Wir haben den Tipp von einem Insider bekommen, denn solche Änderungen bekommen oft nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen: Im Zuge der Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung hat der Fonds Soziales Wien (FSW) beschlossen, künftig einen Kostenbeitrag für Notschlafplätze einzuheben. Klingt doof? Ist es auch!

Obdachloser schläft auf einer Bank an der Straße, (C) sxc.hu / haloocyn
(C) sxc.hu / haloocyn

Konkret sollen künftig Notschlafquartiere nur noch zwei Monate kostenlos genutzt werden dürfen. Hat man es dann noch immer nicht „geschafft“, muss man vier Euro am Tag löhnen. Vier Euro, das klingt zuerst einmal läppisch. 120 Euro im Monat sind jedoch für Menschen, die auf Notschlafquartiere angewiesen sind, viel Geld.

Ein Erziehungseffekt ist durch die Maßnahme nicht zu erwarten, das wird wohl jeder so sehen, der schon einmal mit Menschen in der Gruft oder anderen Einrichtungen zu tun hatte. Wenige tun sich das freiwillig an, hier landen nur Menschen, die nicht mehr in unsere Gesellschaft passen. Sie können ihre soziale und wirtschaftliche Rolle nicht mehr erfüllen – doch deshalb dürfen wir sie nicht vergessen. Nur die wenigsten haben sich für dieses Leben entschieden, und auch dieser „Entscheidung“ gehen oft Schicksalsschläge oder menschliches Scheitern und Scham voraus.

Bisher wurden Nachtnotquartierplätze generell kostenlos vergeben. Was für ein Problem die Änderung – einmal abgesehen vom administrativen Teil – mit sich bringen wird, zeigt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer: diese beträgt sechs bis zwölf Monate, bei Menschen in Substitutionsprogrammen oder mit Haustieren (meist Hunde) auch oft länger. Diese haben ihr Einkommen großteils verbraucht und hätten somit keinen Zugang mehr zum Hilfssystem.

Die erwarteten Einnahmen sind bescheiden und stehen in keiner Relation zum Aufwand, speziell da sich wie gesagt kein Lenkungseffekt damit erzielen lässt. Die betroffenen können nur durch ausgezeichnete und anstrengende Sozialarbeit wieder in die Gesellschaft integriert werden – durch die Novelle wird dies gehörig erschwert.

neuwal.com ruft daher zur Unterstützung der „Initiative für kostenlose Notschlafplätze“ auf, die von der Wiener Wohnungslosenhilfe und dem Österreichichischen Berufsverband der Sozialarbeiterinnen Wien ins Leben gerufen wurde.