Die Analyse, warum die FPÖ bei der Wiener Wahl trotz eines flauen Wahlkampfes so überraschend stark zulegen konnte, waren schnell zur Hand und beschränkten sich meist auf ein Wort: Ausländer. Doch der Fisch beginnt am Kopf zu stinken – in Wien wie im Bund!

Heinz-Christian Strache vor dem Schild "Uns geht's um uns Wiener", (CC) negotiable_me
(CC) negotiable_me

Es ist so einfach und bequem, jenen Befragungen Glauben zu schenken, denen zufolge zwei Drittel der FPÖ-Wähler die “Ausländer” als Begründung für ihre Wahl angeben. Doch diese Schein-Analysen haben alle eines gemeinsam: sie verwechseln Ursache und Wirkung.

Suche nach Sündenböcken
Wahr ist: Wenn man auf der Straße oder am Stammtisch fragt, sind “die Ausländer” schnell als Thema da. Doch woran sie nun genau schuld sein sollen und wo die Probleme liegen, ist schwer zu ermitteln – selbst in sauber recherchierten und mehrseitigen Analysen wie jener des “profil”.

Falsch ist: Alle FPÖ-Wähler sind Ausländerfeinde. Richtig ist: der überwiegende Teil hat Probleme – privater, sozialer oder beruflicher Natur, die der Politik (scheinbar?) egal sind und für die ein Sündenbock gesucht wird.

Die Nachbarn sind laut und lassen die Schuhe am Gang? Mit “echten Wienern” hätte es das nicht gegeben – man hätte “die” nie in den Gemeindebau lassen dürfen! Die Mietpreise sind explodiert? Ausländer nehmen alle billigen Wohnungen weg, schreien im Innenhof und versauen die Waschküchen! Der letzte gute Job liegt schon Monate oder Jahre zurück? Die billigen Arbeitskräfte aus “dem Osten” vestopfen unseren Arbeitsmarkt!

Kleine Probleme, große Wirkung
Ja, da geht es wirklich um Kleingkeiten. Doch so ist das an der Basis. Ein Helmut Zilk wusste das noch, wie konträr sein Charakter auch gewesen sein mag. Die Dankesliste wegen zahlloser gelöster Mini-Probleme an ihn persönlich (!) war Legende und schier unendlich.

Heute werden diese Menschen von niemandem mehr ernst genommen – dabei machen sie die Masse der Wähler aus! Wählen sie rot oder schwarz, ändert sich seit Jahrzehnten nichts für sie. Wählen sie blau, sind sie plötzlich “Rassisten” oder “Zu dumm zum Schuhbänderbinden”.

Wie würde es Ihnen gehen, wenn sie eine Partei wählen, die wirklich noch Leute ausschickt und sich (vorgeblich) für Ihre Anliegen einsetzt – und man beschimpft sie dafür? Wohlgemerkt, wir sprechen nicht von Radständern im Siebten, sondern von den Außenrändern der Transdanubien-Bezirke! Ich wäre in meiner Meinung bestärkt, dass weder SPÖ noch ÖVP mich verstehen.

Im Kleinen wie im Großen
In Wien wollen manche nach Jahrzehnten der (meist absoluten) roten Dominanz mit zahllosen Skandalen und einer zu gemütlichen Verwaltung frischen Wind. Zu lange wurde über ihre Köpfe hinweg entschieden.

Im Bund diskutieren ein schwacher Bundeskanzler ohne politischen Gestaltungswillen mit einem überforderten “Neffen der Nation” an seiner Seite über Dinge, die keinen dieser Wähler je zurückbringen werden – von “antisexistischen Werbegesetzen” bis zu ziellosen Wehrdienst”debatten”.

Teurer Lärm um nichts
Die großen Themen – Integration, Bildung, Budgetsanierung, Strukturreform – bleiben hier wie dort unberührt oder werden als minimale Kompromisse mit maximalem Pomp um viel Geld zu Tode inszeniert. Als bestes und aktuellstes Beispiel kann man das Theater um den aktuellen Budgetentwurf heranziehen – eine Tragödie griechischen Ausmaßes, wahlbedingt verschoben beziehungsweise verfassungswidrig verschleppt, ebenso feige wie verfehlt.

Ganz ehrlich: Man muss kein rassistischer Volltrottel sein, um FPÖ zu wählen- wenn es auch kein Ausschlusskriterium sein mag!