Die ÖVP hatte es in diesem Wahlkampf nicht besonders einfach. Stadtpartei-Chefin Christine Marek kämpft gegen den Erwartungsdruck, denn ihr Vorgänger Johannes Hahn holte 2005 knapp 19 Prozent der Stimmen – für die notorisch schwache Wiener ÖVP ein sehr passabler Wert. Allerdings machen ihr auch eigene Fehler zu schaffen. Trotz ihres liberalen Images, wohl auf Druck der Parteispitze hin positionierte sich Marek im Wiener Wahlkampf leicht rechts von Margareth Thatcher, fleißig sekundiert von Innenministerin „ohne Gnade“ Maria Fekter. neuwal.com hat Marek zum Gespräch getroffen.

Dieter Zirnig und Stefan Egger (beide von neuwal) haben ÖVP Wien-Spitzenkandidatin Christine Marek in ihrem Büro am Stubenring zum Interview getroffen, um diese Positionen im direkten Gespräch etwas genauer zu beleuchten. Das Gespräch ist hart (in den Positionen), aber herzlich (im Ton) – „viel reden“ gehört bei Christine Marek dazu, das hat sie „in der Wirtschaft gelernt“ – ein Phrase, die noch sehr oft fallen wird. Generell fällt auf, dass Marek speziell für diese Wahl mit ihrem liberalen Image bricht. Sie vertritt harte Law-and-order-Positionen, spricht von Migrantenpflichten, Militärpolizei und Sicherheit.
Christine Marek, ÖVP Wien
Christine Marek, ÖVP Wien
Dieter Zirnig und Stefan Egger (neuwal): Frau Marek, eine kurze Vorstellung bitte… ein paar Worte zu Ihnen.

Vereinbarkeit Familie und Beruf war für mich immer ein superheißes Thema.

Marek: Gut, ich bin 42 – das heißt, U40 trifft’s bei mir nicht mehr ganz [lacht] Aber durch meinen Sohn, der wird jetzt 17, bin ich informiert. Ich bin Alleinerzieherin, immer gewesen, das heißt Vereinbarkeit Familie und Beruf war für mich immer ein superheißes Thema.

Du brauchst eine Partei im Hintergrund, sonst bist du der einsame Rufer in der Wüste.

Ich glaube, dass ich schon auch immer eher zum offeneren, liberaleren Flügel der ÖVP gehört habe. Ich bin zur ÖVP gegangen vor 16 Jahren, weil ich mich politisch engagieren wollte, damals war ich gerade in Karenz mit meinem Sohn. Du brauchst einfach eine Partei im Hintergrund, wenn du dich engangieren willst, sonst bist du der einsame Rufer in der Wüste.

Die ÖVP war für mich die einzige Partei!

Innerhalb des Parteienspektrums – ich war da familiär überhaupt nicht vorbelastet – war die ÖVP die einzige Partei, wo ich mir vorstellen konnte, mich zu engagieren. Auch wenn mir nicht immer alles gefallen hat, was passiert ist, aber verändern kannst du nur von innen. Ich glaube, dass unter diesem christlich-sozialen Dach, auch von der Programmatik her, so viel Platz hat wie in keiner anderen Partei.

Das ist etwas, was ich bis heute nicht bereut habe, ich habe auch viele Chancen bekommen, und habe schon einige Dinge umsetzen können, die früher undenkbar waren. Einkommenabhängiges Kindergeld etwa, wo ich vor ein paar Jahren geprügelt worden bin… heute ist das Realität, das ist schon spannend.

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War das von Anfang an auch Ihr Ziel, durchzulüften, frischen Wind in die Partei zu bringen?

Ich bin sicher den Leuten höllisch auf den Geist gegangen!

Marek: Ich wollte etwas verändern, und das heißt automatisch frischer Wind. auch wenn ich mir da oder dort ein bisschen die Zähne ausgebissen hab, wenn man gute Ideen hat und hartnäckig ist… Ich bin sicher den Leuten manchmal höllisch auf den Geist gegangen, weil ich auf den Themen draufgeblieben bin.

Für jeden Punkt und Beistrich brauchst du eine Gruppe.

