bild: Dieter Zirnig (CC)

Der Stephansplatz war voll mit Leuten und Plakaten. Das Zentrum der Demonstrationen spielte sich vor dem Eingang zum Haas-Haus ab. Dort trafen sich die rso (Revolutionär Sozialistische Organisation), VertreterInnen der TU-Wien, der VSSTÖ, der Aktionsgemeinschaft, Studierenden, UnterstützerInnen und vielen weiteren Organisationen.“Wer hat uns verraten… Sozialdemokraten“ und „Nieder mit der ÖVP“ wurde abwechselnd von der pfeifenden und tobenden Meschenmenge gerufen. Vermischt mit Trommeln und Pfeifen wurde die die LIVE-Sendung imZentrum mit einem konstanter Geräuschkulisse übertragen und so der Protest der TeilnehmerInnen durch ganz Österreich über den Bildschirm geschickt.

Besonders clever erschien mir die Konstruktion einiger zusammengebundener Helium-Ballone, an denen die Botschaft „Familienbeihilfe streichen ist ZUKUNFTSRAUB“ auf Karton geschrieben und gebunden wurde. Mit Hilfe einer Seilkonstruktion, wurden diese Ballone auf Höhe des Sendestudios im Haas-Haus von iim ZENTRUM geschickt. Dadurch war es möglich, dass die Botschaft von den Diskussionsgästen gelesen wurde. Wie ich auf Twitter erfahren habe, wurde die Botschaft auch von den Fernsehkameras aufgenommen und übertragen.


Bild: Dieter Zirnig (CC)

Der Protest richtete sich primär an die Kürzungen im Bereich der Familienbeihilfe. Sie soll künftig nur noch bis zum 24. Lebensjahr ausbezahlt werden. Ursprünglich wurde die Familienbeihilfe bis zum 26. Lebensjahr ausgezahlt. Im Zuge der derzeitigen unibrennt-Kundgebungen wird dies scharf kritisiert. Und auch zurecht, da viele StudentInnen von der Familienbeihilfe abhängig sind. Viele haben mit 24 Jahren oft das Studium noch nicht beendet, wechseln in einen Master-Studiengang oder beginnen ihr Studium erst später.

Nach Absolvierung der HAK, Bundesheer und eines Tourismuskollegs, habe ich im Alter von 24 Jahren ein Studium an einer Fachhochschule begonnen. Ohne Familienbeihilfe und der Finanzierung durch meine Eltern hätte ich das Studium sicherlich nicht durchführen können. Eine (geringfügige) Tätigkeit neben dem Studium war auf Grund der regionalen ländlichen Lage der Fachhochschule (Hagenberg im Mühlkreis/Oberösterreich) und des immensen zeitlichen Studienaufwandes nicht durchführbar.

Ich möchte mir nicht vorstellen, wie meine Studiensituation ohne Familienbeihilfe ausgesehen hätte. Vorstellen kann ich mir allerdings, dass es – unter der jetzigen Sparpaket-Beobachtung – ein wesentliches Studienhindernis für (künftige) Studierende darstellt. Wie soll ein Studium finanziert werden? Gibt es zusätzliche, neue Beihilfen? Wird die Studienbeihilfe ausgeweitet? Sollen StudentInnen Kredite aufnehmen? Sollen noch mehr StudentInnen nebenbei arbeiten und so Lohne und Vollbeschäftigung nach unten drücken? Arbeit, Studium, Stress, Druck und noch mehr Studienabbrecher?

Weil ich gerade dabei bin… Für mich ist es unvorstellbar, dass sich viele junge Menschen Studiengebühren vorstellen können. Ich höre oft: „Was nichts kostet, ist nichts wert“. So ein Blödsinn. Studieren ist beinharte Arbeit, verlangt Konsquenz und Durchhaltevermögen. Und bringt die gesamten Gesellschaft weiter. Und weil ich hier von Arbeit spreche… ziehe ich hier den Vergleich mit beruflichen Tätigkeiten, wo jeder Mensch für seine Leistung entlohnt wird. Daher ist es für mich logisch, wenn auch StudentInnen für ihre Leistung ebenso entlohnt werden. Beides sind Tätigkeiten, ich zahle auch nicht, damit ich in einem Unternehmen „arbeiten und weiterlernen“ darf – oder täusche ich mich hier?

Irgendwas läuft da ganz schön schief.

„Diese Regierung hat die Studenten verraten“, meint ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer und kündigt weiteren Widerstand an. Durch die Einsprungen bei der Familienbeihilfe sollen jährlich bis zu 270 Millionen Euro eingespart werden und stellen im Sparpaket den größten Posten dar. Ein klassischer Umfaller der SPÖ unter Bundeskanzler Werner Fayman, der die Versprechen rund um Hacklerpension und der 13. Familienbeihilfe während des Nationalratswahlkampfes 2008 einhalten konnte.

Um 23:00 verlagerte sich die friedliche Demonstration vom Stephansplatz über die Rotenturmstrasse, den Schwedenplatz, Franz-Josefs-Kai, Urania in Richtung Regierungsviertel zum Finanzministerium.

die nächste #unibrennt #Demo ist bereits am Donnerstag (28. Okt. 2010, Anm.) vor der #Universität Wien – 16:00 – 20:30 Uhr #unsereuni weitersagen! . Alle weiteren Infos gibt es auf http://unibrennt.at

LIVE-Stream (Aufzeichnung)

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.