Aktuelle Sonntagsfrage von Gallup für die Tageszeitung ÖSTERREICH: SPÖ 27 %. FPÖ mit 25 % vor der ÖVP 24 %. Die GRÜNEN bei 12 %. BZÖ und andere Parteien bei 6 %. Mit Analyse: Warum diese Umfrage keine Überraschung ist und wieso es mit den Mandaten derzeit verzwickt ist.

Warum diese Umfrage keine Überraschung: market reiht die FPÖ seit 2008 zischen 20 und 24 %.

ÖSTERREICH titelt am Titelbild auf seiner Ausgabe vom 16. Oktober 2010 von einer „Sensation“: Die FPÖ liegt mit 25 % vor der ÖVP. Es stimmt schon. In all den letzten Umfragen ist die FPÖ noch nie vor der ÖVP Österreich-Wahlumfrage gelegen. Allerdings ist es nichts Neues, dass die FPÖ bei Werten von 23 oder 24 % gesehen wird. Neu ist diese Erkenntnis durchaus für Gallup, die in all ihren letzten Wahlumfragen die FPÖ stets brav zwischen 19 und maximal 21 % sah.

Auf der anderen Seite der Umfragen steht das Marktforschungsinstitut market in Linz. Market sah die FPÖ im Großteil ihrer Umfragen eben bei diesen Höchstwerten zwischen 23 und 24 %. Interessant ist es auch, dass die meisten dieser market-Umfragen von „Der Standard“ in Auftrag gegeben wurden:

 

Datum Institut
SPÖ
ÖVP
FPÖ
BZÖ
GRÜ
Andere
15.10.2010 Gallup
27
24
25
6
12
6
12.09.2010 market
27
25
24
8
11
5
26.07.2010 market
26
28
24
7
12
3
24.05.2010 market
29
27
23
5
12
4
14.12.2009 market
27
32
24
4
10
3
30.09.2009 OGM
26
34
24
4
10
2
26.12.2008 market
31
27
23
9
9
1

 

Nach der Wahl in Wien vom 10. Oktober 2010 wird wohl die Schwankungsbreite neu und mutiger – zu Gunsten der FPÖ – ausgerichtet: Die FPÖ wird großzügiger – eventuell auch realistischer – und die beiden Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP geringer bewertet.

Verzwickte Mandatssituation: Zweier-Koalitionen mögliche

Im Bereich der Mandate, die ich grob berechnet habe, liegt die SPÖ mit 53 Mandaten voran. Mit 100 von 183 Mandaten liegt eine Koalition mit der ÖVP (47 Mandate) noch im grünen Bereich: Für eine Koalition werden mindestens 92 Mandate benötigt. Eine Rot/Blaue-Koalition käme auf 102 Mandate, Schwarz-Blau auf 96.

Bei diesen Koalitionsspielereien gibt es gleich 5 Parteien, die es in die Mandatsränge schaffen: Neben SPÖ, ÖVP, FPÖ und den GRÜNEN, schafft es auch das BZÖ mit 11 Mandate. Die GRÜNEN liegen derzeit bei 23 Mandaten.

BZÖ und Die Grünen bei Koalitionen mit wenig Relevanz

Die Mandate von BZÖ und den GRÜNEN sind zwar sehr gut, liegen allerdings in der derzeitigen Konstellation ungünstig: Ungünstig deshalb, weil die Mandate der Großparteien gering sind und knapp zusammen liegen. Das bedeutet, dass es genügend Mandate für bevorzugte Zweier-Koalitionen zwischen SPÖ, ÖVP und FPÖ gibt, bei denen die Stimmen für eine Koalitionsbildung von BZÖ oder den GRÜNEN nicht benötigt werden. Unbeliebte Dreier-Koalitionen sind daher nicht notwendig. Beispielsweise wäre eine Koalition zwischen SPÖ, BZÖ und den GRÜNEN weder realistisch, noch von Seiten der Mandate möglich: Mit 87 Mandaten liegt diese Koalitionsmöglichkeit unter den benötigten 92.

Österreich

Stand: 15.10.2010
Quelle: Gallup/ÖSTERREICH

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Aktuelle Sonntagsfrage

Mandatsberechnung auf Umfragewerten

Wahlberechtigt
6,355,800
abgegeb. Stimmen
78,81 %*
5,009,006
ungültige Stimmen
2,08 %*
104,187
Gültige Stimmen
4,904,819*

*) Die Berechnung der gültigen Stimmen erfolg auf einer Annahme von
abgegebenen und gültigen Stimmen von den Wahlen 2008. Die gültigen
Stimmen (4,904,819) sind die Basis für die Mandatsberechnung

 

Datum Institut Partei
2008
Umfrage
Differenz
in %
Mandate
in
%
Mandate*
in %
Mandate
15.10.2010
Gallup
SPÖ
29,3
57
27
53
-2.7
-4
ÖVP
26,0
51
24
47
-2.0
-4
FPÖ
17,5
34
25
49
+7.5
+15
BZÖ
10,7
21
6
11
-4.7
-10
GRÜ
10,4
20
12
23
+1.6
+3
Rest
6,1
0
6
0
-0.1
0

*) Mandatsberechnung durch neuwal mit der D‘ Hondt Methode (ohne Gewähr)

 

Koalitionsmöglichkeiten

183 Mandate werden vergeben: Ab 92 Mandaten gibt es eine Mehrheit.

Datum Institut
SPÖ
ÖVP
FPÖ
BZÖ
GRÜ
 
Mandate
18.09.2010 Gallup
53
47
49
11
23
 
183 (92)

   
53
47
49
11
23
 
100
   
53
47
49
11
23
 
102
   
53
47
49
11
23
 
96

   
53
47
49
11
23
 
84
   
53
47
49
11
23
 
76
   
53
47
49
11
23
 
87
   
53
47
49
11
23
 
58
   
53
47
49
11
23
 
70
   
53
47
49
11
23
 
60
   
53
47
49
11
23
 
72
   
53
47
49
11
23
 
34
   
53
47
49
11
23
 
83

 




 

*) Mandate wurden nach dem D’Hondt’schen
Verfahren
berechnet

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.