Manche Dinge haben Jahre gebraucht, aber das ist halt auch Politik. Das habe ich gelernt, wie ich ins Parlament gekommen bin 2002. Da habe ich mir gedacht, so, jetzt reiße ich die Welt nieder und alles wird gut. Und dann lernst du einmal. für jeden Punkt, den du in einem Gesetzesentwurf ändern willst als Abgeordnete – du brauchst für alles eine Lobby. Für jeden Punkt und Beistrich brauchst du eine Gruppe, die du im Boot hast, aber das lernst du auch.

Veränderung braucht einfach Dosen, denn Veränderung heißt für viele Leute: Gefahr!

Und ich habe auch gelernt, dass viele kleine Schritte auch ein ganzer weg sind, und auch zum Ziel führen, auch wenn ich mir manchmal Schnelleres wünschen würde. […] Manchmal braucht Veränderung einfach Dosen, denn Veränderung heißt für viele Leute: Gefahr, vor dem fürchtet man sich erst einmal. Ich hab für mich auch im Laufe meiner politischen Tätigkeit entwickelt: Ich will Veränderung machen, die das ist, was man braucht, aber vor der man sich nicht fürchten muss. Angstfreie Veränderung.

Dazu gehört viel reden. Ich komme aus der Privatwirtschaft, und war 8 Jahre auch Betriebsratsvorsitzende eines großen Wiener Unternehmens, nie freigestellt, immer den normalen Job daneben. Da haben wir auch eine schwere Krise durchgemacht, nach 9/11 mussten viele Mitarbeiter gekündigt werden, da das im Bereich Flugsicherung war.

Ich habe so breite Zustimmung bekommen, das hat man der ÖVP Wien eigentlich schon gar nicht mehr zugetraut!

Ich hab einfach immer gelernt, dass reden und erklären ganz wichtig ist. Auch in meiner Funktion als ÖVP-Chefin, weil es ja auch um interne Veränderung geht, die notwendig ist. Aber ich hab einfach bei all dem, was ich bis jetzt gemacht hab, eine wirklich so breite Zustimmung bekommen, was man der ÖVP Wien eigentlich schon gar nicht mehr zugetraut hat, weil man sie anders kennt. [lacht]

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Das wäre meine nächste Frage gewesen. Sie haben gesagt, Sie haben sich Mehrheiten suchen müssen. Sie sind ja erst seit kurzem ÖVP Wien-Chefin… Wie groß, glauben Sie, ist der Rückhalt in der Partei? Und wenn sie meinen, es muss Veränderung geben, was meinen sie damit?

Jetzt geht’s erst einmal darum, diese Wahl zu schlagen!

Marek: Veränderung heißt parteiinterne Veränderung. Jetzt geht’s erst einmal darum, diese Wahl zu schlagen, und nach der Wahl wird’s einfach darum gehen, wie kann man die ÖVP Wien effizienter aufstellen? Wenn man auf das Potenzial von denen setzt, die da sind, ist das das irrsinnig motivierend. Ich glaube, dass wir da stark sein können. Das ist in der Vergangenheit nicht immer so rübergekommen, speziell die Leute in den Bezirken haben nicht das Gefühl gehabt, dass sie ein wichtiger Faktor sind. […]

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Hat das auch mit Gerhard Tötschinger zu tun beispielsweise?
Marek: Zum Beispiel, aber auch mit Dinko Jukic. Auch die Irmgard Bayer, auch Karin Holdhaus, genauso aber auch Andreas Ottenschläger, der seit Jahren Parteiobmann im 8. Bezirk ist, einer von unseren jungen motivierten Parteiobleuten. Weil ich glaube, dass es nicht gut ist, wenn man immer nur von außen Neues holt und den Leuten innen das Gefühl gibt, was ihr tut, ist eh nichts wert. Wichtig ist eine Mischung aus beidem, ein Mix der Generationen und frisches Blut von außen, und die Internen auch einbeziehen.

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Da muss ich kurz einwerfen, wenn sie Herrn Jukic erwähnen, der hat ja Frau Ekici ersetzt.

Als Parteichefin muss man das Ganze auch relativ nüchtern betrachten, wo gibt’s Potenziale usw. Ich bin es gewohnt, Defizite anzusprechen.

