neuwal traf Werner Kogler im Grünen Parlamentsklub gegenüber vom Burgtheater in Wien. Werner Kogler ist Spitzenkandidaten der steirischen Grünen und zweiter Stellvertreter von Bundessprecherin Eva Glawischnig-Piesczek. Kogler tritt am 26. September 2010 zur Wahl in der Steiermark an.

Es ist knapp nach 18 Uhr, als wir uns im Medienraum im ersten Stock gegenüber sitzen. Werner Kogler scheint von einer Marathon-Sitzung zu kommen und zeigt sich kämpferisch.

Mit einem Stimmenanteil von 4.73 % landeten die Grünen bei den letzten Landtagwahlen in der Steiermark 2005 am vierten Platz: Hinter SPÖ, ÖVP und KPÖ und vor der FPÖ, Liste Hirschmann und dem BZÖ. „Traumziel“, so Kogler, „ist der Einzug in die Landesregierung.“ Dazu müssten die Grünen den Stimmenanteil fast verdoppeln.

Wir sprachen mit Werner Kogler über Ziele, Ideen und Wünsche der Grünen in der Steiermark. Wir redeten über Arbeit, Bildung und soziale Themen und mögliche Regierungsszenarien in der Steiermark und in Wien.

neuwal (Dieter Zirnig): Herr Kogler, wie beurteilen Sie die Ausgangssituation in der Steiermark?

Werner Kogler (Die Grünen): Er herrscht das Prinzip Stillstand. In den letzten 10 Jahren gab es einmal Schwarz-Rot und jetzt ist Rot-Schwarz. Und immer hat der Zweite den Ersten blockiert. Teils durch obszöne Streitereien und gegenseitige Blockaden. Steiermark hat gute Ressourcen und ich vergleiche es oft mit Oberösterreich.

Bei uns in der Steiermark wäre viel mehr drinnen – wir bringen aber viel weniger weiter.

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Wenn zwei streiten…

Das ist die Frage: Es ist nicht wichtig, wer Nummer 1 wird und wer wem am Wadl pickt. Sondern: Wer bringt die Dynamik in die Landeregierung? Ist es jetzt wieder nur die Option für die Blauen, die in der Steiermark eh nicht gut liegen? Oder können wir einen großen Zuwachs erreichen und damit in die Landesregierung kommen?

Unser Angebot richtet sich an die Rot-Grünen- und Schwarz-Grünen-Wechselwähler. Weil, die aufrichtigen Sozialdemokraten und wirklich christlich sozialen wollen nicht einmal die Option, dass die Blauen überhaupt eine Chance bekommen.

Das interessante ist, dass Voves die Blauen nicht ausschließt, sondern sie gerade dazu einlädt. Bei der ÖVP weiß man, dass sie in der Lage sind, dass zu tun und zu wollen. Auch wenn sie lieber die Grünen dabei hätten. Genau wie die SPÖ. Dafür müssen wir Grüne aber stark genug werden.

In Wahrheit ist für mich die Entscheidung: Grün oder Blau.

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Grün oder Blau?

In der Entscheidung gibt Grün wesentlich mehr Richtung vor. In Oberösterreich ist das hervorragend mit den grünen Arbeitsplätzen geglückt. Oberösterreich ist das Herzeigeland Nummer 1 in Europa. Wir in der Steiermark wollen Oberösterreich in den nächsten fünf Jahren ablösen. Wenn die grüne Regierungsbeteiligung da ist, werden wir in die Energie- und Umweltwirtschaft mit ökonomischen Zugängen reingehen.

Die Steiermark hat wesentlich bessere Voraussetzungen für dieses Projekt. Wir haben viel bessere natürliche Ressourcen: Sonne, Biomasse, Wind. Und vom Branding her ist der Universitätsstandort Graz nach wie vor gut, vor allem die Technik und Fachhochschulen. Man muß trotz der schlechten Unipolitik auch mal etwas loben zwischendurch. Es gibt auch sehr viele kleine innovative Unternehmen bei uns, die genau in diesem Segment unterwegs sind und wo ein Clustereffekt entstehen kann. Daher: Rahmenbedingungen schaffen und gezielt fördern.

Das ist mit Abstand die modernere Wirtschafts- und Umweltpolitik. Im Gegensatz zur Politik, dass alte Industrien gestützt werden: Es werden Thermen gefördert, wo kein Mensch mehr hingeht, weil es zu viele gibt.

