Manuel Daubenberger (24) schreibt gerade seine Magisterarbeit in Politikwissenschaften. Vor einem Jahr hat er den Entschluss gefasst, dies in Lateinamerika zu tun. Mittlerweile ist er in Quito, Ecuador angekommen und wird für neuwal von dort berichten – mit zunehmend politischem Schwerpunkt. Viel Spaß bei der Lektüre!


Der Anflug auf Quito, Ecuador - (CC) Manuel Daubenberger
Der Anflug auf Quito, Ecuador - (CC) Manuel Daubenberger

Freitag, 10. September:

Eine Woche ist nun schon vergangen, seit ich gefühlte fünf Meter über den Hausdächern Quitos gelandet bin. Viel ist seither passiert, es wird Zeit für eine erste Bilanz:

Wie ist Quito?
Vor allem zwei Adjektive beschreiben Quito: Hoch und lang. Auf 2800 m über dem Meeresspiegel gelegen, ist Quito höchste Hauptstadt der Welt. […]  Nicht umsonst gewinnt die ecuadorianische Nationalmannschaft regelmäßig gegen stärkere Gegner zu Hause, den Brasilianern oder Argentiniern geht spätestens nach 70 Minuten die Luft aus.

Quito ist aber nicht nur eine der höchsten Großstädte der Welt, sie ist auch gemessen an nur zwei Millionen Einwohnern eine der längsten Städte der Welt. Umgeben von Bergen ist sie selten breiter als drei Kilometer, zieht sich aber über 30 Kilometer durch ein Tal. Und die Einteilung ist sehr klar, im Norden leben die Reichen, im Zentrum die Mittelschicht und im Süden die Armen. […]

Wie ist die Uni?
Reich und schön. […] Mit 4000 Dollar Studiengebühren pro Semester können an der Universidad San Francisco de Quito nur die Reichsten der reichen Ecuadorianer studieren. Dafür ist das Studienangebot und die Universität großartig. […] Ich belege den Kurs „Temas de Latinoamérica“ und wenn ich gerade folgen kann, ist es sehr interessant, Diskussionen über die lateinamerikanische Politik aus einer anderen Perspektive zu hören.

Wie wohne ich?
Ich wohne zur Untermiete bei einer sehr netten 29-jährigen Ecuadorianerin, die in einem Outdoor-Reisebüro arbeitet. Die Wohnung liegt in einer „Gated Community“ im Norden Quitos. Zu meiner großen Beruhigung war der einzige Zeitpunkt, an dem das Tor nicht verschlossen und kein Wächter zu sehen war, als ich letzte Woche um ein Uhr nachts angekommen bin.

Wie bewegt man sich in Quito fort?
Der öffentliche Nahverkehr ist im Verhältnis zu dem, was ich aus Mittelamerika kenne, sehr gut ausgebaut. Drei Metrobusse fahren auf Extraspuren sehr zügig die wichtigsten Hauptverkehrsstraßen ab. Die Extraspuren werden dementsprechend auch gerne von Joggern, Radfahrern und Polizeieinsatzfahrzeugen genutzt, was in Kombination mit den Bussen zu spektakulären Manövern führt. […]

Wie sicher ist Quito?
Dazu kann ich sicher erst etwas sagen, wenn ich etwas länger hier bin. Aber der erste Eindruck ist sehr gut. In den Bussen darf man seinen Rucksack natürlich nicht aus den Augen lassen und nachts sollte man ein Taxi nehmen, aber momentan fühle ich mich hier wesentlich sicherer als in den meisten lateinamerikanischen Ländern, die ich kenne.

Fürs Erste soll es das gewesen sein. In der nächsten Woche werde ich wohl zum ersten Mal das Nachtleben erkunden, mit einer ecuadorianischen Zufallsbekanntschaft den Süden Quitos anschauen und zum ersten Mal das Fußballsozialprojekt besuchen, in dem ich in den nächsten Monaten Englisch- und Computerunterricht geben werde.

Entonces, hasta la próxima!