Marek: Nein, das ist ganz klar nicht so. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun. Jetzt sehe ich anhand der Interviews, dass es hier durchaus Verletzungen gibt. Aber ich hab auch gelernt, dass in der Politik natürlich menschliche Nähe ein Thema ist. Aber ich muss als Parteichefin das Ganze auch relativ nüchtern betrachten, wo gibt’s Potenziale usw. Mir war’s wichtig, dass sich die ÖVP in Wien breit aufstellt, auch mit Angeboten in alle Bevölkerungsgruppen hinein, und nicht nur in eine Gruppe. Ich bin als Integrationsbeauftragte der Bundes-ÖVP seit Jahren extrem engagiert. Aber ich bin es gewohnt, Defizite anzusprechen und das auch nüchtern zu betrachten.

Wir haben massive Herausforderungen im Bereich der Integration. Da ist viel versäumt worden.

Ich glaube, wenn wir in Wien zukunftsorienterte Politik machen wollen, die die Defizite anspricht und dann auch löst – das ansprechen macht ja auch Strache auf eine menschenverachtende Art und Weise. Er sagt, das ist ein Problem und potenziert das sogar noch, aber das ist natürlich die leichtere Seite der Medaille. Da haben wir massive Herausforderungen gerade im Bereich der Integration. Da ist auch viel versäumt worden in den letzten Jahren.

Toleranz ist eine Sache, aber über Rechte und Pflichten zu sprechen, ist eine andere Sache. Interessanterweise habe ich die gesamte Migranten-Community im Boot!

Toleranz ist eine Sache, aber über Rechte und Pflichten zu sprechen, ist eine andere Sache. Interessanterweise habe ich die gesamte Migranten-Community im Boot, wenn ich sage, reden wir über Spielregeln und Rahmenbedingungen. Und dann auch wenn es darum geht, wie können wir Kinder mit Migrationshintergrund alle Chancen geben, das halte ich für fahrlässig, was da in Wien passiert. Da braucht es Personen und Angebote. Mir ist es seit Jahren ein wichtiges Anliegen, dass wir alle Migranten-Communities nachhaltig und breit anzusprechen. Da geht es nicht nur darum, eine Person antreten zu lassen, sondern da geht’s auch darum, als Partei und Parteichefin dahinterzustehen.

Ich habe auch einen Award ins leben gerufen, den MIA, wo es darum geht, die Erfolgsgeschichten zu erzählen, Vorbilder zu setzen. Es ist aber schon wichtig zu sagen: Wo stehen wir in Wien und wo müssen wir hin?

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Wo stehen wir in Wien?

Wien steht weit hinten, alleine wenn ich mir die Schulen anschaue.

Marek: Leider relativ weit hinten, alleine wenn ich mir die Schulen anschaue. Wir haben alleine 10.000 außerordentliche Schüler in den Volksschulen, die aber mitgeschleppt werden. Die können nicht entsprechend Deutsch, die werden bis zu zwei Jahre als außerordentliche Schüler mitgeschleppt und nicht ausreichend gefördert, sondern einfach in de nächste Schulstufe weitergegeben, und das halte ich für wirklich fahrlässig. Ich hab den Anspruch an mich selber, zu wissen wovon ich rede, ich gebe 20 Wochenstunden in der Volksschule Unterricht für Kinder mit Deutschdefiziten. Die finden aber nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt – das ist ein permanentes Kommen und Gehen. Es fehlt immer irgendwas – entweder Unterricht oder sonst Deutsch.

Wir haben sehr viele Schulbesuchspflichtsverletzungen in Wien, die nicht geahndet werden.

Deswegen sagen wir, das verpflichtende Gratiskindergartenjahr ist ein erster schritt, dann haben wir im Bildungsplan, der ab Herbst bundeseinheitlich implementiert wird, auch die Sprachkompetenz als ganz wesentlichen Faktor drinnen. Es ist einfach eine Verpflichtung, dass wir Rahmenbedingungen schaffen und das auch erreichen, dass alle Kinder in der 1. Klasse Volksschule auch dem Unterricht folgen können. Das ist in Wien derzeit absolut nicht der Fall. Wien hat sich da am stärksten gegen den Pflichtbesuch des Kindergartens gesträubt, und wir haben auch sehr viele Schulbesuchspflichtsverletzungen in Wien, die auch nicht geahndet werden, weil wir eben relativ große Migrantengruppen haben, weil der Erwerb von Bildung kein Wert ist, den die mitbekommen haben.