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Oberösterreich und neue Bereiche investieren: Was gibt es gutes aus Oberösterreich, dass man für die Steiermark verwenden kann?

Ganz wesentlich ist der Bereich der Energiewirtschaft. Mir gefällt das Beispiel, wo in Kombination und Einwirkend auf den Arbeitsmarkt etwas gelungen ist. Während der Krise, die auch Oberösterreich sehr stark getroffen hat, wurden arbeitslose Fachkräfte für vorhandene umwelttechnologische Bereiche umgeschult: Umweltingenieure oder Energietechniker. Die ersten 500 Leute haben bereits einen Arbeitsplatz bekommen, weil die Firmen trotz Krise zugelegt und expandiert haben. Mit dem steirischen AMS könnte man das gleiche ganz sicher auch durchführen, weil wir auf diesem Sektor einen Arbeitskräftemangel haben.

Wir sagen: Nicht immer das alte fördern und halten wollen, sondern in Innovationsbereiche gehen.

Wie ist die soziale Absicherung dabei? Die Frage der sozialen Absicherung, die hier mitschwingt ist an anderer Stelle. Oberösterreich hat in der ersten Regierungsperiode eine Ausweitung des Sozialbudgets um jährlich 7 % generiert und konnten es auf diesem Niveau halten. Obwohl das eine bürgerliche Koalition ist.

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Was sind die größten Knackpunkte in der Steiermark?

Es gibt in unseren Herausforderungsfeldern jede Menge Angebote: Unsere Perspektive ist, Steiermark zur Öko-Wirtschaftsregion Nummer 1 zu machen. 20.000 Arbeitsplätze im grünen Arbeitsplatzbereich in der Legislaturperiode zu schaffen und damit die Arbeitslosenstatistik in der Steiermark um die Hälfte entlasten. Im sozialen Bereich gibt es zwei Ebenen. Die sind dem Bund ähnlich, mit dem es auch eine Budgetverflechtung gibt.

Wir möchten eine Umschichtung im Sozialbereich mit Hirn und Herz, weil nicht alles gleich gut funktioniert und bedarfsorientiert ist. Sparen an den Stellen, wo Geld hinausgeschmissen wird: Durch den Proporz und der Doppelgleisigkeit ist das in der Steiermark leicht identifizierbar.

Der rote Landeshauptmann steckt dem roten Bürgermeister Geld zu und der schwarze Vize dem schwarzen.

Entgegen der Finanzerfassung gibt es in der Steiermark Verfügungstöpfe mit zum Teil willkürlichen Entscheidungen, dieses Geld auszugeben nur für Gemeindedotierungen. Und es wird trotzdem gemacht. Das ist das Bild der alten Fürsten, die durchs Land reisen und das Geld verteilen. Sie werden in den Gemeinden Ehrenbürger, dafür dass dort irgendwelche Prestigeprojekte gemacht werden. Wir haben die Geschlechtertürme in der Landschaft, wo relativ sinnlose Projekte sehr viel Geld kosten. Im Sozial- und Bildungsbereich fehtt es uns aber.

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Ein Thema im Bereich der Arbeit ist das Prekariat. Wie wird das Thema von den Grünen in der Steiermark aufbereitet?

Unser Ziel im Wahlkampf ist der Einstieg in die zentralen Lebensfragen. Das sind Umwelt und Wirtschaft. Es ist allerdings die Frage der sozialen Absicherung. Wir müssen hier mit der Bundesgesetzgebung vorangehen und Mindestlöhne und Absicherung nach unten hin schaffen. Es ist von uns konzeptiv vorgesehen, dass man Neue Selbständige bei der Sozialversicherung entlastet. Kreative neue Unternehmen sind unsere beste Zielgruppe. Das Sicherungssystem soll es geben.

Das Land selber kann bei der Auftragsvergabe einwirken. Es gibt Unternehmen die nur ausgliedern und auf Werkvertragsbasis mehr oder weniger als Schein „Selbständige“ wieder einstellen. Wenn diese Unternehmen dabei ertappt werden, sollten sie von der öffentlichen Auftragsvergabe ein paar Jahre verschwinden. Das hilft sehr, da das Land sehr viele Aufträge vergibt. Hier kann man mitsteuern und manövrieren.

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Bei der Arbeit: Qualität der Arbeitsplätze. Soziale Absicherung. Wie gelingt es, dass die Qualität am Arbeitsplatz verbesert wir. Ist das ein Thema?

