Wir kennen das Niveau der FPÖ. Ihr Hauptziel ist es immer noch zu provozieren, um so die Herrschaft in  den Medien zu erstürmen und die scheinbare Themenhoheit herauszufordern. Mit dem Wiener Blut hat es in Wien begonnen, und dass man auch im grünen Herz Österreichs große Angst vor Fremdem hat.1913,45 Prozent Zuwachs bei der islamischen Bevölkerung in der Steiermark, laut Statistik Austria. Was ja natürlich sofort bekämpft werden soll.

Nur kurz war das Moscheen-Spiel der steirischen FPÖ im Internet, und doch hat es sein Ziel erreicht: die Medienpräsenz war hoch, einmal mehr konnte das Thema „Islam“ mit unpassenden Konnotationen aufgeladen werden.

Und irgendwie dachte ich mir: das kommt mir doch sehr bekannt vor. Das Spiel (mit dieser unglaublich aufwändigen Grafik) hab’ ich doch schon einmal gesehen. Und siehe da. Schon die SVP, die Schweizer Volkspartei, hatte dasselbe Spiel (unter dem Namen “Minarett Attack“), dass sie, passend zur damaligen Anti-Minarett-Kampagne,laufen ließ.

Viel Lärm um einen müden Schmäh

Worum drehte sich die Aufregung? Nichts Neues im Grunde genommen. Der geneigte Besucher von www.moschee-baba.at konnte Muezzins von Moscheen schießen, eine „lustige“ Idee, die nun für eine „Steiermark ohne Minarette und Moscheen“ werben sollte. Denn das Spiel sagt ja: die Steiermark ist voll davon.

30 Moscheen gibt es bisher in der Steiermark, und laut der Seite “derislam.at”, sind die 19.007 Bewohner mit dem Islam als Glauben, nur 1,6 Prozent der gesamten steirischen Bevölkerung. Das ist der zweitniedrigste Wert in ganz Österreich, nur Burgenland hat mit 1,4 Prozent noch weniger Menschen mit islamischem Glauben.

Aber das kennen wir doch schon: wie auch Burgenlands Landeshauptmann Niessl schürt man Ängste vor etwas, was nicht da ist. (im Burgenland: Scharen illegal einreisender Leute aus dem Osten; in der Steiermark: eine “Islamisierung”).

Und überhaupt: Heinz-Christian Strache schafft es nun wirklich, ein Wort vollkommen neu zu besetzen. Schon Jörg Haider machte aus Asylwerbern drogendealende, kriminelle Menschen, und Strache schafft es, dem islamischen Glaube die Terrorismusglocke überzustülpen.

Von den Grünen zu Fall gebracht


Vom grünen Landtagsspitzenkandidaten Werner Kogler zur Anzeige gebracht, nahm die FPÖ das Spiel nach einigen Tagen wieder aus dem Internet. FPÖ-Spitzenkandidat Gerhard Kurzmann hatte zuvor noch darauf bestanden, das Spiel bleibe online. Die Staatsanwaltschaft schaffte es aber doch, und das Spiel ging offline.

Kurz danach tauchte es auf zwei bekannten Neonazi-Seiten im Internet auf. Die FPÖ und Kurzmann sowie der Entwickler sprechen von Datenklau, die Grünen haben neue Anzeigen eingereicht: gegen die Betreiber der beiden betroffenen Websites wegen des Verdachtes der Verhetzung und der Herabwürdigung religiöser Lehren. und gegen die FPÖ, diesmal wegen Verdachts der Anstiftung und Beihilfe zur Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren. Inzwischen ist das Spiel übrigens auch nicht mehr auf den Neonazi-Homepages verfügbar.

Ein Elfmeter für die Blauen


Natürlich durfte der Hinweis auf das provokante Zitat Anas Schakfehs („Eine Moschee für jedes Bundesland“), auch unter den Islam-Anhängern in Österreich nicht unumstritten, nicht fehlen, was erneut beweist, welch schönen Elfmeter der Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich den Blauen hier aufgelegt hat.

Das Spiel ist offline – alles gut?


Leider nicht. Was bleibt, ist nicht nur ein schaler Nachgeschmack. Mit jeder derartigen Aktion, mit jeder medial begleiteten dummen Aussage, jedem klebrigen Schüttelreim bleiben Vorurteile haften, die gesellschaftliche und religiöse Vorbehalte schüren – und das ist auch ihr Ziel.

Umstellung auf saubere Energie


Die FPÖ bezieht ihre Energie aus der Spaltung – nicht von Atomkernen, sondern der Gesellschaft. Es wäre höchst an der Zeit, auf eine alternative Form politischer Energiegewinnung umzusteigen!
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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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