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Was wäre da ihre konkrete Idee?

Bei 85-90% nicht deutschsprachigen Kindern ist die Durchmischung lang keine Realität mehr.

Marek: Wenn im Kindergarten der Spracherwerb nicht so ausreichend erfolgt, dass man dem Unterricht folgen kann, dass man noch einmal einen Schritt vorsetzt in einer Vorschule, wo man tatsächlich die deutsche Sprache vermittelt, wo der Erwerb funktioniert. Jetzt gibt es Stimmen, die Ghettoklassen verdammen, die meinen, Kinder lernen doch in der Durchmischung am besten… Da muss ich sagen, nicht böse sein, ich selber wohne im 15 Bezirk, da habe ich 85-90% nicht deutschsprachige Kinder, da ist die Durchmischung lang keine Realität mehr. […]

Zwei Drittel der arbeitslosen Jugendlichen in Wien haben Migrationshintergrund. Da ist es schon 5 nach 12!

Derzeit ist es so, dass 2/3 der arbeitslosen Jugendlichen in Wien, und das ist der Effekt, Migrationshintergrund haben. Das ist auch wirtschaftspolitischer Unsinn, denn wir haben sehr viele Betriebe in Wien, die gleichzeitig Lehrlinge suchen, und nicht weil sich keiner bewirbt, sondern weil die, die sich bewerben, die Basisqualifikation nicht haben. Da ist es schon 5 nach 12.

Kindergärten sind Bildungseinrichtungen, keine Verwahrungsstätte

Kindergärten sind Bildungseinrichtungen, keine Verwahrungsstätte. Das tut mir besonders weh, die Stadt Wien spricht immer nur von Quantität, und nie von Qualität. Es werden qualifizierte Leute abgezogen und durch Crash-Kurs-Betreuer ersetzt.

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Jetzt stecken wir in der Bildungsdebatte drinnen. Es geht ja weiter in der Schule. Was sagen Sie zum lange und heiß diskutierten Thema Gesamtschule?

Wir haben in Wien leider Gesamtschule auf unterstem Niveau. […] Ich glaube, dass Leistungsdifferenzierung etwas extrem Wichtiges ist.

Marek: Wir haben in Wien leider die Gesamtschule, auf unterstem Niveau, das orientiert sich an Kindern, die Defizite haben, die werden nicht gefördert, die Probleme werden nicht behoben, gleichzeitig werden auch die Leistungsstärkeren behindert. Das heißt, wir haben einen hohen Anteil von Schülern, die nach Ende der Schulpflicht nicht sinnerfassend lesen können. Ich glaube, dass Leistungsdifferenzierung etwas extrem Wichtiges ist. […]

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Das ist ein klares Ja zur Elite?

Die Brains der Leute sind unser Potenzial.

Marek: Absolut. Und da setze ich mir das Wirtschaftsstaatssekretärinnenkapperl auf. Ich komme aus einem Unternehmen, in dem höchstqualifizierte Mitarbeiter arbeiten, mit 95% Exportanteil, wo international nur mit der Qualität gepunktet werden kann, da kommen wir gegen die Masse nicht an. Die Brains der Leute sind unser Potenzial, wir sind international Spitzenreiter in der Qualität in einer Nische und hochspezialisiert. Wenn wir wollen, dass auch internationale Unternehmen zu uns kommen, die Forschung und Entwicklung speziell im Fokus haben, die brauchen Leute. […]

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Das heißt auch in klaren Worten: Mehr Geld in die Bildung.
Marek: Das heißt, dass es bei Bildung keine Einsparungen gibt, aber es geht auch darum, die Strukturen effizienter zu machen. die Pädagogen müssen mehr in der Klasse stehen, dass nicht so viel Geld in den Verwaltungsstrukturen versickert. […] Dass wir die Strukturen anschauen, das ist das, was ich in der Wirtschaft auch gelernt habe. das sind teilweise schwierige Diskussionen, wo es um wohlerworbene Rechte usw. geht, das ist mir klar. Aber ich glaube, das ist es wert und das ist notwendig, es geht hier Zukunftschanchen. […]

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Stichwort Pensionen: Hier wird ja eines gern vergessen, wo ja das niedrige Pensionsalter maßgeblich herkommt. Das sind die Beamten und die staatlichen Unternehmen.
Marek: Das stimmt nicht, da wäre ich vorsichtig… weil wir haben im öffentlichen Dienst rechtlich kein unterschiedliches Pensionsantrittsalter zwischen Männern und Frauen…
 
In Wien?

