Im Rahmen einer FM4-Reportage rund um die Kärntner Volksabstimmung am 10. Oktober 2010 wurde der Hip-Hop-Song „Sichalich“ von der Kärntner Hip-Hop-Band doppelt sichtbar vorgestellt: Kärnten, Ortstafeln, Kunst und Kultur. neuwal traf Martin von doppelt sichtbar zum Interview und stellt  ihren Song „Sichalich“ vor.

doppelt sichtbar sind die Zwillingsbrüder Mart und Kassabrot. Beide kommen aus Villach/Kärnten. Den Hip Hop teilt man sich brüderlich auf: Kassabrot gibt den Ton an und bastelte alle Beats. Mart malt sich alles aus und ist für das komplette Artwork zuständig. Mit dem Song „Sichalich“ zeigen sie die Diversität in Kärnten auf: Auf der einen Seite die Politik, die den Ruf ruiniert und auf der anderen Seite das schöne Land Kärnten mit seiner Landschaft und den netten Leuten.

Mehr Infos zur Volksabstimmung
» Volksabstimmung im Kärnten (Kleine Zeitung)
» Martin Zinkner zur Volksabstimmung in der neuwal-Serie „Der Kärntner Ortstafelstreit
» Dieser Sonntag für Kärnten (k2020.at)

podwal. der neuwal.com podcast
“Kärnten konn vül mehr, doss wissen die meisten sicha nit” – ‘doppelt sichtbar’ im Interview by neuwal

Dieter Zirnig (neuwal): Ich habe Euer Lied schon ein paar Mal gehört, kürzlich gerade auf FM4, während einer kurzen Reportage zur Kärntner Volksabstimmung. Was wollt ihr mit dem Song mitteillen, was ist eure Motivation dahinter?

Martin (doppelt sichtbar): Ich möchte, das Leute nachdenken, kritisch sind und nicht einfach alles so hinnehmen. Wir möchten nicht jammern, sondern selber etwas in die Hand nehmen. So wie es im Lied beschrieben ist. Und zwar in mehrere Richtungen. Das Lied ist in 2 parts aufgeteilt, in der sich die Diversität in Kärnten widerspiegelt: Auf der einen Seite die ganze Politik, was auch den Ruf von Kärnten ruiniert und auf der anderen Seite das schöne Land mit seiner Landschaft und den netten Leuten. Und die gibt es sicherlich in Kärnten in Überzahl.

Unser Album haben wir auf Rufzeichen-Records veröffentlicht. Der Track „Sichalich“ ist in dem Sinn nicht veröffentlicht, sondern ein Gratis-Download-Track. Derzeit machen wir gerade das Video zu „Sichalich“, weil wir alles selber machen müssen. Musikalisch arbeiten wir an der nächsten EP, die vermutlich im Frühjahr 2011 erscheinen wird.

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Was macht ihr in Villach, ich hab gelesen ihr seid bei „Drauklang“ mit dabei…

Martin (doppelt sichtbar): …wir haben dann 2005 den Verein „Drauklang“ gegründet, da es in Villach wenig Live-Konzerte gegeben hat. Wir haben begonnen, selbst Konzerte zu veranstalten und andere Leute einzuladen. In Villach hat die Politik erkannt, dass wir gute Sachen machen. Wir haben eine gute Beziehung zur Politik – Politiker unterstützen uns, da sie gesehen haben, dass das gut ist, was wir tun.

Drauklang ist ein Verein. Wir sind mehrere Freund und veranstalten Konzerte, haben uns organisiert und ist dann eigentlich ein Selbstläufer geworden.