Letztlich geht es um die Erfüllung und das Glück der Leute.

In dem Fall für die Arbeitenden. Es ist so, dass Menschen sehr viel Selbstwert aus der Arbeit ziehen. Umso perverser ist es, dass dies zu einem größeren Problem wird durch Negativ-Stress und dann durch Burn-Out. Es gibt sicherlich gescheidere Leute als mich, das zu beantworten. Allerdings erkennen wir diese Themen und setzten diese auf unsere Agenda. Am Arbeitsplatz kann man begleitend eingreifen und Angebote machen, wo sich Leute über Hotlines informieren und andere Unterstützungsstrukturen nutzen können. Diese Dinge sind auf Länderebene angesiedelt.

Es hilft, wenn das wirtschaftspolitische Klima wieder so ist, dass nicht ständig das Klima vermittelt wird, dass alle runter fallen. Es muß das Gefühl da sein, dass niemand übrigbleiben darf. Derzeit entstehen bis hinein in die Mittelschichten Ängste, dass Leute abrutschen. Der erzeugt zusätzlichen Stress.

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Wie sieht eine grüne Steuerreform aus?

Die grüne Steuerreform hat zwei große Elemente. Das eine ist die ökologische Umsteuerung: Das Gute entlasten und das Böse belasten. Das Böse im ökologischen Bereich ist überzogener Ressourcenverbrauch. Hauptsächlich von endlichen Rohstoffen und dort wo viele Emissionen anfallen. Das muss tendenziell teurer werden. Das betrifft Kraftwerke bis hin zu Ölheizungen in Haushalten.

Und auch mit Sicherheit den Dieselpreis, der einer der niedrigsten in Europa ist. Das führt dazu, dass der Transit noch künstlich angeheizt wird. Sehr viele nehmen die Österreichroute, weil bei uns der Diesel so billig ist. Das ist ja völlig pervers.

Entlasten muß man bei der menschlichen Arbeit: Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Hier gilt: „Senkung der Arbeitkosten für die Unternehmer“. Dann sind Arbeitnehmer eher bereit, neue Arbeitskräfte einzustellen. Wir haben in Österreich mit Schweden und Frankreich die höchste Belastung weltweit. Man kann hier runtergehen, da jede Umlage auf den Lohn gelegt wird. Das führt dazu, dass weniger Arbeitskräfte nachgefragt werden.

Wir waren in den 90er-Jahren bei Umwelt- und Wirtschaftsthemen, Politiken und Steuern Vorreiter. Jetzt sind wir im Mittelfeld. Da ist noch Spielraum.

Die zweite Sache ist der Sozialaspekt – es geht in Richtung Budgetsanierung: Jeder weiß, dass er einen Beitrag geben muß. Wir waren nie auf Seiten der Steuerlügner. Nach Ausbruch der Krise haben wir gesagt, dass wir sie bekämpfen müssen und sie viel Geld kostet. Sie wird aber auch abgetragen werden müssen, da man nicht auf einem Schuldenberg sitzen kann.

Jetzt ist die Frage: Zahlen wieder die Massen, die schon zuvor dran gekommen sind oder machen wir vermögensbezogene Steuern. Hier ist Österreich ganz, ganz weit hinten. Wir sind bei den Arbeitssteuern Nummer 1 und bei den vermögensbezogenen Steuern Schlusslicht. Hier gehört ins System eingegriffen.

Das hat nichts mit Alt-Linker Philosphie zu tun, es ist die blanke innovative Sicht nach vorne.

Diese Art der Besteuerung führt zu mehr Gerechtigkeit und die Konjunktur nicht beeinflusst.

Vermögensbezogene Steuern bedeutet, dass Vermögenszuwächse, Kapitalgewinne stärker besteuert werden. Ebenso die Beseitigung von Privilegien, wie zb Stiftungsprivilegien, die der größte Steuerschwindel in Österreich sind. Die österr. Stiftungsgründer sind von ihrer Steuerpflicht weitgehenst befreit. Das können sich aber nur große Vermögen leisten. Wenn hier etwas gemacht wird, kann man sich schon Milliarden ersparen. Diese Ökosache muß immer im Gegenzug passieren. Die ÖVP geht her und sagt, na gut, machen wir halt keine Mehrwertssteuererhöhung sondern eine Ökosteuer. Um ‚oben‘ nichts zu machen. Das ist ein Öko-Schmäh der ÖVP ist Steuerfluchthilfe für Superreiche. Wenn jetzt nicht eingesehen wird, dass Banken, Konzerne und vorallem die Besitztümer einen Beitrag leisten müssen, dann ist es für immer zu spät. Dann fühle ich mich an den Klassenkampf erinnert. Wenn sich die jetzt durchsetzen und sagen, „Nein wir zahlen nichts“.

