Im Grunde genommen könnte sich die Wiener SPÖ genüsslich zurücklehnen und die Wochen bis zur Wahl am 10. Oktober am Würstelstand verbringen. Denn die Oppositionsparteien bemühen sich scheinbar nicht gerade sehr, die Absolute der Roten zu brechen. Wie ÖVP, FPÖ und die Grünen Wahlkämpfer für Häupl wurden…

Michael Häupl geht es gut. Das zeigt auch der von der SPÖ gestartete Wohlfühlwahlkampf. Überall in Wien sieht man Plakate der Stadt Wien (?!), die zeigt, wie wunderbar in der Bundeshauptstadt alles funktioniert. Man hat keine Lust (und sieht wohl auch keinen wahrhaftigen Sinn) sich auf einen Kampf mit Heinz-Christian Strache einzulassen. Und weicht auch schon mal allen Annäherungen von Volkspartei und den Grünen aus. Warum denn auch … vielleicht bleibt es ja bei einer Absoluten.

(via derStandard.at | APA)

Die ÖVP zum Beispiel: Plakatiert die doch wirklich den Spitzenkandidaten der Partei, der man die Absolute zunichte machen will. Und Michael Häupl sieht, das muss man wohl zugeben, lockerer und jugendlicher aus, als auf den SPÖ-eigenen Plakaten. „Frischer Wind für Wien“, heißt die Kampagne, die eigentlich endlich mal Christina Marek zu Höhenflügen verhelfen sollte. Denn so wie es aussieht, wird die ÖVP auf den dritten Platz zurückfallen, schickt zwar immer böse SMS (die dann in der U-Bahn-Gratiszeitung „Heute“ veröffentlicht werden), aber recht viel mehr als eine Militärstreife und U-Bahn-Sicherheitschecks sind mir bisher nicht im Gedächtnis geblieben.

Vielleicht denken sie aber auch ganz einfach: Wenn wir schon sein Konterfei plakatieren, muss er doch unbedingt mit uns in einer Koalition gehen. Vielleicht ist es ja die pure Verzweiflung, nach einem erneut großartigem Ergebnis für die SPÖ und einem enormen Zuwachs für die FPÖ gemeinsam mit den Grünen in der Versenkung zu verschwinden. Und vielleicht … ja, vielleicht haben sie einfach nicht genügend nachgedacht.

(Dazu: ein Beitrag von Martin Gessoni, hier auf neuwal)

(via Helge Fahrnberger | helge.at)

Und dann wären da die Freiheitlichen. Wenn man es sich genau überlegt, ist der Wiener FP-Wahlkampf nach dem Muezzin- und Minarett-Abschießspiel der steirischen FP eigentlich überraschend ruhig unterwegs. Okay, die Diskussion ums „Wiener Blut“ erzeugte große Wellen, jeder hatte dazu etwas sagen, Michael Jeannee zeigte sogar eine bisher an ihm nicht gekannte Seite. Aber mit der ersten Wahlkampagne hat die FPÖ gezeigt: Wir haben wirklich keine anderen Themen außer den Fremdenhass weiter zu schüren.

Die Stammwähler der FPÖ werden Straches Grinsen mit Freude genießen, und kopfnickend hoffen, dass ihr Messias das „Wiener Blut“ reinhalte. Als Protestpartei verliert die FPÖ aber durch solche Kampagne mehr und mehr an Wert. Eine Partei, die sich mehr und mehr (durch verschiedenste Aktionen) einer vergangenen Zeit annähert (ja, genau so kommt es mir nämlich vor), steht für den durchschnittlichen Wähler eben – und hoffentlich – nicht zur Debatte.

(Dazu: Stefan Eggers Kommentar zur Wahlkampagne und seine Kritik am Umgangston der „lieben Linken“)

(via faramarz | flickr)

Aber was machen die Grünen, was die SPÖ in Wien so freut? Sie zerstreiten sich. Immer und immer wieder. Wahrscheinlich ist das nichts Außergewöhnliches, aber da die Grünen es sehr mit der Transparenz haben, werden solche Konflikte auch ganz transparent ausgetragen. Da spaltet man sich zum Beispiel ab, und ist plötzlich „Echt Grün“ oder was auch immer. Und zuletzt hüpft auch ein grüner Bundesrat zur SPÖ Wien. Das Bild ist wahrlich nicht schön, dass die Grünen in den vergangenen Wochen von sich zeigten. Was früher eine grüne Alternative war, wirkt jetzt etwas verwelkt, hilflos verstört in den Windungen der Mainstream-Politik. Wo eben jeder Politiker seinen Geltungsbereich verlangt. Und dass es schwierig ist, einen alteingesessenen Politiker – hart gesagt – auszutauschen, hat schon die Causa Voggenhuber zur EU-Wahl gezeigt.

(Dazu: ein Video aus der Ameisenrunde, in der sich „Echt Grün“ vorstellt)

Die SPÖ Wien kann sich glücklich schätzen. Dass so viele Parteien so deftige Schnitzer fabrizieren, ist eigentlich ein aufgelegter Freistoß. Die SPÖ muss jetzt nur noch seelenruhig vor sich hin schippern, weiter vorgeben, dass man sich wunderbar wohl fühlt in der Stadt und schließlich am 10. Oktober 2010 den Sieg einfahren.

Mal sehen, ob es wirklich so einfach werden wird. Oder ob sich ÖVP, FPÖ oder die Grünen bis dahin wieder auf die Beine stellen und einen „sinnvollen“ Wahlkampf fabrizieren. Aber das, was bisher von ihnen kam, war wohl wirklich nur ein schlechter Scherz.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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