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Lyrics

1. Teil

– Hey, do kummt da Kärntna Hypochonda,
den`s dauernd probieren, die Kärntna Hypo ondran;

– oba i wollt’s nit, hob olls gsegn, wor bei da Razzia dabei,
die Managerjobs homs wohl an a poor Spastis verteilt;

– wos bei uns unten obgeht, is schon mehr als lächerlich,
echt a Witz, die Mehrheit hot ka Ahnung, i denk nur checkts es nit;

– die meisten in da Regierung hom sich als Aff ausgstellt,
oba wenn wunderts, die wern jo direkt ausm Gosthaus bestellt;

– null Hirn und a Gehobe von ana Wirtshauskultur,
des anzige wos se unterscheiden kennan, is Hirsch, Sau und Kuah;

– und wir schauma zu, tuan ols warma olle Opfa,
fickt’s eich i steh auf und schrei „Dobrodan Koroschka“!;

– Politika wern Popstars, und es werd kokst ah,
donn dagrotzt a nit die Kurven, ma so a orma Tokka;

– und es stimmt nit wonn es haßt: gonz Kärntn leidet mit,
wos konn i dafür, das da Haida ongeblich a Heiliga is?

– er wor jo so gscheid, human, hot anfoch jeden kennt,
von die Asylanten auf da Saualm wor a wohl ka Lebensmensch,

– und donn da Dörfler, der traurige Nerd auf sein Jägasitz,
der wüll die Frauen hintern Herd und azöhlt dabei an Negawitz;

– oba ana der den gonzen Tog nur Tafaln verschiabt,
holt sich nit on Demokratie, der is holt a schon verwirtt;

– und wos is mit die ondan Parteien? Wie wars mit ana Alternative?
Nit nur plearn, nit nur schimpfen, i wüll amol a Hirn segen,

– weil während die gonze Wirtschoft in die Scheiße rutscht,
packeln olle zomman und erhöhen den Parteizuschuss;

– oba wie gsogt, nit nur plearn, do ist da Mart der kan Zoff wollt,
und zagt eich endlich amol wo da Bartl den Most holt;

Refrain:
– doppelt sichtbar, mit Cuts und Wortphrasen,
wegweisender als zweisprachige Ortstafeln;

2. Teil

– Weil Kärnten is lei ans, wos i richtig feiner find,
es gibt ka geileres Ding, wie wonn i im Summa in die Gail einespring;

– Flussaufwärts geh um wieda runter zu treiben,
und mit Freindn beim Grülln bis viere munter zu bleiben;

– hunderte Reime, folln ma zu unsrer Gegend ein,
do is es so verdammt schen, a wonn es regnet und schneit;

– unsre Stodt is so chillig, do tuat ma wos für uns,
für die Mädls, für die Jungs, für die Mukke, für die Kunst;

– ah wonn i auf Beton steh, und dos Tonnenweise,
mog i a die Mölltalleitn, mit ihrer Sunnanseitn;

– und wonn i in Bad Kleinkirchheim auf da Zirkitzn,
auf meine Bierkisten, auf amol onfong zum Hirnwichsen;

– ist dos vielleicht hirnrissig, wie a Frog vom Armin Assinger,
ist die Bierkisten erst lah, donn wird’s noch spaßiga;

– und wonn wirklich jeda, a Villach Bier mog,
donn bist hundatprozentig, am Villacha Kirchtog;

– oda doch am Fosching, wo jeda Trottl „Lei Lei“ schreit,
do bin i dabei, weil Weiba sich über mein Freestyle gfrein;

– do hätt ma`s glei, unsre Köpf wern von die Weiba vadraht,
von Spittal über Villach bis St.Veit an da Glan,

– und trotzdem is nit jeden Tog nur Party und Highlife,
Kunst und Kultur wird hochgholten, a eigena Lifestyle;

– und i man nit die Wörtherseetour, i spuck dazua,
wovon i red is nämlich a richtige Subkultur;

– vülle worten, wir nemman die Sochen selba in die Hond,
egal ob Theater, Konzerte oda Bülda on da Wond;

– weil Kärnten konn vül mehr, doss wissen die meisten sicha nit,
frogt mi ana: bist aus Kärnten? Sog i: Jo sichalich!

Text von Mart. Beat von Kassabrot.
Quelle: http://www.doppelt-sichtbar.at/index.php/downloads.html

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