Ach so, Sie reden von Wien! Das ist natürlich ein Wahnsinn, da gibt’s massive Defizite.

Marek: Ach so, Sie reden von Wien! Das ist ein Thema natürlich. Wien hat einfach die Pensionsreform des Bundes neben Kärnten massiv nachzuholen. Da habe ich jetzt ein Statement von Brauner gelesen, die gesagt hat “wir haben das eh bis zum Jahr 2041 umgesetzt”. Das halte ich für eine gefährliche Drohung.

Dass die Leute in Wien überproportional stark krank sind, arbeiten bei der Stadt Wien ist etwas, das sehr belastend ist. […] Das ist übers Gesamte gesehen natürlich ein Wahnsinn, da gibt’s massive Defizite im Bereich der Gesundheitsförderung, der Arbeitsbedingungen, die motivierend sind, das hängt natürlich auch von Führungskräften ab, hier gibt’s große Defizite.

Es wird der Stadt Wien gar nichts anderes übrig bleiben, wenn man nachhaltig das Budget in Ordnung bringen will, dass man da die Pensionsregelungen für den öffentlichen Dienst . Bis in die 2040er-Jahre hinein zu warten, mit solchen Anpassungen, das halte ich auch gerade im Sinne unserer Kinder für gemeingefährlich, für wirklich fahrlässig.

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Gibt es andere wichtige Bereiche, wenn Sie die Chance bekommen, mitzuwirken – Wahlziel ist ja auch , die Absolute zu brechen…

Die Themen Sicherheit, Stadtwache, Bettelverbot sind uns sehr wichtig…

Marek: Ja, das Thema Sicherheit. da plädieren wir seit Jahren dafür, dass eine eigene Stadtpolizei, eine Stadtwache eingerichtet wird. Die Polizei ist hier nicht schlecht unterwegs, es gibt hier 50 zusätzliche Polizeischüler jedes Jahr, die aber zunehmend Aufgaben aus der Stadt übernehmen und mit Verwaltungstätigkeiten aufgehalten sind, z.b. beim Hundeführerschein […]

Oder das Bettelverbot, der Gemeinderat hat beschlossen – gewerbsmäßiges Betteln ist verboten, Betteln zum eigenen Lebensunterhalt ist erlaubt. Das heißt, ein Polizist muss zuerst eruieren müssen, macht der das für sich selber oder gewerbsmäßig.

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Wie stehen Sie zum Bettelverbot?
Marek: Das war ja auch etwas, was wir unterstützt haben, was wir massiv vom sozialen Aspekt her massiv soziale Einrichtungen unterstützen, die den Leuten helfen, wieder auf eigene Beine zu kommen, ist etwas, was man in den Griff kriegen muss, was ich unterstütze. Der Großteil der Bettler in Wien sind ja gewerbsmäßig organisierte Banden, gerade aus osteuropäischen Ländern, wo die Leute gezwungen und hier abgesetzt werden, und dann alles abliefern müssen… […] Leute, die wirklich abgerutscht sind und auf der Straße gelandet, muss man durch Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen, so dass sie nicht auf Dauer abhängig sind von anderen. […]

Wir haben mittlerweile 20 Kapperltruppen!

Wir haben mittlerweile 20 Kapperltruppen, jeder Stadtrat hält sich seien eigenen Truppen, die sind alle nicht einheitlich erkennbar, ausgebildet, Kompetenzen, alles unterschiedlich, das ist ein einziger Wildwuchs. Das kostet viel Geld und bringt wenig. Es würde sehr sinnvoll sein, weil es auch das subjektive Sicherheitsgefühl heben würde, wenn ich einheitlich uniformierte Ordnungsdienstmitarbeiter hätte, die gleichzeitig auch die Polizei bei Ordnungsdienstaufgaben unterstützen.

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Die ÖVP Wien wollte ja auch das Bundesheer zu solchen Aufgaben heranzuziehen?

Es geht uns nicht um den Assistenzeinsatz in der Mariahilferstraße!

