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20 % der Parkplätze für die Leute reservieren, die im 1. Bezirk wohnen. Anrainer sollen dort fahren dürfen, wo auch Taxis fahren dürfen. Kleine Geschäfte sollen auch am Sonntag geöffnet haben. Der 1. Bezirk soll ein Vorbild für Österreich oder sogar ganz Europa werden. Wir möchten Elektrobusse einführen.

Dr. Karl Newole von der Bürgerinitiative „Wir im Ersten“ hat klare Ziele, die Wohnbevölkerung im 1. Bezirk stärken kann. Die Bürgerinitiative möchte sich für das „kleine Geschäft“ einsetzen. „Das ist etwas, dass das Flair in der Stadt ausmache“, so Karl Newole. Er weißt darauf hin, dass die derzeitige Bezirksvorsteherin Ursula Stenzl den Platz Räumen sollte, da sich mit ihr überhaupt gar nichts ändert.

Ändern möchte Newole die Wohnsituation im 1. Bezirk. Mittlerweile leben nur mehr zwei Dutzend Menschen auf der Kärntner Straße.

Bei der Ameisenrunde am 23. August mit neuwal und ichmachpolitik.at haben wir mit Karl Newole gesprochen. In einer 4-minütigen Kurzpräsentation erläutert er seine Ziele und Ideen – im Anschluß daran gibt es drei Fragen von uns.

ameisenrunde neuwal und ichmachpolitik.at, Karl Newole von Wir im Ersten - Bild (C) by karola riegler photography, on Flickr


Transkript der Video-Kurzpräsentation

Mich freut’s, dass ich hier in der Ameisenrunde bin. Ameisen, wie man so liest, essen Elefanten. Ich habe noch nie gehört, dass Elefanten Ameisen essen, insofern sind wir hier in der richtigen Runde. Unser Programm: Wir im Ersten ist eine Liste unabhängiger Bürger. Wir verfolgen drei Sachen:

1. Der erste Bezirk soll wieder ein Wohnbezirk werden.
Seit 1950 ist die Wohnbevölkerung im 1. Bezirk um 50 % zurück gegangen. Das ist kein Zufall und das wollen wir ändern.

2. Wir glauben, dass die Politik zu wichtig ist, um sie den Berufspolitikern zu überlassen.
Es ist an der Zeit, dass wir freie und unabhängige Bürger uns wieder in unsere eigenen Anliegen einmischen. Wir wollen Bezirkspolitik ohne Parteipolitik machen. Wir finden, dass es in Ordnung ist, wenn es innerhalb eines Bezirks oder einer Stadt einen Bereich gibt, in dem die Menschen nicht durch Parteipolitik polarisiert werden.

3. Ursula Stenzel, die derzeitige Bezirksvorsteherin muß weg.
So lang sie da ist, ist das alles nicht möglich. Weil ihr Programm lautet „No Change, no hope“.

neuwal: Was sind ihre Kernanliegen im 1. Bezirk, was möchten sie verändern?

Karl Newole: Wir würden alles tun, um die Wohnbevölkerung zu stärken und helfen ihen, im 1. Bezirk wieder leben zu können. Und nicht so zu enden wie in Venedig: Ein Venedig ohne Venezianer zu haben. Wir wollen alles tun, um nicht in einem Museum zu leben. Wir wollen einige keinen täglichen Alltagspunkte realisiert wissen und einige größere. Von den kleineren zum Beispiel:

  • 20 % der Parkplätze reservieren für die Leute, die dort wohnen.
  • Wir wollen, dass die Anrainer dort fahren dürfen wie auch Taxis fahren dürfen. Das erspart wahnsinnig viele Umwege und schützt auch die Umwelt.
  • Wir wollen, dass kleine Geschäfte bis zu 60 Angestellte auch am Sonntag offen haben um die Nahversorgung zu sichern. Und nicht so absurderweise, wie alle gezwungen werdenm zu den Bahnhöfen zu pilgern und dort einzukaufen.
  • Wir wollen auch die Verantwortung übernehmen, dass der 1. ein Zentrum Österreichs, der Verwaltung der Touristen. Wir möchten über Österreich hinaus denken und ihn als Vorbild für Österreich oder sogar ganz Europa machen: Wir möchten Elektrobusse einführen.

neuwal: Was ist so toll im Ersten, warum soll man dort wohnen und wie bewegt man die Menschen dort hinzuziehen?

Karl Newole: Ein Zentrum lebt davon, dass es von Menschen bevölkert wird, die dort wohnen. Die kleinteilige Wirtschaft und nicht die großen anonymen Ketten, die immer mehr an Überhand nehmen. Sie haben ihre Berechtigung, aber die kleine Wirtschaft, das Kaffeehaus, das kleine Geschäft, der kleine Handwerker – das ist etwas, dass das Flair in der Stadt ausmacht. Wenn das verloren geht, geht viel verloren. Auch für Touristen. Wenn Touristen nach Wien kommen und soetwas vorfinden, werden sie sich auch nicht angenehm fühlen. Wir wollen alle diese kleinen Punkte stärken und wollen auch, dass die Bezirksvorsteherin weg geht. Weil wenn sie da ist, ändert sich überhaupt gar nichts.

neuwal: Wie sehen sie den ethnologischen Mix im 1. Bezirk. Möchten sie etwas Buntheit hinein bringen oder sagen sie Touristen und Hofratswitwen reichen uns?