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Wie sehr ist die Steiermark von der aktuellen Unipolitik betroffen und was kann man hier verändern?

Steiermark ist von den Zuständen an den Universitäten und vom drohenden Kaputt-Sparen dramatisch betroffen. Nichts gegens Sparen! Ich sage ihnen etwas über das Sparen, wenn’s drauf ankommt.

Aber wie gesagt – Sparen mit Herz und Hirn. Es ist ja sogar regional-ökonomisch ein Wahnsinn, wie der Standort Graz davon profitiert, wenn hier „hineingeschnitzt“ wird.

Es drohen mehrere Prozent Kürzungen. Bei der jetzigen eher unintelligenten und simplen Anlage der Bundesschröpferei führt es dazu, dass wir auf jedem Standort mit einem Minus rechnen müssen: Egal ob in Graz oder Leoben. Wenn insgesamt ausgehungert wird, wird das Land auch nicht viel gegensteuern können. Ein riesiger Wirtschaftsfaktor und einer der wichtigsten überhaupt , wird schweren Schaden nehmen, wenn man da nicht dagegenhalten wird. Das werden wir auf Bundes- und Landesebene versuchen.

Was sind die Alternativen? Ohne Geld geht es nicht. In der Schulpolitik geht es gar nicht um mehr Geld, sondern um andere Strukturen – aber ziemlich andere Strukturen dafür. Bei den Universitäten ist das Geld die Voraussetzung. Das sagen auch Direktoren. Österreich hat die geringsten Akademikerquoten weltweit. Aus meiner Sicht ist es ökonomisch unverantwortlich, dass man hier wirklich an der falschen Stelle spart.

Unser Vorschlag: Anschubfinanzierung von mehreren hundert Millionen Euro, die man auch für die Infrastruktur verwenden kann. Vieles liegt auch baulich im Argen. Dann geht es um laufende und wiederkehrende Kosten: Personal. Jungwissenschaftler, die in die Lehre gehen, sollen gute Bedingungen haben. Die sind ja selber schon Prekariat, wissen nicht, was im nächsten Jahr passiert. Die ganz guten schauen gleich nach Deutschland, GB, USA und Kanada.

Da wird von oben herab eine sozial-ökonomische Vertreibung der besten Leute organisiert. Das ist völlig absurd und wir in der Steiermark nehmen davon großen Schaden. Wir sind immer ein relativ kreatives Grätzel gewesen. Das ist ein schlimmer Impact.

Woher nehmen wir das Geld? Wir brauchen 1,5 Mrd. neue Steuern um im nächsten Jahr über die Runden zu kommen. Es muß auch investiert werden. Dann nehmen wir eben 2 bis 2,5 Mrd. ein. Das Geld benötigen wir an Universitäten – und bei den Kindergarten. Dann
haben wir alle Zukunftssegmente bedient. Schulen müssen wir umorganisieren.

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Wo gilt es zurückzufahren?

Bei manchen Bereichen muß man zurückfahren: Wirtschaftsgroßbetriebe, die nichts innovatives leisten wollen.  Allen voran ist es die Universität, wo man Geld hineinstecken muß. Und das ist ein Bekenntnis. Wir brauchen dazu die Bundesmittel. Ein Punkt von Voves ist hier nicht ganz verkehrt: Schauen, wie die Steuerpolitik auf Bundesebene läuft. Die Budgets können wir ohne einnahmeseitige Maßnahmen nicht sanieren können. Und schon gar nicht die paar hundert Millionen Euro, die wir hier brauchen zusätzlich erwischen. Das Geld ist zu organisieren in einem Bereich, wo anderwertig eh Milliarden gezahlt werden.

Mischung aus ökonomischer Vernunft und sozialer Ausgewogenheit: Investieren mit Hirn und Sparen mit Herz.

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Die Grünen können sich in der Steiermark Rot-Rot-Grün vorstellen. Wie muß sich die KPÖ verändern?