Marek: Nein, es geht nicht um Assistenzeinsatz in der Mariahilferstraße. Ich habe den Vorschlag gemacht, von den 400 Militärpolizisten/Militärstreifen, die derzeit beim Bundesheer sind, wo es ohnehin zu viele Mitarbeiter gibt, anders zu verwenden. Die haben eine ausgezeichnete Ausbildung, wo ein großer Teil identisch ist mit jener, die Polizisten und Polizistinnen auch haben, dass die ins Innenministerium wechseln und dort in sehr kurzer Zeit durch Weiterbildungsaufgaben als vollwertige Polzisten einsetzbar sind. Es gibt alleine in Wien 120 Polizisten, die Botschaften bewachen. Jetzt hatte Häupl die tolle Idee, Bundesheerler für diese Überwachung heranzuziehen – da muss man sich nur die rechtliche Situation ansehen, das ist verfassungsrechtlich nicht möglich. Darum ging’s auch nie. […]

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Es ist ja so in Wien alles multikulti: Ich habe das in einigen Städten, z.B. in Palermo gesehen: Wären zweisprachige Straßenschilder etwas für Wien?
Marek: Wo wir das jetzt schon haben, ist in Krankenhäusern z.B., ich glaube das in Wien das Thema ist, dass das eine Chance ist, die vielen Nationen, die vielen Kulturen. Leider sind viele eingebürgert worden, ohne ein Wort deutsch zu können, die können bis heute nicht deutsch. Das halte ich einfach für menschenrechtswidrig, dass man das zulässt, dass Leute zu uns kommen, dass man ihnen keinerlei Angebote macht – die müssen dann auch verpflichtend sein, aber dafür muss man den Rahmen schaffen, einen Vertrag, der geschlossen wird. […]

Das ist falsch verstandenes Multikulti, wenn man sagt, das ist eh alles wurscht…

Das ist falsch verstandenes Multikulti, wenn man sagt, das ist eh alles wurscht – das funktioniert nicht. Es muss klar sein, was kann ich mir erwarten und was kann der Staat sich erwarten. wir müssen in der Lage sein, zu sagen, was wird von Menschen, die zu uns kommen, erwartet und was können sie sich erwarten, das muss ein Commitment sein.

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Jetzt gibt es dieses Plakat “Reden wir über Bildung – am besten auf Deutsch” warum nicht auch auf Englisch?

Integration ist nicht möglich, wenn eine Kommunikation nicht auf Deutsch möglich ist.

Marek: Tatsache ist, bei uns ist die Umgangssprache deutsch. Integration ist nicht möglich, wenn eine Kommunikation in Deutsch nicht möglich ist – außerhalb der Managerwelt. Die Basis braucht es einfach für alles Weitere. Ich glaube, dass durchaus auch die Muttersprache ein wesentlicher Aspekt ist, aber die deutsche Sprache ist die Basis für alles. […]

Aus Studien wissen wir, dass die zweite und dritte Generation teilweise ein schlechteres Bildungsniveau hat, als die ursprüngliche Generation. daher auch die Forderung, erst dann in die Volksschule, wenn die Kinder alle Chancen haben.

 
Ein anderer Weg wäre ja, einen mehrsprachigen Unterricht einzuführen, weil da Studien sagen, dass man am schnellsten Deutsch lernt, wenn man Unterricht in der Muttersprache bekommt…

Marek: Da bin ich bei ihnen. Aber wir müssen endlich einmal anfangen! Seit 16 Jahren gibt es in Wien Integrationsstadträte, und das was ich sehe, ist ausschließlich Stückwerk, auch wenn’s da und dort gute Projekte gibt. Es gibt keinen roten Faden, schauen Sie mal auf die Homepage der Stadt Wien. Das Integrationskonzept ist eine Seite mit Überschriften. Das ist genauso bei ganztägig geführten Schulen, ich bekenne mich absolut dazu. Dass die SPÖ jetzt plakatiert “Jetzt beginnt die Ganztagsschule in wien” – da kann ich mich nur fragen, was hat die SPÖ bisher gemacht? […]

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Das heißt Bildungsreform wäere auch eine Koalitionsbedingung?