Karl Newole: Wie sich eine Bevölkerung zusammen setzt kann und soll man nicht steuern. Das ergibt sich, wie es sich ergibt. Wenn das so weiter geht, dass wir jedes Jahr weniger Leute haben, dann stellt sich diese Frage nicht mehr. Mittlerweile leben auf der Kärntner Straße nur mehr zwei Dutzend Menschen überhaupt. Dann ist es schon egal woher sie kommen und wohin sie gehen. Es geht überhaupt einmal darum Platz für Menschen zu finden, die dort leben und nicht jede freie Fläche ein Hotel oder Shopping Center wird, sondern, dass eben auch die Leute die Möglichkeit bekommen dort zu wohnen. Oder auch im oberen Bereich, wo sich die Städte verdichten, auch ein Konzept entwickelt, wie das geht. Natürlich muß man kleinere Geschäfte zum Teil fördern, weil sie sich das vielleicht von den Mieten her nicht leisten können. Aber OK, das alles zusammen ist Planungspolitik und wird momentan nicht gemacht. Momentan gibt es keinen Plan. Es gibt nur die Frau Stenzel und „No change und no hope“.

 

Diskussionsrunde

In der sehr fair und offen geführten Diskussion traten Angelika Mlinar (LIF), Karl Newole (Wir im Ersten), Manfred Rakousky (Echt Grün, VI) und Nikolaus Scherak (Junge Liberale) aufeinander.

» Mehr zur Ameisenrunde-Diskussion gibt es hier

Ameisenrunde neuwal und ichmachpolitik.at - Bild (C) by karola riegler photography, on Flickr


Der 1. Bezirk als Wohnbezirk und Biildung als Rohstoff
„Es gibt ein Planbudget von 11 Mrd. EUR in Wien. Davon bekommt der 1. Bezirk 4 bis 5 Millionen EUR“, erklärt Karl Newole von „Wir im Ersten“ hin. Das Budget, das an Bezirke ausgewiesen wird, berechnet sich aus drei Faktoren: Bevölkerungsanzahl, Fläche und Betriebsstätten. Sieht man auf die sinkenden Einwohnerzahlen im 1. Bezirk, so hat dies dramatische Auswirkungen auf kommende Budgets. Karl Newole möchte den 1. Bezirk wieder als Wohnbezirk ausgestalten und für die Bewohner das Budget transparenter gestalten. Er kann sich vorstellen, jede Buchung und Überweisung transparent und wochenaktuell ins Internet zu stellen. Denn, die Bürger sollen es wissen. Newole beanstandet die Unterdotierung des Bildungsbereichs: Während Banken 1.5 Mrd. Euro an Zuschüssen bekommen, kämpft die Bildung um ein paar 100.000 Euro. Bildung ist der Rohstoff, mit dem wir in Europa weiterkommen.

Eigene Budgettöpfe für Kultur und Wissenschaft – Verbreiterung des öffentlichen Raums
Manfred Rakousky von Echt Grün wünscht sich eine Stärkung der Bezirke. Rakousky möchte in seinem 6. Bezirk über neue Budget-Töpfe verhandeln: Kultur, Wissenschaft um in den Bezirken mehr gestalten zu können. Im Bezirk legt er den Schwerpunkt auf den öffentlichen Raum: Park, Rad, Fussgänger und Verbreiterung des öffentlichen Raums statt auf den Verkehr zu fokusieren. Rakousky möchte, dass die Schulsanierungspakete möglichst sinnvoll investiert werden: Da die Nachfrage nach Tagesschulen steigt, sollen derzeitige Schulen mit Aufenthalts- und Essräumen ausgestattet werden. Er wird verstärkt ein Auge darauf legen, was freundlichere Kurszeiten bei Deutschkursen für Migranten betrifft.

Neue Mittelschulen, Transparenz, Ausbau des Universitätsstandorts Wien
Angelika Mlinar vom Liberalen Forum setzt sich dafür ein, dass Wien ein Reformmotor für Österreich wird. „Das LIF ist eine klare Bildungspartei und möchte die neue Mittelschule flächendeckend in Wien einführen“, so Mlinar, die in ganz Wien zur Wahl 2010 antreten möchte. Sie sieht in der Reduzierung der Administration ein großes Einsparungspotential. Das LIF macht sich für eine transparente Verwendung der Mittel stark und betont, dass sich Wien als Stadt auf ihre Kernfunktionen besinnen soll: Rechtsstaatlichkeit, Chancengleichheit und Sicherheit. In einer globalisierten Welt steht uns unser menschliches Kapital als einziges zur Verfügung. Mlinar fordert daher einen Ausbau des Universitätsstandorts Wien mit Privatunis und mehr Forschung.

Einsparen beim Wiener Werbebudget, Zinsbelastung der Schulden senken, Transparenz und Förderung junger Leute
Die Jungen Liberalen sehen genügen Einsparungsmöglichkeiten. Vorallem beim Wiener Werbebudget werden 60 Millionen Euro zum Fenster hinaus geworfen. „Einsparen und Schulden abbauen und nicht ins normale Budget zurückfließen lassen, damit die Zinsbelastung der Schulden senken und damit der Jugend eine Chance geben“, meint Nikolaus Scherak. Scherak fordert, dass öffentliches Geld offengelegt werden muß, wohin es fließt. Derzeit ist es zu intransparent und aus den einzelnen Posten kann nichts herausgelesen werden. Im Bereich der Bildung blickt Scherak vorallem auf die jungen Leute: Es gibt zu oft einen Mismatch zwischen offenen Lehrstellen und jenen, wo zu wenige gibt. Die jungen Leute sollen frühzeitig über ihre Chancen informiert werden.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.