Das ganze ist ein Zitat von mir. Vorstellbar ist vieles. Allerdings ist es unrealistisch, weil die KPÖ weit weg vom Einzug in den Landtag ist. Ich möchte damit sagen, dass die Koalition keine ideologische Punze hat. Mathematisch geht sich immer Schwarz-Grün aus. Wir hatten einmal die Möglichkeit auf Rot-Grün, die war in Salzburg. Die wollten wir. Frau Burgstaller – was ihr Recht ist – hat es aber nicht gewollt und auch heftig abgelehnt. Zum Teil hat sie diese Option auch mit nicht schönen Worten bedacht. Das ist Geschichte.

„Warum nur Schwarz-Grün“ wird ja immer vorgehalten. Erstens braucht man eine Mehrheit und es muß sich ausgehen. In Graz und in Oberösterreich gibt es halt eben nur Schwarz-Grüne-Mehrheit und keine andere. Und man muß etwas herausverhandeln.

Für die theoretische Restwahrscheinlichkeit, dass man die KPÖ dazu überhaupt braucht, wird man sie natürlich auch fragen. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass sie nicht gestalten wollen. Sie sitzen im Landtag und die Mandate verkommen. Sie schaffen es zwar – jetzt nicht mehr, aber damals – und das war ja auch das große Vergehen der Kommunisten in dieser Wahl 2005, unter zarter Verrat, weil eine Stimmung gut erkannt und genützt und hervorragend in Stimmen umgesetzt wurde. Die Stimmen werden zu Mandaten und dann ist das passiert, was der Inbegriff eines Mandates eigentlich schon begrifflich zum Ausdruck bringt: Dort ist für nichts gekämpft worden.

Das ist das Problem. Es gibt schon schöne Reden zum guten Gewissen, aber das reicht nicht.

Der Landtag ist keine Kanzel.

Hier muß man schon etwas erreichen wollen. Jetzt hat es sogar eine Rot-Rote-Mehrheit gegeben. Aber die haben beide nichts probiert. Das ist ja das Phänomen. Wir probieren etwas, wenn etwas geht. Und da halten wir uns zu Gute. 85 % der GrünsympatisantInnen wollen, dass wir auch regieren oder Regierungsverantwortung anstreben. Das ist für uns eines der Wahlmotive, das wir liefern wollen: So viel stärker werden, dass sich das auch ausgeht.

Wenn es notwendig ist, sich gar nichts andere ausgeht und alles still steht und wieder nur Rot-Schwarz und Schwarz-Rot sich blockieren, ist das auch vorstellbar. Und – so war das Zitat – dann ist es eben „vorstellbar“.

Und dazu stehe ich. Es ist halt nur viel ferner der Realität als andere Optionen. Allein schon, weil die Kommunisten eine komische Abwärtsbewegung mitmachen.

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Sie setzen im Wahlkampf auf Facebook, Twitter und bewerben ihre Website sehr offensiv. Sie setzen diese Tools sehr stark ein – wie empfinden sie das Ergebnis, was bringt es ihnen. Bekommen sie mehr Feedback?

Ich bin mittlerweile zum überzeugten Mitbetreiber dieser Möglichkeiten und Plattformen geworden. „Vom Saulus zum Paulus“ ist das richtige Sprichwort. Und zwar aus zwei Gründen: Es arbeitet und funktioniert und ist aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Und viele sozialisieren sich informationsmäßig so.

Ein zweiter Grund sind die traditionellen Medien, speziell im Print-Bereich und im verstaatlichten Fernsehen und Rundfunk, die zunehmend immer weniger Themen zu lassen. Sie scheuen Themen und Konflikte. Konkret im Wahlkampf gibt es dieses angebliche Nummer-1-Rennen, dass alles beherrschen soll.

In Wahrheit sind die Unterschiede zwischen Rot und Schwarz sehr gering. Es wird das ganze völlig verzerrt dargestellt. Man glaubt, es wird der Landeshauptmann gewählt und nicht der Landtag. Und hier spielen die Medien sogar noch mit – und das geht völlig in die falsche Richtung. Unabhängigere Auftrittsformen sind hier nicht nur authentischer, weil es immer 1:1 ist, was man rausstellt, sondern eine Notwendigkeit. Sonst geht man ja komplett unter, wenn man nur auf das angewiesen ist.

Wir haben die Rot-Schwarze-Dominanz im ORF, der fast nichts anderes zulässt als diese beiden Parteien.