Wien ist gut verwaltet, aber sauteuer. Budgetüberschreitungen von 300%, das kann’s nicht sein…

Absolut, das wird auch ein zentrales Thema in der Wahlkampfauseinandersetzung. Auch die Frage: Wie ist die Stadt verwaltet? Wien ist gut verwaltet, aber sauteuer – auch im Vergleich mit anderen Städten. Speziell was Bauprojekte angeht – eine private Firma geht in solchen Fällen in Konkurs, wenn das so abläuft. Budgetüberschreitungen von 100 bis 300%, das kann’s nicht sein…

 
Dürfen wir abschließend noch fragen, das liegt in unserem Fall nahe: Was gibt es für ein Konzept für Facebook und Social Media?
Wir haben gerade in der Kategorie der U40 der Young Professionals einiges in Vorbereitung, auch was die Jugendlichen betrifft mit dem Sebastian Kurz von der JVP.

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Haben sie einen eigenen Twitter- oder Facebook-Account?

Ich habe keinen eigenen Facebook oder Twitter-Account – das funktioniert nur, wenn ich ehrlich und echt bin. Und dafür habe ich nicht die Zeit.

Nein, weil das funktioniert nur, wenn ich ehrlich und echt bin. Und dafür habe ich nicht die Zeit. Ich habe eine Seite, wo man als Fan posten kann, das ging im November los, wo für mich als Parteichefin mobilisiert wurde, was extrem spannend vor, und wo in kürzester Zeit die Zahlen total explodiert sind. Posten funktioniert nur, wenn du’s selber machst. Und das habe ich immer abgelehnt.

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Gibt’s noch einen Wunsch an Wien, an die Wähler?
Marek: Eine Chance. Frischblut für Wien. Wiener Blut! [lacht]

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Danke für das Gespräch.
 
Wiener Stadtplan unter der ÖVP-Lupe, (C) GoogleMaps / ÖVP / sxc.hu - Peter Huys, Montage: Stefan Egger
(C) GoogleMaps / ÖVP / sxc.hu - Peter Huys, Montage: Stefan Egger

Kommentar von Stefan Egger: Die ÖVP sucht eine Idee…


Generell ist der Tenor der schwarzen Botschaften in diesem Wahlkampf eher negativ, vieles wird kritisiert und angeprangert. Dieser recht negativen inhaltlichen Ausrichtung stehen optimistische und botschaftsreiche Plakate gegenüber, die „frischen Wind für Wien versprechen. Nicht der einzige Spagat, den die konservative Stadtpartei heuer hinlegt.

 
Sehnsucht nach Sicherheit
Mit dem (einzigen) erklärten Wahlziel, die Absolute der SPÖ zu brechen, wächst auch schon die Lust auf Ressorts. Neben dem wenig überraschenden Wunsch nach Sicherheit (Marek ist in letzter Zeit für umgeschulte Militärpolizisten in Wien, die Zusammenlegung der Ordnungstruppen und mehr Überwachung eingetreten), steht auch Planung hoch im Kurs. Kultur tut Marek als „Pipifax-Ressort“ ab, obwohl die JVP mit dem „geilen“ Sebastian Kurz an der Spitze daran interessiert wäre.
 
Dauer-Schlachtfeld Schule
Beim Thema Schule tut man sich nach wie vor schwer in der ÖVP. Neben viel Beton – speziell auch von Pröll junior an der Spitze – spricht sich zumindest Bildungsexperte Bernd Schilcher für die Gesamtschule aus, die für ihn (im positiven Sinn) „in Zukunft nicht zu verhindern“ ist, da es letztendlich um den sozialen Zusammenhalt geht. Marek setzt bei diesem Thema so gut wie ausschließlich auf die „Ausländerproblematik“, die sie mit einem verpflichtenden Vorschuljahr bei mangelnden Deutschkenntnissen in den Griff bekommen will.
 
Innovation als Posten
Offener und innovativer gibt sich da der Jungstar der Wiener ÖVP, Sebastian Kurz. Neu ist die Idee, einen Stadtrat für „Innovation“ zu schaffen, um Wien moderner zu machen. Kurz würde hier auch international über den Tellerrand schauen und WLAN, Erholungsmöbel usw. setzen. Naja, bei näherer Betrachtung auch nicht ganz frisch, der Gedanke…
 
Für Wien ist mehr möglich!