Den Anfang machte die FPÖ mit ihren unsäglichen „Wiener Sagen“ samt (gar nicht so) versteckter SS-Codes. Die Grünen mussten folgen, denn sie lassen in diesem Wahlkampf keinen Spaß aus – sie beschimpften per Postkarten-Comic Heribert Rahdjian als „Vollkoffer“, worauf dieser humorlos reagierte. Nun hat es auch die SPÖ-Jugend-Geheimwaffe Peko Baxant getan: im düsteren Stil kämpfen Gute gegen Böse. Aber warum werden (Jung-)Wähler plötzlich mit Comics überflutet? neuwal.com hat nachgedacht.

„Brenn dem Mustafa ane auf…“
Dass Heinz-Christian Strache keine Gelegenheit auslässt, um a) zu provozieren und b) junge Wähler anzusprechen, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dennoch war die Erregung groß, als in seinen „Wiener Sagen“, die sich inhaltlich auf die Türkenbelagerung beziehen sollen, neben SS-Codes („Odal“, siehe Wikipedia-Eintrag) auch Aufforderungen zur Gewalt gegen „die Türken“ fanden. Das Ziel war erfüllt, die FPÖ in Umfragen gestärkt.

Grüne Vollkoffer…
Weniger erwartbar hingegen war, dass die Grünen in der Josefstadt in die Comic-Falle tappen würden. Nicht viel weniger plump, aber inhaltlich harmlos bezeichneten sie den abtrünnigen Heribert Rahdjian, der sich mit seiner eigenen Liste „Echt Grün“ von seiner Mutterpartei abgespalten hat (neuwal.com berichtete), auf einer Comic-Postkarte als „Vollkoffer“. Gut, lustig ist anders, aber dass Rahdjian dann gleich zur Nazi-Keule griff und dem Begriff eine Nähe zum antijüdischen Schmähwort „Kaffer“ herleitete, ist noch unlustiger.

Der "Vollkoffer"-Comic der Grünen mit Kasperl und Krokodil, (C) Die Grünen
(C) Die Grünen

…gegen rote Nazi-Jäger
Zuletzt hat nun Peko Baxant von der SPÖ Wien zugeschlagen. Seine wenig geheime Mission besteht darin, den Roten die Jugend zurückzuerobern. Dem extrem umtriebigen, eloquenten und inhaltlich firmen politischen Vollprofi ist dabei kaum ein Sager zu tief („Die Wiener Wahl ist genauso entscheidend wie die Schlacht von Stalingrad“), kaum ein Stimmenbringer zu gewagt (der lange als persona non grat geltende Rapper Nazar wird mit seinem Track „Meine Stadt“ jetzt von der SPÖ gerne hergezeigt) und kaum ein Mittel zu plakativ.

„Danke fürs Zombie-Killen und so…
So warf man zu guter Letzt – eventuell auch in Anbetracht der neuesten Umfragen, die der SPÖ eine ziemliche Schlappe prognostizieren – eine eigene Comicserie auf den (jugendlichen) Markt. Der Titel: „Mr. X – zurück in den Keller, Nazis“. Der Inhalt ist grafisch cool und im Sin City-Style gemacht, der Inhalt ist top-modern – und äußerst platt („Bis bald Mr. X., und danke fürs Zombie-Killen und so“). Schatten aus der Vergangenheit wollen Frischfleisch in Form einer türkischen Frau „vernaschen“ … aber lesen Sie selbst, hier ist der Link zu Mr. X bei der SPÖ, hier das PDF-Dokument zum Nachlesen!

Auch wenn die Wahlschlacht nicht auf dem Comicmarkt entschieden wird – die Analyse der Jugendergebnisse und -trends verspricht diesmal besonders spannend zu werden…

Kommentar von Dominik Leitner: „Andere Comics braucht das Land!

Sie haben es wieder einmal geschafft: Die Freiheitlichen haben einen Trend gestartet. Seit die FPÖ den Begriff “Jugendwahlkampf” allzu wörtlich genommen hat, gibt es auch bei den anderen Parteien mehr oder minder fragwürdige Auftritte in Lokalen und Diskotheken. Man erinnere sich dabei nur an die furchtbare “Neue Politik”-Idee von Rudas und Faymann.

Und nachdem auch schon das erste Comic der FPÖ (Thema EU) hohe Wellen schlug, war es auch nicht überraschend, dass sie auch zur Wienwahl (ihrer wohl wichtigsten und hochstilisiertesten Wahl) nicht mit Farbe und Ausrutschern sparen würde. Das Resultat ist schon bekannt. Dafür muss übrigens auch kein Mitglied oder Wähler dieser “humorlosen Chaotentruppe”: das Comic der Freiheitlichen will “Sagen” erzählen und spielt wie gewohnt mit der Islamisierungskeule und dem Retter Wiens.

Dass die “Chaotentruppe” selbst zu den Farbstiften greift überrascht. Sie bringen zwar keinen eigenen Comic raus, aber versuchen in der Josefstadt auf die richtigen Grünen hinzuweisen. So bashen sie “nur” Abtrünnige, was natürlich völlig legitim ist.

Die SPÖ hingegen hat wirklich zum Gegenschlag ausgeholt: dort kämpft ein Herr X gegen Nazi-Zombies. Die Ähnlichkeit der Namen ist oft sehr offensichtlich, die Bilder sprechen für sich. Nur weil es diesmal nicht gegen eine Bevölkerungsgruppe, sondern gegen eine Partei geht: Ist es dadurch besser? Das ist Interpretationssache. Das Einzige, was eindeutig besser ist, ist der Zeichenstil, der etwas an Sin City zu erinnern mag.

Comics als Teil des Wahlkampfs zu benutzen finde ich persönlich eine großartige Idee. Aber während die FPÖ wohl weiter ihre Schuldigen sucht und findet und uns schließlich davor “beschützt”, wäre es einfach mal interessant, jungen Wählern in einem Comic die ganz alltägliche Politik näher zu bringen. Der Kampf gegen ewiggestriges Gedankengut ist schön und gut (und wichtig), aber es muss doch auch möglich sein, bildlich darzustellen, welch wichtige Arbeit von Politikern tagein, tagaus erledigt wird.