Umgekehrt gibt es die Printmedien, die immer enger berichten und gleichzeitig sehr huldigend den beiden Großparteien gegenüber treten. Wir müssten soetwas technologisch suchen oder erfinden. Insofern muß man die vorhandenen Plattformen nutzen. Insofern bin ich dabei wirklich ein Bekehrter.

Bei Twitter bin ich schon längern – bei Facebook nicht so lange. Ich sage auch ganz offen dazu, dass ich Facebook nicht nur alleine befülle. Mein kleiner aber feiner MitarbeiterInnen-Stab hilft mir dabei. Ich beantworte manches persönlich, manches wird aber auch von einem Mitarbeiter hineingestellt und das ist in der Regel auch erkennbar.

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Was ist das Wunschergebnis?

Traumziel für die Grünen ist der Einzug in den Landtag. Das beginnt ab 8,5 bis 9 Prozent. Dazu müssten wir uns fast verdoppeln. Ich bin nicht durchgeknallt.

Aber es liefert den Leuten ein Ziel. Es liefert den Leuten ein großes Motiv, wenn man die derzeitige Blockade aufbrechen möchte. Für die Grünen selber wäre jedes Plus schon ein Erfolg.

Unser Ziel muß mindestens ein Mandatsgewinn sein. Wir halten derzeit bei drei und es sollten vier werden. Aber da müssen wir uns in der schwierigen Situation schon sehr anstrengen. Das strategische Ziel und das Beste für die Steiermark wäre der Einzug in die Regierung. Das ist nicht aus der Welt. Wir laufen und kämpfen darum.

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Finden Sie, dass van der Bellen richtig eingesetzt wird und wurde? Wie beurteilen sie die Wienwahl?

Seit er nicht mehr Bundessprecher ist, macht er im Bereich der Außen- und Europapolitik hervorragende Figur. Das ist auch genau sein Bereich. Er wird mich in der Steiermark unterstützen und im Wien-Wahlkampf eingreifen und eine tragende Rolle spielen.

In Wien gibt es die Frage: Gibt es Grün-Rot oder gibt es Schwarz-Rot? Die Roten werden immer dabei sein. Die einzigen, die nicht dabei sein werden sind die Blauen. Das in Wien inszinierte Match lautet Rot-Blau und beide glauben, davon zu profitieren. Vermutlich ist es auch so. Rot gegen Blau ist nicht das Match. In Wahrheit geht es, ob Grün oder Schwarz entsprechend revisieren. Weil die werden in die Regierung kommen. Ich gehe davon aus, dass die Roten die Absolute verlieren. Es wäre auch an der Zeit. Und dann ist die Frage: Wer ist der Richtungsgeber.

Strache wird niemals Bürgermeister von Wien. Er wird zehnmal schneller Hausmeister in Belgrad.

Insofern ist zumindestens unter denen die Mitdenken können die wirkliche Frage eine andere: Geht die SPÖ unter die Absolute (was ich befürworten würde) – da braucht sich keiner vorm Strache fürchten – bekommt dann Frau Marek, gegen die ich grundsätzlich nichts habe, aber die Kolonie dahinter ist in Wien etwas konservativ. Oder eben die Frau Vassilakou ein Mandat mit?

Das selbe Bild wie bei uns nur auf einenm anderen strategischen Tableau: Wir versuchen, den Spotlight etwas zu verschieben. Die wirklichen Richtungsfragen sind nicht bei denen, die sich wie der Gockel am Misthaufen präsentieren und möglichst viel herumhupfen und herumkrähen. Also diese Nummer-1-Typen.

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Was ist ihr Wunsch an die Steiermark?

Ich habe einen inhaltichen Wunsch. Ich halte die Ökowirtschaftsregion Nummer 1 für eine reale Vision. Das ist möglich und das ist sinnvoll und das geht. Bei sozialer Absicherung. Der Wunsch für die Steiermark ist schon, dass dieses Proporzsystem verschwindet und es mehr Transparenz damit einkehrt.

Dann kann man wieder Entscheidungen treffen. Solange es den Proporz gibt, ist es gut, wenn die Grünen in den Landtag kommen. Dann können wir zumindestens innerhalb dieser Blockade Mehrheiten erzeugen. Das ist dann das Modell Oberösterreich und das ist mein Wunsch an die Steiermark. Für die nächsten 5 Jahre. Langfristig wollen wir das Bundesland Nummer 1 werden in der Öko-Wirtschaftsregionskategorie.

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Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Wahlen!

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.