Stuttgart Calling: Wir sind in Kontakt mit Putte in Stuttgart. Putte ist direkt vor Ort und berichtet täglich für euch via Telefon zur aktuellen Lage am Stuttgarter Hauptbahnhof.

S21: In Stuttgart wird derzeit nicht nur gegen den Kopfbahnhof, sondern auch für die Demokratie demonstriert. Die Proteste gegen dieses Projekt sind bereits seit 1995 aktiv und erreichten im Herbst 2010 ihren bisherigen Höhepunkt. Nach der Großdemonstration vom 30. September 2010 wundert man sich, wieso ein Bauprojekt mit so massiver Staatsgewalt durchdrücken möchte und stellt sich die Frage: „Was ist Demokratie?“

Putte berichtet für uns direkt aus Stuttgart (Danke Frank!). Er ist derzeit bei folgenden Projekten beteiligt:

  • www.unsere-stadt.org – Eine Initiative, die Putte mitbegründet hat. Derzeitiger Fokus: Stuttgart 21.
  • www.fluegel.tv – Bürger-TV. Putte ist dort Moderator und Redaktuer. Der Fokus liegt hierbei auf Stuttgart 21. Webcam Live vom Stuttgarter Hauptbahnhof

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StuttgartCalling 01 – 12.10.2010

Hallo Putte, fein, dass wir mit Dir in Kontakt stehen und Danke, dass Du mitmachst. Worum geht’s in Stuttgart derzeit, was tut sich?

Putte: In Stuttgart soll der bestehende Kopfbahnhof unter die Erde gelegt werden. Die Pläne sind schon Anfang der 90er Jahre gemacht worden. Das ganze hat dann seit 1995 planmäßig Kontur bekommen. Ende 2009 wurde dann endgültig entschieden, dass der neue Bahnhof gebaut wird. In all diesen Jahren dazwischen gab es verschiedene Bahnchefs, die je nach Bahnchef das Projekt wieder in die Schublade gesteckt haben. Dann kam der nächste Bahnchef, der dachte wieder „Super Idee, Stuttgart 21 holen wir wieder heraus!“. Dann kam der nächste, der das Projekt wieder in die Schublade gesteckt hat.

Es war ein großes Hick-Hack. Der Protest gegen dieses Projekt ist seit 1995 aktiv. Allerdings in den ganzen Jahren war er viel, viel kleiner, als er jetzt ist. Die Hauptgallionsfigur des Protestes Gangolf Stocker hat bereits 1995 eine Initiative gegründet, die sich „Leben in Stuttgart – Kein Stuttgart 21„. Das bedeutet, den Protest als solchen gab es bereits. Nur eben in kleineren Dimensionen.

2009 wurde das Projekt von allen Beteiligten endgültig abgesegnet: Bahn, Bund und Stadt. Und zeitgleich haben in Stuttgart die Montagsdemonstrationen angefangen, die im November 2009 mit vier Leuten gestartet sind und jetzt auf die Zahl angewachsen sind, die wir im Moment haben. Bei der letzten Demonstration hatten wir +/- 100.000 TeilnehmerInnen, ich weiß nicht ganz genau, wieviele es waren.

Wie hat sich die Demonstration in den letzten Tagen entwickelt?

Putte: Mittlerweile ist es so, dass es nicht mehr um den Bahnhof geht. Es geht tatsächlich um die generelle Frage: „Wem gehört der öffentliche Raum und wem gehört diese Stadt?„. Im Endeffekt ist es nichts anderes als Unterfragen der Frage „Was ist Demokratie?„.

Und auf Grund der Politikverdrossenheit wird hier im Grunde eine recht große Frage mittlerweile gestellt. Es ist auch seit der Eskalation am 30. September 2010 im Schlosspark so, dass die Demonstrationen weiter angewachsen sind. Und nicht nur von Leuten, die unbedingt gegen Stuttgart 21 sind, sondern weil sie die Vorgehensweise der Projektbetreiber und auch der Politiker massiv kritisieren.

Vorallem diesen Polizeieinsatz. Es stellen sich Fragen, wie es sein kann, dass man ein Bauprojekt mit so einer massiver Staatsgewalt – im Grunde genommen, auch wenn es ein hartes Wort ist -, das man solche Mittel anwenden muß, um ein Bauprojekt durchzudrücken.

Danke, Putte und bis morgen!

Bildmontage aus flickr.com/photos/libaer2002/2407058511/,flickr.com/photos/gmancgn_2009/4257769360/ und flickr.com/photos/blunight72/204842676/

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.