Die zweite Diskussion der Frischlingsrunde 2010 brachte die unterschiedlichen Ideen und Konzepte der Generation Zukunft Östereich (GZÖ), der Grünen, der Jungen Liberalen (JuLis), des Liberalen Jugendforums (LIJ) und der Jungen Volkspartei zum Theme Verkehr/Umwelt zum Ausdruck.

Im Wiener Wahlkampf ist viel vom frischen Wind die Rede, den die Stadt angeblich braucht. neuwal hat gemeinsam mit ichmachpolitik.at die Sache ernst genommen – und Jungpolitiker aller Richtungen Ende September zur gemeinsamen Diskussion eingeladen. Die Teilnehmer der zweiten Diskussionsrunde waren Maria Hochreiter (GZÖ), Stefan Trittner (JV), Raimund Streitenberger (JULIS), Max Pistauer (LJF) und Joachim Kovacs (Grüne).


» Alles über die Frischlingsrunde

Alle Videos zum Einbetten gibt es auf www.ichmachpolitik.at. Bild (C) by Karola Riegler Photography.

Maria Hochreiter vom GZÖ will auf eine Attraktivierung der öffentlichen Verkehrsmittel setzen, sie attraktivieren und verbessern. Pendler sollen jedenfalls mit der U-Bahn in die Stadt gebracht werden. Teurere Parkpickerl sieht sie nur als Belastung für Anrainer. Mehr Parkplätze sollen her, Park&Ride-Anlagen billiger werden. Auch Parkgaragen zu einem leistbaren Preis sollen gebaut werden. Preissenkungen im öffentlichen Verkehr sollen zur Attraktivierung beitragen.

Grünflächen möchte sie nur dort schaffen, wo es genug Platz dafür gibt. Grünstreifen helfen wenig und nehmen Parkplätze weg. Als Vision sollen die öffentlichen Verkehrsmittel massiv ausgebaut und billiger gemacht werden, interessanter und billiger – „mit der leistbaren U5 ins Grüne“, eine Vision, die sie mit den JuLis teilt.

Stefan Trittner (JVP) sieht die alleinregierende SPÖ in Ottakring als Verursacher der Missstände, vor allem fehlender Parkplätze, die eine Zumutung für die Anrainer und eine Umweltbelastung darstellt. Die JVP fordert seit Jahren eine Garage unter dem Yppenplatz. Den öffentlichen Verkehr hält Trittner mit U3 und U6 für ganz gut ausgebaut, speziell seit die Forderung nach der Nacht-U-Bahn umgesetzt wurde. Kurzparkzonen lehnt er ab.

Die JVP sieht die Zahl der Garagen kritisch und will unten Tiefgaragen, oben Grünflächen. Erholungsräume sollen eher wie im Museumsquartier urbanen Charakter haben. Trittner will Freiräume und Erholungsflächen schaffen – der SPÖ wirft er vor, Grünraum reduziert zu haben.

Eine Vision, einen Traum für Ottakring hat die JVP nicht – sie will die latente Autofahrerfeindlichkeit bekämpfen und sich nicht nur um Radfahrer kümmern. Ein Gesamtkonzept inklusive Verkehrsplan für den Brunnenmarkt soll die Situation im Bezirk verbessern.

Die Grünen Ottakring mit Joachim Kovacs als Spitzenkandidat fordern eine sinnvolle Parkraumbewirtschaftung mittels Parkpickerl, da ein Drittel der geparkten Autos nicht aus dem Bezirk ist. Für ihn sind 13,5 Millionen Euro für Garagen viel zu viel, speziell wo er mit Park&Ride-Möglichkeiten und zahlreichen Garagen mit mittlerer Auslastung keinen Bedarf sieht. Die Garagen sind mit knapp 900 Euro für die Grünen zu teuer. Pickerl-Flüchtlinge aus dem 15. sind ebenfalls ein bekanntes Problem und tragen nicht zur Verkehrsberuhigung bei.

Auch die Fußgänger und Radfahrer will Kovacs durch ein besseres Angebot nicht in Vergessenheit geraten lassen. Finanziert werden sollen die Projekte durch eine Umverteilung der Mittel und Steuern für Wohlhabende.

Die Grünen sehen auch die Zunahme der CO2-Emissionen als sehr kritisch – die SPÖ baue nur Autobahnen wie durch die Lobau. Das Modell der Grünen zur Steigerung der Lebensqualität ist das Modell 100 Euro im Jahr, 10 Euro im Monat, 1 Euro am Tag für die Öffi-Karte.

Auch Kovacs wünscht sich den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Radanteils. Maßnahmen, die über die Legislaturperiode hinausegehen, fehlen ihm. Mehr Räder, Shared Space Konzepte, genug Platz und Grünflächen für jeden sind die Vision. Platzln sollen es den Leuten ermöglichen, sich wieder zu treffen und sich im Bezirk zu erholen.

Auch die Jungen Liberalen, vertreten durch Raimund Streitenberger, sehen die Verstopfung durch den Autoverkehr als zunehmendes Problem. Die Stadt Wien sollte die Bevölkerung animieren, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Park&Ride sei zu teuer, zu selten und zu wenig bekannt. Den U-Bahn-Ausbau hält er für wahnsinnig schleppend, was den Pendlern schade.

Auch die vermeintlich vielen Radwege, für die Autospuren aufgelassen werden, ist für ihn keine optimale Situation. „Weniger ist mehr“ soll hier der Ansatz sein, Streitenberger denkt an „Rad-Highways“ wie etwa in Holland.

Bei Grünflächen sehen die JuLis wenig Potenzial und setzen darauf, dass Bewohner des Bezirks ins Grüne fahren. Mehr als Bäume an der Straße können hier nicht verbessert werden.

Ausbau öffentlichen Verkehrs ist auch Streitenberger wichtig, er will aber dazu das Straßensystem massiv aufwerten, auch um die Einbindung in die europäischen Verkehrsnetze zu sichern. Umfahrungen, Untertunnelungen etc. sollen den Durchzugsverkehr verringern und den Wirtschaftsstandort stärken.

Max Pistauer vom Liberalen Jugendforum sieht ein soziales Problem, da vor allem ärmere Leute, oft Pendler, sich teure Park&Ride-Anlagen nicht leisten können und daher auf der Straße parken. Park&Ride soll für das LJF günstiger werden – durch eine Kooperation mit den Wiener Linien. „Volksgaragen“ sollen Parkplätze an der Oberfläche durch Grünflächen ersetzen. Die 132 Euro für das Parkpickerl im Bezirk findet Pistauer im Vergleich lächerlich günstig.

Die in der Diskussion erwähnte U5 scheint Pistauer zu teuer, beschleunigte Schnell-U-Bahnen kämen wesentlich günstiger. Auch eine Überdachung des Wien-Flusses inklusive Begrünung wäre ein konkretes Projekt für mehr Grünräume.

Wien als Verkehrsdrehscheibe ja, aber zum Großteil nicht mehr auf der Straße – das ist die Vision des Liberalen Jugendforums. Geld in die Infrastruktur! Pistauer: „Die Vision Ottakring 2040 ist voll von multikulturellem urbanen Leben mit attraktiven Plätzen und einem Öffi-Netz in hoher Frequenz“.

  • Super Diskussionsrunde, werde ich gleich mal weiterverlinken 🙂

    Danke fürs hochladen.

  • Stefan Egger

    Liebe Karin, sehr gerne – und danke fuers Weiterverlinken!! 🙂 LG Stefan/neuwal.com