Es geht ja, ich hab das schon mal erwähnt, bei Wahlwerbung nicht unbedingt darum, besonders exzellente Kampagnen „draußen zu haben“ – sondern eher darum, die argen Schnitzer zu vermeiden. Wenn man bedenkt, in wie viele Fallen man dabei tappen kann, ist allein dieses Ziel ambitioniert.

Wir erinnern uns an die „Ohne Mut keine Werte“ Kampagnen der Bundespräsidentschafts-Kandidatin Barbara Rosenkranz und an den Spaß, den viele Filzstiftler damit hatten.

Für die neue Anzeigenkampagne der ÖVP Wien ist der Filzstift gar nicht nötig – die Kampagne ist auch so ein waschechter „Selbstleger“.

ÖVP Wien Wahlplakat. neuwal
ÖVP Wien Wahlplakat. neuwal

Gehen wir es phänomenologisch an: Was sehen wir auf den großformatigen Printanzeigen? Wir sehen einen Michael Häupl, gar nicht mal besonders unsympathisch dargestellt, dem ein frischer Windstoß die bürgermeisterliche Krawatte lustig vom Hemd weht. Dementsprechend dynamisch auch der Anstellwinkel seiner Haare. Daneben steht die kurze, knappe und eindeutige Headline: frischer wind für wien.

Und somit ist die Anzeige auch schon decodiert: Eine für Wahlkampagnen ungewöhnlich heitere Darstellung des Spitzenkandidaten.

Dass der frische Wind für Wien von links kommt, ist eine schöne aber vielleicht etwas zu versteckte Idee. So wirklich wundert man sich nur übers Logo und die URL.

Wollen wir die eingebauten Selbstleger in dieser simplen Anzeige zählen?
Ich steh grad bei vier. Und Sie?

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