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Österreich ist nicht gerade die Reformhochburg, die man sich vielleicht wünschen könnte. Die Verwaltungsreform gibt wird seit Jahrzehnten geplant und „besprochen“, die Gesamtschule ist ebenso seit Jahrzehnten im Gespräch. Aber nein: das Verhindern der Verwaltungsreform ist viel zu wichtig, um die Beamten besänftigt zu wissen. Und über Bildung (oder über Universitäten, oder was auch immer) kann man auch nicht reden, mit den Österreichern. Weil die, haben eine viel zu unterschiedliche Meinung. Da könnt‘ man ja den einen oder anderen potentiellen Wähler verlieren. Kommt es euch nicht auch so vor, als wäre die Politik in Österreich gerade nur von dieser Angst geleitet? Oder empfinde nur ich so?

Schulstarre

Ich war von 1994 bis 2007 Schüler, und habe sowohl Unterrichtsministerin Gehrer sowie ihre Nachfolgerin Schmied erlebt. Und ja: Alle Lehrer, die all die Jahre zuvor (auch vor den Schülern) über Gehrer und den daraus resultierenden Stillstand schimpften, taten dasselbe auch bei Schmied, aufgrund ihres (für dieses Amt ungewohnten) Tatendrangs.

In Österreich ist es schwierig, wirkliche Reformen im Bildungsbereich umzusetzen. Einerseits, weil die ÖVP in dieser Sache viel zu gerne blockiert (und selbst Wissenschaftsministerin Karl alleine im Regen stehen lässt), und andererseits, weil die Lehrergewerkschaft dunkelschwarz ist. Jedoch so dunkelschwarz, dass z.B. Walter Riegler mit seinem „Lalalala, ihr interessierts mich nicht … es passt eh alles … lalala“-Auftreten die ganze Lehrergewerkschaft mehr und mehr der Lächerlichkeit preisgibt. Wirklich weitreichende Gespräche sind nicht möglich, nicht mit dieser ÖVP, nicht mit dieser Gewerkschaft. Da bleibt natürlich nur die Frage, ob Gehrers Stillstandpolitik (oder auch „Stundenkürzungspolitik“) den Lehrern besser gefallen würde.

Und die FPÖ? Die ist einerseits strikt dagegen (Bundes-FPÖ) und andererseits sehr dafür (FPK Kärnten), wie die Presseaussendungen zum Thema zeigen. Die Grünen wären da schon eher auf der SPÖ-Seite, auch sie fordern Reformen, allein ihnen fehlt die Macht dazu. Und vielleicht würde es auch ganz einfach etwas helfen, wenn man die Bevölkerung mal richtig aufklären könnte. Ihnen erklären, was die „Neue Mittelschule“ genau ist, was sich ändert und warum es so wichtig ist. Das wurde eindeutig verabsäumt. Aber das Kommunikationsproblem der österreichischen Politik habe ich sicher schon ein paar Mal hier auf neuwal erwähnt.

Staat-Land-Stuss

Und jetzt: diese unsägliche Debatte um die Kompetenzen. Unterrichtsministerin Schmied will die Lehrer von Bundes- und Landesschulen in Bundeshand sehen, NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll hingegen, als Leiter der Landeshauptleutekonferenz, fordert mehr Kompetenzen für die Länder. Nur bezahlt sollen sie weiterhin vom Bund werden. Geht es wirklich darum? Oder will man hier der Ministerin zeigen, dass sie eh keine Macht hat? Salzburgs Landeshauptfrau, Frau Burgstaller, und Kärntens LH Dörfler haben schon angekündigt, nicht damit einverstanden zu sein. Dies sei ein Alleingang des Niederösterreichers, denn Beschlüsse bei der LH-Konferenz müssen einstimmig beschlossen werden.

Läuft man damit nicht schon wieder total am Sinn der Schuldebatte vorbei? Wird dadurch das Schulsystem besser? Wohl kaum, wahrscheinlich bringt das Ganze, mit 9 unterschiedlichen Schulsystemen, nur noch mehr Missmut. Bundeskanzler Faymann meint zwar, dass er hinter der Forderung seiner Unterrichtsministerin steht. Bleibt jedoch die Frage: Wie lange noch?

Bildung (Beta)

Die Bildung ist etwas, was sich immer weiterentwickeln muss. Es ist einfach notwendig, für eine Gesellschaft, die Bildung an die neuen Umstände anzupassen. Und das hat Österreich nun schon seit Jahren und vielleicht sogar seit Jahrzehnten verabsäumt. Das ist einfach nur schade und wirklich schädlich.

Thomas Mohr hat übrigens ein interessantes Video getwittert. Es ist zwar auf Englisch, aber wunderbar animiert. Und erklärt, dass sich die Bildungsparadigmen endlich verändern sollen. Und warum das so unglaublich wichtig ist.